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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-22 · 38 (22.9.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
38 (22.9.1899)
Date
1899-09-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Bloch's "WvchenfchrM Seite 701 Blatte verzeichnet zu werden: Aus Anlaß der hohen jüdischen Feiertage wandte sich Rabbiner Dr. Glaser in Biala persönlich an den Corpscommandanten FZM. Freiherrn v. Albori mit der Bitte, daß es, wenn möglich, den jüdischen Soldaten gestattet werde, am Gottesdienste theilzunehmen. Seine Excellenz nahm diese Bitte freundlich und wohlwollend auf und meinte, daß die Manöver für den Soldaten von großer Wichtigkeit seien und daher eine gänzliche Befreiung der jüdischen Soldaten an den hohen Feiertagen nicht zulässig sei, daß er aber gleichwohl sein Entgegenkommen zeigen und die j ü d ischen Soldaten nach Thunlichkeit berücksichtigen wolle. — Ein schwerer Schicksalsfchlag hat den Liqueurfabrikanten und Cassier der Sparcassa in Olbersdorf Herrn Hugo Horwitz durch das Hinfcheiden seiner Gattin, Frau Gabriele Horwitz, geborene Rößner, getroffen. Frau Horwitz hatte in Wien von einem innerlichen Leiden durch eine Operation Besserung erhofft, sie überstand aber die Operation nicht und starb nach einigen Tagen. Die Verblichene, welche erst ein Alter von 37 Jahren erreicht hatte, wurde in Wien beerdigt. Dem tiefgebeugten Gatten und den zwei Töchterchen wendet sich allgemeine Theilnahme zu. — Vorgestern starb in Olbersdorf die Private Frau Amalie Reik, geb. Deutsch, die Witwe des verstorbenen Productenhändlers Herrn Israel Reik, im Alter von 66 Jahren. Die Leiche wurde auf den israelitischen Friedhof nach Hotzenplotz überführt. Miletin. Der Verlauf der Verhandlung und das Urtheil über Hilsner wurde am 17. d. M. Nachmittags in einem hiesigen Gasthause von den Besuchern besprochen. Niemand von den Gästen erlaubte sich etwas Anzügliches gegen das Judenthum, nur der Drechslermeister Josef Schubr aus Miletin erklärte öffentlich, daß die Juden sich deshalb mit christlichem Blute waschen, damit sie nicht so stark stinken sollen. Da viele jüdische Grossisten vom Herrn Schubr Waare kaufen, so fragt es sich, ob Herr Schubr das jüdische Geld seiner Kunden auch hinsichtlich seines Aromas einer Prüfung unterzieht. Preßburg. (Eine A n st a l t z u r H e r a n b i l d u n g isr. Krankenpfleger.) Schon vor Jahresfrist, als die Kunde von dem erschütternden Ableben unserer heißgeliebten Königin das Land in tiefste Trauer stürzte, beschloß der „Heilige Verein" der Preßburger isr. Cultusgemeinde die Errichtung einer humanitären Anstalt zum Andenken an die Schutzherrin Ungarns. Es sollte ein Institut zur Heranbildung jüdischer Krankenpfleger und Pflegeri'nnen geschaffen werden, deren Lebensberuf einzig und allein die Wartung ihrer kranken Glaubensgenossen sein sollte. Armen soll die Pflege unentgeltlich, Wohlhabenden gegen angemessene Vergütung zutheil werden. Die Realisirung dieses schönen und echt Humanitären Planes erfordert selbstverständlich einige Zeit, aber sie ist auch auf die Propagirung seitens der Israeliten Ungarns angewiesen. Heute verfügt das Comite, an dessen Spitze der Primarius des Preßburger Landesspitals Dr. Jacob Fischer und die Präsidenten des dorligen „Heiligen Vereines" Joel Wolf und Lazar G st e t n e r stehen, über den bescheidenen Betrag von etwa 6000 Gulden. Soll das Project verwirklicht, die geplante Musteranstalt zustande gebracht werden, so müssen die Juden Ungarns ihre oftbewährte Opferwilligkeit auch hier bethätigen. Es wäre im höchsten Grade wünschenswerth, wenn der Appell, den das Preßburger israelitische Comitö soeben an seine Glaubensgenossen richtet, den erwarteten Erfolg hätte." Budapest, 17. September. Hier tagte dieser Woche der Vlll. Congreß der internationalen kriminalistischen Vereinigung. Zu den Punkten, über die verhandelt wurde, gehörte die Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels. Das Referat über dieses Thema hatte Ferdinand D r e y f u s aus Paris; an der Debatte betheiligten sich lebhaft besonders auch die Herren Albaml-Paris und Prof. Zucker-Prag. Schließlich wurde ein Beschluß angenommen, der ebenso wie der auf dem Londoner Congreß zur Verhütung des Mädchenhandels angenommene Antrag, eine internationale gesetzliche Regelung der Materie fordert. Es ist sehr bezeichnend und erfreulich, daß bei diesem Pester, wie bei dem Londoner Congreß gerade Juden so eifrig in der Bekämpfung des Mädchenhandels sich bemüht haben. Temesvar. Die „Temesvarer Zeitung" veröffentlicht folgende interessante Reminiscenz : „Das Bersöhnungsfest