Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 39 (29.9.1899)
- Date
- 1899-09-29
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 724 Nr. 39 Dr. Bloch's Wochenschrift. Algier. Die Ruhmesthaten Guerin's, des Helden vom Fort Chabrol, haben unseren Judenfresser Max Regis nicht schlafen lassen. Gleich nach seiner Rückkehr hat er seine Villa antijuive, seltsamerweise Bon Accouil genannt, mit Waffen und Mundvorrath ausgerüstet und eine Reihe guter Freunde angeworben, die ihm helfen sollten, dieselbe zu vertheidigen. Nun hatte er aber zur Zeit gerade nichts mit der Polizei zu thun und seine einzigen Dränger waren seine Gläubiger; somit fehlte es der neuen Festung noch an dem Wichtigsten, um zum Ruhme des Fort Chabrol zu gelangen, nämlich an der belagernden Polizei, die geduldig Wache hält, damit Niemandem etwas passirt. Als nun einige Freunde von Regis in einer Audienz beim Generalgouverneur erfahren hatten, daß zur Zeit kein Grund zum Einschreitten der Polizei gegen Regis vorhanden sei, beschloß dieser einen solchen Grund zu schaffen. Mittwoch den 20. September versammelte Regis seine Getreuen und erließ eine Proclamation, in der er alle seine Anhänger aufforderte mit ihm gemeinsam für die Ehre der Armee zu demonstriren. Die Menge zog dann auch in der Abendstunde vor den eerele nnlitaire, in dem zu Ehren des scheidenden General Larchiy gerade ein großes Banquet stattfand. Bei dieser Gelegenheit kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, wobei aus der Menge Schüsse auf die Beamten fielen. Ein Theil der Manifestanten begab sich in die Lue de Lyra, das Judenviertel und fing hier an die Fenster einzuwerfen und die Läden zu erbrechen, sowie zu plündern. Die Juden setzten sich aber diesmal zur Wehr, es kam zu einigen Schöffen aus Revolvern von beiden Seiten und erst nach einiger Mühe gelangte die Polizei dazu, die Ruhe wieder herzustellen. Nun hatte Regis was er wollte, in einer Ansprache auf dem Markte erklärte er seinen Anhängern, daß er jetzt die Fahne der Empörung erhebe und Algier von dem Joche dieser Regierung befreien werde. Begleitet von seinen Freunden zog er nach seiner Billa, wohin ihm nun bald die Polizei folgte. Hier kam es die ganze Nacht hindurch zu kleinen Zusammenstößen zwischen den Manifestanten und der Gendamerie, aber trotz lebhaften Schießens aus der Festung wurde nichts weiter verletzt als ein Käppi. Die Polizei erwiderte das Schießen gar nicht, sondern beschränkte sich auf die Absperrung. Am Donnerstag wurde eine Untersuchung eröffnet, während Regis neuerdings eine Proclamtion erließ, in der er zur Revolution aufforderte. Algier blieb indessen ganz ruhig, und als die Behörde Ernst machte und Truppen die Villa umstellten da ergab sich dieselbe ganz ruhig, Regis aber war geflohen. Solch klägliches Ende nahmen die Fanfaranaden dieses Maulhelden. Johannesburg. Bei dem Kriege, der sich voraussichtlich bald hier entspinnen wird, ist es von Wichtigkeit, festzustellen, inwieweit die Ausländer, die in Transvaal leben, genöthigt sind, für den Staat der Buren gegen England zu kämpfen. Zwar hat der General Joubert, der Oberstcommandirende der Buren, eine Proclamation erlaffen in der er ankündigt, daß die Ausländer nicht zu den Waffen gerufen werden, allein diese Proclamation widerspricht dem Grundgesetz von Transvaal, wonach im Falle eines Krieges jeder in der Republik wohnende Weiße verpflichtet ist, in das H^er derselben einzutreten, mit Ausnahme der Engländer und Deutschen. Danach sind alle russischen Juden, die hier wohnen, zwischen 16 bis 60 Jahren dienstpflichtig und da viele ehemalige Soldaten unter ihnen sind, so bilden sie keine unerhebliche Verstärkung der Buren. Die Sympathien der hiesigen jüdischen Bevölkerung sind übrigens getheilt, die große Zeitung „Standard and Diggers News," die in jüdischem B sitz ist, und mit ihr die meisten russischen, rumänischen, holländischen rc. Juden sympathisiren mit den Burs, die englischen Juden dagegen natürlich mit England und die geschickte Tactik der Zeitungen der englischen Partei, welche den seit Jahren gezeigten Antisemitismus in den letzten Monaten sorgsam verbergen, im Zusammenhänge mit dem ungeschickten Benehmen der Burs gegen Juden und Katholiken, hat den Engländern auch unter den nicht englischen Juden viele Sympathien gewonnen. — In Prätoria ist von der Regierung ein Bußtag für die Buren eingesetzt worden und die jüdische Gemeinde ist diesem Beispiele gefolgt. Sonnabend, 26. August, wurde als Bußtag gefeiert und Revv. Haffe schilderte in seiner Predigt die Schrecknisse des Krieges eindringlich. Gebete um Erhaltung des Friedens schlossen sich dem gewöhnlichen Sabbathgottesdienste an. Teheran. Noch immer ist hier