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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Date
1899-08-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 604 Dr. Bloch's Wochenfchrist. Nr. 33 Antisemitismus und Anarchismus. Ein antisemitischer Schriftsteller, Erwin Bauer, warnt auch in einer Broschüre über den „Untergang der antisemitischen Parteien" vor den radikalen Antisemiten (S. 48): „Jeder Erfolg dieser Gesellschaft ist ein Nagel mehr zum Sarge des antisemitischen Parteiwesens, und unter den lachenden Erben, die sich in die Früchte des rein antisemitischen Parteitreibens schließlich theilen werden, werden die Socialdemokratie und der An a r ch i s m u s die Ersten und die Vornehmsten sein!" Und die „K ö l n. Volksztg." vom 17. Juli 1894 stellt eine Parallele zwischen Eugen Dühring, Ahlwardt und — M o st aus. Gegen den Antisemiten Dühring schrieb das katholische Blatt: „Herr T ü h r i n g liebt cs, einzelne Personen gegen ihm verhaßte Parteien auszuspielen und sie gewissermaßen als Muster hinzustellen. Augenblicklich ist es Ahlwardt, der nach Dühring's Ansicht in der verjudeten antisemitischen Partei eine „rühmliche Ausnahme" bildet. In der ersten Hälfte der Siebziger-Jahre war es der damalige socialdemokratische Reichstagsabgeordnete und spätere A n a r ch i st e n h ä u p t l i n g M o st, der sich der besonderen G u n st D ü h r i u g's erfreute und von ihm gewissermaßen gegen die „verjubele" marxistische Socialdemokratie ausgespielt wurde. In seiner „Kritischen Geschichte der National-Oekonomie und des Socialismus" — wir haben hier die ältere Auflage im Auge — spricht Dühring, der in diesem Werke mit Marx und Lassalle scharf ins Gericht geht und besonders ihre jüdische Abstammung hervorhebt, mit großer Anerkennung von dem volksthümlichen Auszug, den Most während seiner Strafhaft in Zwickau in Sachsen aus dem „Capital" von Marx gemacht hatte; gleichzeitig wird aber auch Most im Gegensatz zu Marx lobend erwähnt und sein „weiterer Standpunkt" rühmend hervorgehoben. Tie Achnlichkeit mit der jetzigen Behandlung Ahlwardt's springt in die Augen. Most, der sich durch Dühring's Anerkennung wohl geschmeichelt fühlen mochte, zumal Dühring damals in den Kreisen der Berliner Socialdcmokratie einen nicht unbeträchtlichen Anhang hatte, erwies sich auch dankbar. Er ist es hauptsächlich, der in Gemeinschaft mit anderen Berliner Delegirten (Grottkau, Rachow u. s. w.) 1877 auf dein letzten vor-socialistengesetzlichen Parteitag in Gotha es durchsetzte, daß Friedrich Engels' „Kritik der DLHring'schen Theorien", die damals in der Beilage des Leipziger „Vorwärts" unter dem Titel „Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft" erschienen, aus den Spalten des Partei-Organs verbannt und auf den Weg einer besonderen Broschüre verwiesen wurde, trotzdem Liebknecht mit Feuereifer für die Engels'sche Kritik cintrat, u. A. behauptend, daß seit Lessing keine so geistvolle Kritik geschrreben worden sei. Auch nachdem Dühring's Einfluß auf die soci ldemokratische Partei völlig gebrochen war, (Marx und Engels behaupteten siegreich das Feld) und nachdem Most sich zum Anarchisten durchgemausert hatte, bewahrte er Dühring ein freundliches Angedenken. Als z. B. Dühring im Herbst 1876 fälschlich todtgcsagt wurde, veröffentlichte die Most'sche „Freiheit" einen ehrenden Nachruf, welcher mit den Worten schloß: „Wir glauben, sein Andenken am besten ehren zu können, indem wir eine Anzahl von Citaten aus seinen Werken mittheilen, die wir stets zu den Schatzkammern der sozialistischen Agitation gerechnet haben." SolchejCitate hat die „Freiheit" noch öfter gebracht, so daß man fast annehmen könnte, daß Most's späterer theoretischer Anarchismus (der mit der „Propaganda der That" nichts zu thun hat) auf den Einfluß der Dühring'schen „Wirthschafts-Kommune mit Freizügigkeit' zurückznführcn ist. Auch die Berliner „Unabhängigen" haben sich, wie aus dem „Socialist" zu ersehen war, nicht nur durch Dühring's anscheinend klare, atheistische Philosophie, sondern auch von dessen decentralisirtem, freiheitlichem Socialismus bestechen lassen." In seinem „Bundschuh" schlug Ahlwardt völlig anarchistische Töne an. Nicht mehr Juden, nicht mehr Juden undjJunker, nein, „Fürsten, Junker und Pfaffen" waren der Gegenstand seiner Angriffe. Ec schrieb: „Tie wirthschaftliche, politische und religiöse Knechtung ist eine immer deutlicher in das allgemeine Bewußtsein getretene Thatsache. Die ursprünglichen und noch jetzt ziemlich uneingeschränkten Machthaber, wie Fürsten, Junker, Pfaffen, zu denen sich in neueren und neuesten Zeiten das liberale, mit Hebräern reichlich durchsetzte Geldbürgerthum und Händlerthum gesellt hat, haben es an Reden nicht fehlen lassen, daß ihnen das Wohl der Massen am allermeisten am Herzen läge. Sie haben auch dadurch