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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-15 · 37 (15.9.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
37 (15.9.1899)
Date
1899-09-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seit!.' «77 Defraudant ist, wie dem Herrn Vergani. Die beiden Herren befinden sich also in der gleichen Lage, denn auch Herr Riebenbauer hat defraudirt. Unwahr ist in der Mittheilnng des „Deutschen Volksölatt" nur das Ausrufungszeichen. Herr Riebenbauer ist nämlich, wie sich nach gepflogenen Erhebungen herausgestellt hat, keine Jude, sondern im Gegentheil nicht blos ein Glaubensgenosse Vergani's, sondern ein notorisch gefürchteter Antisemit. Die beiden Herren, nämlich Vergani und Riebenbauer sind also ein gleichwertiges Paar von Brüdern. Sie sind beide Arier, Antisemiten und Defraudanten. Wenn das „Deutsche Volksblatt" den Gebrauch einführt, daß es Lumpereien, die von antisemitischen Gaunern begangen werden, den Juden zuschiebt, dann kann sich seine Rubrik „Kleine Beiträge zur Judenfrage" allerdings sehr reichhaltig gestalten. Von der Budapester Orpheum-Gesellschaft. Wir erhalten folgende Zuschrift: Herr Redacteur! Ich erlaube mir auf eine Thatsache aufmerksam zu machen, die in den Kreisen der Leopoldstädter Israeliten berechtigte Entrüstung hervorruft und gewiß verdienen würde, in Ihrem sehr geschätzten Blatte gebrandmarkt zu werden. Anläßlich unserer hohen Feiertage findet in dem Varietölocale „Hotel Stefanie" ein Gottesdienst statt, infolgedessen die Mitglieder der in diesem Locale ständigen „Budapester Orpheum-Gesellschaft" nichts anderes zu thun wissen, als, obwohl durchwegs Juden, selbst am heiligsten Abende (Jom Kipur) ihre derben „Späße" im 3. Kaffeehause öffentlich vorzutragen, natürlich gegen Entree. Geht denn die Geldgier so weit, daß selbst der Geschäftsleiter, auch ein Jude, sich erlauben darf, den ohnehin genug angefeindeten Juden in Wien, das anzuthun? Diese ganze Gesellschaft lebt ja das ganze Jahr von Juden, und findet es angemessen, zu „Kol-Nidre" ein „Gastspiel" im Prater zu absolviren! Gibt eine christliche Gesellschaft am „heiligen Abende" eine Vorstellung? 4. 5. 13. und 14. September, Gastspiel der „Budapester im Prater", das ist ein S c a n d a l. Ein christlicher Prediger über die Juden. New-Zjork. Professor E. F. Ströter aus New-Aork, ein gläubiger Christ, hat ein Buch geschriebeu unter dem Tittel: „Israel d'a s W u n d e r v o l k. Ein Wort an Inden und Christen". Dieser gläubige Christ schreibt über die Juden: „Wie geschieht es doch, das kein Eroberer, weder Römer noch Kreuzfahrer, noch Türke, in dem Lande gesegnet war, noch dem Lande zum. Segen wurde, seit es seiner rechtmäßigen Besitzer entledigt ist? Einst war es doch das Land, da Milch und Honig floß, als Israel es noch bebaute. Heute ist es öde und jämmerlich — seit 1800 Jahren. Israel aber, aus seinen Grenzen verjagt, heimathlos umhergetrieben, wächst und gedeiht sichtlich unter allen Himmelsstrichen, in aller Herren Länder. Und man braucht es weder zu pflegen, noch zu begießen. Gibt es denn auch noch ein Volk, daß von allen anderen Völkern bitterer gehaßt, schrecklicher verfolgt, grausamer gemartert, gründlicher verachtet, häufiger aus geplündert, schändlicher mißhandelt und getreten worden wäre? Heiden, Christen und Türken haben gewetteifert, den Inden vom Erdboden zu vertilgen. Mit welchem