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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 622 Dr. Bloch's Wochenschrift» Nr. 34 am Ziele. Das geschieht nicht blos seitens einiger Agitatoren, sondern Dr. H e r z l selbst habe dies in seiner Londoner Rede im October vorigen Jahres gethan, indem er sagte: noch nie habe ich mit solcher Bestimmtheit gesprochen, noch eine kurze Zeit und die Bewegung der Juden nach dem Osten wird beginnen. Solche Dinge darf man nicht sagen, außer wenn man es sicher weiß. Kann man die Leute mit Blindheit schlagen? (Lärm.) Wir, zionistische Agitatoren, sagten dem Volke: „Ihr habt noch lange zu warten", jetzt sagt man ihnen mit einemmale, es ist schon fertig. Das hindert uns nur in der weiteren Agitation, wir sind nicht in der Lage, über unser weiteres Auftreten uns klar zu sein. Man müsse die Agitation dahin einschränken, daß man den Leuten sage, sie müssen weiter leiden, ehe die Erlösung nahe sei, denn es ist ja noch keine Gewißheit vorhanden, ob wir Palästina auch in absehbarer Zeit haben werden. Die Hauptsache sei die vorbereitende Agitation, wir müssen behutsamer in unserer Taktik sein. Redner beklagt es ferner, daß das Actionscomitö nicht die Anwürfe widerlegte, die gegen dasselbe geschleudert wurden, so bezüglich der Wahlreform, die ja thatsächlich nicht zur Anwendung gelangte. Schließlich bemeE Herr Motzkin, daß das engere Actionscomite den Mitgliedern des großen Actionscomites keine Gleichberechtigung angedeihen lasse. Ihre Anfragen werden gar oft nicht beantwortet. Wir fußen auf dem Volke, wir müssen alle Vertreter des Volkes gleich achten. Eine „Dictatur" darf es nicht geben. Im Volksleben gibt es vielleicht gewisse Momente, wo eine Dictatur angebracht sei, nicht aber für längere Dauer. Das Uebergewicht Herzlls muß ganz legal sein, eine Dictatur würde nicht gut für unsere Bewegung sein. Gleiche Rechte und gleiche Pflichten sollen alle Actionscomite-Mitglieder haben. Die Rede Motzkim's erregte großes Aufsehen. Dr. Herzl meldete sich zum Worte und sagte etwa Folgendes: Der fast allen Klagen gemeinschaftliche Zug sei, daß das Wiener Actionscomito mit den Landesorganisationen nicht in genügender Verbindung gestanden ist. Die Vorgänge in G a l i z i e n, auf die ich nicht näher eingehen will, weil die betreffenden Herren abwesend sind, haben bewiesen, daß es mit manchen Kreisen des Landes unmöglich sei, zu arbeiten. Der Verein „Ahawath Zion", der jetzt als Sturmbock gegen uns verwendet wird, hat mich um die Zeichnung des ersten Antheilsscheines ersucht, derselbe versicherte, nicht gegen das Baseler Programm*) zu verstoßen und keinen Schmuggel zu treiben, sondern nur eine Mustercolonie zu gründen. Die Belege hiefür find in unseren Büchern vorhanden, Herr Jork Steiner wird hierüber Näheres mittheilen. Der Verein hat nun sein Wort nicht eingehakten. Weil wir nicht zum Gaudium unserer Gegner offen kämpfen wollten, wurden die Herrn immer übermüthiger, wir haben sie stets ignorirt, aber wir konnten in Folge dessen Galizien nicht mehr in gewünschtem Maße unterstützen. Das Wiener Actionscomit« ist überhaupt nur eine Depotstelle, wir können nicht mehr geben, als wir erhalten. Die einzelnen Landesorganisationen müssen sich selber die nöthige Autorität verschaffen, wie dies in England und Amerika geschehen sei. Die Organisation ist noch nickt genügend ausgearbeitet, sie war bisher mangelhaft, die Bewegung befinde sich noch in den Kinderschuhen und ließen sich Mißgriffe nicht vermeiden. Beim Punkte Organisation wird alles besprochen werden. Bezüglich des Vorwurfes, daß Briefe nicht beantwortet werden, weist Dr. Herzl nach, daß bis 8. August über 5000 Briefe erledigt wurden, außerdem sind an die Mitglieder des Actionscomitös 42 Circulare versendet worden. Eine Zurücksetzung der Actionscomite- Mitglieder ist nicht erfolgt. Bezüglich der Veröffentlichung *) Bekanntlich ist der „Ahawath Zion" einige Monate vor dem I. Congreß gegründet worden Wie er versichern konnte, nicht gegen das Baseler Programm zu verstoßen, welches ja damals noch nicht existirte, ist nicht ganz klar . . . Die Redaction. des detaillirten Cassaberichtes war er auch dieses Jahr der Ansicht, dies nicht zu thun, aber er wollte nicht wiederum auf sich eine so große Verantwortlichkeit laden, wie das im Vorjahre geschehen sei, deshalb habe er Alles veröffentlichen lassen, sogar die vorjährigen Ziffern. Aus der Zahl der Schekel-Zahler läßt sich aber noch nicht von der genauen Stärke der Zionisten ein Bild machen, denn in Folge der Agitation für die Bank wurde diesmal die Sammlung der Schekel etwas vernachlässigt. Wir werden nun für die Zukunft bei der Oeffentlichkeit bleiben, wir sind dann von der Verantwortlichkeit befreit. Die Statistik wird in der Zukunft besser beachtet werden. Dr. Herzl berührte hierauf die Culturfrage und bemerkte, eigentlich verstehe er diese Frage nicht recht gut, er habe sich an Dr. G a st e r mit der Frage gewendet: Was ist Cultur? Sollte die Cultur mit der Religion zu thun haben, so erkläre er nochmals, daß sich die zionistische Bewegung nicht in religiöse Fragen einmengt, wir wollen hier keine religiösen Discussionen, wir achten und respectiren jede religiöse Ueberzeugnng. Im Zionismus haben a l l e politischen Ueberzeugungen Platz, ebenso alle religiösen. Wir sind national gesinnte Juden. Wir haben ein gemeinschaftliches Terrain zur Arbeit, schwächen wir es nicht durch Hervorrufen von Gegensätzen. Die Culturfrage soll deshalb für absehbare Zeit von dem Co ng resse ausgeschieden werden. Bezüglich des Vorwurfes Motzkin's wegen der Bankstatuten verliest Dr. Herzl eine Depesche an das Bankcomite, in welcher demselben die stricte Einhaltung und Beachtung der Congreßbeschlüsse anempfohlen wird. Dasselbe habe sich jedoch nicht gefügt. Weshalb, wird bei Berathung des Bankstatuts erörtert werden, lieber seine Londoner Rede meint Dr. Herzl: Es gibt Augenblicke, wo man ein neues Ereigniß aus Vorsicht nicht mittheilen will, um die Besonnenheit zu bewahren, aber man wird es begreiflich finden, daß, wenn man au der Schwelle von Thatsachen steht, in einem Augenblicke, da man sieht, der Zionismus nehme eine reale Gestalt an, da kein zügelloses Versprechen geeignet ist, eine überschwängliche Begeisterung zu erregen. Meine Worte in London haben unseren Freunden etwas Wärme gegeben. Ich glaube nicht, mich damit versündigt zu haben Ich habe ja kein Datum angegeben, ich sagte blos, ich bin mehr denn je überzeugt, daß unsere Idee verwirklicht wird. Eine Truppe unterwegs bedarf gar oft ein ermunterndes Wort, auch die Zionisten brauchen ein solches. Wegen der Nichtwiderlegung von Angriffen meint Dr. Herzl, wir müßten ein ganz besonderes Bureau einrichten, wollten wir auf alle Insinuationen reagiren. Wir halten dies unter unserer Würde. Redner kam schließlich wieder auf die Gegner des Zionismus zu sprechen und schloß mit den Worten: „Ich kann es gar nicht begreifen, wie diese Männer als Juden, uns, die wir doch dem jüdischen Volke helfen wollen, bekämpfen können. Die Vergeltung des Volkes wird auf unsere Gegner kommen, bevor wir den Muth verloren haben, uns für das Schicksal dieses zu kümmern." (Lebhafter Beifall, der letzte Passus erregt Aufs ehen.) * , * Nach der Rede Herz l's wurde die Sitzung geschlossen. Es fand hierauf im „Hotel zum Storchen" ein zu Ehren der Journalisten veranstaltetes Bankett statt. In seinem Trinkspruche machte Dr. Herzl Mittheilung, er schreibe gegenwärtig einen Roman, welcher die Zustände in Palästina nach einigen Decennien schildern wird. * q- * Nachmittagssitzung. Herr Pineles aus Rumänien, sprach über die Fortschritte . des Zionismus in Rumänien. Die Lage der Juden in Rumänien ist in Bezug auf den Zionismus gut, in materieller Hinsicht hingegen sehr traurig. Redner bemerkte noch, der „Ahawath Zion" in Tarnow wollte die Zionisten Rumäniens vom politischen Zionismus abwendig machen, das ist aber nicht gelungen. — Dr. Rablinowitsch regt die Delegirung einer

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