Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Blockes Wochenschrift. Seite «79 für Kmder im zarten Alter denn doch zu entfernt ist, so muß die Mehrzahl der Schuljugend auf die religiösen Hebungen verzichten. Zwar vegetirt hier ein „Israelitischer Tempelverein für den XIX. Bezirk", der auch in dem „Union-Kalender" angeführt ist, der aber schläft und schlummert recht sanft und läßt sich in seiner behaglichen Ruhe nicht stören. Wenn die Vereinsleitung nur aus ihrer Lethargie erwachen und einige Energie entwickeln wollte, könnten wir hier bald ein den Zeitverhältnissen und Bedürfnissen entsprechendes Gotteshaus besitzen; denn unter den hier domicilirenden Glaubensgenossen befinden sich viele, die wohlhabend und bereit sind, nach Kräften beizusteuern, um das löbliche Werk zu fördern. Nur müßten die Herrn Vereinsvorsteher nicht daraus bestehen, einen Monumentalbau herzustellen. Den localen Bedürfnissen genügt ein einfacher Bau mit bescheidener Einrichtung vollkommen, wenn nur für Anstand und Würde hinlänglich gesorgt wird. — Wahrhaft erhebend und feierlich war der Gottesdienst im israelitischen Blindeninstitut aus der hohen Warte. Der Betsaal wie die Nebenräume waren geradezu überfüllt. Der Saal müßte mindestens viermal so groß sein als er ist. wenn er alle, die Einlaß begehren, fassen sollte. — Ein Besuch dieser Musteranstalt, die mit vollem Rechte eines Weltrufes sich erfreut, ist immer interessant und lehrreich, besonders bei außergewöhnlichen Gelegenheiten und feierlichen Veranstaltungen. Mit Wohlgefallen blickt das Auge des Besuchers auf die wohlgepflegten und nettgekleideten Zöglinge, die mit innigem Verständniß und tüchtiger Schulung bei dem Gottesdienste Mitwirken und durch ihren seelenvollen Gesang die Herzen der Anwesenden mächtig ergreifen und die Seelen zu heiliger Andacht stimmen. In gehobener Stimmung und mit den besten Segenswünschen für das fernere Blühen und Gedeihen dieser herrlichen Anstalt, entfernten sich die Beter, während die Pfleglinge in größter Ruhe und Ordnung in den Speisesaal sich begaben, wo für sie bereits der Tisch gedeckt war. „Wohl bekomme es Euch, Gott segne, behüte und beschütze Euch und alle, die für Euer Wohl sorgen und wachen!" Ad. St. Salzburg. Da der hiesigen jüdischen Cultusgemeinde die in einem Hause der Linzergasse seit Jahren innegehabten Localitäten, welche als Bethaus dienten, von dem betreffenden Hausherrn gekündet wurden, ist nun selbe ernstlich entschlossen, eine e i g e n e S y n a g o g e zu bauen; hiezu soll bereits ein Baugrund in der Schallmooser Haupstraße, wie man sich erzählt, der alte Eislaufplatz, käuflich erworben worden sein. Prag. Donnerstag den 7. d. M. wurde hier unter großer Theilnahme der allgemein geliebte und geachtete Obercantor der großen Hofsynagoge Herr Philipp Bachrach zu Grabe getragen. Herr Oberrabbiner Dr. E h r n f e l d hielte eine ergreifende Trauerrede, in welchen er die große Tüchtigkeit und die Verdienste des Verblichenen in treffenden Worten hervorhob, denn Obercantor Bachrach war wirklich Cantor durch und durch und war sich immer seines heiligen Berufes vollkonlmen bewußt, so daß er stets die Zierde seiner College» war und Ihnen zur Ehre gereichte. Drei Decennien hindurch bekleidete er die Stelle des Obercantors in obgenannter Synagoge und wirkte auch schon vorher in gleicher Weise in größeren Gemeinden Böhmens. Herr Obercantor Adolf Lebowitsch stimmte den Trauergesang wehmuthsvoll und ergreifend an, und so bewegte sich der imposante Leichenzug zum Gottesacker, woselbst Herr Obercantor Waller st ein im Namen sämmtlicher anwesenden College» vom theuren Dahingeschiedenen in erschütternden Worten Abschied nahm. Franzensbad. Die uns von einem Curgaste eingesendete Mittheilung, daß einige dort etablirte jüdische Kaufleute sich bereit erklärt haben, jüdischewCurgästen Auskünfte darüber zu ertheilen, wie sie ein Zusammentreffen mit antisemitischen Elementen vermeiden können, wird von den betreffenden Kaufleuten selbst in Abrede gestellt. Sie wollen vielmehr Alles vermeiden, was als eine Provocation ausgedeutet werden könnte. Es wird daher Sache der jüdischen Curgäste selbst sein, herauszufinden, wo sie ihrer Confession wegen nicht gerne gesehen werden. Speciell Herr Ignatz Adler in Franzensbad, Besitzer des Hotels Adler verwehrt sich energisch in einer an uns gesandten Zuschrift gegen die Erwähnung seines Namens ohne sein Befragen und die Publicirung eines Berichtes ohne sein Zuthun. Derselbe stand der Einsendung nicht blos gänzlich fern, er will auch constatirt haben, daß er die Nennung seines Namens niemandem gestatte. Jungbunzlau. Sonntag den 3. d. M. hielt der Hofzug