zu Zeiten ihren Zweck erreicht, denn zu arbeitslosen Machthaberschaften ist eine arbeitende und unwissende Menge unerläßlich. Nach und nach sind jedoch die Massen durch die in einigen Generationen gemachten thatsächlichen Erfahrungen dahinter gekommen, daß die Sorge jener machthabenden Gesellschaftselemente um das Massenwohl eitel Heuchelei und Betrug und es jenen Elementen nur darum zu thun sei, sich ein willfähriges für die Wcrthe schaffendes Arbeiterthum zu erhalten." Ludwig Anzengruber. In der Nummer 28 vom 15. Juli des „Magazins für Literatur" (Berlin, S. Kconbach) findet sich eine fesselnde Studie des bekannten Feuerbach- und Spinoza- Biographen Wilhelm Botin laus Helsingsors über das Tendenzdrama „Doctor Kohn" von M a x N o r d a u. Eine Stelle ist von starkem Interesse, da sie sowohl Bolin's Verurtheilung des Judenhasses enthält, als auch ein bisher unbekanntes Urtheil L. Anzengruber's. Pros. Bolin schreibt: „Aller Beschönigung und allem auf christliche Glaubensreinheit abzielenden Gerede entgegen ist der Antisemitismus lediglich der Ausdruck der niedrigsten und pöbelhaftesten Gesinnung, wie sie sich auch in all' dem Unheil kenntlich gemacht, das er bisher angerichtet. Diese Gesinnungsweise anlangend, lassen die antisemitischen Figuren des Dramas freilich nichts zu wünschen übrig: sie sind treue Abbilder unserer Gegenwart. Fällt dadurch, wie es der Autor bezweckt zu haben scheint, das günstigste Licht auf seine Semiten, so sind diese doch um solchen Bortheils willen schwerlich zu beneiden; keinesfalls wirkt dieser Contrast in einer das ganze Bild künstlerisch hebenden Weise; vielmehr vermißt man hier erst das Geltendmachen jener Denkart, die, unserer heutigen Bildung entsprechend, überall dem Antisemitismus beherzt entgegengetreten ist. Daß der Autor es hierin am Nöthigsten hat fehlen lassen, entzieht seinem Drama die volle Uebereinstimmnng mit der Wirklichkeit. Bei ihm erhält der Antisemitismus ein gewisses Uebergewicht, das ihm thatsächlich abgeht, weil er niemals die wahren Jdealkcäfte unserer Cultur auf seiner Seite hat. Trotz Richard Wagner, Treitschke. und Dühring haftet dem Antisemitismus ein Posten Dummheit an, die es, wenigstens auf künstlerischem Gebiete, nicht zuläßt, daß er ernst genommen werde. Das war, um einen sachverständigen Gewährsmann anzuführen, die Ueberzeugung Ludwig A n z e n g r u b e r's. Anfang der Achtziger-Jahre gedachte er, den Antisemitismus für ein bürgerliches Schauspiel zu verwerthen. Als er das Stück fertig bekommen, wanderte es in den Ofen. Hierüber befragt, erklärte er: „E s s ch a u t nix dabei 'raus; der Antisemitismus ist zu dumm." Und Recht hat er; seitens der Kunst ist dieser bodenlosen Verirrung nur auf dem Wege ausgelassenster Komik beizukommen." Deutschnationale Schriftleiter in Oesterreich. D as einzig täglich erscheinende nationale Tagblatt Böhmens die Reichenberger „Deutsche Volkszeitung", leitet Herr Vaclav Knisek. Das Friedländer nationale Organ Herr Sedlak, während der völkische Schriftleiter und Herausgeber Herr KuLka heißt. Daß diese „Wurzelhaften" mit Libussa näher verwandt sind, als mit Hermann dem Cherusker bezeichnen die orthographisch richtig geschriebenen Namen. Also Na zdar! Pardon Heil! Correspondenzen. Wien. (Die P o l n a e r M o r d - A f f a i r e.) Ans .Kattenberg, 14. d., wird gemeldet: In der Polnaer Mordaffaire firden derzeit durch den Untersuchungsrichter neuerliche Zeugeueinvernehmungen statt. Es verlautet, daß eine sensationelle Wendung dieses aufsehenerregenden Processes zu gewärtigen sei. Wien. Letzten Donnerstag fand das Lrichenbegängniß des Herrn Heinrich Berger aus dem Badener Friedhof statt. Zahlreiche Verehrer des Verblichenen waren herbeigeeilt, dem verehrten Mann das letzte Geleite zu geben. Unter den Anwesenden bemerkte man Obecrabbiner. Dr. Güdemann, die Rabbiner Dr. Reich, Dr. Ungerleider, Dr. Taglicht. Der Wiener israelitische Eultusvorstand war vertreten durch Universitäts-Docenten Dr. Grünfeld und Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer. Bon dem Tempelverein Josefstadt erschien der Präsident Herr k. k. Hoflieferant Hermann Beck von der Firma Wilhelm Beck & Söhne, von dem Frauenwohlthätigkeitsverein des VlIL Bezirkes Präsidentin Frau Amalie Beck. Die Schiffschule „Beth-Hamidrasch" und der Krankenhausverein waren vertreten durch die Herren Philipp Back, Ignatz Back, Marcus Bondi, Aron Bondi, B. Hofbauer, W. Poppenheim, Obmann B. Schiff, Adolf Singer, Aron Weil. Von der Talmud-Thora erschien S. Buchwald, von der Schönlaternschule Herr D. Horowitz. Aus seiner Heimatstadt Preßburg, für deren Wohlthätigkeits- und Lehranstalten er stets große Aufwendungen machte, waren erschienen: Herr Ignatz Herzfeld namens der Cultusgemeinde, Herr Dr. Stein für das

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