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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-22 · 38 (22.9.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
38 (22.9.1899)
Date
1899-09-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 704 Dr. Bloch's Wochenschrif?« Nr. 38 vor das Gericht zu ziehen. Auch ein Zeichen der Zeit, daß dies im freien Amerika nöthig ist! > New-Pork. Marc Twain, der bekannte Schriftsteller, der sich mehrere Jahre in Wien aufgehalten hat und dort Gelegenheit hatte, den Antisemitismus zu beobachten, hat über denselben in Harpeß Magazine eine Arbeit veröffentlicht. In dem Artikel analysirt er den Judenhaß und kommt zu dem Resultat, daß die vorherrschende Triebfeder desselben absolut der Concurrenzneid sei und immer gewesen ist. Früher habe der Neid sich ein religiöses Mäntelchen umgehängt, jetzt ein nationales, das fei der ganze Unterschied. Aber eben deßhalb sei auch wenig Aussicht, daß der Haß gegen die Juden bald verschwinden werde. Bombay. Die Schächtfrage fängt jetzt auch hier zu spuken an. Eine Commission der Stadtverwaltung, der die Schlachthäuser unterstehen, hat die Methoden der Viehtödtung studirt, ist aber schließlich von der Einführung europäischer Methoden abgekommen, um nicht die religiösen Gefühle der Juden und Muhammedaner zu verletzen. — Die Pest dauert noch immer fort und fordert auch unter den Juden viele Opfer. Besonders in Alibag, Rewdanda und Poena ist die Zahl der jüdischen Todesfälle an dieser Seuche sehr zahlreich. Zudem droht den ärmeren Classeu jetzt auch wieder das Gespenst einer Hungersnoth, mindestens einer großen Preissteigerung wegen der zur Zeit hier heirschenden Trockenheit. Vermischtes. Wien. Anläßlich des Todestages der Kaiserin Elisabeth, fand in der Synagoge nach polnisch-jüdischem Ritus, II., Leopoldsgaffe 29, am Versöhnungstage eine erhebende Trauerandacht statt. Bei offener Bundeslade und Assistenz des Herrn Obmannes mit dem gcsammten Vorstande, intonirte der Obercantor Herr M. Schorr mit dem Chore in künstlerischer Ausführung, einen Trauerpsalm, und verrichtete das Gebet für das Seelenheil der erhabenen Monarchin in solcher solennen Weise, daß diese heilige Weihe nicht verfehlte, einen tiefen patriotischen Eindruck ruf das sehr zahlreich versammelte Publikum zu machen. Wien. Der Gottesdienst während der hohen Feiertage im Leopoldstädter großen Cultus-Tempel gestaltete sich auch heuer sehr feierlich. Ueberraschend gut und lobenswerth ist die gesangliche und chasonische Leistung des ersten Cantors Herrn Moritz Blatt zu nennen, der sich in seiner ausgezeichnten Vortragsweise nach dem leider allzufrüh verblichenen, unvergeßlichen Ober-Cantor Goldstein hielt. Der Unessane Tankes und die Keduscha, die von ihm mit dem Chore, welches in großartiger Weise von dem tüchtigem Dirigenten Herrn Heimann geleitet wird, aufgeführt wurden, können ob ihrer besonders exacten und schönen Vortragsweise, besonders hervorgehoben werden. Einen neuen prächtigen Cyntvr für Schacyaris und Mincha hörten wir in dem beliebten Herrn Julius Smotritzky, der mit seiner kräftigen, sympathischen Stimme und einfachen Vortragsweise allgemein gefiel. Rührend trug er die Owinu Malkenu und am Jom Kipur des Mincha - Gebet vor. Beide Cantoren wurden von den Anwesenden zu ihren Leistungen herzlichst beglückwünscht. Wien. (Goldene Hochzeit.) Das älteste Mitglied des Mähr. Ausseer-Vereines, Herr S a l o m o n K o h n, Wien, IX. Bezirk, Hahngasse 30, feiert mit seiner Lebensgefährtin Frau Netti Kohn, geb. Schlesinger am 15. October l. I. im engsten Familienkreise das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich des besten Wohlbefindens. Wien. (Ferienheim.) In der zweiten Septemberwoche sind die Kmder aus den Ferialcolonien von Hall, Petrau und Rossitz, 164 an der Zahl blühenden Aussehens und bei bedeutenden Gewichtszunahmen in Wien eingerückt. Mit dieser letzten Expedition schließt der Verein seine diesjährige Coloniearbeit. Wien. („Berein zur Hebung der Gewerbe in Wien/') Dieser Verein hat seinen IX. Jahresbericht in 24 Exemplaren an das P r ä s i d i u m der Wiener israelitischen Cultusgemeinde entsendet, um die Vorstehung über die Fortschritte des jüdischen Gewerbestandes im Laufenden zu halten. Wien. Am 1. September starb in Baden bei Wien, der Wiener Architekt und Stadtbaumeister Adolf Goldenberg, ein Sohn des im Vorjahre