Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 32 (11.8.1899)
- Date
- 1899-08-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 690 Dr. Bloch'-e Wocherrschrrkt, Nr. 32 ihren Austritt aus dem Comite. Das Comits nahm die Demission an, doch in seinen Publikationen, die freilich zumeist eine Art privaten Charakters trugen und individuell adressirt waren, bediente es sich nach wie vor der leitenden Namen Hallgarten und Zadok Kahn, die den Anschein erweckten und erwecken sollten, als handle es sich um ein Werk, das der Einflußnahme auch dieser Herren unterstehe und nicht einer einzelnen Richtung und ihren Vertretern dienen soll. Rührig freilich war das Comits. Es versandte Gesuche um Beiträge in großer Zahl. Dabei waren die Briefe — geschrieben, nicht gedruckt,. — so abgefaßt, als wären sie auf die Person des Adressaten eigens zugeschnitten, mit allerhand schönen Schmeichelreden ausgestattet. Und doch waren die Briefe Fabriksarbeit. Beweis: So Mancher, der schon seinen Betrag geleistet, seine Spende gegeben, erhielt solchen Brief noch einmal, als ob er sich mit der Sache noch nie befaßt hätte. Zu diesen Schönheitsfehlern, um das Wort Jncorrectheiten nicht zu verwenden, kommt noch Eines: die Abneigung des Comitss gegen öffentliche Controle, deren Nothwendigkeit und Nutzen sich doch gerade jetzt, in der Frage der Beschäftigung der jüdischen Arbeiter in Jerusalem, gezeigt hat. und der Mangel einer übersichtlichen Budgetausstellung. Die Einladungen zu Spenden nnd Beiträgen nennen weder genau die Ziffer der früheren Eingänge, noch bestimmen sie den Bedarf in der Gesammtheit. Sie stecken als Ziel die Zusammenbringung einer Summe, aus deren Zinsen die Kosten des zu bauenden Krankenhauses bestritten werden sollen. Das ist an sich kein Fehler, aber es überantwortet, da das Krankenhaus nicht die Rechte einer juristischen Persönlichkeit besitzt, die unumschränkte Leitung des Instituts dem einseitig zusammengesetzten Centralcomite, will sagen Herrn Breuer, und der allerstarrsten Orthodoxie. Auch das ist an sich nicht zu tadeln. Niemand kann es der strengsten Orthodoxie verdenken, wenn sie in Jerusalem oder anderwärts ein Krankenhaus nach ihrem Geschmack und unter ihrer Leitung einrichten will. Nur kann man verlangen, daß sie in solchem Fall auch ihre eigene Flagge hißt und nicht durch lediglich decorative Zuziehung von Männern anderer Richtung den Anschein erweckt, als ob ein Unternehmen im Werk wäre, an deffen Leitung auch andere Richtungen betheiligt sein werden. Ganz sicher mußte dieser irreführende Schein vermieden werden, nachdem jene Männer, die sich zur Dekoration nicht hergeben wollten, ihren Austritt aus dem Comitö erklärt hatten. Die weitere Benützung ihrer Namen für eine Propaganda, von der sie sich losgesagt hatten, ist kaum noch zu entschuldigen. Berlin. Die Vorgänge in Johannesburg verdienen auch vom jüdischen Standpunkt aus genauere Aufmerksamkeit, denn es handelt sich dort neben den großen Fragen der Ectheilung des Bürgerrechtes an die Ausländer überhaupt auch noch um dir Gleichberichtigung unserer Glaubensgenossen und der Katholiken. Nach einer Reihe von Versammlungen, in denen die Juden Transvaals Gleichberechtigung gefordert hatten, entschloß man sich, eine Deputation zu dem Präsidenten Krüger zu schicken, und seine Intervention zu Gunsten der Juden anzurufen. Krüger empfing die Deputation sehr freundlich und legte dem Volksraad ein Gesetz vor, das die volle Gleichberechtigung der Katholiken und Juden mit den Protestanten anssprach. Der Volksraad hat aber dieses Gesetz mit dem Stimmenverhältniß 16 zu 12 abgelehnt, und damit ein bemerkenswerthes Zeichen von Intoleranz gegeben. Die Intoleranz ist ebenso ungerecht wie unklug. Bisher standen die meisten Juden in dem Streit zwischen Buren und Engländer auf Seiten der ersteren, und Viele von ihnen haben während des Jamesson-Aufstandes die Waffen für die Buren-Regierung getragen, von der sie jetzt so ungerecht behandelt werden. Die Israeliten im Transvaal zählen ca. 30.000 Seelen und verstärken sich noch täglich durch neue Einwanderer. Paris. Cornely zeigt jüngst anknüpfend an den Börsenstreich gegen die Rente, die Uusinnigkeit des Märchens, das die Pariser Börse unter der ausschließlichen Herrschaft des jüdischen Capitals und der jüdischen Spekulation stehend erscheinen laffen möchte. Es ist möglich, daß jüdischer Einfluß an anderen großen Börsen Europas ausschlaggebend ist. Hier spielt dieser Einfluß sicherlich nicht die erste Rolle. In der „Couliffe", das heißt auf dem nicht bevorrechteten, gesetzlich nicht anerkannten, nur geduldeten Nebenmarkte, der allerdings für einige Werthe der Hauptmarke ist, sind die Juden thatsächlich in der Mehrheit