Sr. Majestät unseres allgeliebten Kaisers auf der Rückfahrt von den Manövern bei Reichstädt auf dem hiesig?:! Baunhof au. Hier wurde unserem Rabbiner, Sr. Ehrwürdeu Herrn Dr. Klotz eine große Ehre zutheil. Der hiesige k. k. Statthaltereirath hatte nämlich unseren! Rabbiner, der an der Spitze der israelitischen Cultusvorstandsmitglieder zu diesen Empfangsfeierlichkeiten auf dem Bahnhöfe erschienen war, seinen Platz bei der katholischen Geistlichkeit angewiesen und nachdem er von demselben Sr. Majestät vorgestellt worden war, hielt er an den Kaiser eine kurze Ansprache, in welcher er die Huldigung der hiesigen Cultusgemeinde zum Ausdruck brachte und die ergebenste Loyalität unserer Glaubensgenossen für Kaiser und Vaterland betonte. Hierauf erbat sich unser Rabbiner von Sr. Majestät die Erlaubniß, den Priestersegen bedeckten Hauptes Höchstdemselben ertheilen zu dürfen. Der Kaiser beugte huldvoll sein greises Haupt und gab mit der Hand das Zeichen zur Gewährung dieser Bitte. Hierauf richtete Se. Majestät noch einige huldvolle Fragen an unseren Rabbiner, welche die hiesige Cultusgemeinde betreffen. Bald darauf bestieg der Kaiser unter den Klängen der Volkshymne unter nicht enden wollenden Slavarufen den Hofzug. B. -Lerpa. Anläßlich der festlichen Begrüßung des Kaisers im Schlosse zu Reichstadt richtete unter Anderen der Rabbiner von Leipa, Herr Dr. Wiesen, folgende Ansprache an Se. Majestät: Erfüllt von den wärmsten patriotischen Gefühlen unverbrüchlicher Treue und Ergebenheit, wagt die israelitische Cultusgemeinde in B.-Leipa in tiefster Erfurcht Euerer k. u. k. Apostolischen Majestät ihre Huldigung auf das Ehrfurchtsvollste zu entbieten und Euere Majestät zu bitten, die unter den Staatsbürgern israelitischer Confession beobachtete und durch ihre Religion geheiligten Gefühle loyaler Gesinnung und anhänglicher Unterthanentreue allergnädigst entgegennehmen zu wollen. Mit dem inständigsten Danke für die, während Euerer k. u. k. Majestät glorreiche Regierung unserer Confession stets huldreichst erwiesene landesväterliche Fürsorge verbinde ich noch die unterthänigste Bitte, den rituellen Segensgruß unserer Religion mit bedecktem Haupte sprechen zu dürfen. (Bedeckt sich.) Gebenedeit seist Du, Ewiger unser Gott, König der Welt, der Du den Abglanz Deiner himmlischen Gnade ruhen läßt auf den gekrönten Häuptern. Lasse Deines himmlischen Segens reichste Fülle herniederströmen auf das theuere Haupt unseres erhabenen Landesvaters, damit unter Deiner schirmenden Obhut noch viele, ungezählte Jahre des Wohlergehens ihm beschieden seien zum Siege und Segen und zum Glanze und zur Herrlichkeit seiues Reiches und seiner Völker. Amen. Se. Majestät dankte mit gnädigen Worten und antwortete aufs Huldvollste, daß die Staatsbürger israelitischer Confession stets auf Seinen landesväterlichen Schutz rechnen können. Höchftderselbe erkundigte sich bei Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Wiesen über die Gemeindeverhältnisse und zog in leutseliger Weise auch die anderen Mitglieder der Deputation, die Herren Dr. Oestreicher und Isidor Gans ins Gespräch. Reichenberg. Die am 27. und 29. August unter äußerst starker Betheiligung stattgefundenen Wahlen haben folgendes Resultat ergeben: Äls gewählt erscheinen a) in den Vorstand die Herren: Heinrich L a n g st e i n, Josef L a z a n s k y, Sigmund Meller, Ludwig E d e l st e i n, Alois S o u d e k. Dr. Hugo Reichmann, Adolf Glückauf, Emil Deutsch, Wilhelm F l e i s ch n e r. Salomon P o l a c e k, Josef P o l l a k, Doctor Wilhelm Schnür macher, Eduard S o y k a, Ernst W e i s e l e s; b) als Ersatzmänner die Herren: Isidor Lucka, Eduard S t i a s n y, Carl Deutsch, Friedrich Fischer, Dr. I. P e r e l e s, Hugo Schnabel; e) in den verstärkten Vorstand die Herren: Sam. Diamant, Adolf Haag, M. T a u s s i g, Josef Fleischer, Gustav S t r a s ch n e r, Gustav Breslauer, Wilhelm Steiner, Ludwig Back, Profeffor Joh. Beer, D. Jerusalem, Gerichtssecretär Dr. Jos. R o s e n f e l d, Emanuel Spitz, Rafael W i l l n e r, Gustav W i n t e r n i tz; ck) in die Umlage - Commission die Herren: Eduard Schulhof, Benedict Fischer, Jg. H e r s ch, Max L a n g st e i n; e) als Revisoren die Herren: Gerson Schnürmacher, Josef F r e i b e r g. Bei der am 10. September abgehaltenen constituirenden Versammlung wurden unsere verdienstvollen Vorstandsmitglieder und zwar: Herr Heinrich Langstein als Vorsteher, Herr Dr. Wilhelm Schnürmacher als dessen Stellvertreter, Herr Josef Pollak als Cassier und Herr Eduard Soyka als Bethausvorsteher einstimmig wieder- und Herr Alois Soudek als Rechnungsführer neu gewählt. Den einzelnen Sect cnen gehören an: a) Tempelsection: