Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 87 Dr» Bloch's WockensckrifL. Seite 688 Kaiserin warf das patriotische Project unseres Vereines, gleich viele andere ins Wasser. Wir inscenirten raschest eine Versammlung, in welcher wir unserer unvergesslichen Kaiserin einen warmen, weihevollen, aus aller Herzen kommenden Nachruf hielten und damit nahm die patriotische Thätigkeit vieler Wochen ihren dramatischen Abschluß. Selbstredend überreichten unser Präsident und Viecepräsident Herr H. Beck an Se. Excellenz den Statthalter Grafen Kilmannsegg, anläßlich des Kaiser-Jubiläums eine künstlich ausgestattete Huldigungsadresse, die gnädigst ausgenommen und für welche uns der kaiserliche Dank ausgesprochen wurde. Meine Herren! Auch in den kommenden Jahren werden wir allen Vorgängen nach Außen hin unser Auge nicht verschließen, wir werden den Angehörigen aller fortschrittlichen Parteien, Nationen und Confessionen offene Thüre halten, weil wirthschaftliche Bestrebungen durchaus nichts mit den Parteienanschauungen zu thun haben dürfen." Wien. Dienstag den 11. d. M. starb hier pötzlich der allgemein geachtete und beliebte Herr Josef Gottlieb, Administrationsbeamter der „Wiener Allgemeinen Zeitung" im Alter von 70 Jahren, nachdem er vor Kurzem erst sein Jubiläum einer 35jährigen Thätigkeit im Administrationsfache gefeiert hat. Herr Josef Gottlieb war Ehrenobmann des humanitären Geselligkeitsvereines „Freund s ch a fts b und" zur Bekleidung armer Schulkinder und hat dieses Ehrenamt auch im vollsten Sinne des Wortes durch großes Wohlthun und eifrige Betätigung bei den Veranstaltungen des Vereines bewiesen. Der Gesammtverein trauert an seiner Bahre. . Die Erde möge ihm leicht sein! I. W. Wien. Der jüdische S ch n lv e r e i n im X. B e z i r ke. der"sich die hehre Aufgabe stellt, für Kinder der Volks- und Bürgerschule. für Mittelschüler und Erwachsene ein modern pädagogisches Institut zur Pflege der hebräischer Sprache, jüdischer Geschichte und Literatur zu errichten, hat seine mühevollen Aufgaben vollendet. Es findet demnach die Einschreibung der Schüler und Schülerinnen am 21. 22. nnd 24. September 1899, täglich von 2—6 Uhr Nachmittags in der Kanzlei des Schullokales X. Hasengasse Nr. 7 statt. Die feierliche Eröffnung der Schule ist für Vormittags den 1. October l. I. festgesetzt. Wir richten nun abermals an unsere Glaubensgenossen die Bitte, dieses schöne Werk, dessen weitere Existenz nur durch die materielle unb moralische Unterstützung Aller gesichert werden kann, zur Ehre Gottes und zur Ehre des jüdischen Volkes durch rege Betheiligung fördern zu helfen. Floridsdorf. Hier ist der allgemein geachtete Kaufmann und Hausbesitzer Herr Emanuel Schlesinger im 54. Lebensjahre aestorben. Das Leichenbegängniß hat unter zahlreicher Theilnahme stattgefunden. Baden. (T r a u e r g o t t e s d i e n st.) Anläßlich des Todestages weiland Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Elisabeth veranstaltete der Vorstand der Badener israelitischen Cultusgemeinde, Samstag den 9. d. M. um 7 Uhr Abends, im Tempel einen feierlichen und würdigen Trauergottesdienst. Rabbiner Wilhelm Reich brachte in seiner Ansprache in beredten Worten die patriotischen Gefühle, welche an diesem Gedenktage allen Israeliten Oesterreichs das Herz bewegen, aufs wärmste zum Ausdrucke, woraus der Präses der Chewra-Kadischa Herr Moriz Leitner das Seelenlicht anzündete. Mit Recitirung des 27. Psalms und des Kadisch-Gebetes durch den Cantor Jacob Schäfer schloß die Trauerfeier. Biala. Anläßlich des bevorstehenden Neujahrsfestes nahm Herr Rabbiner Dr. Glaser persönliche Audienz beim Corps- Commandanten F.-Z.-U. Freiherr v. Albori behufs Befreiung der israelitischen Soldaten vom Dienste, damit sie dem Gottesdienste beiwohnen könnten. Der Commandant empfing den ehrwürdigen Herrn in freundlichster Weise, machte aber zugleich auf die Schwierigkeit der Dispensation während der Manöver aufmerksam, versprach jedoch, nach Thunlichkeit in einzelnen Fällen Nachsicht üben zu wollen. Brünn. Hier starb der in weiteren Kreisen bekannte Kaufmann und Hausbesitzer Samuel Tandler. Er hatte sich in den Fünfzigerjahren als Holzhändler hier etablirt und brachte durch Fleiß und kaufmännische Tüchtigkeit sein Geschäft von kleinen Anfängen zu großer Entwicklung. In den Siebzigerjahren war Tandler leitender Verwaltungsrath der Mödritzer Zuckerfabrik und es wies dieses Unternehmen unter seiner Leitung die größte Prosperität auf. Vor mehreren Jahren zog sich Herr Tandler wegen eines Leidens vom geschäftlichen Leben zurück, legte seine