der Israeliten ist Donnerstag Abends zu Ende gegangen. Aus diesem Anlasse theilt der Assecuranzbeamte Herr M. . .. die nachfolgende interessante Reminiscenz aus dem Jahre 1840 mit. M...' machte den Freiheilskrig in den Jahren 1848 40 als Honved- Oberlieutenant mit. Im Herbst des Jahres 1840. also genau heute vor 50 Jahren, stand M.... bei der Klapka'stheu Armee in Komorn. Unter den Honveds, welche unter Klapka in Kvmorn standen, befanden sich sehr viele Honveds israelitischer Confession. Ihre Zahl ging in die Hunderte. Die Oberste hatten mittelst Regimentsbefehles am Versöhnungstag die jüdischen Honveds dienstfrei gemacht, damit dieselben am höchsten jüdischen Feiertag den Gottesdienst besuchen können. In dem jüdischen Tempel waren ausschließlich für die Honveds zwei Stunden für einen Gottesdienst reservirt worden. Als aber die Honveds eu paracke unter Führung mehrerer Officiere, ebenfalls jüdischer Confession, heranrückten, erwies sich des Tempel als zu klein, um auch nur die Hälfte der Honveds zu fassen. Zweimal den Gottesdienst abzuhalten ging nicht, da stellte der reformirte Seelsorger in Komorn den jüdischen Honveds die reformirte, weitaus größere Kirche zur Verfügung. Die Officiere führten nun die Honveds in diese Kirche und hier in der reformirten Kirche wurde vor 50 Jahren durch einen jüdischen Seelsorger den jüdisch en Honveds am Versöhnungstage ein Gottesdieust celebrirt. Demselben wohnten auch zahlreiche Mitglieder der reformirten Gemeinde, deren Seelsorger selbst und zahlreiche Officiere bei. Ob Aehnliches heute möglich wäre! Berlin, 18. September. Unter dem 26. Juli hat der Minister der geistlichen Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten auf die Eingabe des Berliner Gemeindevorstandes vom 23. März nachstehenden Bescheid ertheilt: „Der Erlaß meines Herrn Amtsvorgängers vom 8. Juli 1875 — 4' III 7360 — ging von der Auffassung aus, daß der ursprüngliche Charakter der Berliner Gemeindeschulen durch die Anstellung einzelner für den Religionsunterricht berufener Lehrpersonen anderer Confession nicht verändert wird. Dieser Anschauung, die ich vollkommen theile, entspricht es, wenn Einrichtungen und Gewohnheiten an den Berliner Gemeind-schulen, die allmälig zu einer gegentheiligen Auffassung führen konnten, von der aufsichtsühreuden Behörde beanständet worden sind. Soweit bei der Ausführung meines Erlasses vom 27. December 1805 — 0' tll I) 4455 — Härten gegenüber bewährten jüdischen Lehrpersonen eingetreten oder zu befürchten waren, habe ich durch die Verfügung vom 14. Februar 1809 — 1' IIII) 3601 — dafür Sorge getragen, daß mit möglichster Schonung verfahren und jede Kränkung vermieden werde. Zu eiuer Beunruhigung in dieser Hinsicht dürfte demnach kein Grund mehr vorliegen. Auch an der Bezeichnung der Berliner Gemeiudeschulen nach der Confession als evangelischer und katholischer Anstalten wird der Vorstand der jüdischen Gemeinde, welche selbst, wie ich gern anerkenne, zwei blühende, von nahezu tausend jüdischen Kindern besuchte Coufeffionsschulen unterhält, kaum Anstoß nehmen können. Nach wie vor werden einzelne jüdische Lehrpersonen im Maße des unterrichtlichen Bedürfnisses an den Berliner G meindeschulen Anstellung finden können, und ihre Verwendung wird nur benjeutgeu Beschränkungen unterliegen, welche der confessionelle Charakter der Volksschule fordert. Ew. Hochwohlgeboren stelle ich ergebenst anheim, von dem Vorstehenden den Herren Mitunterzeichnern der Vorstellung Kenntniß zu geben. gez. Bosse." Der Bescheid des Herrn Dr. Bosse, der inzwischen das Unterrichtsministerium verlassen hat, zeichnet sich durch die Freundlichkeit der Form, wie durch sachliches Wohlwollen gleichmäßig aus. Im Uebrigen läßt er erkennen, daß die Darlegungen, die wir über den Schulstreit an dieser Stelle gemacht haben, in allen Punkten zutreffend sind. Die städtischen Berliner Volksschulen sind confessionelle Schulen — so will es die maßgebende Staatsbehörde, und dieser Wille ist so lange Gesetz, als er besteht. Auf dieser Grundlage, die nicht geändert werden sollte, hat der Falk'sche Erlaß vom 8. Juli 1875 die Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den Berliner Communalschulen gestattet, auf dieser Grundlage wollte die seitherige Unterrichtsverwaltung sie noch ferner gestatten und sogar erweitern. Die Offensichtlichkeit dieser Verhältnisse wird nicht hindern, daß in der städtischen wie iu der jüdischen Gemeindeverwaltung die Bezirksvereinsweisheit sich spreizen und im belehrenden Tone ihre Einbildungen als unabweisliche Erfordernisse vortragen wird.

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