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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 84 Dr. Bloch's Wochrnfchrist. Seite 625 das Absolutorium ausgesprochen. Die hierauf folgende Wahl ergibt die Wiederwahl der Herren Woffsohn, Kann, Rosenbaum, Barbesch, Lourier und Sachs, sowie die Neuwahl des Herrn Dr. Katzenellensohn, an Stelle des Herrn Heymann. Nach der Beantwortung mehrerer Anfragen, darunter eine des Doctor Nimmerwas, daß die Bank Samstag und Feiertag geschlossen sei, wird die Generalversammlung vom Präsidenten geschlossen. Basel, 18. August. Die heutige Sitzung wurde vom Vorsitzenden Dr. H e r z l um 11 Uhr Vor mittags eröffnet. Zunächst ist wieder der Einlauf zur Verlesung gebracht worden, worauf die Debatte über den Organisationsentwnrf festgesetzt wurde. Mit Rücksicht aus die beschränkte Zeit wurde fünf Minuten Redezeit beschlossen. Der heutigen Sitzung wohnte auch Sir Francis Montefiore bei, welcher vom Congreß lebhaft begrüßt wurde. Sir Montefiore verlas eine Ansprache, in welcher er dem Zionismus seine Huldigung darbrachte und die Fortschritte desselben begrüßt. Er schloß mit den Worten: „Ich glaube, im Geiste meines großen Oheims Sir Moses Montefiore zu handeln, wenn ich unserer glorreichen Sache entwegt diene." (Lebhafter Beifall.) In der Debatte über die Organisation betheiligten sich mehrere Redner, welche verschiedene Wünsche vorbrachten und Anträge stellten, die jedoch später, als es zur Abstimmung kam, in Folge der vorgerückten Stunde nicht gut berücksichtigt werden konnten. Die Abstimmung erfolgte nämlich erst vor Schluß der Nachmittagssitzung. und wurde der vorgelegte Organisationsentwurf fast ohne jede Aenderung angenommen. Die verschiedenen Anträge wurden dem Actionscomitä zur Berücksichtigung zugewiesen. Es referirte hierauf Dr. L. Kahn (Wien) namens des Culturausschusses über die Cultursrage. Zum selben Gegenstände sprachen auch Rabbiner Reines aus Lida (hebräisch) und Redacteur des „Hazefira" N. S o k o l o w. Sämmtliche Redner bewegten sich gleichwie gestern Dr. Gaster, nur im allgemeinen Rahmen, positive Vorschläge wurden nicht gemacht, um nicht eine Verschärfung der Gegensätze hervorzurufen. Die Cultursrage wurde sozusagen von der Tagesordnung dieses Congresses abgesetzt, um die Orthodoxen zu beruhigen. Das Ergebniß der Cultnrdebatte war eine Resolution, in welcher das Actionscomitö ersucht wird, für die Herausgabe geeigneter hebräischer Schulbücher für die jüdischen Schüler in Palästina die nöthigen Gelder zu gewähren. Aus Anlaß des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. fand heute um 2 Uhr Nachmittags im hiesigen Tempel ein Festgottesdienst statt, zu welchen die österreichischen Delegirten und viele Andere in Festkleider erschienen sind. Dr. Gaster hielt die Gelegenheitsrede. Die Nachmittagssitzung wurde um halb 3 Uhr eröffnet. Zunächst wurde der Einlauf verlesen und dann die Wahlen ins Actionscomitß vorgenommen. In das Wiener Actionscomitö wurden gewählt: Dr. Herzl, Dr. K o k e s ch, Dr. Kahn, Dr. S ch n i r e r und Architekt Marmore k. (Dr. Kahn und Marmorek wollten zuerst die Wahl nicht annehmen, — Dr. Kahn fügte sich beim zweiten Wahlgange, Marmorek hingegen wollte selbst nach dreimaliger Wahl nicht annehmen, der Wahlact wurde wieder an den Permanenz-Ausschuß geleitet, welcher später wieder Marmorek vorschlug. Derselbe beharrte jedoch weiter bei seiner Ablehnung, es wurde jedoch kein Anderer gewählt). Hierauf fanden die Wahlen für die einzelnen Landsmannschaften statt, welche folgendes Resultat ergaben: Galizien: Dr. R o s e n h e ck, Dr. K o r n h ä u s e r, Dr. A. K o r k i s. (Auch dieser Wahlact wurde an den Permanenz-Ausschuß znrückgeleitet, denn zuerst empfahl derselbe die Herren Dr. Rosenh e ck, Dr. Brück und I. Ehrlich. Dr. Kohn beantragte jedoch Dr. K o r k i s. Der Ausschuß einigte sich nun auf die gewählte Liste). Bukowina: Dr. Ebner. Oesterreich- Ungarn: Dr. Schreier (Brünn), Dr. Weiß (Graz). Amerika: Prof. Gottheil, Stephan S. W i s e. Transvaal: Ingenieur L. Keßler. Frankreich: Dr. A. Marmorek. Schweiz: Dr. Friedman. Bulgarien: Carl Herbst. Italien: Dr. P. Ravenna (Ferarra). England: Dr. Umanski, I. M. Cohen, Sir F. Montefiore. Belgien: Tolkowski. Egypten: Bogdadi. Rumänien: Dr. Lippe, S. P i n e l e s, I.' S t e r n. Deutschland: Dr. Bodenheime r, Dr. Rülf. Rußland: Dr. Jasinowski, Temkin, Dr. Bruck, Prof. Mandel stamm, Dr. Tschlenott, Urischkin. Prof. B i e l k o w s k y, Rabbiner R a b b i n o w i c z, B a rgiersky, Jelski, Dr. K a h n - B e r n s k i n, I a c o b s o h it. (Die russischen Delegirten verlangreu diesmal zwölf Mandate statt bisher zehn; es erhob sich dagegen Widerspruch, da dadurch die russischen Mitglieder die Majorität im Actionscomitö haben werden, denn auch Vertreter anderer Länder stammen ans Rußland. Es wurde über diese Frage abgestimmt, und da die Majorität des Congresses aus russischen Delegirten bestand, wurde ihr Antrag natürlich angenommen). Als R e v i s o r e n wurden gewählt: Gustav Kehen (Hamburg) und S. Cohen (London). Als Stellvertreter: Feldstein (Warschau) und Nachmias (Bukarest). . Es gelangte nun der Qrganisationsentwurf zur Abstimmung. Dr. Bodenheimer wollte einige Amandements stellen, Dr. Herzl ließ ihn jedoch infolge der vorgerückten Stunde nicht genügend begründen. Dr. Bodenheimer verzichtete deshalb auf sein Vorhaben. Gegen 6 Uhr Abends gelangten die Anträge des Colonisationsausschusses zur Berathnng. Dieselben lauten: 1. Der Congreß empfiehlt dem Actionscomit«, mit den Colonisationsgesktlschaften in Verbindung zu treten und zu bleiben. Dieselben sollen jedoch verhalten werden, nur in Palästina wohnende Juden zu colonisiren. 2. Eine IZgliedrige Colonisationscommission zu wählen. 3. In Palästina wissenschaftliche Erforschungen des Landes vorzunehmen. 4. Die nöthigen Gelder hiefür gibt das 'Actionscomitö. Ferner folgende Resolution: I. Der Congreß begrüßt die von Dr. Herzl in Aussicht gestellte Erreichung des Charter. II. Er empfiehlt der Bank, den Colonisten in Palästina billigen Credit gegen hypothekarische Sicherstellung zu gewähren. IH. Der Congreß bedauert die Spaltungen im zionistischen Lager und fordert alle Zionisten zur Bereinigung auf. Dr. T r i e t s ch ergreift nun das Wort, um sein „Cypern-- project" zu begründen; es entsteht ein ungeheurer Lärm, man will ihn nicht reden lassen, vergebens bemüht sich Dr. Herzl, dem Redner Ruhe zu verschaffen. Ter Congreß entscheidet "durch Abstimmung, daß Trietsch nicht reden soll. Bezüglich der Anträge des Colonisationsausschusses bemerkt Dr. Herzl, er könne dieselben nur als Resolutionen zur Abstimmung bringen, da es nicht angeht, in solchen wichtigen Fragen ohne jede Erörterung bindende Beschlüsse zu fassen. Nach einer kurzen Debatte wird daraus aufmerksam gemacht, daß ja die Form dieser Anträge — „Der Congreß empfiehlt" u. s. w. — dieselben nur als Resolutionen erscheinen läßt, worauf dieselben genehmigt wurden, ebenso die Resolutionen des Culturausschusses. Es wurden hierauf gewählt in die C o l o n i s a t i o n s- Commission: Dr. Gaster, Rosenberg, Rülf. Kremenecki, Kokesch, Dr. A. Marmorek, Barbasch, Josinewski, Usischkin, Gisin, Pineles, Lindenberg, Modenheimer. In die C u l t u r c o m m i s s i o n: Gaster, Achad-Haam (U. Ginzberg), Sokolow, S. P. Rabinowicz, Rabbiner Reines, Jasowski, Dr. Friedemann, Dr. Kohn, D. Jelin, Dr. Niemerower, Dr. Brande, Dr. Rülf, Schwarz. Dr. Herzl schloß hierauf mit einer kurzen Ansprache den Congreß. (Hochrufe auf Dr. Herzl). * * * Die Rede Dr. Herzlos. Geehrte Congreßmitglieder! In der feierlichen Stunde, da sich die Abgeordneten des jüdischen Volkes, aus weitesten Fernen kommend, hier vereinigen, sei unser erstes Wort ein Dank an die schöne, freie Stadt, die uns wieder gastlich aufnimmt. Diese Dankbarkeit wird nicht nur von den hier Versammelten empfunden, sondern auch von ihren Auftraggebern in sehr entlegenen Theilen der Welt. Basel, der Basler Congreß, das Basler Programm, diese Worte klingen unserm Volke heute schon vertraut und bedeuten ihm einen Trost, eine Hoffnung. Zum dritten Male sind wir hier, um die Beschwerden und Wünsche einer Nation zu erörtern, die wieder zum Leben erwachen will. Es mochte Anfangs scheinen — vielleicht scheint es manchem auch jetzt noch so — als o.b nicht viel damit gethan wäre, daß wir hierherkommen und Reden halten, Reden voll von Seufzern. Aber diese Zweifler übersehen, daß auch in anderen Vertretungskörpern nur geredet wird. Und wer wird leugnen, daß Reden von solcher Stelle den stärksten Einfluß auf Gegen-

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