Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 34 (25.8.1899)
- Date
- 1899-08-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 623 Deputation an dem C z a r e n und die anderen Mächte an. — Herbst (Bulgarien), berichtetet über die Verhältniße in Bulgarien, er möchte den Volksunterricht das Augenmerk zugewendet sehen. In Bulgarien wird in den Volksschulen kein jüdischer Religionsunterricht ertheilt. Die Schulen der Allianz sind nur „Franzisirungs-Anstalten", vom Judenthum ist da keine Spur. D i e Allianz ist gegen den Zionismus, denn Frankreich aspirirt auf Palästina. Redner beklagt sich schließlich über die mangelhafte Unterstützung der Parteipresse in den ärmeren Ländern und schloß seine Ausführung mit der Anfrage, weshalb den nicht die „Chowewer-Zion" nicht zur Ablegung von Rechenschaft über die von ihnen gesammelten Gelder verhalten werde? — Keßler ans Transvaal (stürmisch begrüßt), berichtet über den Zionismus in Südafrika, welcher große Fortschritte macht. In Südafrika wohnen im ganzen 10.000 Juden, die circa 8.000 Bankaktien gezeichnet haben. — Aschkcnazy hält die Kritik gegen den Rechenschaftsbericht für ungerechtfertigt. Weshalb verlangen die einzelnen Landesorganisationen Anerkennung, sie thaten ja nur ihre Pflicht. Iork-Steiner macht hierauf Enthüllungen über der „Ahawath Zion", er möchte diesen! Treiben und diesem Spuk durch ein kräftiges Wort ein Ende machen. Der „Ahawath Zion" wurde mit Hilfe des Actionscomites (4 Monate vor dem I. Congreß!! — gegründet. Es hatte schon damals Dr. Herzl vor diesen Leuten gewarnt, welche nur seinen Einfluß mißbrauchen und ihn dann verrathen wollten. Redner erzählte dann, wie er auf seiner Reise nach Egypten auf dem Schiff mit den ersten Colonisten, welche der Ahawath Zion nach „Machnojim" schickte, zusammengetroffen sei; es sind dies mit Ausnahme eines Einzigen, kranke schwächliche Leute, die nicht fähig zur Arbeit sind und auch gar nicht arbeiten wollen. Sie wurden bei Nacht und Nebel auf einer entlegenen Stelle geradezu mit Lebensgefahr gelandet und sind vor Schrecken krank geworden. . . . Diese Ausführungen des Redners erregen ungeheuren Lärm und starken Widerspruch, nur mit Mühe kann sich der Redner vernehmlich machen, er bricht schließlich seine Ausführungen diesbezüglich ab und übergeht zur Besprechung der allgemeinen Fragen. Z w o l n i tz k y verlangt einige genaue Aufschlüsse. — Dr. R o s e n h e ck (Kolomea) tritt den gegen das Actionscoulitß erhobenen Angriffen entgegen. Er vertheidigt den Ahawath Zion, der heute nur ein Schreckgespenst sei. Bis auf einige sind alle Mitglieder auf unserer Seite. Die Leute der Ahawath Zion sind altbewährte Zionisten. — Dr. A k i n drückt dem Actionscomitä sein Zutrauen aus, aber es solle sich mit den einzelnen Landesorganisationen berathen. — Dr. Bruck tritt den Ansichten Dr. Herzl's entgegen und bestreitet dessen Behauptungen bezüglich der Beantwortung der an das Actionscomit« gerichteten Anfragen. Er hält auch manche Bestimmungen des Organisationsentwurfes für zweideutig, z. B. die der Gruppen unter Hundert. Auch er verweist auf den bedeutenden Zuwachs der zionistischen Gruppen Rußlands und die Actienzeichnung. — Rabbiner S e f f spricht nochmals in ähnlichem Sinne wie früher. Keffer meint, man solle das Bankstatut nicht unterschreiben, da dasselbe die Wünsche dcs Congresses nicht berücksichtigte. Die Debatte wird sodann geschlossen. Architekt M a r m o r e ck freut sich über die Kritik seines Referats. Er weiß, daß noch nicht alles geschehen ist, da eben die Bewegung noch zu jung sei. Er weist den Vorwurf zurück, der ihm aus dem Fehlen von statistischen Daten gemacht worden ist. Aber jeder Tag bringe Veränderungen und da habe er es für besser gehalten, vorläufig Ziffern überhaupt fortzulassen. Das Actionscomitä könne unmöglich auf alle kleinen Anfragen antworten. Man solle doch in Betracht ziehen, welche Riesenarbeit auf den Schultern von 5 Männern läge, die doch auch noch andere Beschäftigung hätten. Er weist aus das Anwachsen.der Chowewer - Zion hin und verlangt, daß, auch sie sich über ihre Mittel ausweisen sollen, wie es Herbst aus Sofia beantragt hatte. Den Congreß in einer anderen Stadt stattfinden zu lassen, gehe nicht an; wir schulden Basel großen Dank und — wir waren lange genug der „Ewige Jude". Hier sind wir auf historischem Boden, Basel hat für uns eine große Bedeutung und darum wollen wir hier bleiben! Er bittet um Decharge. (Großer Beifall.) Es erfolgt der Bericht des Finanzausschusses, an den sich, infolge einer etwas ungenau wiedergegebenen Ansicht Mr. B e u tw i ch's eine stellenweise sehr erregende Debatte schließt. Dr. Frendenberg, als Vertreter einer der größten jüdischen Gemeinden der Welt, erklärt, daß die Kritik nur dazu diene, um das Beste für die Zionisten zu erwirken. Redner schlägt vor, dem Präsidenten Dr. Herzl, dem großen und dem Wiener Actionscomitü das vollste Vertrauen auszusprechen. Vor Abstimmung über die Resolution meldet sich Dr. Herzl zum Wort und erklärt, daß er gehört habe, daß seine Abwehr Motzkin's so aufgefaßt worden sei, als ob er an den guten Intentionen Motzkin's zweifle. Das sei nicht der Fall. Er lege Gewicht darauf, daß man im ganzen Congreß höre, daß er dessen Intentionen das vollste Vertrauen schenke (Beifall). Bentwich, der gestern bereits Protest erhoben hatte gegen die spärliche Anerkennung Englands, verlangt detaillirtere Aufstellung der Ausgaben der Post: „Agitations- und Reisespesen in der ganzen übrigen Welt Francs 68.463'45" und Zurückweisung des Berichtes an das Actionscomite, solches nachzuholen. Dr. Herzl stimmt dem zu, macht aber darauf aufmerksam, daß die Möglichkeit sehr naheliege, es könnten Discussionen entstehen, durch welche der Bewegung tüchtige Mitarbeiter entzogen werden. Ueber die Verwendung der Gelder wären die Belege vorhanden; über die Opportunität der Ausgaben könne man im Plenum nicht discutiren. Dr. Frendenberg verlangt, daß über seinen Antrag (unbedingtes Vertrauensvotum) abgestimmt werde. Die übrigen Vertreter der verschiedenen Landsmannschaften verzichten auf Details. Der Antrag der Commission auf Decharge wird e i nst i m m i g und unter brausendem Beifall von Saal und Tribünen angenommen. Dr. Herzl übernimmt den Vorsitz und ertheilt das Wort Herrn Wolffsohn zur Erstattung seines Referats über die Cotonialbank. Nachtsitzung. Nach 10 Uhr Abends wurde die Debatte über den Bankbericht des Referenten Wolffsohn eröffnet Professor Bielkowsky brachte die Anträge der russischen Landsmannschaft betreffs der Aendernngen des Bankstatuts vor den Congreß. Die Aenderungen betrafen hauptsächlich den Punkt 1 von Nr. 3 des Statuts, in dem namentlich gegen die Worte: „in irgend einem andern Theile der Welt und an irgendeinem Lande" Verwahrung eingelegt wurde, es soll nur in Palästina und Syrien colonisirt werden. Der zweite Hauptpunkt des Referates des Professors Bielkowsky betraf die geplante Ueberlaffung von Gründeractien durch das Activnscomit« an einzelne Personen auf Lebenszeit. In dem dritten Hauptpunkte wurde namentlich über die Cautel berichtet, welche die Gruppe wünsche, um den Vertrag der einzelnen Gründer der jüdischen Colonialbank mit dem Actionscomitö, respective der einzelnen Mitglieder unter einander, zu sichern. An diese Ausführungen knüpft sich eine längere Debatte, in welcher die Aenderung mehrerer Punkte der Statuten beantragt wird. Besonders richten sich die Anträge gegen den Absatz IN, alinea l, wo von der Colonisation in den anderen Ländern die Rede ist und gegen die Verleihung der lebenslänglichen Gründeractien. Die Nachtsitznng wird um 2 Uhr geschlossen und die Fortsetzung der Debatte auf den nächsten Tag anberanmt. * * Basel, 17. August. Die heurige Sitzung wurde nach 10 Uhr eröffnet. Dr. Herzl widmet dem Rabbiner Schreier (Boharadczany), der im abgelaufenen Jahre verschieden ist, einen kurzen Nachruf und verliest eine Depesche der arbeitslosen Juden Borylaws, welche um Unterstützung ausuchen. Hierauf gibt er eine Erklärung zum Protokoll der gestrigen Sitzung ab, und zwar bezüglich der beanständeten Post im Cassaberichte. Die Details dieser sind: Cultnr 630 Francs, Vorschüsse 977, Darlehen 2.8l8. diverse Ausgaben 3.116, Agitation 8.220, Reisespesen 15.589, Medaillen 215, Nadeln, Correspondenz-Karten (zionistische) 210, Brochüren 7.283, Subventionen 16.376, Presse 12.957 Francs. Dr. Herzl beantwortete noch die Interpellation des Doctor Werner betreffs des Programms des Congresses, er wiederholte, daß er vor Allem in feiner Eröffnungsrede an die Verlangung eines türkischen Charter gedacht habe; derselbe soll nur der nächste praktische Schritt zur Erlangung der öffentlich rechtlichen Garantien sein. An der nunmehr wiederum eröffneten Debatte über den Bankbericht betheiligten sich die Herren Dr. Rosenbaum,