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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 620 Dr. Blocht WvürenschE. Nr. 34 Thomas von Aquino über den Wucher. In dem zu Göttingen im Jahre 1891 erschienenen Buche über das Verhältniß des Thomas von Aquino zum Judenthum rc. schreibt Dr. I. G u t t m a n n: Sehr bemerkenswerth ist der Standpunkt, den Thomas von Aquino in der Wuchersrage einnimmt. Seine Ausführungen über diesen Punkt geben uns, so kurz sie sind, ein treues Spiegelbild von den Verhältnissen und den Anschauungen, unter deren Einwirkung die sogenannte Wucherfrage sich zu einem der traurigsten Capitel in der Geschichte der Juden im Mittelalter herausgebildet hat. Um die von Thomas abgegebene Entscheidung in das rechte Licht zu rücken, sei es uns gestattet, mit wenigen Worten auf die Frage selber einzugehen und die wesentlichen, hierbei in Betracht kommenden Momente dem Leser vorzuführen. Schon der bloße Ausdruck „jüdischer Wucher" hat durch die falschen Vorstellungen, die er erweckt, das größte Unheil angerichtet, denn bekanntlich wird im Mittelalter, weil nach den Anschauungen des kanonischen Gesetzes jedes Zinsnehmen untersagt war, auch der mäßigste Zins als Wucher bezeichnet. Freilich ist auch innerhalb der Kirche das Zinsverbot niemals zu strikter Durchführung gelangt. Das wirthschaftliche Bedürfniß erwies sich mächtiger als das Gesetz der Kirche, und die mittelalterlichen Geschichtsquellen wissen uns gar mancherlei auch über den von Christeu betriebenen Wucher zu berichten. Für die Juden aber, die von den meisten anderen Erwerbszweigen ausgeschlossen wurden, war das Zinsgeschäft eine der wenigen Nahrungsquellen, auf die sie durch die Gesetzgebung des Mittealters sich beschränkt sahen. Es fehlt nicht an Stimmen, die es ausdrücklich bezeugen, daß man den Juden auch von christlicher Seite den Betrieb des Zinsgeschäftes aus diesen Gründen nicht glaubte verwehren zu dürfen. (Bergl. Neumann: Geschichte des Wuchers in Deutschland, 1865, S. 305 ff). Wo den Juden ausnahmsweise andere Erwerbszweige offen standen, haben sie auch im Mittelalter sich ihnen zugewendet. So wissen wir z. B. durch Thomas von Aquino, daß in Italien, wo das Wuchergeschäft unter Christen in hoher Blüthe stand, die Juden ihren Lebensunterhalt sich durch Arbeit und nicht durch Wucher erwarben. (De regimine Judaeorum, Tom. XX. pag. 843, artic. 2). Die Kirche aber hat den Wucher der Juden nicht nur geduldet, sondern ihn sogar offen begünstigt und gewissermaßen planmäßig großgezogen. Wollte man das kirchliche Verbot des Zinsnehmens aufrecht erhalten, so konnte man die Geldgeschäfte der Juden nicht entbehren. So nahmen auch geistliche Fürsten, wenn sie Geld brauchten, keinen Anstand, ein zinsliches Darlehen bei den Juden aufzunehmen. Als Bernhard von Clairvaux im Jahre 1146 während des zweiten Kreuzzuges von der Verfolgung der Juden abmahnte, bediente er sich hierbei auch des Arguments, daß, wenn die Juden nicht da wären, die christlichen Wucherer es noch übler als die Juden machen würden. (Vergl. Stobbe: Die Juden in Deutschland während des Mittelalters. Braunschweig, 1886, S. 107). So war den Juden im Mittelalter das Zinsgeschäft von Seite der Kirche und der christlichen Staaten geradezu aufgedrängt worden, was aber weder die Kirche noch die weltlichen Fürsten daran gehindert hat, die Juden, wenn cs ihnen beliebte, um ihres „Wuchers" willen den grausamsten Verfolgungen preiszugeben. Eine ähnliche Stellung zur Wucherfrage, nimmt auch Thomas von Aquino ein. Nachdem er zuerst das kirchliche Verbot des Zinsnehmens zum Gegenstand einer eingehenden kasuistischen Erörterung gemacht hat, wirst er die Frage auf, ob es den Gläubigen gestattet sei, Geld auf Zinsen zu entleihen. Man könnte glauben, so führt er in den Argumenten für das ..Quod non“ aus, daß das Zinsgeben ebensowenig zu gestatten sei wie das Zins nehmen, da man durch das Zinsgeben der Sünde des Wucherers zuzustimmen scheint und ihm um einen zeitlichen Vorthel für sich selber zu erlangen, Gelegenheit gibt, eine Sünde zu begehen. Selbstverständlich fällt jedoch die Entscheidung für die Erlaubniß des Zinsgebens aus. Ueberaus bezeichnend ist aber die Art und Weise, wie Thomas das dagegen erhobene sittliche