Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 34 (25.8.1899)
- Date
- 1899-08-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 634 Dr« Bloch's WochenfchrM Nr. 34 Herrn Dc. Koch zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Jeua. Der Professor der Jurisprudenz Herr Dr. Rose ut h a l ist für das nächste Semester zum Prorector der hiesigen Universität gewählt worden. Amsterdam. Wie verlautet, ist unser Glaubensgenosse Staatsrath. Ass er als General-Secretär des Seitens des Friedens-Cougresses beschlossenen internationalen Schiedgerichts in Aussicht genommen. Feuilleton. Fahrzeit. Von L. V e i t. Scene. Ein freier Platz; links im Vordergrund ein altes, halbzerfallenes Häuschen, zu dessen Eingangsthüre Zwei steinerne Stufen führen. Etwas im Hintergründe erhebt sich eine niedrige Mauer. Weiter hinten sicht man die russischen Grenzpfähle. Erster Auftritt. (Zwei Grenzwächter, bewaffnet, kommen eilig.) E r st e r: Er muß den Weg hieher genommen haben, Die Spur verliert sich an der Mauer dort. Zweiter: Wenn's einer wär', der sich am heiligen Leben Des Czaren — hei! — 10 Rubel sind es Misch ka, Für jeden von uns beiden— solch' ein Tag Ist uns schon lange nicht mehr aufgegangen. Erster: Ei, Schwätzer Du — schon träumest Du von Gewinn — Dieweil der Kerl uns aus der Schlinge wischt. — Geh' such' die Hecken ab dort hinter'm Haus. Ich halte Wache da, so kann er nicht Entkommen, wenn er sich hieher geflüchtet. Zweiter: So glaubst Du wohl? Und wenn er tückisch Aus finster'm Hinterhalt mich überfällt? Ich bin kein Jüngling mehr und meine Augen Durchdringen nimmermehr die Dämmerung. Geh', Misch ka Du, an Tapferkeit und Kraft Bist Du ja mir voran — Erster: Es dunkelt schnell Bei diesem herbstlich schweren Nebelwetter. Ich fürchte freilich wohl den Teufel nicht, Allein ich lebe noch für Weib und Kinder — Z w e i t e r : Und für die Pflicht und für das Vaterland. Und für des Czaren Sicherheit — Du weißt! — Erster: Nun wohl — Hab' Acht — und wenn Du meinen Ruf Vernimmst, so eilst Du schnell. — Zweiter: So schnell gewiß, als mich die Beine tragen. (Erster vorsichtig spähend, nach rechts ab.) Zweiter Auftritt. Der Zweite Grenzwächter allein. Wenn er es wäre — Ich sah ihn deutlich, wie er leise schleichend Am Posten drüben sich vorbeigestohlen, — Der scheue Blick nach allein Seiten hin — Das ist kein ehrlich freier Christenmensch — Das ist ein Schuft — hier heißt es überlegen — Wenn wir ihn kriegten — Misch ka!" — rief er nicht? (6t schaut sich um.) Hier war es just, wo er erschlagen ward. Dritter Austritt. Zweiter und erster Grenzwächter. E r st e r : Prokopje marsch, die Spur geht dort hinaus In's Feld, halloh wir fassen ihn. Zweiter: Sieh' nur, Das ist die Stelle, wo vor Jahresfrist, Als wir die Juden visitiren mußten, Der Schurke unseren braven Sascha schlug. — Wenn wir den kriegten — Tod ist nicht genug — Der wird geköpft, gerädert und verbrannt. — Erster: So komm' doch, eh' die Nacht ein Ende setzt. (Beide ab.) Vierter Auftritt. Joseph allein. (Nach einer Pause vorsichtig spähend von rechts. Er betrachtet das Haus lange.) Joseph: O heimatliche Erde sei gegrüßt — Du traute Schwelle, bietest mir Willkommengruß, So hoff' ich — Tod und Schande Hab' ich nicht Geachtet, um der Eltern theures Antlitz In diesem Leben einmal noch zu schauen. Ein Licht flammt auf im engen Stübchen, sieh' — Die alte Lampe noch am gleichen Ort, Und dort am Tisch der Vater — seh' ich recht? — Gebrochen die Gestalt und silberbleich Locken und Bart — o nein, mein Auge ist Vom dunst'gen Wetter trüb und die Erregung In meiner Brust verwirrt den klaren Blick — Das ist mein Vater nicht, er war kein Greis, Als aus den Händen der Verfolger ich Entfloh — warum beschleicht mich eine AnZst, Erfaßt ein zitternd Beben meine Glieder? — Er schlägt ein dürftig Tuch um seinen Leib Und greift zu der Laterne — ach er kommt. — Fünfter Auftritt. Der Vater und Joseph. Vater: (Langsam und vorsichtig die Stufen herabsteigend; es ist indessen so sinster geworden, daß man die Gestalten nicht mehr genau unterscheiden kann) Ich hörte reden, doch ich sehe Niemand — Riefst Du mir, Sarah, hoch aus Himmelshöhen? Joseph: (Zu chm tretend, verstellt seine Stimme.) Ein Fremdling bittet Dich um Rath schlag Alter, Ich Hab den Weg verfehlt ins nächste Dorf. Vater: (Ihm die Laterne vor das Gesicht haltend.) Verzeih', daß ich das Licht vor Dein Gesicht Dir halte — denn ich kann nicht sehen, wo Du stehst — ich will Dir Antwort geben, Herr. Das nächste Dorf ist eine Meile weit Bon hier, die Pfade schlecht und sumpfig und Die Wölfe hausen zahlreich und gefährlich. Du kannst den Weg in dieser Nacht nicht weiter Verfolgen ohne sicheres Geleit. Ich will Dir Obdach geben — was ich habe, Sei Dein solange Du in diesem Hause Verweilen willst — zwar Hab ich wenig nur Und dürft'ge Nahrung für den alten Leib — Doch wenn Du meine gernbereite Gabe Und kärglich Lager nicht verschmähen willst, So biet ich Dir's vom ganzen Herzen an. Joseph: Hab' Dank für Deine Güte, Alter, gerne Bin ich für diese Nacht Dein Gast — ich will Dich reichlich lohnen — Vater: Nicht um Dankeswillen Muß man dem Andern thun, was das Gebot Des Menschen ist — Joseph: Du gehst in Lumpen nur Doch schlägt ein edel Herz Dir in der Brust — Nicht alle Menschen denken so wie Du. Vater: Du hast wohl recht, es gibt auch Menschen, die Den wilden Thieren gleichen —