und die jüdischen Häuser sind nicht nur zahlreicher, sondern auch bedeutender, als die nichtjüdischen. Auf dem amtlichen Markte dagegen, der von den ernannten Börsenmaklern („agents cke change“) gebildet ist, sind die Juden so gut wie gar nicht vertreten. Die Körperschaft bestand vor der vorjährigen Neuordnung der Börse aus sechszig Mitgliedern. Jetzt zählt sie deren achtzig. Unter diesen sind nur fünf Namen, die auf einen jüdischen Ursprung Hinweisen, obschon mindestens drei ihrer Träger — und vielleicht schon im zweiten Geschlecht — Christen sind. 75 von den 80 Börsenmaklern sind jedenfalls arische Franzosen und Elsässer, und selbst unter ihren nicht genannten Teilhabern nnd Einlegern, deren manches Maklerhaus sechs bis zehn zählt, sind Juden so gut wie gar nicht anzutreffen. Die Körperschaft der Börsenmakler besteht seit Ludwig XIV. Sie war immer sehr ausschließlich, wachte eifersüchtig über ihr Vorrecht und ergänzte sich durch eigene Wahl. Vor zweihundert Jahren gab es in Paris an der Börse überhaupt keine Juden. Nach der großen Umwälzung und besonders nach dem ersten Kaiserreich hätte die schroffe Ausschließung sich nicht länger durchführen lassen, die Körperschaft nahm also seit dem Beginn dieses Jahrhunderts in jedem Geschlechtsalter eine kleine Anzahl Concessionsjuden auf, wie streng adelige Officiercorps den berühmten einen Concessions-Schulze aufnehmen; aber die herrschende. bis heute unveränderte Ueberlieferung der Börsenmakler ist ein äußerlich höflicher, innerlich sehr gediegener Antisemitismus. Die Waffe, mit der das „Parquett", wie man die Körperschaft der Börsenmakler nennt, im vergangenen Jahre den Krieg gegen die Couliffe führte und auch siegreich beendete, war die Judenfeindschaft; das Parquett hetzte gegen die Couliffe oder gegen einen „Ring deutscher Juden", und damit gewann es die öffentliche Meinung für sich. Wenn das Parquett dies nur irgend kann, gibt es jeder Börsenbewegung, die sich einigermaßen dazu eignet, eine antisemitische Spitze. Das Parquett war es, das den Schwindelgründungen Bontoux' den Charakter eines Vernichtungskrieges gegen die jüdische Finanz andichtete. Bontoux selbst dachte anfangs gar nicht daran, das Publikum confessionell auszubeuten. Die Börsenmakler trugen erst den fanatischen Zug in seine Geschäfte hinein. Ebenso war es das Parquett, das die Sage erfand, Panama sei von den Juden zu Grunde gerichtet worden. Die Makler unterstützten Lesseps, wie sie Bontoux unterstützt hatten, und als der Zusammenbruch eintrat, sprengten sie, um ihre eigene Unfähigkeit und Schlimmeres zu verdecken, das gern geglaubte Märchen aus, diese beiden katholischen Ehrenmänner seien der jüdischen Bosheit erlegen. Das Parquett thut auch jetzt, was es irgend kann, um der clericalen Partei gegen die heutige Regierung zu dienen. Das Wohl der kleinen Sparer und des Landes ist die geringste Sorge der Börsenmakler. Ihr Hauptbestreben ist, den „Dreyfusards" so viel Böses wie möglich zuzufügen und sich den Dank und die Anerkennung der Kreise zu verdienen, deren Zierden der Graf de Mun und der Herzog v. Audiffred-Pasquier, deren leitende Güster der Proviucial Pater du Lac und der Pater Bailly, deren Organe die „Libre Parole", die „Berits" und die verschiedenen „Croix" sind. Erst wenn man diese, hier aller Welt geläufigen Thatsachen kennt, sieht man die' Börsenvorgänge der vorigen Woche im richtigen Lichte. Nom. In der italienischen Armee ist jetzt ein Glaubensgenosse, der vielgenannte Generallieutenant Ottolenghi znm General ernannt worden. Nach brillanter Carriöre, die er 1859 als Uuterlieutenant begonnen und während deren er dreimal verwundet worden war, wurde er 1891 zum Generallieutenant ernannt. Dann erhielt er den wichtigen Posten des Kriegscommandanten in Turin und jetzt ist er zu der höchsten Würde in der italienischen Armee emporgestiegen. So bedeutend seine Position ist. hat er doch nie seine Auhänglikeit an das Judenthum verleugnet und erscheint oft als Beter in der Synagoge. Stockholm. Hier ist der früher sehr bekannte jüdische Violinist und Componist Siegfried Salomon im Alter von 83 Jahren verstorben. Er war mit der berühmten schwedischen Sängerin Henriette Nissen verheiratet und 1859—79 als Musiklehrer in Petersburg, seitdem aber in der schwedischen Hauptstadt. Seine Hauptwerke sind die beiden Opern: „Das Diamantkceuz" und die „Rose der Karpathen", die häufig aufgeführt worden sind. London. „Jewish Chronicle" veröffentlicht ein Interview mit Steinitz, dem berühmten Schachspieler. Im Verlaufe dieser Unterredung kam der alte Held der 64 Felder darauf zu sprechen, mit wie vielen Glaubensgenossen er schon um die Meisterschaft im Schach gerungen habe. Während seines langen, an Erfolgen