die Erregung gegen die Juden groß und die erhoffte Beruhigung der Gemüther ist bisher nicht eingetreten. Freilich ist die Regierung in erster Linie bemüht, den Ruhezustand wieder herzustellen, allein da sie sich scheut den fanatischen muhammedanischen Priestern gegenüber Gewalt anzuwenden, so ist sie darauf angewiesen, gut zuzureden und dies reicht bei der trotzigen Hartnäckigkeit unserer Feinde nicht aus. Dankbar müssen wir anerkennen, daß diesmal die Regierung ganz aus eigenem Antriebe intervenirt hat, während sie sonst sich immer dazu nöthigeu ließ, bald von den französischen, bald von den englischen Gesandten. Die Juden ihrerseits haben sich mit Petitionen an den Schah, an den Minister des Aeußeren und an den Polizeichef gewendet, aber überall hat man ihnen zur Geduld gerathen und sie auf die Zukunft vertröstet. Daraufhin hat sich eine jüdische Deputation mit dem Oberrabbiner an der Spitze zu den mochetahidin, dem muhamcdanischen Geistlichencollegium, begeben, um deren Intervention zu erbitten. Dieselbe ist auch versprochen worden, doch steht der Erfolg noch uns. Das schlimmste ist, daß wir befürchten müssen, die judenfeindliche Bewegung sich auf die Provinz ausbreiten zu sehen, wo die Juden ganz schutzlos und viel schlimmer daran sind, als hier in der Hauptstadt. Wien. (T r a u u n g e n). Sonntag den 8. October l. I., 17, Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse, die Trauung von Fräulein Regine Werter, Tochter des Tempelvorstehers Herrn Leopold Werther, mit Herrn Nathan Klausner statt. — Sonntag den 1. October l. I., 7,4 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, IX., Grüne Thorgasse 13, die Trauung des Fräuleins Adele N e u st a d t l, Tochter des Herrn Commercialrathes Siegmund Neustadtl, mit Herrn Ignaz Wilhelm Schütz statt. Wien. (Todesfall). Der Almosenier der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Max Groß, ist im Alter von 52 Jahren nach längerem Leiden gestorben. Herr Groß war Leiter des Armendepartements und der Wvhlfahrtsinstitutionen der israelitischen Cultusgemeinde. Wien. Ueber Aufforderung des Vorstandes des Bethausvereines „Beth Hachneseth", Ul., Untere Viaductgaffe 13, hat während der hohen Feiertage Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Armin A b e l e s in Stellvertretung Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiners Jacob Fleißig die Festpredigten abgehalten. Dieselben fanden bei den überaus zahlreichen Anwesenden ungetheilten Beifall. Wien. Der Verein jüdischer Mädchen, „Hadassa", eröffnet mit dem 1. October das 3. Jahr seines Bestandes. In den Tagen, da das Judentbum beginnt, Mieder zu sich selbst zurückzukehren, wo sich rein jüdische Kreise bilden, um Wissenschaft, Literatur und Geschichte zu pflegen, ist es für jüdische Mädchen dringend geboten, sich enge an ihre jüdischen Schwestern zu schließen. Den Zweck des Vereines, ihn zu einer Pflegestätte jüdischer Literatur, Wissenschaft und Geschichte zu machen, wollen wir unoerwandt im Auge behalten. Wir hoffen, durch Abhaltung von literarischen und wissenschaftlichen Vorträgen, jüdischen Geschichtscursen, ebenso durch biblische Vorträge, welche Herr Lector Fried in a n n die Liebenswürdigkeit hat, auch in diesem Semester wieder zu halten, nnserm hehren Ziele ein wenig näher zu kommen. Sonntag den l. October d. I., 4 Uhr Nachmittags hält Herr H. I o r k - S t e i n e r in nnscrem Vereinslocale, II., Gredlergasse Nr. 9 den 1. Vortrag: „Ueber die jüdischen Frauen in P a l ä st i n a". Gäste herzlichst willkommen. Anmeldungen und Zuschriften ersuchen wir in das Vereinslocal, II., Gredlergasse Nr. 9 zu senden. Klosterneuburg, 25. September. Der Anregung und dem Beispiele der Großgemeinde Wien folgend, hat auch der Vorstand der Israelitischen Cultusgemeinde in Klosterneuburg gegen die von gehässiger antisemitischer Seite neuerdings vorgebrachte Beschuldigung des rituellen Mordes gelegentlich des Polnaer Mordprocesscs, bei der Regierung und Sr. Excellenz dem Herrn Minister für Cultus und Unterricht feierlichst Protest eingelegt. Krakau, 22. September. Aus Krakau wird gemeldet, daß Herr Heinrich Falter in Firma Falter u. D a t t n e r (Sohn dcs Herrn Josef F a l t e r), zu dem am 16. October d. I. in Philadelphia stattfindenden internationalen Handelscongresse seitens der Handels- und Gewerbekammer in Krakau delegirt wurde. Prag. Das halbamtliche „Prager Abendblatt" schreibt unter dem Titel „Bubenstreiche": Ein unbekannter Thäter feuerte am Abend des 18. d. M. einen scharfen Schuß aus einer Pistole in die verschlossene Thüre des israelitischen Inwohners Heinrich Weinberger in Mikrowitz. In derselben Nacht wurden— wie man annimmt von demselben unbekannten Thäter — dem