Erfolg? daß es heute mehr Juden in der Welt gibt, als in den blühendsten Tagen des Reiches unter David und Salomon. . . Ehedem hieß es: „Wo ist so ein herrlich' Volk, das so gerechte Sitten und Gebote habe, als alles dies Gesetz, das ich euch heutigen Tages vorlege? (5. Mos. 4, 8). Aber nun seit Jahrhunderten mußte man sagen: Wo ist solch' ein elendes Volk, für das die Nationen und Regierungen der Erde so schmähliche, schimpfliche und fluchwürdige Ausnahmegesetze gemacht und es darunter gezwungen haben? Dabei hört Israel nicht auf, einen Sabbath um den anderen das heilige Gesetz, das Gott ihm einst gab, das die Väter nicht halten wollten und die Kinder nicht halten könnten, selbst wenn sie wollten — zu küssen und fast abgöttisch zu verehren. Trotzdem aber gibt es im Ganzen nirgendwo ruhigere und ordnungsliebendere Bürger, als die jüdischer Abkunft, ob man ihnen schon wenige Gesetze gemacht hat in christlichen Ländern, die sie neben den ihrigen auch nur achten konnten. Aber für unsere Gefängnisse und Zuchthäuser stellen sie im Verhältniß bei weitem nicht die Zahl von Insassen, wie andere Nationalitäten. . . . Und dabei ist Israel nicht sittlich verfault. Trotz der kläglichen Laxheit (me!) rabbinischer Ehescheidungs-Regeln wird jüdisches Familienleben von dem der christlichen Nachbarn wohl selten übertroffen an Reinheit, edler Sitte, Hingebung und Ehrerbietung. Ohne gänzlicher Enthaltsamkeit zu huldigen, ist der Jude selten Trunkenbold. Den jüdischen Wucher- und Schachergeist wird man ja unter den Völkern nicht müde zu geißeln und zu bewitzeln. Wenn man sich nur auch mitunter fragen würde, was für andere Erwerbszweige man denn in der Christenheit seit Jahrhunderten übrig gelassen habe für den Juden, als Schacher und Wucher? Womit man sündigt, wird man gestraft. Uebrigens sollte man mit dem Steinewerfen auch hier vorsichtig sein. Es gibt der unbeschnittenen, sogar getauften „Schachernden" aller Nationalitäten nicht wenige. Der Aerger ist nur, daß es den Juden so wunderbar glückt. . . . Eins aber gehört auch hierher. Weiß der Jude das Geld in seine Tasche zu bekommen, so versteht er auch damit umzugehen. Unsere hebräischen BUtbürgcr bezahlen ihre Steuern so gut wie wir für den Unterhalt der öffentlichen Anstalten. Aber daneben sorgt das Jndenthum ganz allein für seine eigenen Armen, Kranken, Witwen, Waisen, Greise und andere Mündel der Wohlthätigkeit und läßt sie weder den Christen noch dem Staat zur Last fallen. Und wer in New-Zlork z. B. einen Vergleich austelleu würde zwischen den finanziellen Zuständen in den christlichen Wohlthätigkeits-Anstalten einerseits und den hebräischen andererseits, dem möchte das Prahlen von christlicher Liberalität am Ende vergehen. Von der erstaunlichen Ueberlegenheit, welche die Kinder Israels seit ihrer socialen Gleichberechtigung auf allen Gebieten intellcctrrellen Strebens und Schaffens, in Kunst und Wissenschaft. Literatur und Staatskunst an den Tag gelegt haben, braucht es nicht vieler Worte. Wo "man ihnen; bie Schranken öffnet, läuft ihnen Niemand so leicht den Rang ab. Judaeus facile princeps." Der Frauenmord in Polna. Vor dem Kreisgerichte in Kuttenberg ist ein Jude, der 23jährige Kürschner Leopold H ü l s n e r wegen Verbrechens des Mordes angeklagt. Er ist beschuldigt, am 20. April d. I. die Agnes Hruza im sogenannten Brezinawalde bei Polna ermordet oder an ihrer Ermordung mitgewirkt zu