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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-15 · 37 (15.9.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
37 (15.9.1899)
Date
1899-09-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 37 Seite 681 Dr. Blvch's Wochenschrift. allerdings der Meinung, daß diese fünf die Ehre Frankreichs gerettet und sich als unbestechliche Richter gezeigt haben!" Wir freuen uns aufrichtig, dieser Stellnngnahme der „reinen" Antisemiten. Queus deus perdere vult, prius obcalcat. Hamburg, 3. September. Das älteste Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, der frühere Kaufmann Herr M. Bauer, beging am gestrigen Sabbath in geistiger und körperlicher Frische das seltene Fest des hundertjährigen Geburtstages. Der Jubilar erfreut sich namentlich durch seine Wohlthätigkeit in weiteren Kreisen der Bevölkerung einer außerordentlichen Hochachtung. Die gesammten Angehörigen des Herrn Bauer, theilweise im Auslande wohnhaft, hatten sich hier versammelt, um das Geburtstagsfest in der Hoffnung zu feiern, daß ihnen das so theuere Familienhaupt noch manches Jahr in ungetrübter Gesundheit erhalten bleiben möge. Am frühen Morgen begab, sich der würdige Greis, gefolgt von seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln, in die prachtvoll geschmückte Synagoge, um an geheiligter Stätte im frommen Gebet Gott seinen Dank auszusprechen. Die Villa des Herrn Bauer sowie die umliegenden Häuser in der Grindelallee prangten im schönsten Flaggenschuck. Schon bald nach Beendigung des Gottesdienstes stellten sich die Gratulanten ein, die Wohnung glich einem Blumengarten, so zahlreiche kostbare Blumenspenden waren von Nah und Fern eingetroffen. Unter den vielen Glückwunschschreiben sei besonders hervorgehoben ein liebenswürdiges Schreiben des preußischen Gesandten Grafen Wolf Metternich, in dem unter schmeichelhaft» Ausdrücken mitgetheilt wurde, daß der Kaiser Herrn Bauer die goldene Königsmedaille verliehen habe. Gegen Mittag erschienen Deputationen der verschiedenen Bürgervereine, der Gemeindeinstitutionen sowie Mitglieder der Bürgerschaft, um persönlich ihre Glückwünsche abzustatten. Der 100jährige Jubilar nahm freudig bei bestem Wohlbefinden im Kreise seiner Familie die vielen Aufmerksamkeiten entgegen. Die Frische, insbesondere der Humor des 100jährigen Greises erregten bei allen Besuchern allgemeine Freude und Bewunderung. Es möge noch erwähnt sein, daß Herr Bauer zur Feier des Geburtstagsfestes sowohl die Armen als auch viele gemeinnützige Institutionen mit größeren Summen bedacht hat. Algier. Hier sind die Zeiten vorbei, in denen der Antisemitismus in der Blüthe stand. Die Zeichen mehren sich täglich und man braucht nur zu sehen, wie consequent der Prüfect alle antisemitischen Verfügungen des Gemeiuderathes aufhebt und wie ruhig dieser sich das läßt gefallen, um den Unterschied gegen die Zeit zu würdigen, in der Max Regis der Dictator von Algier war. der Gemeinderath will der rue de la Lyre den Namen me de marquis Mores geben, weil sie größtenteils von Juden bewohnt ist; der Präfect hebt diesen Beschluß auf, weil er provocirend ist. Der Gemeinderath will eine Straße nach dem Antisemitenführer Pujade benennen; der Präfect findet, daß dieser Mann der Stadt nicht genügende Verdienste erwiesen habe, um solcher Ehre theilhaftig zu werden, und annullirt jenen Beschluß. Dieses Auftreten der Behörden hat seinen Eindruck nicht verfehlt und die Gemüther sind hier viel ruhiger geworden. Als?in Zeichen dafür kann auch gelten, daß am 3. September bei der Wahl eines landwirtschaftlichen Delegirten der Candidat der Antisemiten Mares, trotz der Unterstützung von Max Regis eine klägliche Niederlage erlitten hat, sein Gegner Mr. Laurens gewählt worden ist. Amsterdam. Wir haben verschiedene Auszeichnungen zu melden, die an Juden gefallen sind. Capitän E. Prins vonr dem Amsterdamer Nationalgardenregiment erhielt den ersten Preis beim Wettschießen der holländischen Officiere in Maastricht. Der Preis besteht aus einer goldenen Medaille und einem silbernen Ehrenbecher, und wurde diesmal noch werthvoller durch die Erteilung des Ritterkreuzes vom Nassau-Oranienorden an den glücklichen Gewinner. Denselben Orden erhielt Herr S. M. Salomons, Religionslehrer der jüdischen Gemeinde in Kämpen, der belgische Leopoldorden wurde dem Oöerinspector der directen Steuern im Finanzministerium Herrn I. H. Drielsma zu Theil. Florenz. Eine der schönsten jüdischen Institutionen in Italien ist der jüdische Kindergarten in Rom. Derselbe wird seit nunmehr 25 Jahren von dem auch um die Geschichte der Juden in Italien verdienten Commendatore Bittore Rewä, Divisionsches im Ministerium des Unterrichts, in geradezu musterhafter Weise geleitet. Dieser eine so sehr Stellung einnehmende und so