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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Date
1899-08-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 600 Dr. Bloch's Wochenschrifk. Nr. 33 Dr. Herzl: „Unsere Bemühungen sind daraus gerichtet, einen Charter von der türkischen Regierung zu erlangen, einen Charter unter der Souveränität Seiner Majestät des Sultans. Erst wenn wir im Besitze dieses Charters sind, welcher die uöthigen öffentlich rechtlichen Sicherheiten enthalten muß, können wir eine große praktische Colonisation beginnen. Für die Gewährung dieses Charters werden wir der türkischen Regierung große Vortheile vermitteln." Damit ist das Programm der Zionistencolonisirung des heiligen Landes unter öffentlich rechtlichen Garantien näher präcisirt worden. Als Herzl erklärte, der Deutsche Kaiser habe in unzweideutiger Weise den Zionisten sein wohlwollendes Interesse zugesichert, erfolgte eine stürmische Ovation für Kaiser Wilhelm. Als zweiter Redner des ersten Verhandlungstages fungirt Max N o r d a u. Deutschland und Dreysus. Eine Note der „Kölnischen Zeitung" über Alfred D r e y f u s erregt das größte Aufsehen, weil dieselbe zum ersten Male eine klare und deutliche Aeußerung darüber enthält, welche Anschauung die allermaßgebendsten Kreise in Deutschland über die Schuld oder Nichtschuld des Angeklagten hegen. Das Blatt schreibt: Deutschland versage sich jede Einmengung in die Dreyfus-Affaire aus Taktgefühl und auch deshalb, weil jede Einmengung praktisch unnütz wäre. Allein jedem anständigen Menschen müsse es klar sein, daß Deutschland in der Dreyfus-Affaire nicht compromittirt sei, was, da Deutschland allein in Frage kommt, „die unbedingte Unschuld Dreysus erweist". Diese höchst bedeutsame Kundgebung ist unverkennbar die directeAntwort ans die verleumderische Aussage Mercier's, welcher den Kaiser mit dem Spionagewesen und mit Dreysus in Zusammenhang brachte; sie ist ferner die Antwort aus die Andeutungen der anderen Generäle, daß die Angaben der Militärattaches nicht der Wahrheit entsprechen. Daß die Note der „Kölnischen Zeitung" nicht etwa die Meinung des Blattes darstellt, sondern von erster Stelle inspirirt ist, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel und aus der scharfen Tonart läßt sich darauf schließen, welche Entrüstung die Haltung der französischen Generäle in Deutschland hervorgerufcn hat. Nachdem es „jedem anständigen Menschen" klar sein muß, daß Deutschland in der Dreyfus-Affaire nicht compromitirt sei, so folgt daraus, daß die Minister und Generäle, welche das Gegentheil behaupten, keine an* ständigen Menschen sind. Deutlicher konnte das den Leuten nicht gesagt werden. Zum ersten Male liegt aber auch eine directe Behauptung der Unschuld des Dreysus vor, während bei früheren Gelegenheiten die Ansicht Deutschlands immer nur in diplomatischen und iudirecten Wendungen angedeutet worden war. Die „Kölnische Zeitung" sagt in dieser Note klar und unumwunden: Im Processe Dreysus kommt nur Deutschland in Frage. Nachdem Dreysus an Deutschland nichts verrathen und mit Deutschland nicht verkehrt hat, so ist damit die Unschuld Dreysus' erwiesen. Welchen Eindruck diese Aeußerung Deutschlands in Frankreich Hervorrufen wird, läßt sich zur Stunde nicht beurtheilen. Die Befürchtung, daß auch dieses gewichtige und unzweideutige Zeugniß sich als „praktisch unnütz" erweisen könnte, ist freilich nicht von der Hand zu weisen bei einem Verfahren, in welchem notorische Fälschungen noch immer als Beweismittel gelten, ein Verfahren, in welchem die Zeugen nicht über Thatsachen aussagen, sondern mit dem Gewichte ihrer Autorität ihre subjective Ueberzeugung aussprechen und für die Schuld plaidiren, in einem Verfahren endlich, in welchem die Feststellung concreter Thatsachen und die Führung eines überzeugenden Schuldbeweises gegen den Angeklagten überflüssig zu sein erscheint. Heilte überblickt man erst recht den Zweck und die traurige Bedeutung des Attentats