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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-22 · 38 (22.9.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
38 (22.9.1899)
Date
1899-09-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Bloch's Wochenschrift. -Lk'lr 6s!. von der Unschuld des Angeklagten überzeugt, protestirten gegen das feige Verbiet des Gerichtshofes. La Ronciöre mußte die Strafe abbüßen, und erst im Jahre 1843 sah ihm Louis Philippe die beiden letzten Jahre nach und begnadigte ihn. Im Jahre 1849 wurde der ehemalige Uhlanen-Lieutenant endlich rehabilitirt — auf einen günstigen Bericht Odilon-Barrot's hin, desselben Advocaten, der 1835 gegen ihn plaidirt hatte und nun Justizminister geworden war. Es wurde constatirt, daß Fräulein von Morell an Hysterie litt und die Verführung und den Mordplan von A bis Z erfunden hatte. Im Jahre 1852 wurde La Ronciere zum Colonieninspector in Algier und zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Einer der Kameraden des unglücklichen Uhlanen- Lieutenants hieß Ambert. Er wurde später General und Militärschriftsteller. Esterhazy und Genoffen. Aus Stuttgart geht der „Französischen Zeitung" das folgende Carmen zu, das eine Art lustiger Heerschau hält über die traurigen Hauptpersonen der traurigen „Affaire": L a Revue des A n t i - D r e y f u s a r d s. Sur Fair de: „Ich bin der Doctor Eisenbart". Je suis le preux Esterhazy; Compere du Colouel H e n r y. Que je regrette le temps jadis Ou uous etiens de corapte a-demi, Et Schwartzkoppen. sournois Allemaud, Nous paya eher nos doeuments! Et rnoi, je suis maurselle Pays; Tres honnete fille. qui tous le dis. J’amais Pmajor Esterhazy, Quoiqir il ue tut pas mou mari. .Pavais graud’ peur qu’ il ne fftt pris; Mainteuantde raventure je ris. Je suis le doux P a t y de C laut; Marquis depuis tautot trente aus. Boisdeft“ et Gouse m’out mis dedans, Puis m’out lache impudemmeut. La barbe fausse, les lunettes bleues, J’en ris encore : et vous, Pellieux ’i .Te suis le general B o i s d e f f; L’Etat-major m’avait pour ehef. Henry, le traitre, me trompait, Petais credule, oh! je I’admets! Il m/a jene uu vilaiu tour. Adieu mou reve, St. Petersbourg! .Te suis le general P e 11 i e u x; j’eus graud' pitie dam mallieureux. Patv de Clam et moi, nous deux, Conuaissons les experts, pardieu! C’est moi qui ai fort gentiment Fait aequitter le cominaudant. Je suis le fameux Bert-illou; Le monde entier connait ce nom. Malgre la Cour de Cassation Je inaintiendrai que j’ai raison. Ce bordereau, cette ecriture, C’est de Preyfus, je vous le jure. Je suis le brav1 gen’ral 31 e r c i e r; Ancien miuistre, graud guerrier. Le plus malin de tonte l’armee. Je m;tiche de Casimir-Perier, Tout aussi bien que de Picquart Et de Manau, ce vieux bavard. Et moi, je m:appelle Cavaignac; 3Ioitie toque, moitie mamaque. 3Ialgre ce que vous chante Keinach, De faux, de preuves, j’ai tout un sac. Je suis l’arni du Pere Dulac Et de Lazies, avec sa claque. Je suis Monsieur Paul I) e r o u 1 e d e; Le duc Philippe desire mon aide. Mais la prison, c'est un peu raide; C't lionueur ä d'autres je le cede. Bon patriote et graud poete. Suis vaniteux, quoiqir un peu bete. Je suis Q u e s n a y de B e a u r ■■ p a i r : Pu äue et moi. deux tunt la paire. X'ayez pas peur. laissez moi faire. J'eclaircirai bien cette affaire. Je trouve, qiuuul meine, qu'il est fort d..ux D'etre nomme: le Boi des Fons. >>., Eingesendet. Wien, 16. September isim. Geehrter Herr Redacteur! Am vergangenen Jom Kipur war der Eingang des Tempels in der Seitenstettengasse zeitweise derart mit Menschen verstopft und verkeilt, daß man weder hinein