vielbeschäftigte Mann, der aber zugleich ein begeisterter Jude ist, widmet den größten Theil seiner freien Zeit dieser seiner Lieblingsanstalt und ihm verdankt sie auch zum größten Theil ihre Blüthe. Im vergangenen Juli feierte die Anstalt ihr 25jihriges. Jubiläum. Bei der Feier erschien unter den Vertretern der Stadtbehörden und mehreren hohen Ministerialbeamten der Minister Baccelli selbst, welcher bei dieser Gelegenheit der ersten Lehrerin Ester Della Seta, die silberne Verdienstmedaille verlieh und der Anstalt eine nahmhafte Geldschenkung machte. — Hier in Florenz wurde am vergangenen Sonntag einer der imposansten und verdientesten Männer unserer Gemeinde, Cav. Dr. Ernesto Levi zu Grabe getragen. Der Verewigte war seit einer langen Reihe von Jahren stellvertretender Vorsitzender unseres Gemeindevorstandes und seit mehrere Jahren gehörte er auch dem Stadtrath an, in welchem er das wichtige und ehrenvolle Amt eines Assessors für das gesammte städtische Schulwesen bekleidete. Dem unabsehbaren Leichenzug wohnten noch die Vertreter der städtischen und der Schulbehörden bei und seine Verdienste um die Stadt wurden von dem Vertreter des Oberbürgermeisters in bewegten Worten gefeiert. London. In Southhampton findet jetzt der 18. Jahrescongreß für Sanitätswesen statt, und bei dieser Gelegenheit hat am Dienstag den 29. August der Präsident des Congresfes Sid W. H. Prelce eine Rede gehalten, in der er die Bedeutung des jüdischen Gesetzes vom sanitären Standpunkt hervorhob. Er führte Folgendes aus: Bor 3400 Jahren stand es in Bezug auf Hygienie sehr schlecht in der Welt. Nur ein Volk richtete sich nach den Lehren seines großen Meisters. Die Christen warfen später seine Lehren in den Wind zu ihrem großen Schaden, während die Mohamedaner einige dieser Gesetze bis heute zum Vortheil für sich befolgen. Die Juden blieben ihrem Gesetze treu und sie sind daher der gesündeste und langlebigste Bolksstand. Die Lehren von Moses können nach den Principien der Hygiene von heute folgendermaßen gruppirt werden. Erstens reine Luft, zweitens reines Wasser, drittens reine Nahrung, viertens Reinhalten des Bodens, fünftens Reinhalten der Gebäude, sechftnse Reinhalten des Körpers. Wenn wir die Lehren von Moses mit den Methoden betrachten, welche die moderne Wissenschaft zu unserer Verfügung gestellt hat. so finden wir, daß Moses sich um Ventilationen nicht zu sorgen brauchte, denn die Gebäude im Orient sind im Allgemeinen sehr luftig und die Juden wohnten ja in Zelten. Wohl aber zeigte er seinem Volke, wie man die Verpestung der Luft durch die Zersetzungsstoffe vermeiden könne, indem er befahl, daß alle Abfälle und Fäkalien aus dem Lager an einen geeigneten Platz geschafft und verbrannt werden mußten. Wir lernen jetzt erst, Moses zu folgen, denn die Apparate, mit denen die Fäkalien vernichtet oder nutzbar gemacht werden, sind eine ganz moderne Erfindung. Ganz besonders aber hat Moses seine gründlichen Kenntnisse von den hygienischen Bedürfnissen im Orient aus der Regulirung der Nahrungsvorschriften entfaltet, und nur der Befolgung dieser Vorschriften verdanken es die Juden, daß sie bis auf den heutigen Tag weniger an Krankheit leiden, und länger leben als andere Völker. London. Vor vier Jahren hätte kaum Jemand der Londoner Knabenbrigade vorausgesagt, wie schnell sich ihre Mitgliederzahl vergrößern würde. Jetzt ist sie schon in der Lage ihre alljährlichen Feldübungen in zwei gesonderten Lagern abzuhalten. Die Knaben der Londoner und Liverpooler Compagnien sind in das Lager von Deal gerückt, die Compagnie von Manchester dagegen in das von Lytham. Diese Feldlager sind zugleich die Ferieucolonien der jungen Burschen, die in der Kuabenbrigade vereinigt sind. Wie dieselben dort den Tag ausfüllen, geht aus folgender Zeiteintheilung hervor: Reveille 5 Uhr 30 Minuten, Parade zum Gebet 6 Uhr 15 Minuten, Frühstück 7 Uhr 30 Minuten, Officiersfrühstück 8 Uhr, Krankenparade 8 Uhr 15 Minuten, Ankleiden 8 Uhr 30 Minuten, Officiersparade 9 Uhr, Antreten 10 Uhr 30 Minuten, Jnspection der Zelte 10 Uhr 45 Minuten. Baden 11 Uhr 15 Minuten, Mittag 12 Uhr 30 Minuten, Thee 5 Uhr 30 Minuten, Abendessen 7 Uhr 30 Minuten, Gebetparade 9 Uhr, Lichtaus 9 Uhr 45 Minuten. Für Erholungsspiele ist ebenso gesorgt, wie für gutes und reichliches Effen und die Knaben kehren abgehärtet und gekräftigt nach 14 Tagen von ihrem Lagerleben zu ihren Beschäftigungen in die Stadt zurück. In dem Lager von Deal sind zur Zeit 455, in dem von Lytham 286 Knaben. Hohe englische Officiere haben diese Feldlager inspicirt und ihrer Anerkennung für den strammen Geist und die Sauberkeit der jüdischen Burschen schmeichelhaften Ausdruck verliehen. Nächstens wird General Charles Narren ebenfalls in Deal eine Parade abnehmen.

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