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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-22 · 38 (22.9.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
38 (22.9.1899)
Date
1899-09-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 88 §e::c 700 wurde er im Jahre 1851 zum Doetor der Medicin promovirt und betrat die praktische Laufbahn als Secundar-Arzt im allgemeinen Krankenhause. Schon in dieser Stellung begann Stoerk seine Lehrthätigkeit durch Ertheilung von Privatcursen, und im Jahre 1859 habilitirte er sich als erster Privatdocent für Laryngoskopie und Krankheiten des Kehlkopfes und des Rachens. Im Jahre 1875 wurde er zum außerordentlichen Professor für Laryngoskopie, im Jahre 1891 zum Vorstand der Klinik für Laryngologie an der Wiener Universität ernannt. Im Jahre 1894 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor. Stoerk war auch Ehrenmitglied der New-York laryngological society und Mitglied zahlreicher anderer wissenschaftlicher Corporationen des In- und Auslandes. Die große Bedeutung Stverk's für die Wissenschaft liegt nebst der von ihm auf eine hohe Stufe gebrachten operativen Technik auf dem Gebiete der Laryngologie, insbesondere in der großen Zahl der von ihm erfundenen und construirten Instrumente und sonstigen Untersuchungs- und Operationsbehelfe, deren Herstellung Wien zum Hauptbezugsplatze für laryngoskopische Instrumente werden ließ. Er war auch der Erste, der Türck's, seines Meisters, Methode der physiologischen Untersuchungen des Kehlkopfes mit Hilfe des Spiegels in genialer Art zu therapeutischen Zwecken anwendete. In der Sicherheit des operativen Eingriffs wie auch in der Schärfe der Diagnostik suchte Stoerk seinesgleichen. Er führte die kühnsten und erfolgreichsten Operationen noch zu einer Zeit aus, in welcher das Cocain, das die zu operirenden Stellen unempfindlich macht, nicht in Verwendung war. Auch auf schriftstellerischem Gebiete war Stoerk unermüdlich thätig. Unter den zahlreichen fachwissenschaftlichen Büchern und Schriften, die seiner Feder entstammen, ist als sein Hauptwerk das im Jahre 1872 erschienene Buch „Ueber Laryngoskopie" hervorzuheben. Seine Bedeutung als praktischer Arzt war eine ganz ungewöhnliche. Wie gefeiert sein Name auch außerhalb Oesterreichs war, geht aus dem Umstande hervor, daß kaum ein Monat verging, ohne daß er nach dem Auslande berufen worden wäre, um dort Persönlichkeiten von hervorragender Stellung Hilfe und Heilung zu bringen. Großes Aufsehen erregte es seinerzeit während der letzten Lebenstage des Kaisers Friedrich, als ganze Facultäten über die Natur seines Leidens stritten, daß Stoerk mit unvergleichlich klarem Blick öffentlich die Ursachen des Leidens feststellte, welches so bald das tragische Ende des deutschen Herrschers herbeiführen sollte. In Wien genoß Stoerk eine Popularität, die sich von Jahr zu Jahr steigerte. Es gab wenig Aerzte, deren Ordinationszimmer so belagert waren wie das seine. Besonders zahlreiche Beziehungen verbanden ihn mit unseren Künstlerkreisen, und von Nah und Fern erschienen berühmte Sänger und Sängerinnen, deren Stimmorgane Heilung heischten, um seinen Rath in Anspruch zu nehmen. Trotzdem aber seine Zeit Tag für Tag und Stunde für Stunde in Anspruch genommen war, versagte er keinem Armen die ärztliche Hilfe, und Tausenden wurde durch ihn um Gottes Lohn die Gesundheit wiedergegeben. Seine Schüler hingen mit grenzenloser Verehrung an ihm, der durch die Plastik und die glänzende Form seines Vortrages die schwierigsten Disciplinen leicht faßlich darzustellen und die jungen Mediciner für ihren Beruf zu begeistern wußte. Stoerk gehörte dabei zu den geistreichsten Gesellschaftern, besten Nähe Alles belebte; er wußte über Tagesfragen, Literatur und Kunst ebenso schlagfertig wie über wissenschaftliche Themen zu sprechen und, ohne in Paradoxe zu verfallen, seine Ansichten immer in eine originelle Form zu kleiden. Der Verblichene hinterläßt eine Witwe, die Tochter des verstorbenen Präsidenten der Prager Advocatenkammer Dr. R. v. Wiener, und fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter. Einer der Söhne ist Assistent des Professors Weichselbaum. Eine Tochter ist mit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Universitäts-Docenten Dr. Julius Landesberger, die zweite Tochter mit dem Procuristen der Länderbank Siegfried Landesberger verheiratet. Stoerk stand in den letzten Jahren unter dem Drucke eines schweren inneren Leidens, erfüllte aber trotzdem unentwegt seine Pflicht als Arzt wie als Lehrer. Noch vor einigen Tagen kam Stoerk von Hietzing nach Wien, um seine Ordinationsstunde abzuhalten. Es war das letztemal, daß er seinen Mitmenschen Linderung und Heilung ihrer Leiden spenden sollte. Am 15. d. M. fand das Leichenbegängniß des dahingeschiedenen Gelehrten unter überaus zahlreicher Theilnahme