Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-01 · 35 (1.9.1899) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
35 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021313--09133-3033548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 646 ftv. 35 Dr. Bloch's Wochenschrift» vortrug. Nachdem noch Oberrabbiner Dr. Güdemann vor geöffneter Bundeslade für das Wohl des Monarchen ein tiefempfundenes, stimmungsvolles Gebet sprach schloß der solenne Act mit dem weihevollen Gesänge der Volkshymne. Im Tempel des 11. Bezirkes bildete die begeisterte Rede Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Schmidl den Glanzpunkt der Feierlichkeit und riß sämmtliche Hörer zur Bewunderung hin. Der ehrwürdige Redner führte an der Hand der Bibel und Geschichte den Gedanken aus, wie besonders die Juden schon aus Erkenntlichkeit und Dankbarkeit gegen die alldurchlauchtigsten Schützer des Rechtes begründete Ursache hätten, gehobenen Gefühles diesen Festtag zu begehen, indem sie stets der religiösen Weisung Folge leisten, die da gebietet, die Gesetze der Staates zu beobachten und dessen Wohlfahrt in jeder möglichen Weise zu fördern, was ihrerseits auch stets geschah. So sehen wir, daß diese Liebe zur angestammten Heimat sich derart mächtig erweist, daß die aus Spanien vertriebenen Juden noch heute nach mehr als 400 Jahren sich der spaniolischen Sprache bedienen, trotz der vielfachen Verfolgungen, denen sie seinerzeit ausgesetzt waren und wie begeisterte Patrioten sind unsere Glaubensbrüder im glücklicheren transleithanischen Nachbarlande, welches von confessionellen Dissonancen fast verschont ist. Nur da könne wahre Freiheit und Gerechtigkeit blühen, aber auch der Wohlstand des Landes gedeihen. Bei Dr. Schmidl bewährt sich der alte Satz unserer Weisen, daß mit zunehmendem Alter die Geistesklarheit und Einsicht sich verschärfen und verstärken, und die großangelegte Rede fand ungetheilte Anerkennung der Zuhörer, als deren Dolmetsche die Vorsteher Baurath von Goldschmidt, Docent Dr. Grünfeld und kais. Rath Hirsch den greisen Seelenhirten herzlichst beglückwünschten. Wien. (Tempeleinweihung im Xl. Bezirke.) Gleich dem kleinen Häuflein der Makkabäer, die gegen die ungeheuere Uebermacht der Syrer durch Einigkeit und Energie die gute Sache zum Siege führten, so wußte der bescheidene Tempelbau-Berein in Simmering (Braunhubergasse 7), durch diese Tugenden allen Hindernissen und sich entgegenthürmenden Schwierigkeiten zum Trotze wahre Wunder in kurzer Zeit zu wirken, um einen zwar kleinen, aber schmucken Monumentalbau, eine Zierde des Bezirkes, zur Ehre des Judenthums zu errichten, und haben sich dabei besonders verdient gemacht Herr Friedr. Vogel, kais. Rath, die Herren des Tempelbaucomitss: Obmann Alexander Vogel, Obmann-Stellvertreter Siegfrieds Stein und Cassier Sigmund Tichy. Als Bethausvorstände sungiren die Herren Jakob Grün und Leop. Werner. Am 2. December v. I., als dem 50. Regierungs- Jubiläumstage Sr. Majestät des Kaisers wurde der Grundstein gelegt, und nur wenige Tage nach dem allerhöchsten Geburtstage, fand am 24. August die feierliche Einweihung dieses herrlichen Gotteshauses, eines wahren Juwels, statt. Die Betheiligung seitens der Ortsbevölkerung war eine recht zahlreiche, und erschienen auch als Vertreter der Polizeibehörde die Bezirkscommissäre Dufik und Dr. Klecka, Polizei- Bezirksarzt Dr. Wengraf, Oberlandesgerichtsrath Schober, ferner Regierungsrath Frankl, kais. Rath Wilhelm, Baurath v. Goldschmidt, kais. Rath W. Pollak, H. Beck, Obmann des Tempelbauvereines vom VIII. Bezirk, der greife Rabbiner Freund, Karl Seligmann, Samuel Kohn vom XVH. Bezirk, kais. Rath Doctor Lieben, Dr. Adler, Amtsleiter Wiener, Obmann des Vereines für Gewerbetreibende S. Brod, Obmann des politischen Volks- Vereines H. Ellbogen, als Vertreter des Tempelvereines int X. Bezirke die Herren Dr. Rosenthal und Straßberg, Cultusvorstand Schneider von Baden und der dortige Cantor Schäfer, u. v. A. Obmann Alexander Vogel begrüßte in einer kurzen und schlichten aber markigen Ansprache die Erschienenen, denen er für die wohlwollende Theilnahme und den heiligen Eifer aus tiefstem Herzensgründe dankte, besonders die rühmliche Thätigkeit des Architekten I. Gärtner und Stadtbaumeisters Edmund Melcher hervorhebend, ebenso die Munificenz der hiesigen Cultusgemeinde, die hauptsächlich das schöne Gelingen des guten Werkes ermöglichte. Das Bewußtsein der edlen That und der heutige, so weihevolle Tag, mögen der schönste Lohn sein. Lange sehnte man sich nach einer würdigen Stätte der Gottesverehrung, nachdem man Jahre hindurch eines unansehnlichen Saales zur Andacht sich bedienen mußte, und nun sei endlich der heiße Wunsch in Erfüllung gegangen, und das erste Gebet sei ein Dank gegen Gott, aber auch die Bitte um langes Leben für Se. Majestät den Kaiser, und alle Anwesenden