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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-01 · 35 (1.9.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
35 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 35 Dr. B'och's Wochenfchrifr. Seite 647 ist mir wohlbekannt. Wirken Sie fort in diesem Sinne, ich danke« Ihnen für Ihre Begrüßung, und wünsche Ihrer Gemeinde,« daß sie blühe und gedeihe!" Der Statthalter reichte hieraus dem 8 Rabbiner die Hand, ließ sich den Cultnsvorsteher Herrn Richards Löw und den Bürgermeister der isr. Gemeinde Herrn EmanueliO Bauer vorstellen, die er ebenfalls freundlichst begrüßte. Bei der« Enthüllung des Deukmales legte der Bürgermeister der isr. Ge-K meinde einen Lorbeerkranz ans den Sockel nieder. Ä Falkenau. Mit Bezug auf Ihren Artikel „Deutschnatio-ff nale Schriftleiter in Oesterreich" in Dr. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift" erlaube ich mir mit diesem Ihnen noch einen solchen Herrn; anzuführen, dessen Voreltern wohl höchstwahrscheinlich das römisch- ' deutsche Treffen im Teutoburger Walde nicht mitmachten, sondern eher sich Söhne LibuZa's nannten. Der Herr schriftleitert die antisemitisch radicaldeutschnationale Zeitung in Graßlitz und schreibt sich Trenka, in einigen anderen hiesigen Blättern wurde sein Name bei Versamnllungsberichten auch Tränka geschrieben Nun weiß aber jedermann, der nur eine blasse Idee von einer slavischen Sprache hat, oder speciell tschechisch, daß wohl T r n k a etwas bedeutet, nicht aber wie oben Trenka oder Tränka. Die Anslautnng a und die Aufeinanderfolge von „rnk" beweist das slavische. besser tschechische Idiom des Namens und trotz der Einschiebung eines „e" oder „ä" ist es trotzdem höchstwahrscheinlich, wenn nicht ganz bestimmt, daß an der Wiege dieses Herrn nicht deutsche Eichen, sondern slavische Linden rauschten. Solingen, 16. August. Anläßlich des Kaiserbesuches im Bergischen wurden auch mehrere unserer Glaubensgenossen von Sr. Majestät ausgezeichnet. Herr Oberregierungsrath Dr. Meyer aus Elberfeld, früher in Cöln, empfing als Vertreter der Eisenbahndirection den Kaiser auf dem hiesigen Bahnhofe. An Commerzienrath C o P p e l wandte sich der Kaiser in Müngsten mit der Frage: „Sie fabriciren also Waffen?" Commerzienrath Coppel bestätigte das mit dem Hinzufügen, daß sein Haus den Vorzug gehabt habe, größere Lieferungen in Aatagans, Cavallerie-, Artillerie- und Offieierssäbeln für den Staat auszuführen. Der Kaiser bemerkte darauf: „Wir waren ja auch stets mit den Lieferungen zufrieden. Aber Sie sind hoffentlich auch, trotzdem Sie Waffen fabriciren, damit einverstanden, daß wir jetzt in einer Zeit des Friedens leben." Commerzienrath Coppel erwiderte, daß wir Alle hoch beglückt seien durch den Frieden und sehr wohl wüßten, daß wir denselben dem Kaiser zu danken Hütten. Basel, 22. August. Nach und nach erfährt man Näheres darüber, was der deutsche Kaiser gelegentlich seiner Anwesenheit in Jerusalem dem Zionistenführer Dr. Herzl gesagt. Herr Herzl hat die Mittheilungen Wilhelms II. zuerst mit einem geheimnißvollen Schleier der Außenwelt zu entziehen gesucht. Es lag das in Herzl's Politik, da er seine Gesinnungsgenossen gerne mit hochfliegenden Hoffnungen zu berauschen suchte. Den Aeußerungen, die Herzl intimen Freunden gegenüber gethan hat, sind diese aber für die zionistische Propaganda keineswegs verwerthbar. Darnach sagte der Kaiser, daß er einen Theil der deutschen Juden durchaus nicht entbehren möchte, da sie für viele Dinge geradezu unersetzlich seien, von einem anderen Theil dagegen wünsche er, daß er so schnell als möglich nach Palästina auswandere. Wir geben diese Mittheilungen mit aller Reserve. Paris. (Der Nachlaß der Baronin H i r s ch.) Verfügung über 63 Millionen Gulden. Aus Paris wird berichtet: Die Verlassenschaftsabhandlung nach der am 1. April d. I verstorbenen Baronin Clara Hirsch-Gereuth ist noch immer nicht beendigt und dürfte warscheinlich auch eine geraume Zeit die Gerichte beschäftigen. Die Mittheilungen über die zu wohlthätigen Zwecken getroffenen Verfügungen der Baronin, welche kurz nach ihrem Tode an die Oeffentlichkeit gelangten, waren lückenhaft und zum Theile auch ungenau. Es werden uns nun ans dem Testamente der großen Wohlthäterin, welches vom 23. December 1896 dadirt ist und 15 Codicille, das letzte vom 15. August 1898, aufweist, noch folgende Details mitgetheilt: Die Adoptivsöhne Moriz, Arnold und Raimund Desorest- Bischoffsheim erhalten bis zum Alter von 30 Jahren den Zinsengenuß von je 5 Millionen Francs, die ihnen bei Erreichung dieses Alters voll aus bezahlt werden. Die Adoptivtochter Lucienne Hirsch erhält die Zinsen von 1 Million Francs, welches Capital ihr gleichfalls mit vollendetem 20. Lebensjahre zufällt. Außerdem