auf Labor i, in dessen Person man einen lästigen Fragesteller aus dem Wege geräumt, und wenn mau nach den Motiven unb den Urhebern dieses Attentats forscht, wird man sich der Frage „eui proäest?" nicht entschlagen können. Wie immer auch die Richter in Rennes urtheilen mögen, für jeden anständigen Menschen ist die Unschuld Dreysus' bewiesen. Iudentauken bei „Fackel"brleucht»ng. Herr Karl Kraus gibt seit etwas mehr als einem Vierteljahre eine periodisch erscheinende Zeitschrift, „Die Fackel", heraus, deren bisherige Tendenz anscheinend die Bekämpfung der Corruption bildete. In Nummer 11 dieser Zeitschrift erschien nun eine Abhandlung über die Judenfrage, aus welcher nur Eines klar hervorging, nämlich die Aufforderung an die Juden zur Taufe und Mischehe. Der ganze Stil dieses Artikels weist auf Herrn Kraus als Autor hin. Ob er es nun ist oder nicht, er trägt jedeilfalls dafür als Herausgeber die volle Verantwortung. Sofort nach Erscheinen dieses Artikels richtete ich, der Zustimmung aller Gleichgesinnten sicher, an Herrn Karl Kraus das nachfolgende Schreiben, welches damals überdies einige satyrische Stellen enthielt, die aber weder Herrn Kraus, noch die „Fackel" irgendwie verletzen konnten. Herr Kraus erklärte jedoch, den Artikel wegen dieser Stellen nicht in die „Fackel" aufnehmen zu können. Ich strich nun den für einen großherzigen Redacteur bestimmten Brief zu einem solchen für einen engherzigen Redacteur zusammen und sandte ihn abermals an Herrn Kraus in Begleitung eines wahrhaft demüthigen Schreibens, in welchem ich bat, diese Berichtigung abzudrucken, bat, mir die Entschuldigung über Aufnahme oder Ablehnung dieses Briefes möglichst bald schriftlich mitzutheilen, und bat, mir die Antwort nicht unter den Mittheilungen der Redaction zu ertheilen. Trotzdem erschien in Nr. 13 der „Fackel" folgende boshafte Polemik, welche nur gegen mich gerichtet sein kann, was Herr Kraus hoffentlich nicht in Abrede stellt. „N a t i o n a l. Zur knappen Abfertigung Ihres Artikels, der ebenso wenig überzeugt, nachdem Sie das Falsche in Unrichtiges abgeschwächt haben: Ihre Behauptung, das; der reife Mensch bezüglich seiner ererbten Religion keine Verantwortung der Aufrichtigkeit habe, ist dogmatisch beschränkt. Im Princip wäre diese Heuchelei geradeso verwerflich wie die einem neuangenommenen Glauben gegenüber. Ich aber habe zur offenen und überzeugten Auswahl des kleinsten unter - den nothwendigen Uebeln gerathen, mit Vermeidung jedes Jesnitismus. Die Rabbinatsansicht, das Märtyrern des Judenthums sei a priori — durch seine göttliche oder weltgeschichtliche Sendung — bestimmt, muß bekämpft werden. Wollen Sie trotz dieser Aufklärung — ich habe gar nichts dagegen — Ihre oberflächliche und unklare Kritik gedruckt sehen, so weise ich Sie an diese rabbinische Seite. Meine „Objectivität", an die Sie appelliren, kann höchstens so weit gehen, das; ich mich freuen werde, Ihre Angriffe an anderer Stelle veröffentlicht zu sehen. Mein Blatt zum Resonanzboden jeder stammelnden Meinung über eine Materie zu machen, die darin behandelt wurde, habe ich nicht in mein Programm gesetzt." Der Verlauf der ganzen Angelegenheit ist mithin folgender: Herr Kraus besudelt erst seine Stammesgenossen, kneift dann vor einer sachlichen Berichtigung aus, er, der sich über das Todtschweigen durch andere Blätter beklagt! Obgleich man ihn darum ersucht, es zu unterlassen (was bei anderen Redacteuren selbstverständlich ist), polemisirt Herr Kraus gegen einen Brief und schimpft über ihn, ohne dessen Inhalt zur Kenntniß zu bringen; aber nicht etwa gegen meine Ansichten, sondern, wie Jeder sich überzeugen kann, gegen Behauptungen, welche ich nicht mit einem Worte ausgesprochen habe („die Rabbinatsansicht, das Märtyrern des Judenthums rc. rc.") Bei anderen Blättern nennt Herr Kraus ein derartiges Verfahren „Escamotage". Am wenigsten hat mich das Schimpfen überrascht. Der Herausgeber

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