statt. Auf dem Friedhofe, wo Obercantor Singer unter Assistenz des 1. Cantors Blatt die Trauergesänge stimmungsvoll vorgetragen, dielt Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Dahingeschiedenen einen erhebenden Nachruf. Wien. (Fanny Jeitteles Stiftungshaus.) Die am 21. Mai 1854 verstorbene Frau Fanny Jeitteles geb. Barach hat zur Gründung eines Armenhauses in Wien für arme Personen jüdischer Religion ein Capital von 31500 fl. C. M. bestimmt und wurde hiefür seinerzeit das Haus HI., Steingasse 18 angekauft. Nachdem dieses Haus den sanitären Anforderungen der Neuzeit nicht mehr entsprochen hat, wurde mittels Statthaltereidecretes dto. 31. Mai 1898 dem Curatorium die stiftungsbehördliche Genehmigung zur Errichtung eines vierstöckigen Zinshauses und eines zweistöckigen Stiftungsgebäudes ertheilt. Montag den 11. September d. I. wurde nun in aller Stille des nach den Plänen des verdienstvollen Architekten und k. k. Baurathes Wilhelm Stiaßny umgebaute zweistöckige Stiftungsgebäude seiner humanen Bestimmung zugeführt. Seitens des Curatoriums waren anwesend die Herren David Ritter von Gutmann und k. k. Hafenbaudirector Sigmund Taussig, sowie der Rechnungsführer Amtsvorstand Gustav Wiener. Das äußerst zweckmäßig aus geführte Haus wurde in allen seinen Theilen besichtigt und dem bauführenden Architekten sowie den bei der Collaudirung anwesenden Gewerbsleuten vom Curatorium für ihre mit Hintansetzung geschäftlicher Vortheile hergestellten Bauarbeiten der Dank ausgesprochen. Brünn, 18. September. Die unerhörten Vorgänge bei der jüngsten Gerichtsverhandlung in Kuttenberg, die versteckten Anschuldigungen und die offenen Beschimpfungen unserer gesetzlich anerkannten Confession und der ganzen Judenheit haben unter unseren hiesigen Glaubensgenossen eine tiefgehende Erregung hervorgerufen, der unser Cultusvorstand in seiner unter Vorsitz des Herrn kaiserlichen Rathes Eder in seiner heute abgehaltenen außerordentlichen Sitzung durch Annahme einer Resolution Ansdruck verlieh, in welcher der tiefen Empörung über die an der geheiligten Stätte der Rechtsprechung unserer ehrwürdigen Religion angethane Schmach ausgesprochen, und die niederträchtige Blutbeschuldigung als Ausgeburt des Wahnwitzes und Glaubenshasses mit der gebührenden Verachtung zurückgewiesen wird. Gleichzeitig wird der Vorstand der Gemeinde Wien ersucht, gemeinsame Schritte aller, oder mindestens der größeren Gemeinden des Reiches vorzuschlagen, um der schwer gekränkten Ehre unserer Religionsgenostenschaft von zuständiger Seite Genugthuung zu verschaffen, und die Wiederholung eines so ruchlosen Attentates zu verhüten. Mährisch-Ostrau. Die „O st r a u e r Zeitung" veröffentlicht folgende Correspondenz aus Teschen: . „Teschen, 15. September (Antisemittsches.) Vorigen Freitag wurde hier das 20. Stieftungsfest des akademischen Studentenverbandes der Ostschlesier gefeiert. Der Verband wurde vor 20 Jahren zum großen Theile von jüdischen Studenten gegründet, heute ist er antisemitisch. Bei dem. Feste hielt der schlesische Landtagsabgeordnete Advocat Dr. Türk aus Bielitz eine Rede, in welcher er die Studenten aufforderte, die einflußreichen Stellen im Lande: der Aerzte, Notare, Rechtsanwälte u. s. w. welche jetzt von Czechen, Polen und Juden besetzt sind, für die Deutschen zurückzuerobern. Die einst liberale „(§ i l c f i a", welche darüber berichtet, rühmt in überschwänglichen Worten den großartigen Verlauf des Festes." Proßnitz. (Bau eines neuen Tempels.) Im Hinblick auf den keineswegs würdigen Zustand und die Baufälligkeit unseres gegenwärtigen Tempels, hat sich unser beliebter und verdienstvoller Rabbiner Herr Dr. G o l d s ch m i d t am Versöhnungstage den Neubau eines den Anforderungen der Jetztzeit entsprechenden Gotteshauses zum Thema gewählt. Herr Cultusvorsteher Josef Singer spendete zu diesem Zwecke ex abrupto vor offener Bundeslade den Betrag von 2000 Gulden. Ein bescheidener Anfang wohl zu den enormen Kosten, den ein moderner Neubau zweifelsohne verursachen dürfte, und wird die Anspannung aller Kräfte der Gemeinde erforderlich sein, um zu einem baldigen und vollen Erfolg zu gelangen. Unsere Gemeinde zählt der von Glücksgütern gesegneten Mitglieder relativ nur wenige, die große Mehrzahl hat Noth und Nahrungssorgen: Hoffentlich wird der Appell an unsere begüterten Mitglieder nicht wirkungslos verhallen, sondern auf fruchtbaren Boden gefallen sein. Herr Singer, welcher sich bei dem Bau der Volksschule und des Siechenhauses große Verdienste erworben, wird zweifelsohne auch beim Bau des Tempels sein ganzes Können und seinen vollsten Einfluß einsetzen, damit der Impuls zur schönen That sich ausreife. Bielitz. Wenn auch die hohen Feiertage bereits vorüber sind, so verdient doch nachfolgende Thatsache in Ihrem geschätzten

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