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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Date
1899-08-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 33 Dr. B'och's Wochenstürift. Seite 609 und Stationsleitung. Die Beisetzung fand im iunerstädlischen israelitischen Friedhofe statt. Sarajewo. (B e r l o b u n g.) Der Rabbiner der hiesigen österreichisch - ungarischen israelitischen Cultusgemeinde, Herr Dr. Samuel Weszel, hat sich mit Fräulein S. R o b i n s o h n aus Charlottenburg verlobt. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Ich danke Ihnen herzlichst für Ihr gütiges Anerbieten," erwiderte Brack dem Herrn Pfarrer, „aber ich muß es doch vorher reiflich erwägen, ob ich dasselbe auch annehmen kann. Es stellen sich dem schönen, verlockenden Projecte Schwierigkeiten verschiedener Art entgegen. Wenn auch Sie, Hochwürden, in Ihrer bekannten Herzensgüte die Gewogenheit haben, meinen Pslegesohn unentgeltlich zu unterrichten, so wird er doch später, wenn er etwa in den letzten Jahrgängen das Gymnasium in einer fremden Stadt besuchen muß und auch wenn er die Universität bezieht, einer großen materiellen Unterstützung bedürfen, die ich kaum zu leisten im Smnde sein werde. Wie Sie, hochwürdiger Herr, wissen, bin ich kein reicher Mann: Ueberdies sehe ich auch schon in den nächsten Tagen mit Gottes Hilfe einer Vergrößerung meiner Familie entgegen. Ich werde natürlich, so lange ich lebe, die Pflicht, die ich gegen meinen Pflegesohn übernommen, unter allen Umständen pünktlich erfüllen, aber ich habe ja auch heilige Pflichten gegen mein leibliches Kind und während sich voraussichtlich mein mäßiges Einkommen kann, vermehren wird, werde ich erhöhte Ausgaben zu bestreiten haben. Unter solchen Umständen, scheint es mir auch für Michael am zweckmäßigsten, ihn einen solchen Beruf ergreifen zu lassen, in welchem er sobald als eben möglich selbstständig wird und sich seinen Lebensunterhalt in ehrlicher und ehrenhafter Weise allein erwerben kann. Aber selbst, wenn ich mich zu den schwersten und härtesten Opfern für Michael entschlöße, so gäbe es doch kein erreichbares Ziel, an das mein Michael durch Universilätsstudien gelangen könnte. Er kann weder als Jurist noch als Mediciner in unserem Kaiserstaate irgend eine Stellung erringen. Ein Jude kann an keiner österreichischen Universität zum Doctor promovirt werden. In Prag gibt es zwar jüdische Aerzte, aber diese haben ihren Doctorhut an einer ausländiscyen, an einer deutschen Universität erlangt. Diese große Auslage werde ich ganz gewiß nicht erschwingen können. Es würde mich wohl sehr freuen, wenn mein Michael die wissenschaftliche Laufbahn einschlagen könnte, aber wenn er sich nicht hiedurch einmal, wenn auch spät, sein Brod erwerben kann, wäre es gewissenlos von mir, ihn in eine vollkommen unhaltbare Stellung gebracht zu haben, und er wäre einst berechtigt, mir hierüber Vorwürfe zu machen." „Ich höre mit jedem Worte den gewissenhaften, klugen, Alles erwägenden Mann, aber Ihre Voraussetzungen sind nicht zutreffend. Gestatten Sie mir, sie zu widerlegen. Ich hoffe, Ihr Michael wird, während er die letzten zwei Jahrgänge des Gymnasiums und die Universität besucht. Ihnen nicht mehr zur Last fallen, er wird für seine eigenen Bedürfnisse sorgen können. Es gibt ja eine große Zahl mittelloser Studenten, welche ihren Lebensunterhalt durch Unterrichtertheilen gewinnen. Die Unterrichtsanstalten sind, wie auch billig und gerecht, für Durchschnittsschüler berechnet, allein Ihr Pflegesohn steht bezüglich seiner Naturgaben weit über dem Niveau der Gewöhnlichkeit und bei seiner raschen Auffassung wird er die nöthige Zeit zum Unterrichtertheilen gewinnen, ich kenne das ja aus eigener Erfahrung, und somit wäre, wie ich hoffe, eines Ihrer Bedenken siegreich aus dem Felde geschlagen. Was aber die Zukunft Ihres Sohnes betrifft, scheinen Sie an die Wandlung der Zeitverhältuisse vergessen zu haben. Jetzt regiert Kaiser Joses in Oesterreich und der wird, wenn auch der Natur der Sache entsprechend, nur nach und nach doch alle Unterschiede, welche die frühere Gesetzgebung zwischen den Staatsbürgern nach deren Geburt oder deren Bekenntniß errichtet, wegräumen, und ich bin in der angenehmen Lage, Ihnen die freudige Nachricht mitzutheilen, daß der große Monarch und Mensch wieder einen bedeutsamen Schritt vorwärts gethan, der speciell für den Gegenstand unserer Verhandlung von höchster Wichtigkeit ist. Das jüngste Hofdecret*) bestimmt, daß