Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 33 (18.8.1899)
- Date
- 1899-08-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 607 1875 wurde er außerordentlicher Professor und 1888 erhielt er den Geheimraths-Titel. Früher Chefarzt der inneren Abtheilung des August a-Hospitals, ist er seit 1881 dirigirender Arzt der dritten medicinischen Klinik der Charitse und gleichzeitig der medicinischen Universitäts-Poliklinik. Die Zahl der Honorarprofessoren, früher sehr gering, ist in den letzten Jahren sehr gewachsen, sie betrug bisher sechs. Senator ist 1834 in Gnesen geboren und hat, wie seine akademische Laufbahn, auch seine Studien ausschließlich tit Berlin gemacht. Er war von Haus aus gänzlich unbemittelt und wirkte als bescheidener praktischer Arzt in Berlin im Rosenthaler Viertel, ehe er auf Grund.seiner in der Mußezeit, die ihm die Praxis ließ, ausgesührten wissenschaftlichen Arbeiten die Berechtigung der venia legendi der medicinischen Facnltät erhielt. Seit langen Jahren gehört er schon zu den gesuchtesten und beliebtesten Lehrern für die Jünger des Aeskulap in Berlin. Unter seinen Fachgenossen ist er als einer der führenden Kliniker Deuschlands anerkannt. Auch sein Ruf als consultireuder Arzt geht weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus. Paris. Der in der Armee künstlich gezüchtete Antisemitismus hat schon zu recht unangenehmen Consequenzen geführt. Eine der bedauerlichsten aber ist das Duell, das kürzlich zwischen zwei Uuterofficieren des 18. Chasseurregiments in St. Germain-en-Laye stattgefunden hat. Unterofficier Klein, ein Jude, war durch die fortwährenden antisemitischen Hetzereien seiner Kameraden so zur Verzweiflung gebracht worden, daß er den nächstbesten, der ihn wieder in dieser Weise beleidigte, thätlich angriff, so daß ein Duell die Folge war. So fand der Zweikampf zwischen dem Unterofficier Klein und dem Unterofficier Biancarelli statt, bei welchem Klein fiel. Vor einigen Tagen fand das Leichenbegängniß statt, bei dem Oberst Menaust dem allgemeinen Mitgefühl Ausdruck gab und den ausgezeichneten menschlichen und soldatischen Eigenschaften Klein's volle Gerechtigkeit widerfahren ließ. Bukarest. Vor Kurzen» fand hier wieder ein Proceß wegen des unseligen Märchens vom „Ritualmord" statt. Der Gerichtshof von Huschi verhandelte gegen den jüdischen Schankwirth Marcu Butnariu, der angeklagt war, vor Ostern versucht zu haben, Blut von einem siebenjährigen Kinde des Einwohners Jonitza Fabacaru sich zu verschaffen, indem er es mit einem spitzen Instrumente stach. Es war von christlichen Zeugen cvnstatirt worden, daß Fabacaru an diesem Tage bei Butnariu bis zur Trunkenheit sich berauscht habe, daß er auch dem Kinde zu trinken gegeben, daß alle Beide mit einander hinfielen, so trunken waren sie. Alle haben bezeugt, daß das Kind kein Zeichen von einem Stich hatte; die Mutter des Kindes hat diese Aussage bestätigt. Sie hat erklärt, daß ihr Kind trunken war und sich über Magenschmerzen und nichts anderes beklagte. HerrJonescu- Dolj, der die Stelle des Staatsanwalts vertrat, behauptete nun, daß unter den Juden eine Secte existire, die Christenblut brauche, und stützt seinen Beweis auf das Buch des getauften Juden Neofit und auf die Werke Drumont's! Er beantragte eine strenge Strafe, die als Beispiel für ferneren Fanatismus dienen sollte! Der Vertheidiger, Herr N. M. Eismann, hat die absurde Legende, daß die Juden sich des Christenblutes bedienten, aufs Heftigste bekämpft und forderte die Freisprechung des Angeklagten. Der Gerichtshof hat nach kurzer Berathung natürlich die Freilassung des Butnariu verkündigt. Amsterdam. Unter den Delegirten zur Friedensconferenz hat sich unser Glaubensgenosse Asser, einer der holländischen Vertreter, besondere Achtung erworben, sowohl durch sein großes Wissen im internationalen Völkerrecht, als durch den Text, mit dem er die widersprechenden Anschauungen in den Commissionen, denen er angehörte, zu versöhnen wußte. Wie es heißt, ist Asser für den Posten des Generalsecretärs in Aussicht genommen, wenn das genannte internationale Schiedsgericht zu Stande kommen sollte. Manchester. Auch in unserer Stadt hat sich nach dem Londoner Beispiel eine jüdische Knaben-Brigade gebildet, in der Knaben im Alter von 10—17 Jahren eine Art militärischen Drills erhalten, was ihnen sowohl körperlich sehr nützlich ist, als ihr Benehmen verbessert. Diese Brigade hielt in der ersten Augustwoche eine Felddienstübung in Lytham ab, die von bei- ■ nahe 240 Knaben mitgemacht wurde. Bei dieser Gelegenheit inspicirte Oberst Brownrigg die Knaben und äußerte sich sehr zufrieden mit ihrer Haltung. London. Abermals ist ein Glaubensgenosse als Candidat für das englische Unterhaus vorgeschlagen worden. Die Conservativen von Accrington haben einstimmig Mr. Edward Micholls zu ihrem Candidaten für die nächste Wahl bestimmt. Mr. Micholls ist ein hervorragender Kaufmann in Manchester, der eifrigen Antheil an den jüdischen Gemeindeangelegenheiten genommen hat. Insbesondere ist er Präsident der großen jüdischen Schute, die 2500 Schüler zählt und der Londoner jüdischen Freischule an Größe nahesteht. Wird Mr. Micholls gewählt werden, so wird er als specieller Fachmann in Schulangelegenheiten einen schönen Wirkungskreis in Parlament haben. Die jüdischen Abgeordneten im englischen Unterhaus werden alsdann Minjan machen können, da bereits neun in dieser Körperschaft sitzen. London. Die „Pall Mall-Gazzette" schreibt über den afrikanischen Stamm der Fulbe oder Fellata und erwähnt dabei die Sagen, mit denen der Ursprung dieses Ecobererstammes verbunden ist. Die Fulbe, welche bekanntlich viel hellfarbiger als die Negervölker in Centralasrika sind, der sie sich unterworfen haben, behaupten, von Weißen abznstammen und aus dem Osten gekommen zu sein. Sie sind Mohammedaner, haben aber besonders viele Erinnerungen an das Alte Testament und zählen Moses und Abraham zu ihren Patriarchen. Einige Gelehrte stellen daher die Hypothese auf, daß die Fulbe in einer entlegenen Geschichtsperiode in Egypten gesessen hätten und dort von Juden beeinflußt worden seien. Es wird dies besonders mit der schon erwähnten ausgiebigen Kenntniß der biblischen Erzählungen begründet, die weit über das bei den Mohammedanern übliche Maß hinaus geht. New-Pork. In der letzten Zeit sind wieder eine Reihe von neuen Synagogen in den Bereinigten Staaten erbaut worden. Am 12. Juli wurde in Binghampton in New-Jersey die neu erbaute Synagoge der „Orthodox-Hebrew-Society" eingeweiht. — In New Hampshire wird auch demnächst die erste jüdische Synagoge eingeweiht werden, welche in diesem Staate erbaut ist. Dieselbe ist von der „Bene Abraham Society" in Nashua errichtet worden. — In Fall-Kiva in Massachusettes baut jetzt die Congregation „Adaß Israel" ein Gotteshaus mit Aufwand von 60.000 Mark, welche Summe die kleine jüdische Gemeinde dieser Stadt selbst ausgebracht hat. — Auch die „Shaare Sholem- Congregation" in St. Joseph in Montana wird ebenfalls binnen Kurzem einen Tempel errichten. Von den dazu nothwendigen 7000 Dollars haben die 65 Gemeindemitglieder bisher selbst 2000 Dollars aufgebracht. New-Pork. Welchen Umfang die jüdische Armenpflege hier in Amerika hat, beweist der Juni-Bericht der „United Hebrew Charities". Während dieses Monates wurden 5910 Personen bedacht, theils mit Geld, theils mit Kleidung und Nahrungsmitteln. 558 Besuche hatten die Armenärzte zu machen und 35 Armenpflegerinnen waren aus Kosten des Vereines im Dienst. 780 Bewerber ließen sich im Arbeitsnachweis einschreiben, von denen man für 433 Arbeit fand. Die Ausgaben für alle diese Zwecke betrugen während des einen Monats 45.000 Mark. — Die „Hebrew Loan Society", welche zinsfreie, leicht rückzahlbare Darlehen an arme Inden gibt, hat während der ersten sechs Monate dieses Jahres rund 200.000 Mark an 2593 Personen ausgeliehen. Es stehen gegenwärtig rund 90.000 Mark bei den verschiedenen Schuldnern aus. Trotz dieser großen Summe aber ist das Gebühren der Gesellschaft so vorsichtig, daß in dieser Zeit nur etwa 1000 Mark verfallene Darlehen abzuschreiben waren. Wien. (A u s z e i ch n u n g.) Der Frau Baronin Charlotte v. Königswarter wurde von Sr. Majestät dem Kaiser in Anerkennung ihres humanitären gemeinnützigen Wirkens der Elisabeth-Orden II. Classe verliehen. Wien. (Bermälung). Am 20. d. M., 7*1 Uhr Nachmittags, findet im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Olga N e u m a n n, Tochter des Herrn Ignaz Neumann, mit Herrn Med. Dr. Gustav P i ck statt. Wien. (B e r m ä l u n g.) Die Bermälung des Herrn Jacques Ritter, Beamter der Wiener Tramway-Gesellschaft, mit Fräulein Louise Sommer findet Sonntag den 20. d. M. in Prerau statt. Wien-Mariahilf. Ans Anlaß des Allerhöchsten Geburtssestes Sr. Majestät des Kaisers findet am Freitag, 18. August, im Tempel VI, Schmalzhosgaffe 3, ein feierlicher Gottesdienst statt, bei welchem Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Taglicht eine Ansprache halten wird.