Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 33 (18.8.1899)
- Date
- 1899-08-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Odesa 1× ep/1000834
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Seite 614 Vr» Bloch's WochenfchrM Nr. 33 und zwar eines in spaniolischer und eines in französischer Sprache. Außerdem wurde durch Wanderredner sowohl in den östlichen als auch in den westlichen Ländern der Zionismus propagirt. In cultueller Beziehung ist der „allgemeine hebräische Sprachverein" gegründet worden. Die meisten zionistischen Vereine sind auch Culturvereine. Die Gründung der C o l o n i a l ü a n k war eine Kraftprobe des Zionismus. Die im Vorjahre von Dr. Herzl aufgestellte Parole von der Gewinnung der Gemeinden wurde in mehreren Orten in die Thot umgesetzt, und mit Erfolg. Das Actionscomite wende außerdem allen Erscheinungen im Judenthum seine vollste Aufmerksamkeit zu. Mt einem scharfen Protest gegen die Angriffe auf das Actionscomits schloß Referent seine Ausführungen. Dr. Koke sch erstattete hieraus den C a s s a b e r i ch t. Demselben ist zu entnehmen, daß die Zahl der Schekelzahler 100.000 beträgt, au Schekel wurden eingenommen über 114.000 Francs, mit dem vorjährigen Saldo von 61.255 Francs belaufen sich die Gesammteinnahmen auf 158.410 Francs. Nach Abzug der Ausgaben verbleibt ein Saldo von circa 15.000 Francs. Dazu kommt noch das Jnventarum in Wien und Basel. Es wird hieraus beschlossen, den Cassabericht in Druck zu legen und an die Delegirten zu vertheilen, erst dann wird die Debatte über denselben eröffnet werden. Heute wird nur über den allgemeinen Theil des Berichtes discutirt. Die Herren Grünberg (England) und Dr. Niemerower (Rumänien) beklagen sich, daß in dem Berichte der Thätigkeit der Zionisten ihrer Länder keine genügende Erwähnung gethan worden ist. Schlappsw n i k o w (Rußland) fragt, weshalb im Rechenschaftsberichte nichts über die Thätigkeit der „Choveve-Zion" erwähnt wird, und beklagt sich über den Mangel genauer statistischer Zahlen bezüglich der einzelnen Vereine über das Verhältniß der Zionisten zu den anderen Juden, sowie über das Verhältniß der einzelnen Länder zu einander. Mehrere Redner fragen, weshalb nicht der Rechenschaftsbericht schon früher gedruckt und unter die Delegirten vertheilt wurde, sie hätten es dann leichter, zu demselben Stellung zu nehmen. Dr. Herzl erwiderte, der Bericht konnte nicht rechtzeitig in Druck gelegt werden, weil die Berichte aus den einzelnen Ländern erst in den letzten Tagen eingelaufen sind. Auf die anderen Fragen werde er zum Schlüsse antworten. Die Debatte wird hierauf unterbrochen und die Wahlen in tie Commissionen für Organisation, Colonisation, Cultur, Bank re. per Acclamation vorgenommeu. Frau Professor Gottheit berichtete hierauf über die Thätigkeit der Z i o n i st i n n e n in Amerika, Professor Gottheit über die der Zionisten, Dr. Kohan- Bernstein über die Entwicklung des Zionismus in Rußland. Als Redner erwähnte, die Zionisten Rußlands halten sestan der Colonisation Palästinas, brach im Saale ein lebhafter Beifall aus. Die politischen Zionisten schauten befremdend zu und Dr. Kohan-Bernsteiu fügte über „Erinnerung seitens des Dr. Herzl" hinzu, daß er hiebei nur den großen Colonisationsverein in Odessa im Auge hatte, sich aber nicht mit dem „Schmuggel-Zionisten", wie Dr. Salz rc., identificire. Die Sitzung wird hieraus geschlossen. * * * Delegram m e. Wir erhalten noch nachstehende telegraphische Mittheilungen aus Basel: In der Mittwoch-Sitzung wurde der Rechenschaftsbericht verlesen, der von vielen Seiten Bemängelungen erfährt. M o z k i n wendet sich scharf gegen D r. Herzl wegen der Uebertreibungen, welche er sich in London gestattet hat. Man soll keine Versprechungen machen, wenn sich dieselben nicht auf wirkliche Thatsachen stützen. Herzl's Antwort war nicht vollständig befriedigend, seine Angriffe auf „A h a w a t h Z i o n" in T a r n o w und dessen Leiter fanden vielfachen Widerspruch. Am Schluffe der Sitzung wurde dem Counts das Absolutorium ertheilt. Die weitere Berathuug war ausschließlich der C o l o u i a l b a n k gewidmet. D r. Herzl wünscht die Verleihung lebenslänglicher Gründeractien an die Directoren, und da er die Vertrauensfrage stellt, so wurde trotz Widerstrebens das Bankstatut nach seinem Wunsch erledigt; für die B o r y s l a w e r Bergarbeiter wurde eine Collecte veranstaltet. D r. Gaste r erstattet das Culturreferat. Dasselbe ist in bilderreicher Sprache abgefaßt, enthielt aber nichts positives. Die Zukunft Palästina«. Die Hettner'sche „Geographische Zeitschrift" enthält eine „länderkundliche Studie" über Palästina von Prof. Dr. Theobald Fischer in Marburg, welcher zum Schluß sich über die Zukunft des heiligen Landes folgendermaßen äußert: „So wenig erfreulich die Gegenwart Palästinas ist, so zuversichtlich kann man die Frage nach seiner Zllkunft beantworten. Das Land wird in dem Augenblicke in neue Bahnen einlenken, wo ihm eine einsichtige, wohlwollende Regierung beschieden sein wird, wo eine geordnete Verwaltung die Entwickelung des Landes fördern wird. Heute und seit Langem geschieht das Gegentheil. Und trotzdem erkennt man schon heute eine aufsteigende Bewegung, der türkischen Regierung fast zum Trotz, lediglich durch die Entwicklung des Verkehrs und das Erstarken des europäischen Einflusses. Namentlich tritt dies in den Städten in Haifa, Jaffa, Nazareth, vor allem in Jerusalem entgegen, aber selbst im Ost-Jordan lande. Es sind gewaltige Summen, welche allein die christlichen Bekenntnisse durch die Pilger, durch dauernde Niederlassungen der verschiedensten Art, durch Unternehmungen, Wie der Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem, welchem andere und der Bau eines Hafens in Jaffa folgt, ins Land bringen. Bon Damascus aus, dessen Verbindung mit Berat durch eine Eisenbahn in Ausführung begriffen ist, wird der Hauräu durch eine Linie erschlossen, die schon 1893 bis El Muzerib vollendet werden sollte. Von Tag zu Tag zieht dasselbe mehr Vortheil von seiner großen geschichtlichen Bedeutung. So besitzt heute beispielsweise das kleine Nazareth allein 3 Hospitäler, 7 Klöster, 12 Schulen europäischer Völker, einzelne auch zur Ausbildung von Handwerkern in arabischer Sprache. In Jerusalem, wo heute die mohammedanischen Herren des Landes schon in der Minderheit sind, haben die Juden zahlreiche Hospize und nicht weniger als 70 Synagogen; Christen aller Bekenntnisse und Nationen aus vier Erdiheileu haben ihre Kirchen, ihre Klöster, ihre Hospitäler, Waisenhäuser, Schulen u. dgl., oft eigenartige Bauwerke, ganze «stadtheile. Weithin dehnen sich auf der Hochfläche nach Nord diese Ansiedlungen aus. Selbst deutsche Ackerbauer und Handwerker, eine Niederlassung der Templer, haben zu 300 Köpfen vor den Südthoren der Stadt ein geschlossenes Gemeinwesen gebildet. Nicht weniger als 24 verschiedene Religionsgesellschasten, wovon allein 12 christliche, beherbergt die eng gebaute Stadt in ihrem nnr 4 Km. messenden unregelmäßigen Mauerviereck. Jerusalem trägt heute mit beu unablässig wechselnden Bildern seines Straßenlebens mehr als jemals den Charakter einer eigenartigen Weltstadt, einer heiligen Stadt, eines Sitzes und Ausgangspunktes dreier Weltreligionen. Selbst im Ost-Jordanlande bevölkern sich heute seit vielen Jahrhunderten verödeten Städte von neuem. Der englische Reisende Cyrill Graham besuchte 1857 im südwestlichen Hamün Um-ed-Dschimäl (Mutter der Kameele), eine der am besten erhaltenen der zahlreichen Ruinenstädte des Landes, die, mit ihren zahlreichen unversehrten, ganz aus Stein erbauten Häusern, in die sofort wieder Bewohner einziehen konnten, mit ihren gepflasterten Straßen und viereckigen Plätzen, das Ganze von starken Ringmauern umschlossen, den Eindruck einer verzauberten Stadt machte; 1893 fand sie der englische Reisende R. Lees wieder bewohnt und voller Leben, Aehnliches gilt von Es-Suw6de, das um 1860 uoch menschenleer war, aber 1893 nicht ein unbewohntes Haus mehr hatte, und von zahlreichen alten Ortschaften dieser Gegenden: die erste» neuen Zuwanderer besetzten die noch sofort bewohnbaren Häuser, spätere besserten die beschädigten aus, so daß eine Umwandlung wie bei Un-el-Dschimül, Es-Suwüda, Salchad und vielen anderen sich in wenigen Jahren vollziehen kann. Was Palästina in der besten Zeit, dem 3. bis 6. christlichen Jahrhundert, gewesen ist, das zeigen am Besten diese so wohl erhaltenen Rninenstädte im ganzen Ost-Jordanlande, am meisten im Dscholün und Hauest», aber auch im sogenannten Südlande, au der Südgrenze von Judäa, kurz ringsum an den Grenzlandschaften gegen die Wüsten, die heute menschenleer darliegen oder höchstens von schweifenden Beduinenhorden bewohnt sind. Sie lehren, mit welchen Mitteln diese Blüthezeit möglich war, und die Untersuchung der Landesnatur, wie sie sich heute darstellt, läßt keinen Zweifel aufkommen, daß mit denselben Mitteln die gleiche Blüthezeit wiederkehren kann. Mag auch die Humusdecke des Landes dünner und lückenhafter geworden sein, mögen vielleicht sogar die Niederschläge sich etwas verringert haben und unregelmäßigcr fallen, im Großen