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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 32 Seite 591 Dr. Bloch's Wochenschrift. reichen Lebens haben ihm solche Spieler ersten Ranges, wie Zuckertort, Winawer, Günzburg, die Weltmeisterschaft streitig gemacht, er hat dieselbe aber 28 Jahre hindurch behauptet, bis er sie im Jahre 1894 an den jüngeren nnd frischeren Dr. Laßuer abtreten mußte. Auch dieser ist Jude, wie sein jetziger Concurrent Janowsky in Paris. Gerade im Schach haben die Juden von jeher eine hervorragende Stellung eingenommen, wie dies am deutlichsten zum Ausdruck kam in dem Pariser Turnier von 1867, in dem Kolisch den ersten, Winawer den zweiten, Steinitz den dritten Preis gewann. New-Hork. Jacob Schiff, einer der reichsten und einer der wohlthätigsten aller Juden New-Mrks hat der Harvard- Universität für semitische Wissenschaften und dem damit verbundenen Museum das großartige Geschenk von 400.000 Dollars gemacht. Krmberley. Die hiesige, seit 26 Jahren bestehende jüdische Gemeinde, die „Grigualand West Hebrew-Congregation", hat den Rev. Jsaacs aus Johannesburg als Rabbiner engagirt. Jerusalem. Die Gefahr, daß die Pest aus dem nahen Egypten eingeschleppt werden könnte, ist bedrohlich nahegerückt, und es ist daher nur angebracht, daß man hier mit großer Eile alle Vorsichtsmaßregeln trifft, die das Phlegma und der Fatalismus des Orientalen zulassen. Erfreulicherweise ist der Pascha wenigstens recht energisch und greift kräftig ein. Die Stadtverwaltung, der Reis el Bellediji au der Spitze, die sich geweigert hatte, die nöthigen kostspieligen Maßregeln zu treffen, wurde einfach abgesetzt und damit Raum für Reformen geschaffen. Alle 21 Aerzte der heiligen Stadt wurden zusammenberufen und mußten der Negierung ihre Vorschläge unterbreiten, die inr Wesentlichen Annahme fanden. Zunächst ist der Cordon gegen Egypten von Kerah bis Gaza gehörig verschärft worden, dann ist in der Stadt selbst manches Schmutzwinkel gereinigt und endlich eine regelrechte Abfuhr organisirt worden. Jedes Haus muß seine Kehrichtkiste halten, die von Stadtwagen geholt wird. Für den Fall, daß die Seuche doch ausbrechen sollte, ist die Stadt in 21 Districte getheilt worden, deren jedem ein Arzt vorsteht, ebenso ist die Anzeigepflicht eingeführt worden. Ja, sogar Pestserum hat man bereits beschafft. Bloemsontain. Wie unsere ganze staatliche Organisation ganz jungen Datums ist, so ist selbstverständlich auch die Einwanderung der Juden hieher ganz jungen Datums. 1847 kam der erste Israelit Jsak Baumann ans Hessen nach dem Gebiete des Orange-Freistaates. Er hatte vorher schon zehn Jahre in Graaf-Reinet gewohnt, ehe er nach dem Ort übersiedelte, der ein Jahr später den Namen Bloemsontain erhielt. Sein Geschäft war das größte im Freistaat und er selbst kam zu namhaftem Ansehen bei seinen Mitbürgern, denn er wurde zweimal zum Bürgermeister gewählt und war auch Dircctor der Nationalbank. Im Jahre 1864 hatten sich schon ungefähr ein Dutzend Familien von Israeliten in Bloemsontain zusammengesunden, als der Basuto-Krieg ansbrach. Einer von ihnen, Moritz Levy Lewi, ging als Freiwilliger mit und zählte zu den 300 Freiwilligen, welche unter dem Commandanten Wepener die Hauptveste der Basutos, Tnaba Bosigo, erstürmten. Bis zum Jahre 1876 hatten Juden und Katholiken im Orange-Freistaat unter Beschränkungen des Bürgerrechtes zu leiden, aber der Präsident John Brand hob die meisten derselben aus. Nur Lehrer und Staatsbeamte können Katholiken und Juden noch nicht werden, dagegen sind zwei Juden im Stadtrath, ein anderer Friedensrichter rc. Im Jahre 1871 kam das erste Minjan zu Stande, das im Hause des oben genannten Baumann am Jom-Kippur abgehalten wurde. 