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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 32 Dr» Bloch's Wochenschrift« Seite 595 in Frankreich gebaren, miteinander französisch gesprochen haben müssen, hat auch diese Sprache noch immer nicht verlernt; . . . . wie ich mich überzeugte, macht er auch im Hebräischen prächtige Fortschritte, so daß der kleine Knirps schon mit drei Sprachen mehr oder weniger vertraut ist. Aus dem Burschen kann mit Gottes Hilfe einmal ein tüchtiger Mann werden. Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen, Herr Vorsteher. _ Der Knabe kann längstens noch ein, zwei Jahre die Normalschule besuchen, dann möchte ich ihn im Latein und in den anderen Gymnasialgegenständen unterrichten und für die Universität vorbereiten. Lassen Sie Ihren Pflegesohn studireu, ich hoffe, Sie werden es nicht zu bereuen haben. Er wird glücklich werden und Ihnen Ehre machen. Es versteht sich von selbst, daß ich hiefür kein Honorar beanspruche, es bereitet mir ein Vergnügen, einen so begabten Schüler zu unterrichten." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Haeschkol. Vierteljahresschrift für hebräische Literatur und Wissenschaft. Redigirt von I. S. Fuchs und Tr. I. Günzig, herausgegeben von Dr. I. Günzig in Bielitz-Biala. Band II., Krakau, 1899. Die Freunde und Gönner der jüdischen, beziehungsweise der hebräischen Literatur und Wissenschaft werden vorliegenden Band gewiß mit Freude begrüßen. An Reichthum, Mannigfaltigkeit und Fülle des Inhaltes steht er dem I. Baude nicht nach. Dem Zionismus sind in diesem Bande drei ernste Abhandlungen gewidmet. Dr. Günzig redet mit Wärme der jüdischen Eultur das Wort. Dr. S. Rubin, der alten Garde Einer, durch seine Uebertragung der Ethik Spinoza's aus dem Lateinischen ins Hebräische und durch seine zahlreichen Arbeiten aus dem Gebiete der aggadisch-kabbalistischen Literatur weit bekannt, behandelt das Thema: „Drei psychologische Eigenheiten Israels". In der Sprache der Racentheoretiker würde es gewiß heißen: „Nationale Eigenheiten Israels." Dr. Rubin versteht es, bei immenser Gelehrsamkeit sein Thema sehr anregend zu behandeln. Seine wahrhaft staunenswerthe Belesenheit in den Literaturen der Alten, in der Geschichte der Religionen, seine Vertrautheit mit allen philosophischen Themen befähigen ihn vorzüglich zu dieser Arbeit. Ter Ausspruch Bileam's, oder richtiger gesagt, seine Prophezeiung, daß das Volk (Israel) abgesondert wohnen und nicht zu den Völkern gerechnet werde, sei blos Theorie. In der Praxis dagegen verstünde es Israel, au der Culturarbeit der Völker hervorragenden Antheil zu nehmen. Die jüdische Zeitrechnung, meint Dr. Rubin, ist eine doppelte, indem wir Nissan als den ersten Monat und Tischri als den Beginn des Jahres bezeichnen. Das eine ist dem praktischen Sinn des Volkes angemessen, das andere beruht auf jüdisch-religiöser Traditiom Diese beiden Seiten hat auch der jüdische Volksgeist aufzuweisen. Er ist einerseits ganz exclusiv und zu Gott emporstrebend, andererseits aber nimmt er hervorragenden Antheil an der Culturarbeit der Menschheit. Dagegen müssen wir gegen die Behauptung Nubin's, als wäre die Lehre, die Hillel dem zum Judenthum übergetretenen Heiden von Israels Grundprincipien ertheilte, nicht „specifisch jüdisch", entschieden Stellung nehmen. Anerkennen müssen wir dagegen das Bestreben Rnbin's in dieser Arbeit, der Apologetik des Judenthums einen ziemlich reichen Citatenschatz aus dem jüdischen Schriftthum geliefert und denselben derart bearbeitet zu haben, daß es jedem Kenner des Hebräischen dadurch leicht wird, jeden auf Fälschung der heiligen Schrift und des rabbinischen Schriftthums beruhenden Angriff auf die Lehre des Judenthums zurückweisen zu können. Eine Apotheose der Dichter, von David Frischmann in Form einer Legende, betitelt „Der kleine Engel", gebracht, ist voll des gesundesten Humors, aber auch der ätzendsten Satyre, wo namentlich dem Geldsack sehr übel mitgespielt wird. David Rothblum, ein Schüler der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien, möchte es in seiner Erzählung aus der Gegenwart, benannt „Von Finsterniß zum Lichte", Gerhard Hauptmann nachmachen, um als „Moderner" zu gelten und echt realistisch zu sein. In vorliegender Erzählung ist ihm aber dies nicht gelungen. Vielleicht gelingt es ihm jedoch einmal später. Brandes zeigt sich in seiner Novelle „Das Schaltjahr" als der alte Schalk, der aber auch ernst zu sein weiß, wo es gilt, in wenigen Federstrichen ein psychologisches Bild herzuzaubern, dos uns zur Genüge zeigt, welch' einen verderblichen Einfluß eine modern sein wollende, nur auf Schein und Flitter gerichtete Erziehung auf Geist, Seele und Herz des Menschen auszuüben vermag. Von den streng wissenschaftlichen Arbeiten des Haeschkol