stimmten begeistert ein in das Hoch auf den Landesvater. Nach dem Vortrage des Ma-lowu durch Cantor Ad. Schäfer in Begleitung des städtischen Gesammt- Tempelchores und eines Harmoniums in vortrefflicher Weise' entzündete Prediger Dr. Löwy die ewige Lampe mit einigen Segenssprüchen und kurzen Dankesworten. Hierauf fand der Umzug mit den Thorarollen statt, welche in die Bundeslade gestellt wurden. Der prachtvolle Vorhang aus dem Atelier Jos. Schlesinger Wien, ist ein Geschenk des kaiserlichen Rathes Fr. Vogel, von dem auch die Glasmalerei der Fenster gewidmet wurde. Die Altardecke spendete kaiserlicher Rath Wilh. Pollak von Fünfhaus und war der Almemar mit Blattpflanzen reichlich decorirt, ebenso die Kanzel mit einem Kranze. Es sprachen noch Obmann-Stellvertreter Siegfried Stein, besonders im Namen des Tempelvorstandes den Herren Dr. Alfred Berger als Mitglied des Cultnsvorstandes, den nur die Familientrauer am Erscheinen hinderte und Herrn kaiserlichen Rath Friedr. Vogel für ihre großen Verdienste um den Tempelbau dankend, ebenso den übrigen Gönnern, indem sich bei diesem Anlasse ein ähnlicher Eifer manifestirte, wie beim Baue der Stiftshütte. Kaiserlicher Rath Fr. Vogel dankte in kurzer Ansprache, und möge auch die Betheiligung seiner Frau wie der anderen edelsinuigen Damen nicht unerwähnt bleiben. Cultusvorstand Herr Baurath v. Goldschmidt erinnerte an die vielfachen Stürme der Gegenwart, vor denen der Tempel gleichsam eine Zufluchtsstätte biete, wenn in demselben der Geist der Einheit und des Gemeinsinns sich documentirt und gepflanzt wird, dann wird dieses Bethaus eine Stätte des Friedens und die in demselben zum Allerhöchsten sich aufschwingende Versammlung eine Friedensgemeinschaft bilden! Nachdem noch Cantor Schäfer den 111. Psalm, eine Solo- Recitation, wirkungsvollst vortrug, hielt Herr Rabbiner Dr. Schmied! die begeisterte, iormvollendete Festrede, welche die Frage behandelte: die Aufgabe des Tempels in der Gegenwart als Lehr- und Erziehungsanstalt der Israeliten zu Menschen, Bürgern und Inden im edelsten Sinne des Wortes. Der ehrwürdige Redner erinnerte an eine Episode in der Geschichte Kaiser Joses 11., als ein Jude seinen Sohn gleichsam als Opferlamm dem patriotischen Dienste widmete, damit gleich die Absichten verbindend, seinem Gelöbnisse getreu, Gott ein Opfer zu bringen, und so sei das erste Gebet in diesem Tempel für den allverehrten Monarchen patriotische und religiöse Pflicht. Nicht minder werde hier Liebe zu allen Menschen ohne Unterschied des Stammes und Glaubens gelehrt werden, wie ja auch König Salomo bei Einweihung des Tempels in Jerusalem auch der Heiden gedachte. Mit dem Gebete für Se. Majestät den Kaiser und Absingnng der Vvlkshymne, schloß die würdige Feier, welche sicherlich allen Theilnehmenden in guter Erinnerung bleiben dürfte. Anschließend an die Feier folgte das Abendgebet, und so schließen auch wir: Gelobt sei, der die Zeiten zum Guten ändert! Neu-Naustnitz Am 20. August 1899 fand hier die Enthüllungsfeier des Kaiser Franz-Joseph Denkmales statt, welches die hiesige Marktgemeinde anläßlich des 50jährigen Jubiläums unseres Kaisers gestiftet hat. Zn diesem Feste erschienen unteranderen Honoratioren, auch der Statthalter von Mähren Baron Spens-Booden und der Landeshauptmann Graf Vetter v o n d e r L i l i e. An dem festlichen Empfange dieser hohen Würdenträger betheiligteu sich auch die Vertretungen der hiesigen Cultus- und Jsraelitengemeinde unter Führung des Cultusvorstehers Herrn Richard L ö w und Bürgermeisters Herrn Emanuel Bauer. Herr Rabbiner Dr. Heinrich Weiß, der im vollen Ornate erschien, hielt an den Herrn Statthalter folgende Ansprache: „Als Vertreter der isr. Cultusgemeinde nähern wir uns ehrerbietig Ew. Excelleuz. Auch uns drängt es, Ausdruck zu geben der Freude ob der hohen Ehre, welche durch Ew. Excellenz Anwesenheit der Gemeinde zu Theil geworden ist. Auch; uns drängt es, Ausdruck zu verleihen unseren patriotischen Gefühlen anläßlich des heutigen Festes. Denn wenn auch die Form der Anbetung des Allvaters uns von unseren Mitbürgern scheidet, in der Verehrung der Obrigkeit, in der Ehrfurcht vor Seiner Majestät dem Kaiser, in der Liebe zum Vaterlande, sind die Herzen unser Aller gleich und harmonisch gestimmt. In diesem Sinne begrüße ich Ew. Excellenz im Namen der isr. Cultusgemeinde herzlich und bitte die Versicherung unserer Ergebenheit huldvoll entgegenzunehmen. Ich schließe mit einem Wahlspruch, den die jüdische Volksgeistseele einst geschaffen, und der Leitstern ist gewesen und auch bleiben wird für alle Zeiten: „Wir ehrfürchten Gott und den Kaiser, und mit Andersgesinnten machen wir keine Gemeinschaft." Hierauf erwiderte der Statthalter: „Die patriotische Gesinnung Ihrer Glaubensgenossen, welcher Sie soeben Ausdruck verliehen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.