erhalten bei Erreichung des 25. Lebensjahres jeder der Söhne je 15 Millionen Francs und die Tochter 10 Millionen Francs. Sollte durch einen früher eintretenden Todesfall einer dieser Vermögensantheile wird fernes, dann »sind als Snbstitutionserben eingesetzt die Baron Hirsch-Stittun- Igen in New-Ä)ork und Galizien, ,Ecole Normale lsraelite IOrientale“ in Paris und ,,To the Jewisli Board ot‘Guardians“ »in London. I Zahlreiche Legate sin) für Verwandte und Freunde aus- Igesetzt. So erhält der Neffe der Verstorbenen Paul Goldsschmied 1 Million Francs. Gräfin Gabrieli Spreti?3 Millionen Francs, Madame Hortense de Soubeyran und ihre zKinder 3 Millionen Francs, Vicomte und Bicomtesse Jousselin 600.000 Francs, Mr. Kee n e in Avigdor 600,000 Francs, der zCousin der Baronin Philipp Goldschmied und dessen f zwei Söhne je 100.000 Francs, Frau Theodor Adler nnd jedes ihrer Kinder 100.000 Francs, Frau Victoria Wolf 200 000 Francs, Frau Jda Hahn 150.000 Francs, jedes der Kinder des Dr. Theobald Fischer 25.000 Francs, ihre Nichte Marcelli-Cappelli 500.000 Francs. Baronin Unterrichter 80.000 Francs, die Kinder von Emil und Theodor v. H i r s ch je 1 Million, die Kinder von Theodor v. Kaulla je 100.000 Francs, Graf und Gräfin Pompejus Coronini-Cronberg 100.000 Francs, die Kinder des Secretärs der Verstorbenen Paul B a r r e l e t je 20.000 Francs. Die Gesammtsumme dieser und anderer kleinerer Legate beläuft sich aus 28 Millionen und 800.000 Gulden. Bon den Wohlthätigkeitslegaten und den munificenten letztwilligen Stiftungen der Baronin Hirsch haben wir seinerzeit berichtet. Hier noch Einiges zur Vervollständigung und Richtigstellung dieser Daten: 4 Millionen Francs erhält die ,Ecole Normale lsraelite Orientale“ in Paris als Schulsonds, weitere 3 Millionen Francs als Pensiousfonds für die Lehrer und deren Witwen und Waisen; 3 Millionen Francs sind zur Bekleidung und Ausspeisung der ärmsten Schulkinder der Schulen der Alliance Universelle Israelite bestimmt. Für den Fortbestand der Baronin Hirsch'schen Wohlthätigkeitsstiftungen in New Jork sind 6 Millionen Francs bestimmt, für das ,To the -lewish Board of Guardians in London“ 3 Millionen Francs, für das Baron Hirsch-Institut in Montreal 600.000 Gulden, für das Heim jüdischer Arbeiterinnen in New-Aork 3 Millionen Francs, für die galizisch-bukowinaer Schulstistung als Schulfonds 6 Millionen Francs und als Kleidungs- und Ansspeisefonds 5 Millionen Francs. Dem Pariser israelitischen Wohlthätigkeitscomite für Darlehen und Almosen 5 Millionen Francs, der Philanthropischen Gesellschaft in Paris 1 Million Francs, den israelitischen Cultusgemeinden zu Wien, Brünn, Pest, Paris, Brüssel, Frankfurt a. M., Mainz und München zur Bertheilung an Arme zusammen 850.000 Francs, der Bischoffsheim-Stistung in Paris 100.000 Francs, der jüdischen Colonisations-Gesellschaft in London für Schulzwecke die Summe von 10 Millionen Francs, der den Namen des verstorbenen Barons Lucien de Hirsch tragenden Schule in Paris 1 Million Francs, für israelitische Spitäler in Wien, Breslau, Salonichi und Constantinopel 672.000 Mark, für die Schulen in Jerusalem 2 Millionen Mark, für die Baronin Hirsch Kaiser - Jubiläumsstiftung in Wien zur Vermehrung des Capitals 2 Millionen Francs und für kleine Aushilfen 1,500.000 Francs. Ferner erhielten Legate von 20.000 bis 100.000 Francs: daß Altersversorgungshaus in Bortsfort, die Schulen in Adrianopel, Rustschuk und Smyrna, das Matrosenspital des Dr. Bergeron, sowie andere Institutionen. Die Gesammtsumme der Wohlthätigkeitslegate beträgt 32 Millionen und 400.000 Gulden. Universalerben des Vermögens sind die Geschwister der Verstorbenen Ferdinand Raphael Bischoffsheim, Regine und Hortense Bischoffsheim, Frau Goldschmied und Frau Montefiore- Levi. Im Ganzen waren der Baronin Hirsch zur testamentarischen Verfügung etwas über 63 Millionen Gulden übrig geblieben, da diese seltene Frau bekanntlich vom Tode ihres Gatten bis zu ihrem eigenen Ableben die gleiche Summe wohlthätigen Zwecken zugeführt hat, ohne daß die Oeffentlichkeit hievon viel erfuhr. Paris. (Das Vermögen des „Dreyfus-Syndicats".) Der antisemitische Graf Castillon überrascht die Welt mit einer wichtigen Entdeckung. In einem an das „Peuple Francais" gerichteten Brief erzählt er, wie das Syndicat sich sein riesiges Vermögen erwarb, womit es Zola, Clemenceau und die ersten französischen Journalisten, die Presse der Welt, den Rath des Cassationshofes, den Papst und die öffentliche Meinung erkaufte. Graf Castillon machte auf seiner rumänischen Reise diese Entdeckung. In Rumänien erzählte man ihm, daß der Pariser Oberrabbiner an den Bukarester Oberrabbiner geschrieben habe, er möge eine Sammlung zu Gunsten Dreysus' veranstalten.

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