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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Date
1899-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Vr. Bloch's Woche^tschrifL Seite 599 fertigen Badeni, trotz feiner intimen Beziehungen zu Juden, mit Dccorirung und Nobilisirnng einiger Musterjuden Badenischen Geschmackes, wohlwollend, besonders in Galizien, gepflegt — vom junkerlichen Thun tolerirt und conservirt, fand der Judenhaß in Oesterreich, obschon wir am Sylvesterabend des zwanzigsten Jahrhunderts stehen, eine behagliche und dauernde Heimstätte und wurde hier geradezu zu einem freien Gewerbe, dem sich mit Vorliebe und Erfolg Menschen widmen, die in ihrem früheren Berufe Schiffbruch gelitten und für die neue Existenz eilten genügenden Fond von Niedertracht, Lüge, Schurkerei und Verworfenheit besitzen. Wie kaum eine andere Stadt bietet Wien vermöge feines zahlreichen, bunt zusammengewürfelten, unwissenden und abergläubigen Proletariats aus allen Ländern einen günstigen Boden für wilde Leidenschaft und bestialische Rohheit. Hier konnte man mit allen Chancen des Erfolges den Antisemitismus als Hebel benützen, die Eintracht der Bürger zu sprengen, als Lunte, um die Zwietracht zu entzünden, als Mittel, die liberalen Ideen im irregeleiteten Volke zu vergiften. Von hier ans rieselte aber auch wie durch Kanalröhren das Gift in die Provinzen. Zuerst nach Böhmen, wo es, besonders in czechischen Landestheilen, mit Gier aufgesogen wurde, weil man im Juden den Deutschen sah, dann nach Galizien, wo die Geistlichkeit einen unbeschränkten Einfluß besitzt und der Bauer in dem ärmsten Inden einen kleinen Rothschild sieht, der blos mit der Roth prunkt, aber geheime Schätze bewacht. Wenn die Judenverfolgung in Wien — Dank der großen Summe der vorhandenen Intelligenz, dem besseren Theile der Presse, der Nähe der Centralbehörden, der Wachsamkeit der Polizei und der Pflichttreue der Gerichtsinstanzen — nicht die Grenzen von Schmähungen und Verleumdungen in Wort und Schrift überschreitet und zu Thätlichkeiten übergeht, so feierte sie in entlegenen, minder scharf bewachten Gegenden Galiziens, wo nur wenige Beamte auf der Höhe ihrer Ausgabe stehen, blutige Orgien durch thatsächliche Vernichtung von Existenzen die sich ehrlich und kümmerlich fristeten und in den Niederungen des Lebens vegetirten. Die Vornehmen des Landes sahen von ihren kurulischen Reichsraths- und Landtagssitzen wohlgefällig zu. Ohne Zustimmung und Abwehr hatten sie ein freundliches Lächeln nach der einen und den Schein der Entrüstung nach der andern Seite. Inzwischen wurden die Juden in den Städten ganz sachte aus ihren Positionen gedrängt und weniger sachte in den kleinen Orten ausgeplündert, Elend und Jammer über sie gebracht, wie sie sich in den Zeitungen und Gerichtsverhandlungen nur schwach wiederspiegelten. Angesichts dieser Thatsachen wurde es eine gebieterische Pflicht all' Jener, die für das Schicksal ihrer bedrückten Brüder nicht unempfindlich bleiben und sich hiezu berufen fühlten, aus Mittel zu sinnen, wie den Beraubten und Depossedirten zu helfen und ihnen eine halbwegs erträgliche Existenz zu schaffen sei. Niemand, welcher Partei immer angehörig, konnte sich der Ueberzeugung verschließen, daß in dieser Richtung etwas geschehen müsse. Mochte man sich für das ideale Pcoject Theodor Herzl's begeistern, die Reconstruction des jüdischen Reiches zu versuchen und einen fest gemauerten, von Garantien umhegten Staat innerhalb des ehemaligen israelitischen Machtgebietes zu errichten, oder dem minder kühnen, gegen politische Wechselfälle minder geschützten, aber leichter realisirbaren Vorhaben zustimmen, im Bereiche Zions, möglichst unauffällig, ohne jegliches Glockengeläute, kleine Niederlassungen für jüdische Auswanderer zu