Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seitr 680 Dr. Bloch's Wochenschrifi. Sir. 37 Eduard Soyka, Ludwig Edelstein, Josef Lazansky, Emil Deutsch; b) Schul section: Heinrich Längstem, S. Polacek, Ernst Weiseles. Dr. Hugo Reichmann; e) Finanzsectio n: Joses Pollak, Alois Soudek, Sigm. Meller, Ad. Glückauf; 6) B a u s e c t i o n: S. Polacek, Jos. Pollak. Ad. Glückauf, W. Fleifchner; e) Rechtseclion: Dr. Wilhem Schnürmacher, Dr. Hugo Reichmann, Josef Lazansky, Heinrich Langstein; k) H u m a n i t ä t s f e c t i o n : Josef Lazansky, Sigm. Meller. W. Fleifchner, Eduard Soyka; g) Friedhofsection: Ernst Weiseles, Ludwig Edelstein, Sigm. Meller, Adolf Glückauf; h) Schlachtsection: Joses Lazansky, Emil Deutsch. — l. — Mährisch-Ostrau. Wir lesen in der „Ostrauer Zeitung": Antisemitismus in Witkowitz. Anläßlich einer Polemik gegen das Witkowitzer Wochenblatt machte der hiesige Berichterstatter der „Frei schles. Presse" Aufsehen erregende Enthüllungen über die antisemitische Propaganda in Witkowitz. Er erinnert an jene Versammlung im Deutschen Hause, in welcher sich der Antisemit Stein aus Eger in heftigen Angriffen gegen Gutmann und Rothschild erging und von seinen Witkowitzer Anhängern bejubelt wurde und bezeichnet Herrn Centraldirector Holz geradezu als Führer der Witkowitzer Antisemiten. „Die Thatsache dürfte ja auch den Herren v. Gutmann und Rothschild nicht unbekannt sein", sagte der Correspondent des Troppauer Blattes, „daß der Witkowitzer Beamtenkörper von der Pestkrankheit des Antisemitismus verseucht und Witkowitz selbst der Herd der antisemitischen Agitation ist. Es ist für uns bedauerlich, constatiren zu müssen, daß Gutmann'sche Beamte das Sacrament der Taufe annehmen mußten, um zu avanciren. Es gilt die Mähr in Witkowitz, daß nur der Raceantisemit vom Director Holz des Avancements würdig gehalten wird. Und dabei wird gegen die Außenwelt das scheinheiligste Gesicht beobachtet." Der Correspondent meint, daß dieses Getriebe gefährlicher sei, als all das Räder- und Riemenwerk und in seinem großen moralischen Defect mehr schadet als die jährlich constatirten 2400 ambulanten Verletzungsfälle in Witkowitz. Er schließt mit der Ankündigung, daß er nicht ermangeln werde, „über die antisemitische Pest in Witkowitz von Zeit zu Zeit Bulletins auszugeben und dieselben auch an die Palastthore der Herren von Gutmann und Rothschild anzunageln." Baden-Baden. Die hiesige Synagoge, zu der am 20. Juli vorigen Jahres der Grundstein gelegt wurde, ist am 16. August Nachmittag in Anwesenheit eines geladenen Publicums feierlich eingeweiht worden. Das Gotteshaus erhebt sich in freier, erhöhter Lage an der Ecke der Stephanie- und Scheibenstraße und ist von dem Karlsruher Kunstgewerbeschulprofessor Ludwig Levi in romanischem Stil erbaut. Als Material gelangte weißer Mürgthal- Sandstein zur Verwendung. Der Bau bildet mit seinen edlen architektonischen Formen eine Zierde der Stadt und macht auch in seiner inneren Ausstattung einen sehr würdigen Eindruck. Zur Geschichte der israelitischen Gemeinde in Baden-Baden mag kurz erwähnt seiu, daß erst seit 1863 hier Juden wohnen, und daß heute die Gemeinde 53 Mitglieder und 190 Seelen zählt. B'i der Einweihungsfeier war der von Fahnenmasten umsäumte Platz rings um die Synagoge durch Topfpflanzen in einen Blumenhain verwandelt. Der Großherzog von Baden ließ sich durch den Geheimen Regierungsrath Haape vertreten; außerdem waren Oberbürgermeister Sönner und Bürgermeister Fieser mit zahlreichen Mitgliedern des Stadtraths, Vertreter sämmtlicher Behörden und ein großes Publiukm aus allen Kreisen der Bevölkerung erschienen. Profeffor Levi übergab den Schlüssel des Gebäudes dem Vorstand der israelitischen Gemeinde, Julius Mayer, dieser überreichte ihn dem' Geheimen Regierungsrath Haape, der die Glückwünsche des Großherzogs aussprach und die Pforten öffnen ließ. Bei der darauf folgenden religiösen Feier hielt Bezirksrabbiner Dr. Mayer die Festpredigt, die allerseits einen erhebenden Eindruck hervorgerufen hat. Mit einem Weihelied wurde die Feier beendet. Abends war in der städtischen Turn- und Festhalle ein gemeinsames Mahl. Berlin. Die antisemitischen Zeitungen haben endlich den tieferen Grund der Transvaalkrisis entdeckt. Die „Deutsche Reform", Organ der Herren Prof. Förster, Dr. Böcke! und v. Mosch, schreibt in ihrer Nummer vom 10. September, daß der ganze Krieg in Südafrika nur ein Manöver der Börsenjuden sei. Diese wollen Transvaal ausbeuten, da die Buren sich aber nicht auswuchern laffen wollen, so hat die Clique der jüdischen Börsenjobber gegen baar Geld den Prinzen von Wales gewonnen, England gegen die Buren loszulassen und Chamberlain ist durch einen Antheil an der Beute für die Eroberung Transvaals gewonnen