Bedenken zu widerlegen sucht. Allerdings, so meint er, dürfte man Niemanden zu einer Sünde verleiten; dagegen sei es wohl gestattet, sich der Sünde eines Anderen zu etwas Gutem zu bedienen, wie auch ja Gott den Sünden der Menschen und überhaupt allem Bösen etwas Gutes abzugewinnen weiß. So dürste man auch im vorliegenden Falle zwar Niemanden dazu verleiten, Geld auf Zinsen auszuleihen; von demjenigen aber, der einmal dazu bereit ist und Zinsgeschäfte betreibt, sei es wohl gestattet, ein zinsliches Darlehen aufzunehmen.um des guten Zweckes willen, daß dadurch der eigenen Noth oder der eines Anderen abgeholfen werde. (Summ. theolog II, 2 qu 78 artic. 4.) Es bedarf keiner weiteren Ausführung, um die Bedenklichkeit einer solchen an die Lehre von der Heiligung der Mittel durch den Zweck erinnernden Moraltheorie nachzuweisen, zu der aber selbst ein Mann wie Thomas von Aquino seine Zuflucht nehmen muß, indem er das Verhalten der mittelalterlichen Kirche in der Wucherfrage zu rechtfertigen unternimmt. Zwischen Rennes und dem Sudan. Eine französische Expedition unter dem Commando der Hauptleute V o u l e t und C h a n o i n e hat im Sudan fürchterliche Grausamkeiten begangen. Die Officiere haben auf ihrem Marsche zahlreiche Dörfer verbrannt, Eingeborene martern und hinrichten lassen. Als die Regierung von diesen Greueln Kenntniß erhielt, wurde Oberstlieutenant K l o b b mit der Aufgabe betraut, die Hauptleute V o u l e t und C h a n o i n e zurückzubringen und vor ein Kriegsgericht zu stellen. Als Oberstlieutenant Klobb und Lieutenant Meunier an der Spitze einer Abtheilung sich dem Lager der Mission Voulet-Chanoine näherten, wurden von dieser Salven abgegeben. Klobb, Meunier und neun Mann von der Escorte wurden getödtet. Nunmehr werden Voulet und Chanoine als Mörder und Rebellen verfolgt werden, und die telegraphische Nachricht von dem schrecklichen Vorfälle, bei welchem französische Officiere ihre eigenen Kameraden ermordeten, wurde dem Vater des Hauptmanns Chanoine, dem ehemaligen Kriegsminister Chanoine, im Gerichtssaale zu Rennes zugestellt, wo er für die Verurtheilung des Dreyfus Plaidirte. General Chanoine forderte die Verurtheilung eines Officiers, für dessen Schuld weder ein Thatbestand noch ein Beweis vorliegt, und nunmehr muß er es erleben, daß sein eigener Sohn fusilirt werden soll, sobald man seiner habhaft wird. Das Drama im Sudan ist ein erschreckendes Symptom für den Geist der Verwilderung, von welchem die französische Regierung ergriffen ist, und es ist eine merkwürdige Fügung des Schicksals, daß der Mann, welcher eine so hervorragende Rolle unter denjenigen spielt, die die Verurtheilung eines Unschuldigen um jeden Preis herbeiführen wollen, von einem so schweren Unglück in seiner eigenen Familie heimgesucht wird. Dritter Zionisten-Congretz. Zweit er Tag. Basel, 16. August 1899*) Die heutige Sitzung wurde um 10 Uhr Vormittags eröffnet. Dr. Herzl hielt wieder einigen aus dem Leben geschiedenen Zionisten einen kurzen Nachruf und brachte den Einlauf zur Verlesung. Inzwischen wurde an die Delegirteu der gedruckte Finanzbericht vertheilt. Demselben sind folgende Daten zu entnehmen: Laut Bilanz vom 31. December 1898 . Francs 61.252-67 Davon ab Ersatz für Agitation in Rußland . Francs 18.777-67 „ „ „ Rumänien „ L.283'60 Forderungen ... ._„ 5.187'— 26.248-27 verbleibt ein Baarsoldo von . . . . Francs 35.004-40 Hiezu kommen: 1. Schekel .Francs 114.370-15 2. Spenden'. „ 2.005'— 3. Ertrag der Agitationsmittel ... „ 1.928.35 4. Nachträgliche Schekeleingänge vom Vorjahre, Rückzahlungen und diverse Einnahmen. „_4.904-10 Gesammteinnahmen also . . . . . Francs 158.212.— Saldo-Vortrag .... Francs 15.457-75 Hievon in Wien . . 9 711-99 „ „ Rußland . . . . „ 5.334-— „ „ Rumänien > . - - - - 411-— Francs 15.457 75 *) Richtig st elluug. Im Telegramm in der letzten Nummer unseres Blattes heißt es irrthümlich, die Angriffe Dr. Herzl's gegen den „Ahawath Zion" in Taruow fanden Widerspruch, denn nicht die Rede Herzl's, sondern die Enthüllungen Jork Stetner's diesbezüglich stießen auf Widerspruch. Im Uebrigen verweisen wir bezüglich aller in diesem Telegramm erwähnten Details auf unseren heutigen Bericht.

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