Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 36 (8.9.1899)
- Date
- 1899-09-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 662 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 36 Correspondenzen. Bifenz. In feierlicher Weise wurde am 3. d. M. Nachmittags die hiesige neue deutsche Volksschule, welche mit Allerhöchster Bewilligung den Namen „Kaiser Franz Jvsef-Volksschule" führt, eingewciht. Programmgemäß begann um 3 Uhr Nachmittags der Ffftgottesdienst, der sich durch die von patriotischem Geiste durchglühte Predigt des hochw. Rabbiners, Herrn Dr. Joses Hoff, ebenso erhebend als würdevoll gestaltete. Nach dem Festgottesdienste bewegte sich der Festzug, in welchem man außer den Vertretern der hiesigen und auswärtigen Gemeinden den Herrn k. k. Bezirkshauptmann Wacha, den Herrn k. k. Bezirksschulinspector Wagner und den Herrn Director des k. k. deutschen Real- und Öbergymnasiums Peratoner ans Ung.-Hradisch bemerkte, nach dem ausgedehnten Hofraume des Hauses. Hier begrüßte Herr Bürgermeister Jg. Frankl osficiell die erschienenen Festgäste und hieß alle Anwesenden herzlichst willkommen. Besonderen Dank sprach er Herrn Jacques Ehrenzweig, Bauquier aus Wien, und dessen Gattin für ihr Erscheinen aus, deren hochherzige Widmung des eigenen Familienhauses für Schul- und Gemeiudezwecke die neue Unterrichtsstätte ihr Entstehen verdankt. Ein Toast auf den Kaiser, als Schützer und Förderer aller culturellen Bestrebungen, wurde mit stürmischen Hochrufen acclamirt, worauf die Musikcapelle die Volkshymne intonirte. Mit einem speciellen Danke an jene, welche durch beträchtliche Spenden den Neubau gefördert hatten, dann an diejenigen, welche thätigen Antheil daran genommen hatten, endlich mit einem inbrünstigen Daukgebet an den Allmächtigen, der es ihm vergönnt, das schöne Haus nach vieler redlicher Bemühung seiner edlen Bestimmung zuzusühren, schloß der Herr Bürgermeister seine mit vielem Beifalle aufgeuommene Rede. Nun nahm Herr Oberlehrer Spitzer das Wort, um in kurzer, inhaltsreicher Rede Allen zu danken, welche der hiesigen Volksschule ein so würdiges Heim zu bieten sich vereinigt hatten, ermahnte die Jugend zu strengem Gehorsam und erhöhtem Lerneifer und schloß mit dem namens des Lehrkörpers abgegebenen Gelöbnisses, der hiesigen deutschen Volkschule den ausgezeichneten Ruf zu bewahren, den sie von altersher genießt. Als hierauf die Schülerin Caniilla Müller ein schönes Festgedicht in gediegener Weise zum Vortrage gebracht hatte, iutonüten die Schulkinder die Volkshymne, womit die schöne Feier osficiell geschloffen wurde. Das nun folgende, im Schloßgarten abgehaltene Parksest, bei welchem die Schuljugend zunächst mit einer reichlichen Jause betheilt wurde, bot allen Anwesenden durch Concert, Juxpost, Schönheits-Concurrenz. Ciriandoliwerfen und ein brillantes Feuerwerk so reichliche angenehme Abwechslung und Unterhaltung, daß die Teilnehmer bis circa halb 9 Uhr in animirtester Stimmung erhalten wurden. Ein im Bräuhaussaale abgehaltenes Elite - Kränzchen schloß den Reigen der festlichen Veranstaltungen. Znaim, 3. September. Se. Majestät der Kaiser passirte heute auf der Reise von den Manövern nach Wien unsere Stadt, und olle Honoratioren waren zum Empfange auf dem Bahnhof erschienen. Unsere Cultusgemeinde war durch den Vorsteher Herrn Hermann Steiner, die beiden Beiräthe Dr. Rose nf e l d und Much sowie Rabbiner Dr. K a h a n vertreten. Letzterem widerfuhr die hohe Auszeichnung, von Sr. Majestät in huldvoller Weise angesprochen zu werden. Der Kaiser erkundigte sich nach denk Stande der Cultusgemeinde und fragte auch, wie lange unser Rabbiner im Amte sei. Die Antwort desselben. daß er erst seit drei Tagen hier sei, versetzte Se. Majestät in die heiterste Laune und unter Lachen sagte er: „So kurze Zeit sind Sie erst hier? Nun, es hat mich sehr gefreut, die Herren zu sehen". Brünn, Die hiesige Staatsanwaltschaft hat die im Verlage von Anton Odehnal erschienene Broschüre „Rituelni razdi u Zidu a £b o tom soudeti“ („Die Ritualmorde bei den Juden und was davon zu denken ist"), verfaßt von Mecinsky, confiszirt und deren Weiterverbreitung verboten. Die Broschüre wurde in den letzten Tagen massenhaft in Böhmen und Mähren verbreitet und namentlich in Kuttenberg, Polna und Umgebung. Czaslau, 3. September. (Einweihung einer Synagoge.) In festlicher Weise und unter Theilnahme der ganzen städtischen Bevölkerung erfolgte heute Nachmittags die Einweihung der neu erbauten Synagoge. Vor dem Hauptportale des festlich geschmückten Tempels hatten sich die