Stndirende jüdischen Bekenntnisses an allen weltlichen Facultäten zu Doetoren promovirt werden können." „Das ist in der That eine Freudenbotschaft, hochwürdiger Herr," sprach Brack, „nicht nur für mich, sondern für die gelammte Judenheit. Dieser Act kaiserlicher Gerechtigkeit wird nicht allein den Bekenner» des mosaischen Glaubens, er wird auch der ganzen Gesammtheit zu Gute kommen. Viele begabte Menschen werden nun ihre Kraft, die bisher durch sinnlose despotische Gesetze gebunden war, frei zum allgemeinen Wohle entwickeln können. Diese Glücksbotschaft wirkt entscheidend für mich. Ich will Michael dem Studium der Wissenschaften zuwenden, er soll Mediciner werden; ich nehme Ihr edles Anerbieten mit herzlichem Danke an. So weit es an mir liegt, soll der arme Knabe nie fühlen, daß er seine Eltern schon in frühester Jugend verloren hat." „Sie sind ein vortrefflicher Mensch," sprach der Pfarrer. Brack gerührt die Hand drückend, „und Gott wird Ihnen Ihre Gutthaten an Ihren leiblichen Kindern lohnen. Wenn Ihnen," fuhr er mit einem milden Lächeln fort, „Gott ein Töchterchen bescheeren sollte, so könnten Sie sich wahrhaftig reinen besseren Schwiegersohn wünschen, als Ihren Michael. Auch dem Alter nach würde für den bislang ungeborenen, aber demnächst zu erwartenden Sprossen, natürlich immer vorausgesetzt, daß dieser ein Mädchen ist, passen, jener ist sieben Jahre alt. das bildet gerade die richtige Altersdifferenz zwischen Mann und Frau .... aber wieder im vollen Ernst gesprochen .... Wir lassen Michael, der für den Gymnasialunterricht doch noch gar zu jung ist, noch ein Jahr lang die Normalschule besuchen, und dann übernehme ich seinen Unterricht. Natürlich setze ich voraus, daß Sie seine Unterweisung im Hebräischen und in religions-wissenschaftlichen Dingen anderweitig besorgen werden. Wie ich Sie kenne, wollen Sie, daß er auch hierin etwas Tüchtiges lerne, mein eigenes Wissen in dieser Richtung reicht nicht über die Grundzüge der hebräischen Grammatik und das nothdürstigste Verstehen der Hauptstücke des Alten Testaments in der Ursprache. Also, wenn wir's mit Gottes Hilfe erleben, wird Michael das nächste Jahr mein Schüler, nicht wahr?" Der Pfarrer reichte Brack die Rechte entgegen. „Wie ich schon gesagt habe, ich nehme Ihr edles Anerbieten für Michael mit herzlichstem Danke an", erwiderte Brack, in des Pfarrers Hand einschlagend. Siebentes C a p i t e l. Das von Brack erwartete frohe Familienereigniß war eingetreten, und die scherzhaft ausgesprochene Voraussetzung des würdigen Pfarrers war zur Wahrheit geworden; seine Gattin beschenkte ihn mit einem Mädchen, das nicht nur nach der Ansicht ihrer Mutter und ihres Pflegebruders, sondern auch nach dem autoritativem Verdicte der Hebamme (die wohl ein Kind auf seine äußere Erscheinung zu beurtheilen im Stande war, aber, wie der geschätzte Leser sofort erkennen wird, in ihren geographischen Kenntnissen höchst fühlbare Lücken aufwies) das schönste Kind, das je nicht nur in Europa, sondern sogar in Paris, Holland und Portugal geboren worden sei. Als man Michael sein „Schwesterchen" einige Stunden, nachdem es geboren, zeigte, war der verständige, gemüthsreiche Knabe so entzückt von dem zarten, lieblichen Wesen, daß er seine Hände auf deren Haupt legte und die Formel sprach, mit der ihn sein Pflegevater jeden Freitag Abend, wenn er aus der Synagoge heimkam, segnete. Als er sah, daß Jedermann Brack, und die neugierigen Nachbarsfrauen, welche schon am zweiten Tage die Wöchnerin besuchten, auch diese beglückwünschten, folgte er ihrem Beispiele und wünschte seinen Zieheltern mit vor Rührung zitternder Stimme, sie mögen noch lange glücklich leben und an dem neuen Ankömmling viel Glück und Freude erfahren. Allein leider gehen auch die bestgemeinten Wünsche nicht immer in Erfüllung und Leid und Freude wechseln rasch im Menschenleben, und zumeist wird diese von jenem verdrängt; — und so war es auch in dem unerforschlichen Rathschlusse Gottes bestimmt, daß Aron Brack von Neuem von einem harten, niederschmetterndeil Schlage betroffen werderi sollte. Nachdem sich Sarah Brack zehn Tage lang nach der Geburt ihres Töchterchens ganz wohl gefühlt hatte und nicht der geringste Anlaß zu einer Brsorgniß vorlag, ward sie plötzlich, ohne daß ein äußerer Grund hiefür erkennbar war, von einer heftigen Krankheit befalleli. Der rasch herbeigeholte Arzt des Städtchens machte eine höchst *) Vorn Jahre 1782.

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