gründen — Alle umschlang der Gedanke, es müsse für die verfolgten Juden ein Asyl geschaffen, ihnen die Kerkerpforten zurückgebliebener Länder geöffnet und ihnen für den Nothfall der Auszug aus Mizraim in das Land ihrer Väter ermöglicht werden. Nach dem mißglückten Versuche des edlen Barons Moritz Hirsch, im fernen Argentinien jüdische Ackerbaueolonien anzulegen und den Strom der Auswanderung in jenes unbekannte und schwer cultivirbare Laud zu lenken, ist Palästina allein der ragende Punkt, nach dem sich unsere Blicke richten. Bibel, Sage, Sehnsucht, Verheißung und Hoffnung verklären das Land, in dem unsere Urahnen lebten, unsere Propheten predigten, unser Gott sich offenbarte und die ersten Gründer der Religion der Menschenliebe wirkten. Aber wie ehemals, ehe die gewaltige Energie des eisernen Kanzlers es einigte, im Deutschen Reiche — wie jetzt in der deutschen Bevölkerung Oesterreich — ist es die Uneinigkeit, sind es die Sonderbestrebungen der Parteien, welche die Action stören, den Erfolg fraglich machen. Die Freunde derselben Sache bereiten sich gegenseitig Schwierigkeiten, discreditiren, verwirren einander. Aus Parteien entstehen feindliche Lager mit gesonderten, sich bekriegenden Generalstäben und der frühere Elan geht zum Teufel Für jeden warmen Juden ein betrübendes, für jeden Gegner ein belustigendes Schauspiel! Wie? Wenn die Noth der östlichen Brüder plötzlich noch mehr stiege? Wenn irgend wo eine abermalige Bruernemeute ausbräche uud an uns die Pflicht, für die Flüchtigen zu sorgen, gebieterisch heranträte? Der Clericalismus, die Reaction, der Antisemitismus kämpfen gegen uns einen unerbittlichen Kampf; keinen Guerillakrieg wie früher, sondern einen regelrechten, planmäßigen Kampf und man kann nicht wissen, wann und wo der Feind in unsere Reihen bricht. In so harten Zeiten darf man nicht müßig streiten, sondern auf dem Quivive stehen, sich vorbereitet halten! Für alle E v e n t u a l i t ä t e n w ä r e eine größere B o d e n e r w e r b u n g in Palästina dringend geboten. Weniger dringend eine sofortige Colonisirung. Im Gegentheile, ich wäre für eine blos dünne Besatzung, gleichsam für die Errichtung von Cadres, um, im Falle eine Emigration entstünde, Raum zu haben, eine Zufluchtsstätte außerhalb des verseuchten Europas zu besitzen, und zwar ein Asyl, das der Jude der Slavenländer bereitwillig aufsuchen, für das er seine ganze Kraft, seinen letzten Heller einsetzen würde, weil ihm dort die Erde heilig, jede Stätte geweiht, Gott gleichsam näher ist. Leo Herzberg-Fränkel. * * * Vom Baseler Congreß liegen folgende Telegramme vor: Ter Zionistencongreß in Basel. Am 14. d. M. begann in Bafel der dritte internationale Zionistencongreß, zu dem zahlreiche Delegirte aller Länder eingetroffen sind. Vormittags sprach der amerikanische Delegirte Davis T ri t s ch als Vertreter einer anglo-amerikanischen Gruppe, die für ein neues A n s i e d l u n g s p r o j e c t auf der Insel C y P e r n eintritt. Die Zustimmung Englands zu diesem Plane, glaubt der Verfechter der Idee, sei sicher. Gleichzeitig würde auf diese Weise ein Druck auf die Regierung des Sultans ausgeübt werden. Das Cypernproject widerspricht indeß dem Hauptpunkte des officiellen Ziouistenprogramms, welches eine gesicherte Heimstätte für die Juden allein in Palästina beansprucht. Der Verfechter des Projects will mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, den Congreß für seinen neuen Ansiedlungsplan zu gewinnen. Man gewärtigt erregte Auseinandersetzungen über diesen Gegenstand. * Ein zweites Telegramm meldet: Der dritte Zionistencongreß wurde in Anwesenheit von etwa 250 Delegirten von Dr. Theodor Herzt eröffnet. In seiner von stürmischem Beifall aufgenommenen Rede erklärte

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