verschiedenen Ehrenstellen nieder nnd widmete sich als stiller Wohlthäter, so manche Thräne trocknend, nur seiner Familie. Boskowitz. (Auszeichnung eines Lehrers.) Dem Lehrer an der deutschen Volksschule, Herrn Adolf Hatschet, wurde anläßlich seines 40jährigen Amtsjubiläums die vom Kaiser gestiftete „Ehrenmedaille für vierzigjährige treue Dienste" zuerkannt. Pohrlih, 11. September 1899. Am 8. September d. I. fand unter Vorsitz des Alterspräsidenten des Herrn Abraham Bader die constituirende Versammlung der neugewählten Cultusgemeinde statt. In derselben wurde der um unsere Gemeinde hochverdiente langjährige Cultusvorsteher Herr Wilhelm Schnabl in gleicher Eigenschaft wieder-, zu dessen Stellvertreter Herr Moriz Schweinburg und zum Beirathe Herr Bernhard Schnabl einstimmig gewählt. Da auch die anderen Mitglieder des Cultusausschusses altbewährte, für das Wohl der Gemeinde warm fühlende Männer sind, welche den ihnen anvertrauten Aemtern gewiß in pflichteifriger Weise obliegen werden, ist nicht nur die Erhaltung, sondern auch ein weiteres Aufblühen der in unserer altehrwürdigen Gemeinde bestehenden religiösen Institute und Einrichtungen zu gewärtigen. Göding. Diebe öffneten die Thür des hiesigen Tempels mit einem Nachschlüssel, drangen in das Gotteshaus ein. erbrachen den Opferstock und raubten denselben aus. Auch dea Altar erbrachen sie, in der Meinung, daß dort Gold- und Silbergegenstünde sich befinden, dieselben werden jedoch immer in der Wohnung des Vorstehers aufbewahrt. Die Einbrecher mußten sich daher mit der kleinen Beute von circa 2 bis 3 fl. begnügen, welche im Opferstock waren. Bevor sie die Synagoge verließen, machten sie mit der gestohlenen Stampiglie Abdrücke auf den Wänden, so daß die Malerei ruinirt ist. Binnen kurzer Zeit ist dies bereits der zweite Einbruch in den hiesigen Tempel. Bon den Thätern fehlt jede Spur. Weitentrebetitsch. (Verlobung.) Fräulein Rosa Kohn, Tochter des Herrn k. k. Postmeisters Jacob Kohn, hat sich mit Herrn Carl Kohn aus Brüx verlobt. Leilureritz. Erzherzog Franz Ferdinand, welcher sich vor wenigen Tagen in unserer Stadt aufhielt, empfing am 28. v. M. Vereine und Corporationen. Dem Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde Herrn S. Engel wurde die Ehre zu theil, vom Erzherzog empfangen zu werden. Der Erzherzog erkundigte sich bei Herrn Engel mit großem Interesse nach den Verhältnissen der von ihm vertretenen Gemeinde. Prag. Am ersten Slichostage fand in der Alt-Neu-Synagoge eine Trauerandacht für Dr. Js. Hildesheimer statt. Die Trauerrede hielt unser Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld. Er schilderte den Lebensgang des großen Verblichenen und die unvergänglichen Verdienste, die er sich um die Erhaltung und Neubelebung des alten Glaubens erworben, wahrheitsgemäß in glühenden Farben. Unter der zahlreichen Zuhörerschaft bemerkten wir den Obmann der böhmischen Landesjudenfchaft Dr. Moritz Liechtenstern, unsere Repräsentanten-Senior, Schriftsteller S. Kohn, sämmtliche Prediger und Rabbiner von Prag und der Vororte, Vereins- und Synagogenvorsteher u. A. Wischau. (Sterbegedächtnißfeier.) Aus Anlaß der Wiederkehr des Sterbetages der Kaiserin Elisabeth fand Sonntag den 10. September um 11 Uhr Bormittags ini hierortigen Tempel eine Sterbegedächtnißfeier statt, an welcher Feier der k. k. Bezirkshauptmann mit den k. k. Staatsbeamten, der Gemeinderath der Stadt Wischau, eine Abordnung der Feuerwehr und des Veteranenvereines sich betheiligten. Als im Vorjahre die Schreckenskunde über den tragischen Tod der allgeliebten Kaiserin die Völker Oesterreichs in tiefste Trauer versetzt hatte, beschloß der Cultusausschuß der isr. Cultusgemeinde in Wischau als Andenken an die edle Fürstin eine nene Thorahrolle anzuschaffen. Dieser Beschluß wurde durch freiwillige Spenden der Gemeindemitglieder zur Ausführung gebracht. Ter für die Gemeinde Wischau so sehr strebsame Cnltus-Vorsteher Herr Sigm. Hofmann spendete dieser neuen Thorarolle ein prachtvolles Kle Kodesch sammt Mäntelchen und Mappe. Bei Gelegenheit dieser Sterbegedächnißfeier wurde diese Thorarolle feierlichst enthüllt. Herr Bezirksrabbiner Eisler entwarf in seiner Predigt ein wahrhaft treues Lebensbild der edlen Kaiserin, welche auf alle Zuhörer tiefergreifend wirkte. Mit dem Absingen der programmmäßigen Trauerchöre durch Cantor Herrn M. Bubasch, schloß mit dem Seelenheilgebete, gesprochen vom Bezirksrabbiner Leopold Eisler, diese feierliche Seelengedächtnißfeier. Königmhof. Bei der am 7. September a. c. stattgefundene Wahl der Cultusgemeinde in Kvuiginhof werden gewühlt: