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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-08 · 36 (8.9.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
36 (8.9.1899)
Date
1899-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Vr. Blach's Wvchc.tschrrst. Seite 663 hinzugefügt waren. Innerhalb des Walles wurden Ausgrabungen, die bis auf den gewachsenen Fels hinabgingen, vorgenommen. Dr. Bliß fand Reste von Häusern aus wenigstens vier verschiedenen Perioden mit den zugehörigen Gerüchen u. s. w. Die datierbaren Gegenstände stammen von der vorisraelitischen bis in die spätjüdische Zeit. Besonderes Interesse beanspruchen 12 Topfheukel von Königskrügen, die mit Stempeln versehen sind, die eine Figur ähnlich einem Schmetterliuge zeigen, von denen vier die Inschrift tragen „Eigenthum des Königs von Socho", zwei „Eigenthum des Königs von Hebron" und einer wahrscheinlich „Eigenthum des Königs von Zib". — Socho liegt drei Meilen von Tell-Zakärie und heißt heute Schuweke. Auch ein Skarabäus mit dem Nemen Tothmes Hl., der diese Gegend eroberte, wurde gesunden. Auch in Tell-es-Säfte, dem alten Gath, wurden Ausgrabungen in einer Tiefe von 6'5 bis 9 Meter vorgenommen, und aus den überall darin gefundenen Topfscherben will Dr. Bliß auch vier Perioden erkennen. Von der Oberfläche bis 2 Meter tief fand man viele glasirte arabische Gefäße, die zuweilen rohe Muster zeigten. Die anderen Typen umfassen die jüdischen Formen, die auch in Tell-Zakärie gefunden waren, eine Anzahl frühgriechischer Gefäße aus der Zeit von 700 bis 550 v. Ehr., einige schwarze und rothe griechische Gefäße aus der Zeit von 550 bis 350 v. Chr. und wenige präisraelitische Formen. In derselben Schicht wurden auch die Fundamente einer Reihe roh mit Mörtel errichteter Kammern gesunder, die wahrscheinlich aus der Zeit der Bianca guarda, jener Burg herrühren, die König Fülco von Anjou im Jahre 1138 hier erbaute. Von 2 bis 3 Meter Tiefe finden sich dieselben Sachen ohne die arabischen Gefäße, nur mit weniger spät griechischen. Auch zwei Topfhenkel, wovon einer wieder mit dem Stempel der Königin von Socho, wurden hier gefunden. Von 3 bis 6 Meter Tiefe finden sich die präisraelitischen Typen, wie in Tell-Zakärie, und phöni,zische Formen. Von 6 Meter ab bis zum gewachsenen Felsen finden sich auch präisraelitische Typen, ähnlich jenen, die in der ersten Stadt von Tell-el-Hesy Vorkommen und ungefähr der Zeit von 1600 bis 1700 v. Chr. angehören. Berlin. In Betreff der Ordinariate der jüdischen Lehrerinnen in Berlin hat der Cultusminister genehmigt, daß drei jüdische Lehrerinnen mit Rücksicht auf ihre langjährige Dienstzeit im Ordinariate verbleiben, zwei andere, die ebenfalls eine längere Dienstzeit hinter sich haben, angestellt werden, während neue jüdische Lehrerinnen nur unter bestimmten Bedingungen in Zukunft ein Ordinariat erhalten sollen. Der Magistrat hat unter Wahrung seines principiellen Standpunktes diesem Abkommen jetzt zugestimmt. Berlin. Vor einiger Zeiten mußte auf ein Reskript des Herrn Cultusministers hingewiesen werden, dem zufolge jüdische Vokssch ullehrer zum einjährig-freiwilligen Militärdienst nicht zugelassen werden könnten, weil den jüdischen Lehrerbildungsanstaltungen als Privatanstalten das Recht der Qualitficationscrtheilung zum einjährigen Dienst nicht zustehe. Gegen diese formelle Ministeriallogik kann nicht das Mindeste eingewendet werden. Aber ein gewisser Billigkeitssinn hätte doch wohl bei einigem guten Willen über diese ungeheure Verwaltnngsschwierigkeit hinweggeholsen. die man sich für gewisse Fälle im Cultusministerium zu schaffen nur allzu gern bereit ist. Da bringt nun gerade zur rechten Zeit die „ Allg. Ztg. des Judenthums" folgenden Brief des Leiters der von der Berliner jüdischen Gemeinde unterhaltenen Lehrerbildungsanstalt, Herrn Dr. Michael Holzmann: „Um Jrcthümer vorzubeugen, erkläre ich, daß Leiter jüdischer Lehrersemenarien in Preußen die nöthigen Schritte zur Erlangung der Berechtigung der Zöglinge zum einjährig-freiwilligen Militärdienst schon längst gethan, daß sie aber im Interesse der Sache es für ihre Pflicht gehalten haben, darüber nichts laut werden zu lassen. Zur Klarstellung darf ich auch erwähnen, daß nach dem allerhöchste Erlasse vom 27. Januar 1895 in Zukunft alle Volksschullehrer nur ein Jahr mit der Waffe dienen, sowie daß das Recht des einjährig-freiwilligen Militärdienstes den Zöglingen aller nicht staatlichen — sowohl der christlichen als der j ü d i s ch e n — Seminarien vorläufig nicht zuerkannt ist." Hieraus ergibt sich wenigstens so viel, daß von einer kränkenden Zurücksetzung der jüdischen Volksschullehrer nicht die Rede sein kann. Paris. Die Zeitung ,La tei-re Saint* schreibt aus Syrien, daß in allen Provinzen von Syrien und Palästina den Libanon mit eingerechnet in den letzten Jahren eine starke Auswanderung von Maroniten und anderen syrischen Christen sich geltend mach?. Dieselbe soll in der Provinz Libanon so stark sein, daß ein Viertel der Bevölkerung bereits ausgewandert ist, und zur Bestellung der Felder es an Arbeitern zu mangeln beginnt. Der Auswandererstrom geht hauptsächlich nach Brasilien und Argentinien. — Dieselbe Zeitung meldet, daß die Griechen in Jerusalem, deren Zahl kaum 3000 erreichen dürfte, nicht weniger als 3 Millionelt jährliche Einkünfte für ihre Zwecke zur Verwendung haben, welche ihnen von auswärts zur Verfügung gestellt werden. Wie klein erscheinen dem gegenüber die Summen, welche die Chalucka für die 4-0.000 Juden Jerusalems jährlich aufbringt. London. Auch wir haben hier eine Bewegung irr der jüdischen Gemeinde, die darauf hinausgeht, Sonntagsgottesdienst einzuführen. Ihr Hauptbefücworler ist Mr. Oswald Simon, der in Wort und Schrift für diese Neuerung eintritt. Er ist jetzt noch einen Schritt weiter gegangen und külldigt an, daß er am ersten Sonntag im October, Gottesdienst für alle Gläubigen, gleichviel welcher Confession, veranstalten will. Er will damit zeigen, daß mau zu Gott beten kann ohne Rücksicht auf irgend eine Religion oder Confession, um damit Propaganda zu machen für die von ihm geforderte Verschmelzung der Religionen. Es ist für die Entwicklung innerhalb der jüdischen Gemeinde nur von Vortheil, daß so die Ziele der Bewegung für Sonntagsgottesdienst klargestellt werden, denn mancher Gutgläubige wird nun sich von derselben zurückziehen. London. Am 27. August wurde die neuerbaule Hambrv- Synagoge unter großen Feierlichkeiten eingeweiht. Mr. Henry Lucas, der Vicepräsident der United Synagoge, legte den Schlußstein mit einer längeren Rede, während der Oberrabbiner Doctor Adler die Eröffnungsceremouie voruabm und die eigentliche Festrede hielt. Die Mitglieder der Synagoge machten bei dieser Grlegenheit derselben verschiedene kostbare Geschenke an Thorahroüen, Mäntelchen und Silber. In Manchester wurde am gleichen Tage durch Jos. Emanuel ebenfalls eine neue Synagoge im Norden der Stadt eingeweiht und gleichzeitig wurde auch im Süden Glasgows ein neuer Tempel eingeweiht. An diesem letzteren ist besonders interessant, daß er von den Spargeldern der jüdischen Arbeiter in Glasgow ohne jede fremde Hilfe erbaut worden ist. Lüttich. In unserer Stadt ist eine prachtvolle Synagoge eröffnet worden, die Raum für 500 Personen bietet. Der Tempel ist in maurischem Style erbaut, mit zwei hübsche» Minarets und eines der schönsten Gebäude der Stadt. Bei der Einweihungsfeier war der Gouverneur der Provinz und der Senator Montefiore anwesend. Die Festrede hielt der Oberrabbiner von Belgien Dr. Bloch. New-Pork. Auch diesmal haben wir von dem Bau, resp. von Einweihungsfeierlichkeiten neuer Synagogen zu berichten. In Hoboken legte der Bürgermeister Lawrence Fagan den Grundstein zu dem neuen Gebäude der „Orthodox Congregation Moses Montefiore" und hielt dabei eine große Rede, in der er betonte, daß die Stadt Hoboken stolz aus ihre jüdischen Mitbürger ist. — In Union Hill, New Jersey, ist ebenfalls der Bau einer neuen Synagoge begonnen worven, desgleichen in Marshall, Texas. — In Chicago wurde die neue Synagoge Beth Hachneseth Hagro am 30. Juli eingeweiht, ebenso in New-Iork am 12. August der Tempel der Sinai-Gemeinde. Dieses Gebäude war früher eine Baptistenkirche und ist fitzt in eine Synagoge verwandelt worden. — In Philadelphia wird demnächst ein großes Heim für Unheilbare Kranke, das Lucien Moss Home for Incurables, erbaut. New-Pork. Die neuen Ziffern über die Einwanderung zeigen, daß dieselbe im Jahre 1898 betrug 861.814 Personen und darunter 24.068 Juden. Aus Oesterreich-Ungarn kamen 54.735 Personen, davon 9921 Juden und aus Rußland 44.421, davon 15.429 Juden. Wie man sieht, kommen die meisten jüdischen Einwanderer noch aus Rußland, doch dürste in diesem Jahr sich das Verhältnis ändern, denn die Immigration aus Galizien und Rußland nimmt enorm zu. Bombay. An der hiesigen Universität ist jetzt auch ein Lehrstuhl für Hebräisch und hebräische Literatur eingerichtet. Derselbe ist provisorisch auf 2 Jahre Mr. Ezekiel Moses übertragen worden.

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