Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 682 Dr. Blvch's Wochenschrift» Nr. 37 Cleveland. (Ohio). Hier besteht ein jüdisches Waisenhaus, das gegenwärtig 500 Insassen, 280 Knaben und 220 Mädchen zählt im Alter von 5—16 Jahren. Die ausgezeichnete Anstalt steht unter der Leitung von Dr. Wolfenstein, der für einen besonders tüchtigen Pädagogen gilt. In der Jahresconferenz der sämmtlichen Wohlthätigkeitsanstalten des Staates Ohio ertheilte General Brinkerhoff, der Vorsitzende der Staatscommiffion für Wohlthätigkeitsanstalten, unserem Waisenhause folgendes Zeugniß: „Ich habe Hunderte von Waisenhäusern besucht, aber niemals eines gesehen, in dem so allgemeine Liebe und Zuneigung für den Director herrscht, wie hier. Es ist eine Anstalt, die des Besuches werth ist." Wien. (Verlobung). Herr Med. Dr. Sigmund Stiaßny, Sohn des Herrn Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath und Gemeinderath der Stadt Wien, hat sich in Ischl mit Fräulein Laura Kohnberger, Tochter des Großindustriellen Herrn Salomon Kohnberger verlobt. Wien. Freitag den 25. v M., fand am Centralfriedhofe die Bestattung der Frau Marie S ch e y, geborene Horschetzky, statt. Die verblichene Wohlthäterin hat sich durch die namhaften Spenden, die sie in ihrem letzten Willen bestimmte, ein ehrendes Andenken gesichert. Große Beträge spendete die Verewigte der Wiener israelitischen Cültusgemeinde, dem Blindeninstitut, der israelitischen Volksküche im 2. Bezirk und noch mehreren anderen Humanitären Vereinen. Wien. Am 28. August verschied hier die edle, herzensgute Frau Fanni Nassau, geborene Deutsch, im 92. Jahre Um die Verblichene trauern der Sohn Herr Adolf Ritter von Nassau (ein Schwiegersohn unseres unvergeßlichen Cantors Fischer), die Tochter Frau Josefine Beer, geborene Nassau, sowie die zahlreichen Enkel und Urenkel. Wien. Am 24. d. M. feiert der durch sein humanitäres Wirken vielverdiente Nervenarzt Herr Dr. Alexander Hirschfeld sein 30jähriges Doctvrjubiläum. Wien. In der behördlich concessionirten Musikschule Storch, II., Leopoldsgasse 27 finden die Einschreibungen für Clavier, Orgel und für alle Gegenstände die zur Ablegung der Staatsprüfung erforderlich sind, von 15. d. M. täglich von 3 bis 6 Uhr statt. Wien. Dem akademischen Maler Isidor Kaufmann wurde auf der Berliner Kunstausstellung die kleine goldene Medaille für Kunst verliehen. Wien. (Musikschule Adler.) In der rühmlichst bekannten Musikschule des Professor Adler in der Roßauergaffe Nr. 4, die trotz ihres kurzen Bestehens eine sehr große Frequenz aufweist, beginnen die Einschreibungen in den ersten Semptembertagen. Der Unterricht wird am 15. September ausgenommen. Wien. (Musikv erein „Harfe"). Mehrere begabte Musiker haben sich zusammengefunden, ein jüdisches Orchester zur Pflege jüdischer Musik zu gründen. Die Vereinigung gedenkt binnen Monatsfrist nach Genehmigung ihrer Statuten in die Oeffentlichkeit zu treten. Es handelt sich nun vor Allem darum, von Seite des jüdischen Publicums Unterstützung durch Einsendung jüdischer Compositionen zu erhalten, und daß sich jüdische Gönner für unser Unternehmen finden werden, die uns auch materielle Unterstützung zukommen lassen werden. Beitrittsanmeldungen und Mittheilungen sind zu richten an Herrn stuck, meä. Hugo Alt, I., Lazzenhof, als Proponent des Musikvereines „Harfe". Wien. (Verein zurH ebung der Gewerbe.) Der Jahresbericht, welchen der verdienstvolle Begründer und Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe in Wien im neunten Vereinsjahre erstattete, ist nunmehr im Druck erschienen und es gereicht uns zu besonderer Befriedigung, von dem Gedeihen und der überaus ersprießlichen Thätigkeit dieses Vereines Kenntniß zu nehmen. Das von Verein herausgegebene empfehlende Verzeichniß der Mitglieder wurde an Tausende von Arbeitgebern vertheilt, und die gemachten Erfahrungen haben zahlreiche Arbeitgeber von dem Vorurtheile, welches sie gegen jüdische Gewerbetreibende hegten und welches oft auch von Juden gehegt wurde, abgebracht; einstige Gegner sind hiedurch die wirksamsten Agitatoren für jüdische Arbeiter geworden. Während im Verein früher häufig Streitigkeiten vorkamen, war dieses in den letzten Jahren nicht mehr der Fall, und eine Klage, daß Glaubensgenossen Arbeitsuchende wegen ihrer Confefsion abgewiesen hätten, ist auch nicht ein einziges Mal vorgebracht worden. Daraus ist zu schließen, daß die Arbeitnehmer ihre Auftraggeber vollständig zufriedenstellen. Auch der Cultusvorstand hat sich den Bestrebungen des Vereines gegenüber sympathisch verhalten und die Förderung derselben zugesichert. Ueberdie äußeren Beziehungen des Vereines, macht der Jahresbericht folgende interessante Mittheilungen: „Wenn wir auch in unserem Vereine in erster Reihe die Interessen jüdischer Gewerbetreibenden zu vertreten uns die Aufgabe gestellt, weil ihre sein sollenden Vertreter sie im Stiche gelassen; so haben wir dennoch von der Stunde der Gründung unsereres Vereines auch den A n g h ö r i g e n anderer Confessionen frei gestellt, an Rechten und Pflichten unseres Vereines theil zu nehmen. Wir haben uns von allgemeinen Fragen niemals abgeschlossen und alle Vorgänge außerhalb unseres Kreises haben uns mit lebhaftem Interesse erfüllt. Dadurch nun, daß unser Verein den gewerblichen Standpunkt ohne Rücksicht auf die Confession und Nationalität vertreten, hat er sich vor Angriffen von feindlichen Seiten geschützt und sein Terrain zu einem uneinnehmbaren Felde gestaltet. Auch unsere feste innere Ueberzeugung, daß es eine exclusiv und specifisch jüdische Arbeit ebensowenig geben dürfe, als es eine christlich-sociale geben sollte, schreckte uns vor Nachahmung der Liechtenstein'schen Theorie zurück : Kauft nur bei Juden! Wir stehen auf dem Standpunkte, „Was Du nicht willst, daß Dir geschehe, das thue auch einem Andern nicht". Jene Nichtjuden, die sich der Antisemitentheorie bis heute nicht angeschlossen, und deren sind leider sehr wenige, sind unsere Freunde und unter Freunden ist ein confessioneller Unterschied bei Arbeitsverleihung nicht denkbar. Man hat aber auch maßgebenden Ortes unfern freiheitlichen Standpunkt entsprechend gewürdigt und wir haben mit dieser klugen Methode den jüdischen Gewerbetreibenden am allermeisten genützt. Die Herren werden zugeben, daß in unseren jüngst abgehaltenen Versammlungen Angehörige anderer Confession iu großer Anzahl anwesend waren, daß sich dieselben in unserem Kreise wohl befunden und daß auch nicht der leiseste Mißton eines confefsionellen Unterschiedes zum Ausdruck gelangte. Unser Verein wurde mit der seltenen Auszeichnung bedacht, seine officielle Vertretung in der 1898 stattgefundenen Jubiläums-Ausstellungs- Commission zu finden, und zwar in der Person Ihres Präsidenten und Ihrer beiden Vicepräsidenten, und sehr vielen unserer Mitglieder waren wir im Laufe der Ausstellung recht nützlich. Bei der 50jährigen Jubiläumsfeier der niederösterreichischen Handelsultd Gewerbekammer war unser Vereitt mit nur wenigen Vereinen beigezogen und in der bekannten Festschrift verewigt. Die österreichisch-ungarische Colonialgesellschaft ernannte Ihren Präsidenten zu deren correspondirenden Ehrenmitgliede und eine Deputation überreichte demselben im Beisein unseres Gesammtvorstandes ein mit der Unterschrift des Fürsten Wrede gefertigtes Ehrendiplvm. Gegenwärtig geht man daran, eine Aenderung der Bauordnung und Behebung des Bauschwindels ernstlich vorzunehmen und Ihr Präsident wurde von Seite des niederösterreichischen Gewerbevereines vorläufig in den Berathungsausschuß berufen. Anläßlich des 50jährigen Jubiläums Sr. Majestät unseres Kaisers war unser Verein einer der Ersten, der eine große Festversammlung und eine Stiftung für Kleingewerbetreibende beschlossen. Eine große Anzahl von Vorstandssitzungen fanden zu diesem Zwecke statt; aus Ihrer Mitte, nämlich aus der Mitte der verehrten Mitglieder wurden in dieses Festcomite als Experten entsendet: die Herren: Architekt Max Fleischer, Professor Richard Singer, Hoflieferant Adolf Beck, Stadtbaumeister Victor Schwadron rc. Schon war der Festabend und dessen Programm festgestellt, der große Börsesaal gemiethet und beangabt, der Wiener kaufmännische Gesangverein zur liebenswürdigen Mitwirkung gewonnen, Ihr Präsident als Begrüßungsredner und unser hochverehrtes Mitglied, kais. Rath N. Scheftel, als Festredner bestimmt, als ein tragisches Geschick alle unsere freudigen Hoffnungen zunichte machte. Der plötzliche Tod unserer vielgeliebten