II. sind zu erwähnen: „Beiträge zur Geschichte der Jude» in Polen" vom Krakauer Gelehrten P. H. Wellstein, „Geschichte der Rabbinen und Gelehrten in Zolkiew" vom berühmten Midraschsorscher Salomon Buber, „Rabbi Jsak, genannt Abn Ibrahim ibn Brun, und dessen arabisch-hebräisch sprachvergleichende Studie" von Dr. Eppenstein, endlich ein sehr interessanter Briefwechsel zwischen I. S. Reggio und Samuel David Luzatto. Erivähnenswerth sind die Kritiken und Recensionen Citron's und Eppstein's. Ersterer bespricht die neuesten hebräischen Erscheinungen auf dem Gebiete der schöngeistigen Literatur, während Letzterer, ein bekannter jüdischer Geschichtsforscher und Kritiker, dessen Prodnctivität und Tiefe der Gelehrsamkeit Ltaunen erregen, sich mit einer interessanten Midrasch-Kritik ein stellt. V i r o v i t i c a (Tlavonieu.) Rabbiner Tr. H. E. Kaufmann. W. H. Ein Holländer hat sich vor Jahrzehnten die Mühe geuonunen, die Buchstaben der Bibel zu zählen und hat als Resultat die Zahl 3,566.489 angegeben. Tie Zahl differirt von der, die ein jüdischer Gelehrter im vorigen Jahrhundert, Namens Jzchak Tulabrigo, angab, dieser zählte 3.262.675 Buchstaben. üitziorieutz. Pins IX. lies; im Jahre 1847 die Mauern des Ghetto niederreißen. M. M. Baron Vogels a n g, der langjährige Ehesredacteur des „Vaterland", ist erst in späteren Jahren zum Katholicismus übergetreten. I. F. Bei derlei Dingen erinnern wir uns an die Anekdote, die zwischen Casanova und einem regierenden Fürsten folgenden Dialog sich entwickeln lies;: Fürst: Ich verachte die Leute, die sich einen Orden für Geld kaufen. Casanova: Und ich jene, die ihn für Geld verkaufen. Dr. W. L. Es wäre in der Thal höchst ungerecht, oem Abgeordneten W o l s das Verdienst streitig zu machen, ein tüchtiger Raufer und wackerer Zecher zu sein. Abonncnt Graz. Bernssschnorrer. L. W. Weihbnrggasse 10. Ei» alter Abonneal. Derselbe stationirte seinerzeit in Agram. L. Das ist richtig, in Erfurt fand am 30. Juli ein Volksfest statt, bei welchem Herr K. H. Wolf aus Wien ebenfalls eine Rede hielt. Die Musik dirigirte ein j ii d i s ch e r E a pell m eiste r. An vic 'Adresse der „Reichspost". Wir constatiren, das; die „Reichspost" die Verdächtigung, Dr. Bloch habe jemals die Kanzel zu politischer Agitation mißbraucht, negirt. Damit ist die Sache für uns abgethan. Ng. Jaroslav Vrchlickv, der geniale Verfasser der Dichtung „Bar Kochba" ist kein Jude, aber er hat sich mit Erfolg bemüht, die Kenntniß der talmudischen Duellen zu seinem Werke zu.erlangen. I. B—g. (Baden». Alan soll diesen kleinen antisemitischen Kläffer keiner Antwort würdigen. Er schadet jedenfalls weniger den Juden, als dem Curorte. H. Bg. Es ist zu drollig, daß der Antisemit P a ch e r es zu den charakteristischen Eigenschaften der „Hebräer" zählt, daß sie niemals Ausdrücke wie „Schurke" „Schuft" rc. gebrauchen. Herr Pacher scheint vergessen ju haben, daß die nt e i st e n F ü h r e r de r A nt i s e m i t e n von vielen jüdischen Schriftstellern mit diesen Titulaturen bedacht werden. W. G. Staunen Sie nicht, daß das Unwahrscheinliche sich da ereignete. Schon Aristoteles sagte: „Es ist ein Theil der Wahrscheinlichkeit, daß viele unwahrscheinliche Dinge geschehen." Arthur V. Sie sind im Jrrthnm. Oldenburg hat wohl in einem Briefe an Spinoza diesen um seine Meinung über Sabathai Zevi gefragt, aber die Antwort des Philosophen ist nicht erhalten geblieben. B. G. Vergani versteht zwar von Latein noch weniger, als von der deutschen Sprache, aber seine Losung ist doch: «Saluminarc: audacter, semper aliquid haeret « Er verleumdet unausgesetzt, denn er denkt, etwas bleibt immerhin hängen. i. Ter berühmte deutsche Sprachforscher Sanders hat die von Ihnen citirte Talmudstelle folgendermaßen versivicirt: „Sieh', wie blind Tie Wucherer fmdl Würde einen Bösewicht Jemals Dich ein Fremder schelten, Würdest mit tiefstem Haß Tn nicht Bis zum Tod es ihm vergelten? Doch die blinden Wucherer bringen Tinte, Feder, Schreiber, Zeugen Selbst herbei, vor allen Dingen Unbestreitbar zu bezeugen, Daß sie bös' und schlechtgesinnt. Sieh' wie blind die Wucherer sind." H. N—nu. Kant sagte: „In einer Welt, in der es kein Recht gibt, lohnte es sich nicht, zu leben". W. G. Wenn das „Deutsche Volksblatt" seinen Lesern anstatt der zehnmal wiedergekauten Lügen auch einmal mittheilen würde, daß Päpste und Kirchenfürsten den „Rilualmord" als Lüge gebrandmarkt haben, tvürde es mit der Ausschrotuug der Poluaer-Affaire wenig Glück haben. G. R. Niemals hat Tr. Lueger es in Abrede zu stellen versucht, daß er vor Jahren in der v e r ä chZ l i ch st e n Weise vom Mechaniker Schneider gesprochen hat. Schneider ist derselbe geblieben, der er war, nur Lueger hat sich geändert. ssssaaaBBrrr^

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