Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 33 (18.8.1899)
- Date
- 1899-08-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 608 Dr. Vloch's Wochenschrift» Nr. 33 Wien. Aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers findet Freitag den 18. d. M., V-7 Uhr Abends, im Bethause Am Volkert. ll., Fugbachgasse 7, eiu feierlicher Gottesdienst statt. Wien. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. findet Freitag den 18. August, 7,7 Uhr Abends, im Tempel IX., Müllnergasse, ein solenner Gottesdienst statt. Wien. (T e m p e l e i n w e i h u n g.) Donnerstag den 24:. August, 3 Uhr Nachmittags, findet die Einweihung des neu erbauten Tempels für den XI. Gemeindebezirk Simmering in Wie», Braunhubergasfe 7, statt. Fest-Programm: 1. Präludium. 2. Ma-Towu. 3. Anzünden des ewigen Lichtes. 4. Ansprache des Obmannes. 5. Einstellen der Thora in die Bundeslade. 6. Gebet für Se. Majestät unseren allgeliebten Kaiser uud das Allerhöchste Kaiserhaus. 7. Psalm 111. 8. Fest- Predigt. 9. Bolkshymne. Mödling, 11. August. Gestern verstarb hier die Gattin unseres allgeliebten Tempelvorstand-Stellvertreters L ö w im 80. Lebensjahre. Die Leiche wurde nach Baden überführt. Herr Rabbiner Reich sprach" am Grabe tiefempfundene Worte. Frau Löw war hilfbereit, wo es galt, Noth zu lindern. Wien. Während man im ganzen Europa noch muthmaßliche Schätzungen über die diesjährige Weinernte anstellt, ist das Ecgebniß auf den jüdischen Colonien in Palästina, die größtentheils den Weinbau cultiviren, l ereits genau bekannt. Dort reift eben Alles viel früher, als bei uns, und schon seit Wochen ist die Weinlese beendigt. Leider ist dort das heurige Resultat kein so glänzendes wie im Vorjahre, und insbesondere sind es zwei bessere Sorten, die eine äußerst schwache Ernte ergaben. Dieser Ausfall trifft die jüdischen Ackerbauer im heiligen Lande sehr hart; umso mehr ist es heilige Pflicht der europäischen Juden, ihnen in der Weise behilflich zu sein, die palästinensischen Weine und Cognacs, die überdies von geradezu exquisiter Qualität sind, in ihren Kreisen einzuführen. Bekanntlich wurden fast überall „Karmel"-Gesellschaften von hochherzigen Männern errichtet, die diesen löblichen Zweck verfolgen. Auch in Wien existirt ein solches Unternehmen für ganz Oesterreich-Ungarn, wo Jedem Gelegenheit geboten wird, sich an diesem guten Werk indirect zu betheiligen. Namentlich jetzt, angesichts der herannah mden heiligen Fest- und Feiertage, ist jeder jüdisch denkende Jude doppelt verpflichtet, sich seiner Brüder im gelobten Lande zu erinnern uud sie durch Abnahme ihrer Producte zu unterstützen. Wir sollten eben unsere Gebete und Schwüre bezüglich Palästinas und seiner Bewohner nicht nur beten, sondern unsere guten und frommen Absichten auch bethätigen, und zwar jenen Glaubensgenossen gegenüber, die das Gebot der Urbarmachung des heiligen Bodens erfüllen und noch überdies unsere Ehre rehabilitiren, indem sie durch schwere Arbeit beweisen, daß die Juden denn doch zu etwas mehr taugen, als blos zu Handeln und Schachern. Ringsherum werden wir bedrängt — sollen wir uns selbst boycottiren? Bösing. Die Installation und Hochzeit des neugewählten Rabbiners, des Herrn Philipp Rosenberger, welche am 8. d. M. stattfand, war ein Festtag für unsere Gemeinde. Nach kurzer Begrüßung auf dem Bahnhof durch den gefammten Vor-, stand mit Herrn Ignaz Herzfeld an der Spitze, fuhren die Frstzäste , und der Herr Rabbiner in den reichgeschmückten Tempel Hier hatten sich bereits der Bürgermeister mit seinen Beamten und alle anderen Honoratioren eingefunden. Nun leitete der Cantor Herr Treuhaft durch einen Choralgesang die Feierlichkeit ein. Se. Ehrwürden der Herr Rabbiner hielt feine Antrittsrede. Ec erklärte, auf dem gesetzestreuen Standpunkt zu stehen, nur Wahrheit und Gerechtigkeit, nicht die Liebe zu der einen oder anderen Partei sollten ihn in feiner künftigen Laufbahn leiten. Nach der feierlichen Installation fand die Hochzeitsfeier statt. Bei dem darauffolgenden Mahle sprachen Herr Dr. Stein aus Maros-Vafarhely, Herr Dr. Wilheim und viele Andere. Znainr. Unsere Gemeinde ist vorige Woche Donnerstag durch das plötzliche Hinscheiden ihres Herrn Rabbiners, Ooercantors und Religionslehrers Ignatz Holzer, in tiefe Trauer versetzt worden. Beredten Beweis der Hochachtung, die ihm allseits gezollt wurde, lieferte das Lüchenbegängniß, welches Sonntag den 13. d. M. stattgefundeu hat. Sämmtliche Honoratioren unserer Stadt: der Vicepräsident des k. k. Kreisgerichtes, k. k. Oberlandesgerichtsrath Jaschke, Herr k. k. Bezirkshauptmann Werner mit dem Herrn k. k. Oberbezirksarzt Dr. Wolsenstein, Herr Bürgermeister Brautner, Herr Bicebürgermeister und Landtagsabgeordneter Haase mit mehreren Herren Gemeinderäthen, Herr Realschnldirector Seeberger mit sämmtlichen hier anwesenden Gymnasial- und Realschulprosessoren, Herr Bürgerschuldirector Böhm rc. rc., Deputationen benachbarter Gemeinden von Schaffa, Mislitz, Retz und Jamnitz, sowie sämmtliche Mitglieder der Cultus gemeinde Zuaim und Umgebung, hatten sich in dem schwarzdrapirten Tempel, wo die Leiche aufgebahrt wurde, zur Trauerfeier eingefunden. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Pollak aus Trebitsch hielt eine alle Anwesenden tiefergreifende Trauerrede. Nach den üblichen Tcauerpsalmeu, welche Herr Cantor Lustig aus.Uug.-Hradisch, eiu Schüler des Verstorbenen, vorgetragen, wurde der Sarg vom Vorstände aus dem Gotteshause getragen, worauf sich der Trauerzug, von der Schuljugend eröffnet, in Bewegung setzte. Den Leidtragenden schlössen sich nach Hunderten zählende Personen ohne Unterschied der Confession an. Am Grabe hielt Vorsteher-Stellvertreter Herr Dr. Jur. Sigm. Rosenfeld im Namen der Gemeinde dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Nach seinen, aus dem Herzen und ins Herz dringenden Worten, sprach eiu Freund des" Verblichenen, Herr Cantor Stiaßny aus Retz, worauf Cantor und Religionslehrer E. Rosenfeld im Namen der Schuljugend, im Namen des Chorpersonals und sämmtlicher Cultusbeamten der hiesigen Gemeinde von dem Verklärten Abschied nahm. Rothkosteleh. Der Direktor der hiesigen Fabrik der Herren Leop. Abeles L Söhne, Herr D. Fischer, feieure am 12. d. M. sein 25jähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar hat sich während dieser Zeit die vollste Achtung seiner Mitbürger, sowie der ihm unterstehenden Beamten und Arbeiter erworben. Herr D. Fischer, der vor 25 Jahren bei Herren Leop. Abeles & Söhne als Praktikant eintrat, hat durch sein eigenes Bestreben, ausdauernden Fleiß und unermüdliche Thätigkeit sich zum Leiter dieses Etablissements emporgeschwungen. Bon Seite der Chefs, der Beamten, sowie der gesammten Arbeiterschaft wurden dem Jubilar, der noch in den besten Jahren steht, ehrende Ovationen bereitet. Bielitz. Nach langem, schweren Leiden starb in der Nacht am 9. d. M. im Bielitzer Kaiser Franz Josef-Spital der Director der hiesigen israelitischen Schule, Herr Leopold Blüh, im 47. Lebensjahre, nach 24jährigem ersprießlichen Wirken als Lehrer und Leiter dieser Schule. Als Schöpfer des israelitischen Tempelchores hat sich Herr Blüh um die Hebung des Gottesdienstes sehr verdient gemacht. Das Leichenbegängniß fand am 12. d. M. unter zahlreicher Betheiligung aller Gesellschaftskreise statt. Man bemerkte unseren geehrten Herrn Bürgermeister Steffan mit dem Gemeinderathe, ferner viele Professoren der hiesigen Schulen und muß besonders das Erscheinen des Herrn Directors Fadle mit der katholischen Schuljugend hervorgehoben werden. Ehrwürden Herr Dr. Steiner hielt eine ergreifende Rede, in welcher er die Verdienste des Verstorbenen besprach. Am offenen Grabe hielten der jetzige Director der hiesigen israelitischen Schule, Herr Goldberg, ferner der Präses vom Humanitäts-Verein, Herr Hecht, dem Verstorbenen warme Nachrufe. Der Bielitz-Bialaer Gesangsverein trug einen ergreifenden Choral vor, und damit war diese Feier zu Ende. Drohobycz. (V e r m ä l u n g). Am 15. August hat hier die Trauung des Fräulein L.wntine G e l b h a u s, einer Nichte des Rabbiners Herrn Dr. Gelbhaus in Wien, mit Herrn Moriz Ihr, Grschäftsleiter der Firma Ch. Landes & Sohn in Lemberg, stattgefunden. Stanislan. Herr Bernhard L ö w e n s o h n aus Wottitz wurde als Obercantor für den neuevbanten Tempel in Stanislan gewählt. Csakathurn. (Trau u n g.) Sonntag den 20. d. M. findet hier die Trauung oo;t F.l. Rosine Lustgarten, Tochter des hiesigen Lehrers I. A. Lustgarten, mit Herrn Josef H i r s ch l e r, Mitchef der Firma Hirschler u. Steiner ans Gr.-Kanizsa, statt. Temssvar. Der Ober-Locomotivführer der ungarischen Staatsbahnen in Pension Herr David L ö w y ist in der Einfahrt seines Hauses plötzlich einem Herzschlage erlegen. Der zum ewigen Frieden Eingegangene stand im Alter von 53 Jahren und erfreute sich ob seines makellosen Charakters ungetheilter Symphathien. Ihn ereilte der Tod in Abwesenheit seiner Gattin, welche bei ihrer in Fünfkirchen an einen Professor verheirateten Tochter zum Besuch weilte. Der Verewigte hinterläßt zwei Söhne und zwei Töchter. An dem Begräbnisse betheiligten sich die dienstfreien Locomotivführer und das Zugsförderungspersonale, sowie auch die Mitglieder des Leichenvereines der Diener und Arbeiter der ungarischen Staatsbayn, welchen humanen Verein Löwy mitgründen half. Unter den Trauergästen bemerkten wir auch mehrere Beamte des Heizhauses und der Verkehrs-