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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-15 · 37 (15.9.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
37 (15.9.1899)
Date
1899-09-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 676 Nr. 37 Dr. Blocht Wochenfchrifk, warum sollte man nicht das Vermögen der Juden rauben? Die „Libre Parole" forderte, daß Dreyfus nochmals degradirt werde. Rochefort, der berüchtigteste Revolverjournalist von Frankreich, begrüßte das Urtheil mit den Worten: „Gleich den großen Schmerzen sind auch große Freuden stumm". Der Defraudant von Mühldorf erklärte sich höchst befriedigt in dem Rechtsgefühl, mit welchem er behaftet ist, und der Herausgeber der unter seinem Regime von der Tramway pauschalsten und vom Zuckercartell bestochenen „Deutschen Zeitung" war entzückt von dem Wahrspruch, der gezeigt hat, daß die Macht des jüdischen Geldes ihre Grenzen hat. Vielleicht gebührt gar der „Deutschen Zeitung" das Verdienst, daß die Kriegsrichter zu Rennes von der (Äcklärung des „Reichsanzeigers" nichts erfahren haben. Das Blatt hat nämlich diese Erklärung so versteckt gegeben, daß Niemand sie gesehen hat, und die „Deutsche Zeitung" freut sich darüber, daß sie nicht „au f g es e ss en" ist und daß sie die Note des „Reichsanzeigers" nicht so auffällig gedruckt hat wie andere Blätter, als hätte sie irgendwelche Bedeutung. O, der Dr. Wähner ist gar gescheit, der sitzt nicht der deutschen Regierung auf und läßt sich von Kaiser Wilhelm II. nicht foppen. Der deutsche Kaiser mag sich das für ein anderes Mal merken, und wenn er wünscht, daß Europa eine Mittheilung von ihm erfährt, der er die weiteste Verbreitung zu geben wünscht, so soll er sie in der „Deutschen Zeitung" i n s e r i r e n. Der Dr. Wähner wird's ihm billig machen, in Anbetracht dessen, daß er selbst früher deutschnationaler Geschäftsmann war, und dann kann Kaiser Wilhelm über den Raum des Blattes verfügen und bestimmen, wie das Inserat zu setzen ist. Aber „aufsitzen," das gibt's beim Dr. Wähner nicht; dazu ist er wirklich zu gescheit. Es ist eine saubere Gesellschaft, die dem Kreisgericht von Rennes ihre Sympathien entgegenbringt: Ernst Schneider, Vergani, Dr. Wähner, Rochefort und Major Esterhazy, denn auch dieser ist „glücklich" über die Verurtheilung des Alfred Dreyfus. Die gesamntte übrige Welt, die sich seiner angenommen, ist vom Dreyfus-Syndicat bestochen und verlangt die Rehabilitirung des Unschuldigen nicht um des Rechtes willen, sondern um die Herrschaft der Juden in Frankreich aufrecht zu halten. * * * Dem „Deutschen Volksblatt" verdanken wir auch eine heitere Aufklärung über den wahren Grund, warum die deutsche Regierung ihre Judenschutztruppen mobilisirt hat. „Es ist einmal von einer sehr hohen Stelle in Deutschland der Ausspruch gethan worden, daß der beste Schutz gegen Frankreich in einen guten Heere und in einem im Inneren zerrüttetem Frankreich bestehe. Wenn man sich diese Aeußerung vor Augen hätt, wird man vielleicht den Schlüssel zur Beröffentlichungim,. Reichsanzeiger" besitzen." Es erweckt immer ein unbehagliches Gefühl, den Vergani im Besitze von Schlüsseln zu wissen, aber diesmal ist die Sache unbedenklich, da es sich nicht um den Schlüssel einer Gemeindecasse handelt. Der von Vergani entdeckte diplomatische Schlüssel sagt uns aber: der Kampf um Dreyfus zerrüttet Frankreich im Inneren. Die Rote des „Reichsanzeigers" ist geeignet, diesen Kampf zu verlängern, folglich ist sie darauf berechnet, jene innere Zerrüttung Frankreichs zu steigern, welche der beste Schutz für Deutschland ist. Die Veröffentlichung der Note war also ein schlauer polttifcher Schachzug ä la Bismarck, und die vorgeschützte Pflicht der Menschlichkeit ist eine heuchlerische Maske, die das Verganiblatt dem Deutschen Kaiser herabgerissen hat. * q- Der Wunsch der „Libre Parole", daß an dem neuerdings verurtheilten Dreyfus, nach den jahrelangen furchtbaren Qualen, die er erduldet, die öffentliche Degradiruug nochmals vorgenommen wird, berechttgt zu der Frage, ob dieses Schandblatt vielleicht von bengalischen Tigern geschrieben wird. Nein, die bengalischen Tiger würden sich einer solchen Bestialität schämen. Wir brauchen nach der Qualität der Redacteure der „Libre Parole", des Schwesterorgans des „Deutschen Volksblatt" nicht weiter zu fragen; sie sind Antisemiten. Ihr Wunsch, aus welchem das Gemüth und der Charakter dieser Menschen geschlossen werden kann, wird aber nicht in Erfüllung gehen. Die Kriegsrichter haben ein Gnadengesuch für Dreyfus unterzeichnet, und Herr Carriöre hat es als zulässig erklärt, daß Dreyfus, nachdem er mehr als die Hälfte der Strafzeit abgebäßt, auf administrativem Wege freigelassen wird. Aus dem Gefangenen und Verurtheilten soll ein beurlaubter Sträfling werden, und so wäre die Affaire nach der Meinung dieser Leute beendet, die dem Unschuldigen durch ihr gewissenloses Urtheil die Ehre geraubt und ihn nunmehr auf administrativem Wege um die Möglichkeit, seine Ehre wiederzuerlangen, betrügen wollen. Die Rechtsfrage, um welche sich die Richter durch die Milderungsgrünve herumgeschlichen haben, soll durch die Freilassung aus der Welt geschafft werden, um die Sache zu beenden. Dieser Versuch wird den compromittirten Generälen und ihren gerichtlichen Helfershelfern nicht gelingen. Nicht um das persönliche Schicksal des Verurtheilten handelt es sich, sondern um sein Recht, und Dreyfus selbst würde gewiß lieber nach der Teufelsinsel zurückkehren, um dort die neuerliche Entscheidung des Cassationshofes abzuwarten, als daß er auf die Anerkennung seiner Schuldlosigkeit verzichten würde. Das Urtheil, Dreyfus' ist keine persönliche Angelegenheit, und heute könnten die Franzosen doch schon wissen, daß seine militärischen Richter die Ehre Frankreichs compromittirt und den lauten Protest der ganzen Culturwelt heraufbeschworen haben. Auf administrativem Wege pflegte Rußland seine politischen Gefangenen nach Sibirien zu verschicken. Grausamer als die Verbannung in die sibirischen Bergwerke wäre die administrative Verschickung eines Menschen in die Freiheit, die ihm für immer die Ehre raubt. Robert Wolf. Jüdische Inserate in Antisewitenblättern. Geehrte Redaction! Die Notiz „Jüdische Inserate im „Deutschen Volksblatt" in Ihrer werthen Zeitschrift, veranlaßt mich zu veröffentlichen, daß Herr Vergani gar kein Recht hatte, sein Blatt als Specialität hinzustellen. Daß der von Herrn B. Marcus dargestellte Fall nicht vereinzelt dasteht, beweist Nachsolgendes: Hier erscheint seit 25 Jahren ein Politisches Organ, der „Bote aus dem Egerthal". Früher verfolgte diese Zeitung liberale, dann deutschfortschrittliche und jetzt, dem Strome der Zeit folgend, deutschnationalradicale Tendenzen, huldigt, feiert Wolf, Schönerer und Bismarck, und gebraucht, was gar nicht zu verwundern ist, nebst „Los von Rom" auch den Antisemitismus sehr stark als praktisches Zugmittel, um so die einige Hunderte zählenden Abonnenten noch um etliche Dutzend hinaufzuschrauben, da ein zweites, hier erscheinendes und auch deutschnationales Blatt, dem lieben „Boten aus dem Jammerthale" eine gefährliche Concurrenz macht. Das Blättchen der „Bote aus dem Egerthal" ist jedoch nicht „judenrein", daß sei hier constatirt, denn, wenn auch der Schriftleiter, Herr W. I. Lederer, dieses Blattes, in demselben die Juden in der gemeinsten Weise beschimpft, so verschlägt es diesem Herrn gar nicht, Annoncen von Juden im „Boten aus dem Egerthal" aufzunehmen und sich dieselben auch gut bezahlen zu lassen. So inserirt der jüdische Handelsschulinhaber Wertheimer in Prag, Poki«, in Nummer 25 im obgenannten Blatte. Auch an der arischen Abstammung eines Herrn Lndwig Oesterreicher, Budapest, VIIL, Deutschegaffe 8, welcher den „Boten aus dem Egerthale" ebenfalls höchstwahrscheinlich „jüdisches" Geld durch Annoncen verdienen läßt, hege ich sehr bedenkliche Zweifel. Sie sehen also, verehrliche Redaction, daß Herr Vergani mit seinen jüdischen Annoncen als Specialität nicht ohne Rivalen dasteht. Vielleicht kommt Herr Vergani und Herr W. I. Lederer gemeinsam um Patentschutz ein, in den Vorderseiten ihrer Schandblätter der Juden Ehre zu besudeln und in den letzten Seiten derselben von Juden, ihnen sehr erwünschtes Geld zu nehmen. Mit vorzüglicher Hochachtung I. M. Falkenau a. E., 8. September. Vergani und Riebenbauer. Unter dem Titel „Kleine Beiträge zur Judenfrage" berichtete das „Deutsche Volksblatt" unter Anderem: „In Kocman ist der jüdische Kanzlist des dortigen Bezirksgerichtes, Constantin Riebenbauer (!) nach einer Defraudation von Gerichtsdepots im Werthe von 2000 fl. nach Rußland geflüchtet. Riebenbauer wurde jedoch in Odessa verhaftet." Wenn Herr Riebenbauer das „Deutsche Bolksblatt" wegen Ehrenbeleidigung klagen würde, so würde es ihm genau so ergehen, wie dem Ernst Vergani, als er wegen der Beschuldigung, er habe Gemeindegelder defraudir', einen Ehrenbeleidigungsprozeß führte. Die Geschworenen würden es als bewiesen erklären, daß Herr Ri eb e nb au e r defraudirt hat, gerade sowie sie als bewiesen erklärten, daß Vergani von den ihm anvertrauten Vermögensobjecten der Gemeinde Mühldorf einen Theil unterschlagen hat. Sie würden also dem Herrn Riebenbauer ebenso die Bestätigung ertheilen, daß er ein

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