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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-01 · 35 (1.9.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
35 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 646 Baden, 27. August. Heute ist hier Frau Rosalie S chis ch a, geborene Ullmann im Alter von 73 Jahren verschieden. Dieselbe, ein bis an ihrem Lebensende immer der Frömmigkeit gewidmetes Leben, war die Tochter des berühmten Lackenbacher Rabbiners Reb Scholom C-'aref s. A. An ihrer Bahre trauern zwei Söhne, von denen der eine Cultusvorsteher in Wr.-Neustadt ist und eine Tochter, Frau Julie Leitner, Bicepräsidentin des Badener israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, die Gattin des verdienstvollen Präses der Chewra- Kadischa und Vorsteher der Cultusgemeinde Baden. Karlsbad. Se. Majestät der Kaiser hat gestattet, daß das hier neu zu errichtende Cur-Hospital für 100 unbemittelte israelitische Curgäste die Aufschrift führen dürfe „Israelitisches Regierungs-Jubiläums-Cur-Hospital." Dasselbe wird in etwa zwei Jahren eröffnet und hat die sel. Frau Baronin v. Hirsch 40.000 fl. beigetragen. Franzensbad.- (Israelitische Cultusgemeinde.) Bei der infolge Resignation des Herrn B. Kr a u s nothwendig gewordenen Ersatzwahl, die am 27. d. M. hier stattfand, wurde Herr Theodor S p i e g l zum Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde gewählt. Marienbad. Während seines dreiwöchentlichen Aufenthaltes hier, speiste der Prinz von Wales viermal in größerer Gesellschaft in dem bekannten Restaurant des Hotel N e w - A o r k. Der Prinz sprach dem Hotelier Herrn B a r n ch seine vollste Zufriedenheit aus und stellte seinen Besuch auch für das nächste Jahr in Aussicht. Petra». (Der Statthalter von Mähren im „Ferienheim".) Der Einweihung des neuerbauten Landes gymnasiums in Straßnitz, welche durch den Olmützer Fürsterzbischof Dr. K o h n in feierlichster Weise vorgenommen wurde, wohnte auch der Statthalter von Mähren Freiherr,von Spens- B o o d e n bei. Auf der Fahrt von Rvhatetz nach Straßnitz passirten die Festgäste gegen halb 7 Uhr Morgens das freundliche Petrau. Vor einem mit patriotischen Emblemen reich gezierten Häuschen waren mehr als sechzig mit schwarzgelben Schleifen geputzte Mädchen postirt, welchen eine große Kaiserfahne vorangetragen wurde — die Colomsten des „Ferienheim". Als die Festgäste vorüberfuhren, stimmten die Mädchen ein hübsches Begrüßungslied an. Von dieser Aufmerksamkeit sichtlich erfreut, stiegen der Statthalter Baron Spens-Booden und der Bezirkshauptmann Baron Frieß ab und erkundigten sich bei den Colonielehrerinnen eingehend nach der Organisation und dem Stande der Colonie, welche schon durch acht Jahre in Mähren untergebracht ist. Der Statthalter lobte das Aussehen und die Nettigkeit der Kleinen, deren er mehrere ansprach und ansfragte. Znaim. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. K a h a n, aus Waidhofen a. d. Thaya, wurde einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde gewählt. Ol,nutz. (Auszeichnung.) Den Malzfabriksbesitzern Herren Wilhelm und Ignaz B r i e s hier, wurde der Titel von k. u. k. Hofmalzfabrikanten verliehen für die Verdienste, welche sich dieselben um die Hebung und den Export der heimischen Malzindustrie erworben haben. Essegg, 28. August. In diesen Blättern war des Oefteren schon die Rede von dem Ansehen und der hohen Achtung, welcher sich die Judenschaft Croatiens und Slavoniens auch in den Kreisen der Andersgläubigen erfreut. Als neuerliche und treffendste Illustration zu dieser Behauptung muß die Thatsache betrachtet werden, wonach der Präsident des croatisch - slavonischeu Landtages, der Advocat und königl. öffentliche Notar Herr