noch hinaus konnte. Ein Nothausgang in der Vorsteherloge ist allerdings vorhanden, doch wäre derselbe in dem Falle eines Alarms absolut ungenügend. Muß denn bei uns immer erst ein Unglück abgewartet werden, bevor Abhilfe geschaffen wird? Hochachtungsvoll Mbert Mandelbaum. Anatole Franre über die Juden und den Antisemitismus. Solange in einem Volke Männer wie Emil Zola, Anatole France, Demange und Labori, Preffensä und Jauräs, Trarieux und Scheurer-Kestner, Freystätter und Forzinetti ihre Stimmen vereinigen, um das Recht zu vertheidigen, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen, einen Unschuldigen zu retten, darf man die erzwungenen Urtheile zweier und selbst dreier Kriegsgerichte, die Meineide, falschen Aussagen, Mordversuche und Betrügereien, mögen sie von Ministern oder ehemaligen Ministern, von Generalen oder gedungenen Banditen ausgehen, nicht der ganzen Nation ins Kerbholz einschneiden. Die Ersteren können zwar nicht Alles gut machen, was die Letzteren verschulden, aber sie heben doch das Volk aus dem Sumpfe der Verdummung und Verrohung empor, in den man es zu stürzen droht, um ihm am Ende des Jahrhunderts umso leichter die Errungenschaften entreißen zu können, durch die es am Anfang des Jahrhunderts sich und die Welt von der sittlichen und physischen Knechtschaft hat frei machen wollen. Was Zola und Janelt geschrieben, Labori und Demange gesprochen, wofür Trarieux und die Anderen feierlich Zeugniß abgelegt haben, es ist durch hundertfältige Wiedergabe in allen Zungen zum Gemeingut der ganzen Welt geworden. Die gleichen Ehren gebühren dem Schriftsteller Anatole France, der in einem so legitimistischen Organ, wie es der Pariser „Figaro" ist, seine Stimme erhebt, um das Volk der Franzosen zur Gerechtigkeit zu führen, um ihm die Achtung von den Menschenrechten abzuringen, um der Leidenschaft die Vcrnunft und das Recht entgegenzustellen. In der typischen Figur des „Professor Bergeret" hat er den Mann gefunden, der den Franzosen unerschrocken die Wahrheit sagt, sie in jener akademischen Form sagt, welche ihn als den Meister des Wortes in Frankreich erscheinen läßt. Und wie er dem Professor Bergeret seine Gedanken in den Mund legt, so richtet er mitunter auch wieder an den Professor Bergeret Episteln, die eigentlich an die Adresse Frankreichs gerichtet sind. Aus einer solchen Epistel, die er aus Holland an Professor Bergeret in Paris absendet, lassen wir einige Stellen folgen, die das Urtheil Anatole Fcance's über den Gewaltact von Rennes, über die Juden von Holland und anderwärts, und über den Antisemitismus enthalten: Auf dem Bilde „Versuchung des heil. Antonius", das er in einem Trödlerladen findet, erblickt er die Darstellung eines sonderbaren Thieres: Der Kopf einer Ratte, der Leib eines Fisches, der Schwanz einer Schwalbe. Darin fieht Anatole France das leibhaftige Eonterfei des Urtheiles von Rennes! Mit tiefer Trauer erfüllt ihn der Spruch des Kriegsgerichtes, und zufällig nimmt er das Buch „Tausend und eine Nacht" zur Hand. Seine Auge fällt auf die Stelle „Des Schicksals Walten kannst du nicht ändern, nur die Handlungen der Richter auf Erden kannst du zu verbessern dich bemühen!" Und damit tröstet er sich und die Anderen. Nicht unmäßigem Schmerze sollen sie sich hingeben, sondern sich bemühen, die Urtheile der irdischen Richter zu verbessern!" Dann wendet er seine Betrachtung den holländischen Juden, ihrem Leben und Treiben zu. Diese zusammengepferchten Juden von Amsterdam führen größtentheils ein mehr schmutziges als peinliches Dasein. Sie find arm. Aber sie erwerben ihren Lebensunterhalt. Viele sind

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