Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Bloch's ^ortzrnschrM. Seite 687 ich mit aller mir von der Würde meines Standes gebotenen Energie zurückweisen. Mein Amt trägt mir so viel, als ich für meine mäßigen Bedürfnisse benöthige. Es wäre für mich zwecklos, mehr erwerben zu wollen als ich brauche, und mehr als das, es wäre geradezu erniedrigend für mich, wollte ich überflüssiger Weise durch Nebenbeschäftigungen mein Einkommen vergrößern. Ihr Angebot, mir für meine Gefälligkeit als Bürgermeister dankbar zu sein, will ich nur als eine bedauerliche Uebereilung betrachten." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Trauerrede zum Gedächtnis; Ihrer Majestät. Von den Predigten im Allgemeinen und den Trauerreden im Besonderen gilt der Satz, daß sie gar oft durch die Druckerschwärze an Werth verlieren und dann weniger einen Beweis für die rhetorische Begabung des Verfassers als für den Mangel an Selbstkritik bieten. Die uns vorliegende, von Dr. M. L e v i n, Bezirksrabbiner in Malaczka gehaltene, von den Verehrern des Verfassers veröffentlichte Trauerrede zum Gedächtnis; unserer edlen so jäh dahingerafften Monarchin, gehört nicht zur Kategorie der von uns erwähnten Reden. Sie ist vielmehr eine schätzenswerthe Pnblication, die auch das Interesse des Lesers gefangen hält, eine Rede, durch ihre schöne Sprache und geistvolle Exegese sich rühmlich auszeichnet. Gebetbücher von Rudolf Fuchs, .jrircr m*?an und bs^w "jsrvfrsn Diese bekannten Gebetbücher liegen uns in zweiter Auflage vor. Das sind pädagogische Erzeugnisse, die mehr als_ eine gleichgiltige Anzeige verdienen. In unserer Zeit wird viel von jüdischer Cnltur geschrieben und gesprochen. Alle Welt ist darüber einig, daß die Wiedergeburt unserer Cnltur von der Schule ausgeht, daß man mit der Schule den Anfang machen muß. Die alten Schätze, zu deren nicht geringsten unser altes Gebetbuch gehört, dürfen nicht verloren gehen. Sie sind die Grundlagen, ohne welche nichts Neues gedeihlich gebaut werden kann. Die Erziehung des jüdischen Gemnths, die anhängliche Vertrautheit mit den alten Lebensanschauuugen haben sehr darunter gelitten, daß das jüdische Gebetbuch vielfach den Kindern fremd bleibt. Die Klagen über diese bedauerliche Thatsache schließen gewöhnlich mit der Constatirung, es fehle an den geeigneten Lehrbehelfen. Es wird zwar Vieles auf den Markt geworfen, aber nur das Wenigste hält der Prüfung des Schulmannes Stand. Als Muster eines Gebetbuches, wie es ein um den Unterricht unserer Kinder Besorgter nur wünschen mag, dürfen die Fuchs'schen Gebetbücher betrachtet werden. Hier waltet eine echterzieherische Kunst in allen Einzelnheiten. Die ganze Anlage ist für die Schule berechnet. Die Erfahrungen vieler Jahre bestätigen, daß die in diesen Büchern befolgte Methode der gegen über stehenden Zeile »Übersetzung^ das jüdische Kind rasch und sicher in das Verständniß der Gebetstücke einsührt. Von nicht unterschätzendem Werthe ist die beigegebene- Gebetordnung. Sie ist ein Leitfaden durch die Mannigfaltigkeit unserer Gebete, die unseren, leider nicht tempelgewöhnten Kindern leicht als unwegsames Gestrüppe erscheint. Klar und präcis sind die, diesmal deutsch abgefaßten Noten und die zum Schlüsse beigedruckten A nmerkungen, die schwere Stellen erläutern und in zusammenfasscnder Weise alle Institutionen und Minhagim auf ihren Ursprung Zurückführen. Das Beste, was diesen Büchern nachgesagt werden kann, ist, daß sie die Eroberung durch die Schule bereits bestanden haben. Kein Zweifel, daß sie der Schule auch weiterhin die gleichen guten Dienste leisten werden. Der praktischen Pädagogik, die in ihnen zutage^tritt, wurde die Anerkennung zutheil, daß das, durch seine schönen Typen insbesondere ausgezeichnete fnw mbän die Approbation des Ministeriums erhielt. Die jüdischen Schulmänner werden ihrerseits mit der Anerkennung nicht Zurückbleiben. Abonnent in Jungbunzlau. Die Kundmachung, durch welche der Feuerwehrhauptmann S e r e n s k i seine jüdischen Mitbürger beschimpft, läßt Ihre Besorgniß als vollständig berechtigt erscheinen. Polna. Sie bekommen die einschlägigen Bücher in der Wiener Buchhandlung des Herrn Max Breitenstein. V. K. Zur Veröffentlichung nicht geeignet. S. I., M. - Weißkirchen. Wollen Sie Ihre Anfrage wiederholen. F.. Prag. Ist bereits geschehen. Die österreichischen Wohlthätigkeitsinstitute sind für in Ungarn Domicilirende leider nicht zugänglich. Wenden Sie sich an den israelitischen Cnltnsvorstand in Budap st. A. B. Da Herr W ä h n e r sich vielleicht genirte, zu behaupten, Kaiser Wilhelm II. sei von dem „Syndicat" bestochen, entschloß er sich die officiclle Erklärung im „Reichsanzeiger" die aus „Pflicht der Menschlichkeit" für die Unschuld Dreyfus' eintrat, zu unterschlagen. Das