Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 33 (18.8.1899)
- Date
- 1899-08-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021277-3021311--09090-3033503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 33 Dr« Vloch's Wochenschrift' Seite 605 Mädchen-Waiseninstitut, Israel Weiner für die Waisenanstalt, der greise Herr Aron Lemberger namens des Bereines Thoras- Chessed. Herr Eduard Schlenger, Herr Beer und Senior Leopold Groß für die Rabbinatsschule, Gemeindesecretär Leopold Löwy namens der Heinrich Berger-Stiftung. Bon der Preßburger Rabbinerschule erschienen ferner die Rabbinatscandidaten Beer, Nasch, Fischer und Neufeld. Am Tage des Leichenbegängnisses haben die Hinterbliebenen nahmhafte Summen für die Armen gespendet. Vöslau, 14. August. Dieser Tage kündigten Placate an, daß im Cursalon hierorts zu Gunsten des Spitals eine Theatervorstellung stattfinde, und auf der elektrischen Bahn sah man fünf liebliche Schwestern geschäftig mit dem Sammelbogen nach Baden und retour fahren, um zu ihren vielen Vorzügen den Hauptcharakterzug unserer Religionsgenossen, die Barmherzigkeit, zu fügen; allein die Vorstellung fand statt, das Reinerträgniß war bedeutend, aber das Spital bekam nur ein Dritttheil, denn den Löwenantheil gab man einen Manne, der sonst tausend Vorzüge besitzt, jedoch auf jüdische Barmherzigkeit keinen Anspruch machen darf, da er, wie seine stärkere Hälfte, unserem heiligen Glauben abtrünnig geworden und wenn auch ein Herr von Gutmann, ebenfalls Abtrünniger und gleichfalls Bücherschreiber, sich für ihn einsetzt, hätten so liebliche Füße und so reizende Hände wie die der Bewohner der „Pez-Villa" sich nicht für diese Leute (zwar ehrliche) bemühen sollen. „ Nou ölet “ meint die Empfängerin, und schimpft weiter auf die jüdische Sitte und den jüdischen Glauben. Man hörte Viele sagen, wenn sie gewußt hätten, daß ein Meschumed den größten Theil der Einnahme bekommt, so wären sie fern geblieben. Voriges Jahr wurde ein „Proguosenkränzchen" veranstaltet zu Gunsten dieser Neu - Christen, allein Männer, die die Leber auf dem rechten Fleck haben, auch das Herz, machten, daß deren ehemalige Glaubensgenossen fernblieben und es kamen drei Besucher, um Mffumau zu „benschen" aber das Mesuman blieb aus. Mit welchem Rechte das Publicum heuer irre geführt wurde, darüber erbitte ich mir Antwort. Jehuda. Budapest. Der Pester Lloyd veröffentlicht eine Statistik der Mischehen, welche im Juni dieses Jahres in Ungarn geschlossen wurden. Darunter waren 29 jüdisch-christliche Mischehen, davon war in 13 Fällen der Mann, in 16 Fällen die Frau jüdisch. Am interessantesten ist, daß bei der Vereinbarung über die Religion, in welcher die Kinder des eheschließenden Paares erzogen werden sollen nur, in 9 Fällen die christliche Religion gewählt wurde, während in den anderen 20 Fällen bestimmt wurde, daß die Kinder in der jüdischen Religion zu erziehen sind. Franzensbad. Das „deutschvölkische" Blättchen „Egerer Nachrichten" brachte in seiner Nummer vom 9. „Erntings" die folgende wunderschöne Notiz aus Franzensbad: „(V o n unserer I u d e n h e i t.) Wie sehr unser Curort seine Judengäste ehrt und was das Bedenklichste dabei ist, aber trotzdem anderen Curorten gegenüber in Bezug auf Frequenz von Badegästen immer mehr und mehr zurückgehr — niöge hier kurz angeführt werden. Donnerstag den 4. d. M. fand hier vor dem Hause „Fasan" ein solennes, von der Curcapelle Oehlschlägel über Auftrag der Curcommission intonirtes Ständchen zu Ehren des Martin Lesser, eines Berliner Bankjuden, statt. Derselbe erschien gleich nach dem ersten Tonstücke oben am Balkon in Begleitung einiger anderer K r u m m n a s e n, welche während des Concertes wechselweise mit e p p e s an knoblauchduftfreien Bouquets in angenehme Berührung gebracht wurden, um sich der einstweilen unten angesammelten deutschen Volksmenge in vollster Mischer Herrlichkeit, „Gott wie f a i n, wie s ch a i n, wie nobel", zu zeigen. Fürwahr, einem Regenten oder Feldmarschall, der im heißen Kampfe um sein geliebtes Vaterland gefochten und muthig als Held die Feinde bezwang, könnte keine größere Ehrung hier zutheil werden, als sie diesem .. . Juden dargebracht worden ist. Biele deutsche Musiker unter der hiesigen Curcapelle werden mit Abscheu und innerlichem Widerwillen diesem Aufträge Folge geleistet haben. Deutsche Stadt Franzensbad, wohin bist Du mit Deinem Deutschthnm gekommen? Die Antwort gib Dir selbst". Der „deutschvölkische" Verfasser dieser geschmackvollen Stilblüthen ärgert sich darüber, daß die Curverwaltung Herrn Lesser aus Berlin, welcher nunmehr seit 25 