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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 589 und heizbar. Das ganze Gebäude der neuer: Lehranstalt ist in zwei gleich große Abtheilungen mit separaten Stiegenaufgängen versehen. Die linke Hälfte ist für Knaben, die rechte für Mädchen bestimmt. Ebenerdig, im ersten und zweiten Stockwerke befinden sich je 4 Classen, nämlich 2 für die Knaben und 2 für die Mädchen. Im ersten und zweiten Stockwerke sind auch die Conferenzzimmer für den Lehrkörper. Ebenerdig befindet sich auch die Wohnung des Schuldieners, die mit sämmtlichen Lehrzimmern durch elektrische Klingeln in Verbindung steht. Im Souterrain ist ein geräumiger Turnsaal und im zweiten Stock ein sehr großer, heller Zeichnensaal mit einem prachtvollen Ausblick auf den Schloßberg und dessen Ruine. Vor der Vorderfront des Schulgebäudes befindet sich ein mit einem hübschen eisernen Gitter versehenes Vorgärtchen. In dem Hintertraet der Lehranstalt befindet sich der Spielplatz der Schuljugend. Wenn wir noch des unermüdlichen und ersprießlichen Wirkens des Schulpräses Friedrich D u s ch i n ß k y um das Zustandekommen dieser so schönen und modernen Lehranstalt gedenken, so dürfen wir nicht vergessen, daß dem Schulpräses auch die Gemeindevorsteher Lazar Gestettner, Joel Wolf und Ignaz Herzfeld in dem schönen Beginnen wacker zur Seite standen. Die israelitische Mädchen-Bürgerschule ist eine Errungenschaft, welche nur mit Freude begrüßt werden kann, umsomehr, da die zu creirende Schule den Anforderungen des modernen Zeitgeistes vollends zu befriedigen verspricht. Das Programm der neuen Anstalt faßt auch eine Novität in sich, insoferne jene Mädchen, welche auf den Unterricht in der lateinischen Sprache reflectiren, von einem Fachprofessor unterrichtet und alljährlich zur Prüfung gestellt werden. Berlin. Die „Vossische Zeitung" schreibt unterm 5. d. M: Heute vor hundert Jahren starb der Berliner Naturforscher Dr. Marcus Elieser B l o ch, der sich durcy seine Forschungen über die Fische ein dauerndes Andenken gesichert hat. Bloch verschied in Karlsbad, wo er zur Cur weilte. Die Anzeige von seinem Tode erschien erst in der „Boss. Ztg." vom 27. August. Die Hinterbliebene Witwe mit ihren Kindern zeigt seinen Tod nach der Sitte der damaligen Zeit „unter Verbittnng aller Beileidsbezeugungen" an. lieber Bloch's äußeres Leben wissen wir nicht viel. 1723 zu Ansbach, als der Sohn jüdischer Eltern geboren, wurde Bloch, wie damals bei den Juden Brauch war, zunächst nur mit der Bibel und dann in rabbinischen Schriften unterrichtet. Er wurde dann von einem Hamburger jüdischen Barbier dazu angenommen, dessen Kinder zu lehren, was er selbst wußte. Solche eigenartige Hauslehrerstellen gab es damals bei den Juden viel. Wahrscheinlich erlernte Bloch bei seinem Brodherrn etwas von der Wundarzneikunde. Von Hamburg kam er nach Berlin. Hier machte er sich mit deutschem Wissen vertraut und erwarb sich dann ärztliche Kenntnisse. 1762, also mit 39 Jahren, erlangte er bei der Universität Frankfurt a. Oder mit einer Arbeit über die Hantansschläge den mediciuischen Doctortitel. Es scheint, daß er schon zuvor die Praxis ausübte. Einen Einblick in das ärztliche Können und Wissen Bloch's gewähren uns seine „Medicinischen Bemerkungen", Nachrichten über eigene Beobachtungen mit Erläuterungen aus der Praxis. Sie lassen - erkennen, daß sich Bloch redlich bemühte, seine Krankheitsfälle genau mit allen ihm zu Gebote stehenden Hilfsmitteln zu studiren. Er wendet die Lnp? an und geht dem Apotheker Valentin Rose den Aeltereu um seine Hilfe in chemischen Dingen an. Er zeigt auch eine gewisse Belesenheit im deutschen und ausländischen medicinischen Schriftthum. Seine Beobachtungen beziehen sich auf die Pocken, den aussetzend'en Puls, Zahnanomalien, die Nervenschwäche u. A. m. Historisch von Interesse sind Auslassungen über die Möglichkeit der Operation von Gallensteinen. Eifrig redet er der damals in Berlin verpönten Behandlung mit kaltem Wasser das Wort. Mit den hervorragenden Praktikern seiner Zeit stand er auf gutem Fuße. Der Schwerpunkt der Lebensarbeit Bloch's, ein so geschätzter Arzt er auch war, liegt aber in seinen naturkundlichen Leistungen. Zunächst lediglich Liebhaber, sammelte er Naturalien jeder Art, Amphibien, Fische, Jnsccten, Mineralien, Versteinerungen, menschlich-anatomische Präparate, Mißgeburten, Embryonen u. A. m. Seine „wohlgeordnete Mineraliensammlung" auf dem Molkenmarkte beim Brauer Fonrre zählte zu den Sehenswürdigkeiten Berlins. Der bedeutendste Theil darin war die Fischsammlung. Sie entstand mit der Unterstützung der Regierung und vieler Fachgenossen Bloch's. Wesentliche Förderung erfuhr Bloch, wie er berichtet, von Fischern. Er pflegte in den Sommermonaten an Orte mit bekannten