V a s o S j u r g j e v i c sich mit dem angesehenen und renommirten Advocaten Herrn Dr. H u g o S p i tz e r, Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde associirt hat. Die Verbindung der beiden hochgeachteten Persönlichkeiten hat nicht verfehlt, in den hiesigen Kreisen lebhaften Beifall zu finden. Berlin, 18. August. Herr Dr. A. M a r c u s e ist zum Sauitätsrath ernannt worden. Feuilleton. Iahrrrik. Von L. V e i t. Joseph (fuhrt ihn zur Treppe, der Vater setzt sich): Setz Dich nieder. Vater: Wir lebten glücklich einst in diesem Hause. Ein liebes Weib und eine gute Tochter, Ein braver Sohn, sie waren meine Freude Du darfst mir's glauben Herr, wir waren ehrlich, Und Streit und Zank blieb dieser Schwelle fremd. Wenn ich auch arm an Gütern war — die Liebe, Sie segnete das karge Brot und strahlte Mir Sonnenschein auf harter Lebens-Bahn — Nicht um des Kaisers schimmernd Purpurkleid In dessen Falten schwere Sorgen wohnen, Hätt' ich dies elend abgerissene Gewand geben mögen — doch ich war Zu froh und dankte täglich dem Allmücht'gen. Da sandte er, um seinen Knecht zu prüfen Das Schwerste, was mein Herz nur treffen konnte — Ein Jahr ist's nun — ein Abend war's wie heute Der schwere Nebel lag auf Flur und Wald. Im warmen Stübchen saßen wir beisammen Und ahnten nicht das grausige Entsetzen, Das brütend über unser'm Haupte lag. Ein barsches Klopfen an der Thüre schreckte Uns auf. Ich öffnete, da stand vor mir In Waffen strotzend ein Soldat. Der Branntwein Aus seinen wilden Mienen sprach und in Der Faust den Säbel schwingend, rief er laut: „Bis morgen Früh ist Euch vergönnt noch hier Zn bleiben; doch wenn um die siebente Stunde Noch Euer Fuß dies heilige Land betritt, Dann wird man vor der Obrigkeit Respect Euch lehren" — o, die Worte klingen ewig mir Im Ohre. „Träume ich, wach' ich Herr", Hab' ich Dann wohl zu ihm gesagt, ich kann Dein Wort Und Deine harte Miene nicht begreifen, Und warum schwingst Du Deine Waffe so, Als ob hier Krieg, und Du vor Feinden stündest? Ein roh' Gelächter dann von vielen Menschen Die draußen vor der Thüre drängend standen. Das gab mir Antwort jetzt auf meine Fragen. Dem toll gewordenen Hunde nun vergleichbar, Die Zähne fletschend und die Augen rollend, Erhob er seinen Säbel und mit Wucht Ließ er die scharfe Klinge niedersausen, Daß in dem Holz des Tisches eine Wunde Wohl fingertief zurückgeblieben ist. „Ihr Hunde, schrie er. jüdisch' Lumpenpack, Ihr Bolksverhetzer Ihr und Leutverderber, Es ist Befehl von Oben, daß Jhr's wiß't, Den Boden Rußlands habt Ihr zu verlassen." Ich wagte noch einmal ihm zu entgegnen: „Was Du mir sagst, das wäre ungerecht. Uns in das Elend stoßen ohne Schuld — Und Haus und Hof verlassen, nackt und bloß Denk Hunger preisgegeben und der Unbill Der Winterstürme? Fühlst Du Mitleid nicht Mit meinem armen Weib und meinen Kindern? O, sieh' zu Deinen Füßen mich hier liegen Sei gnädig Herr mit uns, Du hast gewiß Da etwas mißverstanden — o, es wird Sich klären, wenn Du nochmals fragen wirst. Wir sind ja keine Diebe und Verbrecher, Und diese Erde ist das Vaterland, Wo ich gelebt von Kindesbeinen an. Ec lachte auch zu meinen Flehensworten Und stieß mich mit dem Fuße hart hinweg Daß ich zu Boden stürzte — einen Schrei Dem Hirsche gleich wenn er verwundet sich Zum Todeskampfe dem Verfolger stellt. Voll Wuth und Schmerz ans meines Sohnes Brust Vernimmt mein Ohr — dann sah ich leichenbleich Ihn auf den riesenstarken Gegner stürmen. Ein kurzes Ringen — der Verzweiflung Kraft Die rohe Stärke muß bezwungen weichen — Im Augenblick war's todtenstill — Joseph (rasch): Nun folgte? was geschah? o rede, laß' Mich wiffen, wie erging's den Deinen? Doch wa-

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