verstorbenen Tarnopoler Gelehrten Berisch Goldenberg. Wien. Wohlthätigkeitsverein „Stefaniebund" zur Bekleidnng armer Schulkinder im II. Bezirk. Dieser rührige Verein veranstaltet Mittwoch den 27. d. M. in M. Guth's Restauration ein Simchas-Thora-Fest, wozu Freunde und Gönner des Vereines höflichst geladen werden. Gäste willkommen. Entree 50 kr. Anfang 8 Uhr, Karten sind im Restaurant Guth erhältlich. Wien. (Todesfall.! Am 17. d. M. ist. hier Herr I. Ausländer. Grubenbesitzer, ehemaliger Gründer und Verwaltungs-Rath der Boryslawer Schachtverbindungsbahn, im 57. Lebensjahre gestorben. Herr Ausländer hinterläßt drei Söhne und drei verheiratete Töchter. Seine Schwiegersöhne sind die Herren Maximilian G o l d n e r, Grundeinlösungscommissär, Max W e i ß m a n n, Oberofficial der Nordbahn, und Dr. Max L i f s ch i tz, Hof und Gerichtsadvocat. Baden. Fräulein Melanie L e i t n e r, Tochter des Wechslers Herrn Moritz Leitner in Baden hat sich mit Herrn Moritz Groß, Beamter der k. k. priv. Oesterr. Länderbank verlobt. Boskowih. (Auszeichnung.) Dem Lehrer an der deutschen Volksschule in Boskowitz, Herrn Adolph Hatschek, wurde anläßlich seines 40jährigen Amtsjubiläums die von Sr. Majestät dem Kaiser gestiftete „Ehren- Medaille für vierzigjährige treue Dienste" zuerkannt. M.-Ostrau. Wie uns von Herrn M. S t r a ß m a n n in M.-Ostrau geschrieben wird, ist die Mittheilung, daß Herr Straßmann dem dortigen Frauenvereine den Betrag von 1000 fl. für eine Heiratsausstattungs-Stistung übergeben habe, unwahr. Kolin. (Todesfall.) Vor einigen Tagen ist hier der emer. praktische Arzt Herr Ignaz Kraus im 95. Lebensjahre gestorben. Der Dahingeschiedene war mehr als 60 Jahre in der opferwilligsten Weise im ärztlichen Berufe thätig und erwarb sich durch sein menschenfreundliches Wirken und sein liebenswürdiges Wesen die lebhaftesten Sympatien. Er war am 8. August 1805 geboren, wurde 1828 zum praktischen Arzte diplomirt und wirkte als Arzt in Humpoletz, Neubenatek und schließlich in Kolin. Aus Anlaß seines 50jährigen Jubiläums wurde er im Jahre 1878 durch die Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes ausgezeichnet. Von der Bevölkerung wie von seinen Berufsgenossen wurde er sowohl bei dieser Gelegenheit, wie auch namentlich bei seinem 90. Geburtstag durch vielfache Ehrungen ausgezeichnet. Von den Söhnen des Verstorbenen ist Herr Hermann Kraus Kaufmann in Prag, Herr Dr. Eouard Kraus Kinderarzt und Redacteur der „Allg. Medic. Zeitung" in Wien, Herr Julius Kraus Fabriksdirector in Kolin, Herr Karl Kraus Kaufmann in New-Iork und Herr Victor Kraus Fabriksbeamter in Kolin. Das Leichenbegängniß des Dahingeschiedenen fand am Sonntag 17. d. M. Nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause in Kolin statt. Croatisch-Kreutz. Anläßlich des Sterbetages unserer heißgeliebren verstorbenen Königin Elisabeth, fand in unserem herrlichen Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt. Im Tempel waren die Bezirkshauptmannschaft, das Bezirksgericht, der Magistrat, die Professoren der Forstakademie und Domherren vertreten. Rabbiner Dr. Engel, welcher seine Studien auf deutschem Boden absolvirt hat, hielt eine schwungvolle croatis ch e Predigt, welche großen Beifall geerntet hat. Birma. In unserer Colonie hat man eine merkwürdige Entdeckung gemacht. In der Stadt Thiat Maja, wo seit Menschengedenken keine Juden wohnen, hat man eine Judenstraße und einen jüdischen Begräbnißplatz entdeckt. Es werden wissenschaftliche Forschungen in die Wege geleitet und man darf gespannt sein, was sich dabei ergeben wird. Paris. Daß auch hier ein großer Theil der jüdischen Gemeinde der arbeitenden Classe angehört, beweist am besten die Gründung eines Arbeitervereines unter dem Namen ,1e Prolelariat juif de France“, der schon eine Menge Mitglieder zählt. Der Verein ist offen socialistisch, zugleich aber auch als Kampfmittel gegen die Antisemiten gegründet. Paris. Nach dem Muster des großen Berliner Corpus der lateinischen und griechischen Inschriften gibt die Pariser Akademie der Inschriften eine Sammlung der semitischen Inschriften (Corpu3 inscriptionum semiticarum) heraus. Und wie Theodor Mommsen einst seinem Corpus zur schncllern Veröffentlichung eine Ephemeris epigraphica latina beigesellt hat, so wird nun auch die von dem Marquis de Vogue geleitete Commission

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