Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 36 (8.9.1899)
- Date
- 1899-09-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 36 Dr. Bloches Wochenschrift Seite 665 besitzer Marcus S t r a ß m a u tt hat anläßlich der Vermälung seiner jüngsten Tochter dein hiesigen Frauenverein den Betrag von 10.000 Gulden mit der Bestimmung übergeben, alljährlich ans den Zinsen die Heirathsausstatiung von zwei armen jüdischen Mädchen zu besorgen, und der langjährige Vicepräses unserer Gemeinde, Herr Med. Dr. Josef Wechsberg hat aus Anlaß seiner am 19. d. M. erfolgenden Uebersiedluug nach Wien 5000 Gulden als Gruudcapital eines zu errichtenden jüdischen Waisenhauses gespendet. Den hochherzigen Spendern sei auch hier der wärmste Dank ausgesprochen und hoffen wir, daß das edle Beispiel recht viele Nachahmer finden wird. Mährisch Ostrau. Im engsten Familienkreise feierte Herr Samuel Spitzer, Lehrer an der hiesigen israelitischen Volksschule, das 25jährige Jubiläum seines Dienstantrittes an der genannten Schule. Obwohl die Feier nur im engsten Familienkreise geplant war, fand sich der Vorstand der Cultusgemeinde in der Wohnung des Jubilars ein. Der Obmann des Schulstction Herr Friedländer brachte die Glückwünsche des Vorstandes zum Ausdrucke. Auch sämmtliche Beamte der Cultusgemeinde kamen; im Namen derselben beglückwünschte Rabbiner Dr. S P i r a den Jubilar; Oberlehrer K o h n that das Gleiche im Namen des Lehrkörpers. Nachher brachte Herr Alfred Lerchenfeld die Glückwünsche der ehemaligen Schüler, von denen sich eine ansehnliche Zahl eing - sunden hatte, zum Ausdruck. Von sämmtlichen Deputationen wurden dem Jubilar Ehrengeschenke überreicht. Auch sonst wurden dem Jubilar von vielen Seiten Aufmerksamkeiten in reichem Maße zu theil. Bielitz. (I s r a e l i t i s ch e r F r e i t i s ch v e r e i n.) Tie Vereinsleitung hat gegen das Ende der Ferien ihre Thätigkeit wieder aufgenommen und soeben mit dem Comitä für die Kostvertheilung die erste Sitzung für das kommende Schuljahr abgehalten. Für dasselbe sind während der Ferien 70 Gesuche um Freitische eingelaufen. In dem abgelansenen Schuljahre betrug die Anzahl der Kostgänger am Beginne 50 und erhöhte sich ans 63 zum Schlüsse des Schuljahres. Von den Kostkindern des Vereines besuchten 10 die Gewerbeschule, 20 die Mittelschulen und 33 die Volksschulen. An die 63 Schüler wurden in den 10 Monaten des Schuljahres mit einem Kostenanfwande von fl. 3100-54, 1554 Frühstücksportionen, 13.970 Mittagessen und 2246 Nachtmahlportionen verabreicht. Rechnet man noch die Kosten für die Miethe der zwei Speiselocale und die diversen kleinen Auslagen sür Jncasso, Porto, Drucksachen re. hinzu, so kommt doch eine recht stattliche Summe heraus, welche durch die Opferwilligkeit der Vereinsmitglieder und die zahlreichen Spenden bei freudigen und traurigen Ereignissen aufgebracht wurden. Die Vereinsleitung hegt die Erwartung, daß der opferwillige Sinn der Vereinsmitglieder nicht Nachlassen und es dem Vorstand möglich gemacht werden wird, sein schönes Werk zum Woble der armen Jugend und zur Zufriedenheit ihrer Wohlthäter fortzuführen und auszugestalten. Marienbad. 2. September. Der englischen Gesandte in Wien Excellenz Sir Horace Rumbold gab zu Ehren des Prinzen of Wales, welcher heute Früh von hier abreiste, vorgestern Abend in Baruch's Hotel New-Iork ein solennes Abschiedsdiener von 16 Gedecken. Anwesend waren: Der Prinz von Wales, Capitän Fertescui, Fürst und Fürstin Metternich, Lord Arthur Ellis, Sir Horace und Lady Rumbold, Miß A. Ellis, Lady Sannox, Earl of Jlehester und Andern zur Cur hier anwesende Mitglieder des englischen Hochadels. Der kleine Saal des Hotels war in einen Garten verwandelt und prachtvoll decorirt. Der Prinz hielt nach dem Diner längeren Cercle, beim Weggehen sprach sich der Prinz dem Hotelier gegenüber auf das Anerkennendste aus. Horazdiowitz. Nach 23jähriger pflichteifrigster Thätigkeit als Oberlehrer an der hisiegen mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen israelitischen deutschen Volksschule verläßt Herr Alexander Baum unsere Stadt, um einem Ruf an die israelitische deutsche Volksschule in Klattau zu folgen. Sein sympathisches und bescheidenes Wesen gewann ihm die Achtung seiner Mitbürger in hohem Grade. Von der großen Beliebtheit, deren sich Herr Baum erfreute, zeugte der vom hisiegem Gesangverein und der hiesigen Feuerwehr (deren Beider langjähriges Mitglied Herr Baum war) veranstaltete Abschiedsabend. Es hatten sich nicht nur Mitglieder der beiden Vereine, sondern auch mehrere k. k. Beamte, Volks- und Bürgerschul-Lehrer und Andere eingefunden. Von einigen Rednern wurden die Verdienste des Scheidenden gefeiert und dem allgemeinem Wunsche Ausdruck gegeben, daß es hem Scheidenden gegönnt sei. sich in Klattau der gleichen Liebe und Achtung zu erfreuen wie bei uns. Feuilleton. Iahr; eit. Von L. V e i t. und wie ich näher komme Da hör' ich einen zu dem Andcrn sagen: „Hier wand sie aus den Fesseln die sie hielt Sich heftig los und stürzte in den Fluß" Bei meinem Anblick wichen sie zurück — Da fand ich sie, da lag mein theures Kind. Wie siegesfroh schien das Gesicht zu lächeln, Daß sie der Schande durch den Tod entrann. Ich trug sie auf den Armen heim ins Haus — Mein Weib trat auf dem Flure mir entgegen. „Du bringst Johanna wieder" und sie sank Zu meinen Füßen nieder — Herr, o Herr! Da stand ich nun allein auf weiter Erde Verachtet und verlassen, alt und schwach — Ich bettete die Lieben hinterm Hause — Man hat mir gnädiglich gestattet, hier Den kurzen Rest der Tage zu vertrauern Und Todtenwacht zu halten — Joseph (mühsam) : Vater: Von meinem Sohne hört' ich niemals wieder Joseph: Dein Sohn ist nicht gestorben — Vater: Du da? mein Joseph - Joseph: Und Dein Sohn Wie, was sagst Von ihm Lebt — ich bring' Dir Botschaft Vater: Wo lebt er — ist er glücklich, sprich O Herr, Dich hat der liebe Gott entsendet Du bist kein Mensch von dieser Erde, denn Dein Wort ist süß und fühlend schlagt das Herz In Deinem Busen — o, erzähle mir Bon meinem Kinde. Joseph: Fern über'm Meere Bieltausend Stunden weit, da wohnt ein Volk Wo man den Menschen werthet nach Verdienst, Wo ehrlich Handeln noch die Krone trägt. Dort lebt Dein Sohn — nach redlich hartem Streben Hat ihm das Schicksal seine Gunst erwiesen — Vater: Und hat er nicht sein Elternhaus vergessen? Joseph: Sein erstes Wort wenn er vom Lager springt, Sein letztes wenn er sich zur Ruhe legt, Ist seiner heißgeliebten Eltern Name — Vater (küßt sein Gewand); O laß' den Saum von Deinem Kleid mich küssen Ich weiß Dir keinen andern Dank zu sagen — Sechster Auftritt. (Tie Vorigen, die beiden Grenzwächter erscheinen im Hintergründe und schleichen sich vorsichtig näher.) Prokopje — Mischka, ist er's? Still — ich glaube — Erster: Zweiter Erster: