Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 33 (18.8.1899)
- Date
- 1899-08-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 611 mittelten zugänglich zu machen, beträgt das monatliche Schulgeld blos 25 Kr. und werden die armen Kinder mit Lehrmitteln und Kleidern versehen. Aus dem „Anhang" erfahren wir, daß in unserer Monarchie vier spagniolische Cultusgemeinden bestehen. Die „literarischen Beiträge" des Jahrbuches sind auch diesmal sehr gelungen und geeignet, den Leser zu fesseln und anzuregen. Den Reigen eröffnet ein dem unvergeßlichen und utt* verweichlichen Obercantor Josef Gold st ein gewidmetes Gedenkblatt. Das wohlgelungene Porträt wird von einer kurzen biographischen Skizze, in einem ungemein warmen Tone gehalten, begleitet. In dem nun folgenden Aufsatz ergreift der ehrwürdige Oberrabbiner Dr. Moriz G ü d e m a n n das Wort, um eine Charakteristik des verewigten Prof. Dr. David K a u f m a n n zu entwerfen, die geeignet ist, auf jeden Leser einen nachhaltigen Eindruck auszuüben und sich seinem Gedächtnisse tief einzuprägen. In einer gelehrten, aber durchaus populär gehaltenen Abhandlung erörtert hierauf der Prager Rabbiner Dr. Alexander Kisch die Frage: „Kann der erste Pessachtag mit dem christlichen Ostersonntag zufam menfallen? Antwort: Ja, aber selten. Im laufenden Jahrhundert war es zweimal, und zwar 1805 und 1825 der Fall. Der 12. April 1903 wird gleichfalls ein Ostersonntag und unser erster Pessachtag sein. Den Schluß der „literarischen Beiträge", „ein jüdischer Pädagoge", bildet wieder ein biographisches Lebensbild, in meisterhafter Weise ausgeführt von dem Vorstandsmitglied der Wiener Cultusgemeinde, Director David Simon. Der Autor hat mit der vorliegenden Arbeit den „Befähigungsnachweis" (heutzutage wird ja oft mehr auf den Nachweis der Befähigung, als auf Fähigkeit und Befähigung gesehen) erbracht, daß er werth und würdig ist, Sitz und Stimme in der Vertretung der ersten und größten vaterländischen Gemeinde zu haben .... In dem verklärten Dr. Adolf Josef Pick, der verhältnißmäßig nur Wenigen bekannt war, lernt der Leser einen edlen Charakter, einen eminenten Gelehrten und bedeutenden Pädagogen von seltener Begabung kennen. Die Lectüre dieses überaus trefflichen Aufsatzes kann nicht warm und eindringlich genug namentlich und insbesondere unserer studirenden Jugend empfohlen werden. So reiht sich denn der VIII. Jahrgang unseres Kalenders würdig seinen Vorgängern an und es erübrigt nur noch der Wunsch, daß er die eingeschlagene Richtung beibehalte und auf der betretenen Bahn rüstig vorwärts schreite, dann wird es ihm voraussichtlich auch in der Zukunft nicht fehlen an Beifall und Anerkennung. Ad. Sternfeld. Wien, 15. August 1899. Jüdischer Volks- und Hauskalender für das Jahr 5G60. Mit einem Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung. Heransgegeben von Dr. M. Brann. Breslau, Wilhelm Jacobsohn & Comp. Wir setzen unsere Besprechungen der Kalender - Literatur für das kommende Synagogenjahr mit dem Breslauer Volks- und Hauskalender fort. Dieser Kalender macht heuer seinen s i e b e n u n d v i e r z i g st e n Jahrgang. Unseres Wissens kann keiner der erscheinenden jüdischen Kalender eine solch' lange Reihe von Jahren seines Bestehens aufweisen, natürlich mit Ausnahme des „Luch" in Taschenformat, den unsere Urgroßväter in derselben Gestalt und mit dem gleichen Inhalt als Zeitweiser für ihr gottesdienstliches und geschäftliches Leben stets bei sich trugen, wie noch heute die ältere Generation unter uns, für welche noch die jüdischen Feier- und Trauertage so viel Interesse haben, daß sie öfters an dieselben erinnert sein wollen, sich nicht von ihm trennen. Der kalendarische Theil dieses Breslauer Volks- und Hauskalenders ist musterhaft ausgearbeitet, der Parallelismus zwischen dem jüdischen und christlichen Kalender vollkommen ersichtlich dargestellt und die alten synagogalen Bräuche auf das minutiöseste, selbst die „Schowawim"-Fasttage in einem Schaltjahre angeführt, daß es Einem das Herz erhebt, zu sehen, wie das Judenthum, das deutsche Judenthum, kein Jota von der Tradition hat fallen lassen und nur eine verschwindende Minorität der Reform angehört. Was diesen Kalender aber noch besonders werthvoll macht, ist der literarische Theil, dev diesmal enthält: zwei, von Dr. Rosenthal und Dr. Brann gehaltene Reden an der Bahre des Professors D r. David Kaufmann, die die Erkenntniß von der Größe des Verlustes, den das Judenthum mit dein Hinscheiden dieses Heros der jüdischen Wissenschaft erlitten, in die weitesten Kreise tragen sollen; „Was thuu?" gegen die Judentaufen, in welchem Essay Dr. S a m t e r als die besten Mittel zur Hintanhaltung dieses Berrathes hinstellt: Lernt das Judenthum kennen! und Lernt das Christenthum kennen', welche Parallele er mit Wärme und Wissen ausführt; Gabriel Rießer's Briefe an Salomon Ludwig Steinheim aus der Epoche der Emancipativnskämpfe, mitgetheilt von Dr. Brann; Zur Stellung gelehrter Inden unter den Arabern, von Moritz Steinschneider, eine Fortsetzung aus dem vorjährigen Kalender; und eine Novelle : Die Flucht vor der Braut, von Dr. Fra ncolm. Lauter gediegene Arbeiten von Meistern des betreffenden Genres, so daß dieser Theil an und für sich jede jüdische Bücherei um einen schätzbaren Beitrag zu bereichern geeignet ist. Der Preis dieses Kalenders ist nur 1.25 Mark. Jüdisch-politische Zeitsragen von Dr. Bernhard C o h n. Berlin. Verlag vom Bernhard Simon. Wie ein rother Faden zieht sich durch unsere ganze Geschichte die systematische Wahrheit, daß unsere Leiden von außen unserer Stärkung nach innen dienen und der satanische Judenhaß ein Theil jener Kraft ist, die das Böse will und stets das Gute schafft. Mit der von ihm aufgeworfenen „Judenfrage" hat der Antisemitismus uns zur Einkehr gemahnt, wobei wir eine Menge jüdischer Fragen entdecken, an deren Vorhandensein wir im Assimilationstaumel gar nicht dachten. Vier solcher Fragen beantwortet mit logischer Schärfe der Verfasser. In dem ersten Essay „Ueber den Werth des jüdischen Volksthums" weist er nach, daß wir alle Attribute, die zu dem Begriffe „Volk" gehören, besitzen und mit berechtigterem Stolze uns Volk nennen dürfen, als alle anderen Völker der Vergangenheit und Gegenwart. Im zweiten Essay gibt der Verfasser als Ursache, warum der zur Abwehr des Antisemitismus geschaffene „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" so wenig Erfolge aufzuweisen hat, an, weil er seine Bertheidiguug des Judenthums auf den Punkt concentrirt, die Juden seien nur eine Confession, die jüdische Solidarität keine andere, als. die der christlichen Confessionen und ihr deutschnatiouales Empfinden ebenso wenig tangire, wie die Anhänglichkeit der christlichen Staatsbürger an eine eigene besondere Confession, und gerade die Betonung unserer Confessionalität wird als stolze Herausforderung des Christenthums angesehen und vermehrt den Haß, während wir mit der Betonung unseres Bolksthums weniger böses Blut machten. In dem schönen Aufsatz „Ueber Mischehen" sind wir in einem Punkte mit dem Verfasser nicht einverstanden. Er empfiehlt nämlich solche Ehen zwischen Juden und Judenstämmlingen; wir meinen jedoch, aus derartigen Mischehen würde sich mit der Zeit eine jüdische Secte, wie die Judenchristen, bilden, die dem jüdischen Stamme schädlicher, als die getauften Juden wäre. Wenn kranke Zweige vom Baume abfallen, wird der Stamm wenigstens vor Fäulniß gerettet. Und daun wird durch sie doch einiger Same jüdischen Geistes und jüdischer Ethik in die Welt hiuausgetragen. In dem letzten Essay : „U e b e r I u d en s ch u l e n" hat der Verfasser den Muth, für die confessionelle Schule zu plaidiren. Es scheint, daß er absichtlich anstatt des gebräuchlichen Ausdruckes jüdische Schule das Wort Judenschule wählte, um die viel verspottete „Judenschule" zu Ehren zu bringen. Unsere Feinde werden verstummen, wenn wir -ihnen noch lauter zurufen: In die Judenschule sind Jesus und die Apostel gegangen, in der Judenschule haben sie gelernt und gelehrt, und ohne die Judenschule wäre Euer Christenthum nicht entstanden. Der Verfasser hat den Math, die Judenschule ju empfehlen gegen die Rabbiner und Prediger, welche das jüdische Wissen Anderer ersticken wollen, damit ihr Capital an jüdischem Wissen mehr gelte, als Copie der Volkswirthschaft der Holländer, welche auf den molukkischen Inseln die kostbarsten Gewürzbäume unbarmherzig niederhieben. um den Preis der Uebriggelassenen über Gebühr in die Höhe zu treiben Das vorliegende Buch verdient einen ehrenvollen Platz in unserer Kampfliteratur. Briefkasten. i. Sie haben Recht. Das ist schon Cretiuisiuus oder zumeist Specnlation auf Cretinismus bei den Lesern, wenn Tr. W ä h n e r in der „Deutschen Zeitung" aus Wuth über den Verlauf des Proresses in Rennes den französischen Ministerpräsidenten Walde ck-R o n s s e a u