Jahren ständiger Curgast in Franzensbad ist, anläßlich dieses seines „Jubiläums" als Curgast von Franzensbad ein Ständchen bringen ließ, und er hat damit jenem Theil: der einheimischen Bevölkerung, welcher antisemitisch gesinnt ist, jedoch nur bis zur Tasche, ans der teutonischen Seele gesprochen. Die hiesigen Antisemiten sind überaus liebenswürdig mit Juden und Jüdinnen, die bei ihnen größere Einkäufe machen und ermangeln niemals, den Damen zu sagen: „Küß die Hand, Gnädige, beehren Sie mich bald wieder". Erst wenn sie an den Juden und Jüdinnen Geld verdient haben, kehrt die deutschvölkische Gesinilung wieder. Zahlreiche jüdische Curgäste haben nun die Frage angeregt, ob Juden einen Curort besuchen sollen, in welchem bei einem Theile der Bevölkerung solche Allüren herrschen, allein es wurde dagegen eingewendet, daß es ein Unrecht wäre, wegen der Bornirtheit Einzelner und wegen der läppischen Anrempelungen eines obscuren Provinzblättchens einen herrlichen Curort zu meiden, in welchem sie sich zum Aerger aller Antisemiten recht wohl befinden und dessen Verwaltung bemüht ist, allen Curgästen ohne Unterschied der Nationalität und der Confessio» den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Franzensbad ist deshalb auch in stetem Aufschwünge begriffen und so besucht, daß kaum irgendwo ein Zimmer zu haben ist und viele Ankommende wieder abreisen müssen, weil sie keine Unterkunft finden. Daraus kann man den Charakter des citirten wurzelhaften Blättchens beurtheilen, welches aus hämischem Aerger über die einem jüdischen Curgäste erwiesene Aufmerksamkeit dem Curorte durch die erlogene Behauptung zu schaden sucht, daß Franzensbad i i Bezug auf Frequenz immer mehr und mehr znrückgeht. Um aber jüdische Besucher von Franzensbad davor zu schützen, daß sie für ihr gutes Geld vielleicht verhöhnt oder beschimpft werden, hat man hier einige Auskunftsstellen creirt, bei welchen man sich darüber unterrichten kann, welchen Hausbesitzern und Geschäftsinhabern, ihrer stramm antisemitischen Gesinnung wegen, jüdische Kunden priucipiell unangenehm sind, so daß die jüdischen Curgüste sich nicht dem Verdachte der Zudringlichkeit cwszusetzru brauchen. Diese A u s k u n s t s st e l l en, an welche man sich wenden möge, sind: Heinrich Adler, Bankgeschäft, Ignatz Adler, Hotelier, B e r n. K r a u s, Hotelier, M.Kohorn, Optiker. S. Steiner, Ba nkier, Spiegl, Restaurateur. Bon anderer Seite wird uns über dieselbe Angelegenheit geschrieben: Jedem Curgast, dem das Glück beschießen ist, durch 25 Jahre sein Geld nach Franzensbad bringen zu können, wird von der Curverwaltung eine Art Jubiläum bereitet, dessen Quintessenz ein Ständchen der Curcapelle bildet. In diesem Jahre war unter diesen Glücklihen Herr Martin Lesser aus Berlin, ein hier besonders in musikalischen Kreisen allgemein geschätzter Curgast. Herr Lesser hat aber »eben dem Gluck, 25 Jahre nach Franzensbad kommen zu können — das Unglück ein Jude zu sein. Letzteres brachte die famosen „Egerer Nachrichten" ganz aus dem Häuschen. Sie leisteten sich unterm 9. „Erntings" einen Artikel aus Franzensbad, in welchem Klage geführt wird, daß man so undeutsch in Franzensbad sei, einem Juden ein Ständchen zu bringen, gießt dabei über Herrn Lesser und die übrige Judenheit einige Liter des sattsam bekannten antisemitischen Spiritus und ermahnt die Franzensbader „Deutschen", reuig in sich zu gehen. Der Artikel der „Egerer Nachrichten hat hier allenthalben Entrüstung hervorgerufen und zur Ehre Franzensbads sei es gesagt, die intell'gente Bevölkerung schämt sich, daß sich die antisemitischen Culturbestrebungen auch hier bemerkbar machen. Es kann nicht verschwiegen werden, daß sich aber auch leider hier Leute finden, die diese Bestrebungen unterstützen. So besteht hier schon seit Jahr und Tag eine Ortsgruppe des Antisemitischen Bundes der Deutschen. Derselben gehören sogar Leute an, deren Häuser und namentlich deren Geschäfte hauptsächlich nur von Juden, sreqnentirt werden. Es wäre für das Gedeihen und Aufblühen Franzensbads sehr gefährlich, würde das Giftgewächs, benannt Antisemitismus, hier Wurzel fassen. Darum Curverwaltung Franzensbads! Wachsamkeit und Energie. Breslau. Der Regierungspräsident von Breslau hat folgende Polizeiverordnung erlassen: „Es ist verboten, das Blut von solchen Thieren, denen beim Schlachten der Schlund durchgeschnitten wurde (der nach israelitischem Gebrauch durch Halsschnitt geschlachteten, das ist geschächteten Thiere), zur Herstellung menschlicher Nahrungsmittel zu verwenden. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden mit Geldstrafe bis zu