worden. „Die englischen Kanonen sollen zur höheren Ehre des jüdischen Geldsacks knallen. So will es der Stamm Nimm". Nun wissen wir es ganz genau! Berlin, den 11. September. Wir haben in der vorigen Nummer dieses Blattes der gerechten Gesinnung gedacht, die den seitherigen preußischen Unterrichtsminister Herrn Dr. Bosse auszeichnete. Wir müssen noch der positiven Verdienste Erwähnung thun, die sich Herr Dr. Bosse erworben hat, indem er den jüdischen Religionsunterricht in den Volksschulen zum obligatorischen Unterrichtsgegenstand machte, indem er die Eintheiluug jüdischen Religionsunterrichts auch in den höheren Schulen kräftig förderte und organisiren half, und indem er grundsätzlich anerkannte, daß aus dem Dispositionsfonds des Ministeriums Unterstützungsgelder für die Versorgung jüdischer Kinder mit Religionsunterricht in der Diaspora ebenso bewilligt werden sollten, wie für die Kinder anderer Confeffionen. Der neue Unterrichts minister Herr Städt wird hoffentlich seinem Vorgänger in der Unbefangenheit des Urtheils und in wohlwollender Gerechtigkeit nicht nachstehen. Herr Städt war, ehe er Oberpräsident in Westfalen wurde, Regierungspräsident in Königsberg i. Pr. Unsere Glaubensgenossen haben sein unparteiliches Wirken dort in dankbarem Gedächtniß. Einer hiesigen Correspondenz wird aus Düsseldorf geschrieben, daß der jetzige Minister des Innern Freiherr von Rheinberben der erste preußische Regierungspräsident gewesen, der in seinem Verwaltungsbezirk das Schächten der Thiere verboten hat. Die Nachricht, bemerkt hierzu die antisemitische „Deutsche Tageszeitung", ist wohl insofern nicht ganz richtig, als es sich nicht um ein Verbot des Schlichtens, sondern jedenfalls unl die Anordnung der Betäubung vor der Blutentziehung handelt. Die Meldung ist absolut unrichtig. Freiherr von Rheinberben hat weder ein Schächtverbot erlassen, noch eine Bestimmung über die der Blutentziehung durch Schächten vorausznschickende Betäubung getroffen, noch überhaupt in dieser Frage sich irgendwie engagirt. Die irrige und irreführende Mittheilnng ist vermuthlich daraus herzuleiten, daß die Stadt Rhaydt, die in ihrer Schlachthofordnung das rituelle Schächten gewissen Beschränkungen hinsichtlich der Kopfzahl der zu schächtenden Thiere unterworfen hat, im Regierungsbezirk Düsseldorf liegt, und daß die von der jüdischen Gemeinde in Rhaydt über diese Beschränkungen verspätet erhobene Beschwerde an Herrn von Rheinberben als Präsidenten des Regierungsbezirkes Düsseldorf ging die Entscheidung wurde jedoch nicht von Herrn von Rheinberben getroffen, sondern die Angelegenheit an die zuständigen Ministerien des Innern und des Handels geleitet. Zunächst konnte die Entscheidung nur eine formale sein, denn durch die Versäumuug der Beschwerdefrist war formales Recht geschaffen worden. Doch die zuständigen Minister ließen keinen Zweifel daran, daß sie sich bemühen würden, einen Ausweg zu finden, den legitimen Wünschen der Bewohner von Rhaydt gerecht zu werden. Daß der jetzige Minister des Innern zu der Frage eine andere Stellung eingenommen habe oder einnehme, ist eine völlig grundlose Behauptung. Es liegt keine Veranlassung vor, dem gegenwärtigen Leiter des Ministeriums des Innern ein Mindermaß an Vertrauen entgegenzubringen. Das Verbiet des Kriegsgerichtes zu Rennes hat hier begreiflicherweise das größte Aufsehen erregt. Noch in letzter Stunde hat die deutsche Regierung autoritativ und feierlich die Unschuld des Capitäns Dreyfus an dem ihm zur Last gelegten Verrath bezeugt und diese Bekundung im amtlichen Theil des Reichsanzeigers „zur Wahrung ihrer eigenen Würde und zur Erfüllung einer Pflicht der Menschlichkeit" wiederholt. Trotzdem haben fünf von sieben Richtern Dreyfus schuldig erklärt „unter Zubilligung mildernder Umstände". Dieser Affront, in schamloser Weise der Gerechtigkeit und der höchsten deutschen Autorität angethan, wird nicht ohne Folgen bleiben. Was die Zeitungen von einer Absage der Betheiligung an der nächstjährigen Pariser Weltausstellung erzählen, ist lediglich der Ausdruck der Entrüstung. An der maßgebenden Stelle wird man die Entschließungen nicht so schnell fassen, aber desto nachhaltiger durchführen. Der Eindruck der Veröffentlichung des „Reichsanzeigers" war hier so starke daß „sogar die antisemitischen conservativen Organe von ihrer zweideutigen Haltung abließen, daß selbst die „Kreuzzeitung" wie ein anständiges Blatt über die Affaire Dreyfus schrieb. Einzig die „reinen" Antisemiten verharrten in ihrer vorigen Haltung, blieben an der Seite der französischen Deutschenfresser, die zugleich Judenfresser sind, drehen und deuteln an dem deutschen Kaiserwort. So schreibt die „Staatsbürgerzeitung" von den fünf Richtern, die Dreyfus verurtheilt haben, wörtlich: „Wir sind