Vertreter der staatlichen und autonomen Behörden 'eingefunden, welche sämmtlich an der Begrüßung des Kaisers bei dessen Fahrt durch Czaslau theilgenommen hatten. Es waren erschienen: Statth a l t e r e i r a t h K r e i c z y in Vertretung des Statthalters Grafen Co u den Hove, Landesgerichtsrath Koller, O b e r - F i n a n z r a t h B e d n a r z, Ober- Bezirksarzt Benuzzi, Ober-Ingenieur H e y e t, P o st v e r w a l t e r P r o h a s k a. Bezirkscommissär Springet und zahlreiche Staatsbeamte; ferner M a j o r G r i m m mit sammtlichen dienstfreien Officieren, Bürgermeister Fialla mit den Stadträthen und Gemeindeausschüssen, der gesammte Bezirksausschuß unter Führung seines Obmannes Dr. Zimmer; Deputationen und Vertreter der Cultusgemeinde» Wien (Baurath Stiaßny), Kolin (Vorsteher Bondy), Kuttenberg (Vorsteher Beran), Habern, Jenikau, Pardubitz, Hermann-Miestec, Prelauz. Deutschbrod, Podiebrad rc., und die nach vielen Hunderten zählende städtische Bürgerschaft sammt ihren Damen nahmen ebenfalls an der Feier theil. Nach Absingung eines Chores überreichte Rad bin er Hoch die Schlüssel dem um die Gemeinde und das Zustandekommen des Baues sehr verdienten CultusvorsteherWeiner, worauf die Gäste in das festlich beleuchtete und geschmückte Haus einzogen. Nach Verlesung der Schlußstein-Urkunde durch den Baumeister Skrivänek nahm der Architekt des Baues, B a u r a t h Stiaßny aus Wien, die Schlußsteinlegung vor, bei welcher sämmtliche Honoratioren die üblichen Hammerschläge abgaben. Mit der Abhaltung einer Festpredigt durch den Rabbiner Dr. Hoch juu. und der Absingung der Volkshymne endete die schöne Feier, welche in der ganzen Versammlung einen erhebenden, harmonischen Eindruck hervorgerufen hatte. Der Tempel, in maurischen Styl, aber nach originellen, vom Herkömmlichen abw ichenden Motiven erbaut, fand allseitige Anerkennung und Bewunderung. Die reiche, polychrome Bemalung, vorerst nur auf den Jnnenraum beschränkt, ist von dem Wiener Hos-Decorationsmaler Kott ausgeführt und fand allgemeinen Beifall. Ein Bankett, welches die Festgäste bis in die späten Nachtstunden vereinigt hielt, bildete den Abschluß der schönen Feier. Rzeszow. Am 29., 30. und 31. v. M. waren hier die üblichen Schuleinschreibungen. Der provisorische Leiter des k. k. Lehrer-Seminars verlangte von den jüdischen Eltern eine Verpflichtung, wonach ihre Kinder am Sabbath sich des Schreibens nicht enthalten dürfen, andernfalls verweigerte er die Aufnahme. Einige Eltern legten dagegen Verwahrung ein, und erst auf deren telegraphische Neclamation an die Landesschulbehörde und unter Berufung auf die staatsgrundgesetzlich gewährleistete confessionelle Gleichberechtigung und Citirung des Minierial-Erlasses vom 31. Jänner 1876, Zahl 1208, „wonach jeder dirccte oder indirecte Zwang zur Uebertretung des israelitischen Gebotes, am Sabbath des Schreibens sich zu enthalten, als unstatthaft zu unterbleiben hat", langte die Weisung herab, die Einschreibungen an gar keine Bedingung zu knüpfen. Temesvar. Der neuerbaute Tempel der Fabriker israelitisch:» Status-qno-Gemeinde wurde am 3. September, Vormittags Vr 11 Uhr, eingewciht und seiner Bestimmung übergeben. Das Programm der Feier bestand im Nachstehenden: 1. Uebergabe des Tempelschlüssels und Eröffnung des Tempels durch kön. Rath Bürgermeister Dr. Carl T e l b i ß. 2. Einzug in den Tempel mit den Thoras unter Absingüng des Psames XXIV. 3. Anzündung des ewigen Lichtes durch den Araber Oberrabbiner Herrn Dr. Alexander R o s e n b e r g. 4. Gesangschor: Psalm CXXll. 5. Festrede des Oberrabbiners der Cultusgemeinde Dr. Jacob Singer. 6. Chorgesang. 7. Predigt des Temesvarer Oberrabbiners Herrn Dr. Moritz L ö w Y, womit der Tempel fline Weihe erhält. 8. Hymnus. Berlin. (Neue Ausgrabungen in Judäa) hat der englische Verein für die Erforschung von Palästina vornehmen lassen. Durch einen türkischen Firman wurde ein 10 Quadratkilometer großes Terrain für Ausgrabungen freigegeben, das, an der Grenze des Philisterlandes auf dem Wege von Askolon nach Jerusalem gelegen, bei Tell-Judeideh, Tell-es-Safie und Tcll-Zakarie vielversprechende Orte umfaßte. Die Herren Bliß und Macalister haben am 26. Oclober 1898 bei letztgenanntem Orte die Ausgrabungen begonnen. Sie fanden dort dem „Globus" zufolge einen isvlirten Hügel, der sich plötzlich 100 Meter über dem Thale von Elah erhebt, welches sich bei Tell-es-Sasie in der Ebene verliert. Auf dem sehr breiten Gipfel dieses Hügels endeckte Dr. Bliß bald die Wälle einer alten Befestigung, an welche in späterer Zeit sechs Thürine