Fischereibetrieben zu gehen. Bloch verzeichnete 263 Arten und Varietäten, die Linus noch nicht kannte. Bloch's „Naturgeschichte der Fische" war aus Jahrzehnte hin der Ausgangspunkt für alle Forschungen auf diesem Gebiete. Das gilt insbesondere von der Beschreibung der einheimischen Fische. Das Material, das dem B och'schen Werke zu Grunde liegt, seine Fischsammlung, wurde vorn Staat angekauft. Sie befindet sich jetzt im Museum für Naturkunde in der I lvalideustraße. Berlin, 8. August. Je schlechter es den Anjisemiteu geht, desto voller nehmen sie den Mund. In ihrer Presse fabeln sie von unermeßlichem Zulaus für ihre Veranstaltungen und sieht man näher zu, so findet man, daß ihre Läden trotz des jahrmarktmäßigen Trommellärms leer geblieben. So war es in Erfurt, wohin sie sich ihren „Wolff" verschrieben hatten, so war es hier in Berlin, wo der Dreschflegelgraf Pückler aus Kleintschirno als Zugkraft sich hatte engagiren lassen, so wird es int kommenden Monat auf dem antisemitischen Parteitag in Hamburg sein. Die antisemitische Parteibewegung ist in der That "tobt und begraben, verfault und verderbt. Sie ist zum Wesentlichen an ihren Führern zu Grunde gegangen, die der Reihe nach ins Zuchthaus wanderten oder ins Narrenhaus und in ihren durch intellectuelle Mängel vor strafrechtlicher Verantwortung geschützten Posten zu völliger Verblödung und zum Gespötte ihrer eigenen Anhänger herabsanken. Der Antisemitismus freilich besteht fort und wird noch aus absehbare Znt sein Leben weiterführeu, wie er lauge vor der Zeit der antisemitischen Bewegung bestanden hat. Damals machte man von ihm nur nicht so viel Aufhebens und nannte ihn „Rischuß", den mau als ein Verhänguiß theils mitleidig, theils duldsam hinuahm. Der „Roscha" wurde nicht einmal gehaßt. Man begnügte sich, ihn nicht zu lieben, und erwartete im Nebrigen das Strafgericht Gottes, das nicht ausbleiben konnte. Solche „Roschoim" werden die Erinnerung an den Antisemitismus noch lange wach erhalten, auch nach Kräften Böses thun. Doch der große Sturm ist vorüber, und wir werden allmälig daran gehen können, die Schäden auszubessern, die er angerichtet. Sie sind stellenweise schlimm genug; der Segeil aber, den der Sturm uns gebracht hat, ist ungleich größer, und dieser Segen, hoffen wir, wird uns bleiben. Er besteht im Wesentlichen darin, daß er viele Juden neu au ihr Judenthum erinnert, daß er dem kläglichen religionslosen Liberalismus entgegengearbeitet hat. Diese Errungenschaften, die der Antisemitismus uns gebracht hat, uns zu wahren, wird unsere Aufgabe sein. Die Aeußerung, die jüngst der Großherzog von Baden über den Antisemitismus gethan, ist durchaus zutreffend. In anständiger Gesellschaft trifft man jetzt Niemanden mehr, der sich zum Antisemitismus bekennt. Das im Bau begriffene neue jüdische Krankenhaus in Jerusalem hat in letzter Zeit wiederholt von sich reden machen. Die Tischler und Zimmerer unter den Juden Jerusalems haben Klage darüber geführt, daß ihnen eine Arbeit entzogen worden, auf die sie Anspruch zu haben glaubten, und die Antwort, die das Frankfurter Comits gab, klang durchaus nicht überzeugend! Diese öffentliche Auseinandersetzung bietet Anlaß, das Unternehmen selbst, dessen Ziel an sich unzweifelhaft jedes Lob verdient, auf seine Leitung hin etwas näher ins Auge zu fassen. Die Herren, die in Frankfurt am Main au der Spitze stehen, sind im Wesentlichen die nämlichen — den Personen nach oder wenigstens nach dem Kreise, dem sie angehören —, die an der „Chalukkah" betheiligt waren, diese begünstigten und erhielten. Bei den bekannten Verhältnissen, die in der „Chalukkah" herrschen und mit dieser fast unlöslich zusammenhängen, konnte das aus den Kreisen der „Chalukkah" hervorgegangeue Frankfurter Cvmitä nicht den erforderlichen moralischen Credit genießen, daß es auch die nöthige Fähigkeit zu sachgemäßer Verwaltung und Verwendung der gesammelten Gelder besitze. Das mochte das Comitä auch selbst fühlen, und deshalb ist es wohl geschehen, daß es Männer eines anderen religiösen Standpunktes, wie Hallgarten in Frankfurt am Main und Zadoc Kahn iu Paris heranzog. In das Centralcomits aber wurden diese Männer nicht ausgenommen, und hiefür war kein anderer Grund bestimmend, als daß sie eben der strengen Orthodoxie nicht angehörten. Hallgarten und Zadok Kahn — wir nennen nur diese Beiden, die aber keineswegs allein stehen, sondern Schicksalsgenossen haben — erkannten, daß man sie blos herangezogen hatte, weil ihre Namen ausgezeichnet dienlich waren, in den Kreisen der wohlhabenden Glaubensgenossen Sympathien für das Werk zu gewinnen und ihm reiche Spenden zuzuführen. Sie sahen, daß ihr Name gebraucht wurde, daß man aber nicht in ihrem Sinne handeln wollte, und erklärten deshalb

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