haben. Agnes Hruza war ein kräftiges junges Mädchen, während Hülsner ein schwächlicher Bursche ist, und nicht blos aus dieser Thatsache, sondern auch aus der Art der beigebrachten Verletzungen und den Spuren der geleisteten Gegenwehr, sowie aus der Lage der Leiche rc. wird von der Anklage gefolgert, daß Leopold Hülsner die That nicht allein, sondern im Vereine mit Complicen verübte, deren die Justizbehörde leider nicht habhaft geworden ist. Agnes Hruza war das Opfer eines Ueberfalles, der nach Straßenräuberart unternommen wurde. Nach den Strangulationsnarben an ihrem Halse zu schließen, mußte das arme Mädchen von einem oder mehreren Thätern vermittelst einer ihr um den Hals geworfenen Schlinge gefangen und gedrosselt, sodann in das Walddickicht geschleppt worden sein. Dort wurde sie gewürgt, durch furchtbare, mit einen! Knittel geführte Hiebe auf den Kopf schwer verwundet und dann durch einen mit einem scharfen Messer geführten Schnitt, der die Luftröhre und Speiseröhre bis zum Halswirbel durchtrennte, getödtet. Bon der Stelle, an welcher sie ermordet wurde, schleppten die Thäter sodann den Leichnam an eine andere Stelle und deckten ihn mit Zweigen zu. Dort wurde der Leichnam gefunden, und die Bevölkerung bezeichnete den Leopold Hülsner als den Thäter. Das ist der objective Thatbestand, welcher den Gegenstand des Proceffes bildet und aus dem Beweisverfahren wird sich ergeben, ob der Angeklagte der Thäter und mitschuldig an dem Morde ist oder nicht. Leopold Hülsner ist ein schwachsinniger, arbeitsscheuer, als sittenlos und gewalttätig geschilderter Mensch, der seiner auf milde Gaben angewiesenen Mutter zur Last fiel. Er soll seine Geliebte mit Mord bedroht haben, wenn sie ihm nicht zu Willen war, er soll eine verheiratete Frau überfallen haben, und die ermordete Agnes Hruza soll sich darüber beschwert haben, daß er ihr nachstellte. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß die Juden nicht den geringsten Anlaß haben, sich eines solchen „Glaubensgenossen" um seiner selbst willen anzunehmen. Wenn er an dem schrecklichen Verbrechen theilgenommen oder es allein begangen haben sollte, so mag ihn die Strenge des Gesetzes treffen. Dennoch hat die österreichische israelitische Union es mit Recht für ihre Pflicht gehalten, diesem Angeklagten einen Vertheidiger zu bestellen, selbstverständlich nicht um die Erforschung der Wahrheit zu verhindern oder diesen Angeklagten der Verurteilung zu entziehen, falls er schuldig ist, sondern um zu verhüten, daß dieses der Anklage zufolge von einem oder von mehreren Juden begangene Verbrechen auf Motive zurückgeführt werde, die mit der jüdischen Religion in verleumderischen Zusammenhang gebracht werden. Antisemitische Verleumder betreiben das Geschäft, die jüdische Religion und die Juden durch die Erdichtung zu verunglimpfen, daß die Juden zu Ostern Christenblut gebrauchen. Diese niederträchtige und miserable Verleumdung wurde nicht blos in den finstersten Zeiten des Mittelalters zur Aufhetzung des leichtgläubigen Volkes gegen die Juden gebraucht und hat zu blutigen Excessen und Verfolgungen geführt, sondern wird von schurkischen Agitatoren vom Schlage des Ernst Schneider und des Ernst Vergani auch noch im neunzehnten Jahrhundert cultivirt. Ernst Schneider reist förmlich in Ritualmorden und das „Deutsche Bolksblatt" findet in der immer

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