war das Einfachste. Die sieben Abonnenten der „Deutschen Zeitung" wissen also, sofern sie nicht auch ein anderes Blatt lesen, noch immer nicht, das; Kaiser Wilhelm ll. zu den so vielgeschmähten „Dreysusards" zählt. X. A« Z. Die „mildernden Umstände" sollen nach einem witzigen Worte darin gesunden worden sein, das; D r e p s u s den Verrath — nicht begangen hat. Historicus. lieber Blutbeschuldigungen der Juden hat namentlich der unermüolich fleißige S. W o l s eine Reihe schätzenswerther Arbeiten veröffentlicht, die aber nur zerstreut in Zeitschriften, Kalendern re. zu finden sind. M. W—g. Ihre Bemerkungen sind richtig, aber sie sind auch schon oft ausgesprochen worden. Der berühmte englische Philosoph Pope stellte die folgende Betrachtung an: „Es ist niemals eine Partei, eine Rotte, Secte, oder irgend eine heimliche Gesellschaft gewesen, in welcher nicht die Unwissendsten die Allerheftigsteu waren: denn keine Biene kann so geschäftig sein, als ein einfältiger und dummer Mensch." I. W—g. Der Herr David von der „Reichswehr", der aus der „Concordia" sich flüchtete, weil er es nicht wagte, sich vor das Ehrengericht zu stellen, meint, Dreyfus muß schuldig sein, weil er schuldig gesprochen wurde. Welch' edle, naive Seele doch dieser brave David hat! i. Man kann nicht gut behaupten, daß die Agitation gegen die Beschickung der Pariser Ausstellung von Juden ausgehe, da das Grauer Capitel vielleicht allen Ausstellern mit der Erklärung zuvorkam, die Verhältnisse in Frankreich seien keineswegs geeignet, die Sicherheit der ausgestellten Objecte zu garantiren. M. W. Nicht genug, daß die edelsten und vornehmsten Geister der Welt ihrer Empörung über das Verbiet zu Rennes Allsdruck verliehen, muß Frankreich noch die Schmach erdulden, daß Mechaniker Schneider sich mit einer Gratulation e i n st e l l t e. I. H. Das ist keine Mythe. Auch der berühmte Professor der Theologie an der Berliner Universität H. L. S t r a ck schrieb von dem Manne buchstäblich: „Oeffentlich klage ich hierdurch den k. k. ö st e r r e i ch i s ch e n P r o f e s s o r un d C a n o n i c u s August Rohling des Meineides "und grober Fäls ch u n gen a tu" So spricht man in gelehrten Kreisen von dem großen stets eidbereiten Fachmann in Ritualmord-Angelegenheiten Rohling, dem zur Schinach der Wissenschaft eine Lehrkanzel an einer österreichischen Universität eingeräumt ist. I. B. Der Kirchenvater Tertullian erzählt, daß die Christen beschuldigt wurden, Menschenblut zu gebrauchen, zur Erinnerung an das Wort des Stifters der christlichen Religion: Ihr trinket mein Blut. Tertullian widerlegt dann ausführlich das Widersinnige dieser Beschuldigung. L—g. Ter polnische Jude, über dessen in deutscher Sprache oeröffentlichte Gedichte Goethe eine längere Recension in denl „Frankfurter Gelehrten-Anzeiger" schrieb, hieß I s a ch a r Falkensohn B e h r. Dr. H. W. Frau Dreysuß ist Jüdin, Tochter einer jüdischen Familie, und auch ihre Kinder sind jüdischer Religion erzogen. Ignaz Rosenzweig, in B. Zur Erzeugung von Chocolade werden Fette benützt. Deshalb ist da Vorsicht geboten. Ein fleißiger Leser. Tie Abstellung des von Ihnen mit Recht gerügten Unfugs kann neu erfolgen, wenn darüber bei der Cultusgemeinde Beschwerden eiugebracht werden. Ter Cultusvorstand wird dann die nöthigen Schritte einleiten. reisgekrönte Abiturientin des Eonservatorinms» welche vorzügliche Unterrichtserfolge auszuweisen hat, sucht noch einige Clavierlectionen in feinen Familien. 35:; Gef. Anträge unter „Beste Referenzen" I., Köllnerhosg. 3, Th. 20. Max Mammijih-Stistililg. Am 5. Kislev (17. November 1899) als dem Sterbetage des Herrn Max Marmorosch gelangen aus obiger Stiftung zwei Plätze ä ö. W. fl. 135.— an arme israel. Schüler der Wiener Handels- Akademie zur Verleihung. Unter den Competenten genießen bei gleicher Würdigkeit in erster Linie den Vorzug solche Bewerber, welche mit dem Stifter, Herrn Jakob Marmorosch, mit dessen Gattin, Frau Rachel Marmorosch, geb. Löbl oder mit deren Schwiegersöhnen Herrn Hermann Lemberger und Carl Pisling verwandt sind, in zweiter Lienie werden bevorzugt Competenten, welche in Bukarest geboren, oder dort ihre Erziehung zum Theile gen offen haben. Die lnit dem Geburts-, Armuths- und den bisherigen Schulzeugnissen, sowie eventuell mit der im Sinne des vorgehenden Absatzes einen Verleihungsvorzug begründenden Nachweisen belegten Gesuche sind im Einreichungsprotokolle der israel. Cnltusgemeinde Wien, I. Seitenstettengasse 4_ I. Stock, woselbst auch Gesuchsblanquete unentgeltlich zu beheben sind, bis 30. September 1899 zu überreichen Aus, mit den geforderten Belegen nicht versehene, oder verspätet überreichte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Wien, den 1. September 1800.