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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Date
1899-08-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 33 Dr» Bloch's Wochenschrift. Seite *;L3 Der III. Zionisten-Congrrtz. Cricjinalöericfjt der „ O c ste rre i ch lsch e n - Wo ch e n sch r i ft". Basel, 15. August. Der Congreß nahm heute seinen Anfang. Es sind im ganzen 256 Delegirte da, weniger also als im Vorjahre. Die Presse ist durch etwa 100 Mitglieder vertreten. Sämmtliche Landsmannschaften haben bereits Berathungen abgehalteu, um über ihre Stellungnahme zu den einzelnen Punkten schlüssig zu werden und ihre Candidaten für die diversen Ausschüsse und Commissionen zu nominiren. Die Permanenz-Commission arbeitet tute gewöhnlich, sie ist der eigentliche Leiter des Congresses. Gestern Vormittags fand eine Berathung der zionistischen Frauen statt, in welcher beschlossen wurde, Donnerstag eine Frauenversammlung abzuhalten, behufs Gründung eines zionistischen Frauenvereines in Basel. Gleichzeitig hielt Doctor T r i e t s ch aus New-Aork einen Vortrag über „Cypern" und proponirte, der Zionismus möge sich mit der Colonisirung dieser Insel befassen. Er stieß aus, starken Widerspruch und fand nur wenige Anhänger. Als er sich äußerte, man würde, falls Cypern colonisirt werden sollte, höchstens nur einige hundert „Palästina-Zeloten" verlieren, brach ein heftiger Lärm aus, der sich nur nach großer Mühe legte. Die Discussiou war im Allgemeinen eine sehr bewegte. Irgend welches Resultat wurde nicht erzielt. Nachmittags hielt Doctor C. Lippe (Jassy) einen Vortrag über „Die doppelte Bedeutung des III. Congreffes", wobei er sich größtentheils mit der C u l t u r f r a g e beschäftigte. Die allgemeine Stimmung ist für die Colonisation nicht besonders günstig. Hingegen sollen die russischen Delegirten, welche auch diesmal die Majorität bilden, fest entschlossen sein, die culturellen Forderungen mit allem Nachdruck zu vertreten. Es wird natürlich nicht an Mühe gespart, um sie von diesem Vorhaben abznbriugen. Ob dies geliegen wird, werden erst die nächsten Tage zeigen. Heute präcise 10 Uhr Vormittags wurde der Congreß eröffnet. Das äußere Bild desselben ist ähnlich denr der früheren Congresse. Die orthodoxen russischen Rabbiner, vier an der Zahl, haben ihren Platz oberhalb der Präsidiumsestrade. Dr. Herzl und Dr. N o r bau wurden bei ihrem Erscheinen mit lebhaftem Händeklatschen begrüßt. Nordau wird diesmal nicht während der ganzen Dauer des Congresses in Basel bleiben; er kehrt bereits heute Abends nach R e n n es zurück. Der Congreß wurde von Dr. Herzl mit einer Ansprache eröffnet, in welcher er zunächst der Stadt Basel für die dem Congresse gewährte Gastfremrdschaft dankte und dann zur Besprechung des Zionismus überging, wobei er nochmals die Bedeutung des Empfanges der zionistischen Deputation durch den Deutschen Kaiser hervorhob und ausdrücklich betonte, es wurde eine Abordnung des Actionscomitäs und nicht etwa, wie behauptet wird", Colonisationszionisten empfangen und habe Kaiser Wilhelm ihnen in unzweideutiger Weise sein wohlwollendes Interesse versichert. Dieses Ereigniß habe die Legalität und Loyalität der Bestrebungen des politischen Zionismus außer Frage gestellt. Nach einiger Erörterung der zionistischen Bestrebungen sagte Dr. Herzl: „Welcher Art soll nun das Ergebniß dieser Bestrebungen sein? Ein Charter! Unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, einen Charter von der türkischen Regierung zu erlangen, einen Charter unter der Souveränetät Sr. Majestät des Sultans. Erst wenn wir im Besitze dieses Charters sind, welcher die nöthigen öffentlich-rechtlichen Sicherheiten enthalten muß, können wir eine große praktische Colonisation beginnen. Für die Gewährung dieses Charters werden wir der türkischen Regierung große Vortheile bieten. Vom Congresse aus konnte das nicht geschehen, weil es die hiezu erforderliche juristische Persönlichkeit nicht hat. Es mußte deshalb für diese Abmachungen ein eigener Contrahent geschaffen werden. Das ist die jüdische Colonialbank. Wenn noch irgend Jemand die Frage aufwerfen konnte, ob die zionistische Bewegung ein ernst zu nehmender Factor sei — die 160.000 Subscribenten der jüdischen Colonialbank haben darauf geantwortet. Aus Sibirien, von den Grenzen Chinas, aus dem südlichen Argentinien, von Canada und aus dem Transvaal ist die Antwort gekommen. Die Colonialbank existirt heute. Redner betonte sodann, daß allerdings mit dem Capital der Bank die Lande r w e r b u n g nicht in Angriff genommen werden kann, dazu seien viel größere Capitalien nöthig und wird nach Erlangung des Charters hiefür erst eine Landerwerbungsgesellschaft gegründet werden müssen, was bereits auch in Angriff genommen wurde, sich aber noch der öffentlichen Discussiou entzieht. Der Redner ist der Ansicht, daß sich dann auch die jüdischen Finanzmänner dem Zionismus anschließen werden. Dr. Herzl betonte, daß, da der Zionismus nur loyal Vorgehen will, er sich deshalb gegen die Schmuggelcolonisation aussprechen nnlß, denn dadurch wird nur das Mißtrauen der türkischen Regierung erregt. Wir wollen der Türkei gewisse Bortheile bieten, wer sich aber bei Nacht und Nebel einschleicht, der bringt nichts. Im Laufe seiner Ausführungen kam Dr. Herzl auch über die Spaltungen im Zionismus zu sprechen und meinte diesbezüglich: „Auf diese Congresse msind bekanntlich noch nicht alle Zionisten vertreten. Eine ansehnliche Gruppe h o chv e r d i e it t c r Zionisten der älteren Richtung hängt noch an der vor uns befolgten Methode. Wir hegen die Hoff n u n g. sie brüderlich zu unseren Anschauungen zu bekehren. I n d e r I d e e t r e n n t u n s n i ch t s. Die beste Form der Ausführung müssen wir gemeinsam suchen." Der Schlußpassus der Rede Herzl's lautet: „Hier ringt ein Volk mit seine Existenz, Ehre und Freiheit Es will aus einer Stickluft hinaus in den Sonnenschein. Die jetzigen Zustände der Juden können nach drei Wegen führen. Der eine wäre das dumpfe Ertragen von Schimpf und Noth. Der andere wäre die Auflehnung, die Feindschaft gegen eine stiefmütterliche Gesellschaft. Unser Weg ist der dritte; aufschwingeu wollen wir uns zu einer höheren Stufe der Gesittung, Wohlfahrt verbreiten, dem Verkehre der Völker neue Straßen bauen und für die sociale Gerechtigkeit einen Durchbruch suchen. Und gleichwie unser lieber Dichter aus seinen Schmerzen Lieder schuf, so bereiten wir aus unseren Leiden einen Fortschritt der Menschheit, der wir dienen." Es folgte hierauf die Wahl des Bureaus. Zum Präsidenten wurde Dr. Herzl gewühlt; V i c e p r ä s i d e n t e u : Tr. M. Nordan, Dr. Gaster nnd Prof. Mandelstamm. Beisitzer: Dr. Kohau-Bernsteiu, Prof. Dr. Gottheil, D. Wolfsohn, Pineles, Dr. Kornhäuser, Dr. Bodenheimer, Dr. Josinowski, Schriftführer: Usischkin, Dr. Niemerower (hebräisch), De Haas (englisch), Frau Prof. Gottheil (französisch), Dr. Klee, Dr. I. Marmorek (deutsch), Ben-Ami (Jargon), Dr. Niemerower (rumänisch) und Temkin (russisch). Es sollten sodann die Wahlen in die diversen Ausschüsse erfolgen, und zwar über Antrag des Herrn Jork-Steiner im Namen des Permanenz-Ausschusses: per Äcclamation. Es erhob sich jedoch dagegen Widerspruch und nach einer Discussiou wurde die ganze Angelegenheit auf Nachmittags verschoben. Es hielt sodann Dr. Nordau sein Referat über die Lage der Juden, in welchem er in seiner bekannten Weise die Lage der Juden erörterte und dann über den Zionismus zu sprechen kam. wobei er die Gegner desselben in geistvoller, sarkastischer Weise kritisirte; besonders wendete er sich gegen die reichen Juden nnd die Rabbiuen. nicht die „Protestler", mit diesen sind wir bald fertig, sondern gegen die orthoooxen Rabbiuen des Ostens, welche sich vom Zionismus abseits halten. Damit war die Vormittagssitzung zu Ende. * * Basel, 15. August, Nachmittags. Die Nachmittagssitzung wurde uni 4 Uhr eröffnet. Vorsitzender Dr. Gaste r. Dr. Herzl widmete zunächst den im Laufe des Jahres verstorbenen Gesinnungsgenossen einen Nachruf, machte dann Mittheilung über den umfangreichen Einlauf. sogar von den tscherkessischen Bergjuden im Kaukasus lief ein Brief ein, worauf Architekt Marmorek den Rechenschaftsbericht des Actionscomites verlas. Die zionistische Bewegung hat im abgelaufenen Jahre an Jntensivität zugenommen. Es entstehen überall neue Vereine, die alten entwickeln sich gut. Das Actionscomitd wirkte durch Herausgabe von Broschüren, Flugschriften, Subventionirung von Zeitschriften :c. Es hat auch zwei neue Blätter gegründet,

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