1890 war die jüdische Bevölkerung von Bloemsontain bis auf 150 Seelen angewachsen und orgauisirte sich jetzt als Gemeinde, stellte einen Schochet und Chasen an. Auch der Ban einer Synagoge ist begonnen worden und hofft man, diesen zu den hohen Feiertagen zu vollenden. Präsident der Gemeinde ist jetzt Mr. Lewin. Vermischtes. Der Gxoßherzog von Baden über den Antisemitismus. Der Großherzog von Baden hat in St. Moritz den gleichfalls dort zur Cur weilenden Berliner Privatgelehrten Tr. A. Berliner in einer längeren Audienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Großherzvg sehr abfällig über die a n t i s e m i t i s ch e B e w e g u u g nnd sprach der Partei, die den Judenhaß auf ihre Fahne geschrieben, j e d e Existenzberechtigung ab. Der Antisemitismus, so sprach der Großherzog, wird in Deutschland nicht viel Schaden mehr anrichten, denn er hört auf und verschwindet. Mit großer Anerkennung äußerte sich der Großherzog über die Leistungen der deutschen Juden; der zionistischen Bestrebung von einer selbstständigen jüdischen Staatengründuug stehe der Großherzog sehr skeptisch gegenüber. Wien. (Verlob u n g.) Herr Siegfried R o s e n b a u m, k. u. k. Lieutenant i. d. R. und Mitchef der Firma Adolf Rosenbaum u. Sohn, hat sich in Baden mit Fräulein Elsa Schwa r z, Tochter des Herrn H. Schwarz aus Brünn, verlobt. Wien. (Trauung.) Dienstag den 15. d. M., 1 Uhr Nachmittags, findet im Leopoldstädter Tempel II., Tempelgasse, die Trauung von Fräulein Elise Kühner, Tochter des Herrn Heinrich Kühner, Mitglied der k. k. Hofoper, mit Herrn k. k. Postofficial Josef Weil statt. Wien. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef!. findet Freitag den 18. August, 7,7 Uhr Abends, im Tempel IX., Müllnergasse, ein solenner Gottesdienst statt. Wien. (Todesfall.) Vor wenigen Tagen verschied in Alt-Anssee die Gattin des Gemeinderathes Lucian Brunne r. Am 31. Juli fand in Wien das Leichenbegängniß statt, bei welchem Oberrabbiner Dr. Güdemann in einer ergreifenden Ansprache der seltenen Tugenden der Verstorbenen gedachte. Wien. (Todesfall.) Am 26. v. M. verschied in Odran ein Bruder des in unserer Gemeinde hochgeachteten Tempelvorstehers Eduard Kohuberger, Gesellschafter der Weltfirma Schnek und Kohuberger. Der Verblichene, welcher wegen seiner trefflichen Herzens- und Charaktereigenschaften sich überall der größten Achtung und Werthschätzung erfreute, ist auch als österreichischer Industrieller von hervorragender Bedeutung gewesen. Sein liebenswürdiges offenes Wesen erwarb ihm in kaufmännischen und gesellschaftlichen Kreisen zahlreiche Freunde. Für die Armen und Kranken hatte ec allezeit eine offene Hand und war ihnen ein stets hilfsbereiter Wohlthäter. Freitag den 28. d. M. fand aus dem Centralfriedhose unter zahlreicher Betheiligung der V'rwandten und Freunde die Leichenfeier statt. Wien. (Leichenbegängniß.) Vor wenigen Tagen fand ebenfalls vom Centralsriedhofe aus das Leichenbegängniß des in Preßbaum verschiedenen Herrn John Schiff statt, der von einem langen, schweren Leiden durch den Tod erlöst wurde. Herr John Schiff war ein Bruder des kaiserlichen Rathes Herrn Max Schiff, mit dem er viele Jahre associirt war und Mitbegründer der weitverbreiteten hochgeschätzten Firma Max und John Schiff, die im höchsten Ansehen überall steht. Um den Verblichenen trauern die vielen Verwandten und Freunde des Verewigten. » Wien. Sonntag den 23. Juli wurde hier Herr Moriz E h r e n t h e i l, ein wackerer, aber mit Glücksgütern eben nicht gesegneter Mann zu Grabe getragen. Er war ein gebürtiger Proßnitzer und Bruder des seligen Rabbiners von Hokiz. Herr Rabbiner Dr. Schmiedl, der bekanntlich lange und segensreich in Proßnitz gewirkt hatte, war mit dem längst verstorbenen Vater des Dahingeschiedenen befreundet und fand sich beim Leichenbegängnisse ein, um dem Sohne des Freundes die letzte Ehre zu erweisen und die Hinterbliebenen zu trösten. Wien. (Restaurateur Guth.) Vor zwei Monaten erlitt der bekannte Restaurateur Herr M. Guth in der Stefaniestraße einen schweren Unglücksfall, indem er von einem Wagen überfahren wurde und lebensgefährliche Verletzungen erlitt. Wie man uns mittheilt, ist Herr Guth von den schweren Folgen der erlittenen Verletzungen so weit hergestellt, daß er, dank der aufopfernden Pflege, welche ihm seitens seiner Familie, insbesondere seiner Tochter, Frau Dr. Walde, zutheil wurde, sich in Reconvalescenz befindet. Herr Guth ersucht uns um die Veröffentlichung folgender Danksagung: „ Anläßlich des mir zugestoßenen Unfalles sind mir so überaus zahlreiche Beweise freundschaftlicher Theilnahme zugekommen. Außer Stande, jedem Einzelnen zu erwidern, spreche ich hiemit allen Denjenigen, welche sich während meiner schweren Krankheit nach meinem Befinden erkundigten, meinen herzlichsten Dank aus. M. Guth, Wien, Stefaniestraße 6.*

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