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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Blvch's Wochenschrift. Sette 888 seine deutschen Gläubiger befriedige. Als die Kammern in Bukarest sich noch eine Zeit lang weigerten, auf der ihnen bezeichnelen Grundlage mit Deutschland abzuschließen, wurde die Lage für Rumänien so kritisch, daß die Deutsche Kaiserin Carol eine „streng vertrauliche" Warnung schickte, es wäre Gefahr im Verzüge. Nun bewilligten die Volksvertreter Rumäniens den Rückkauf der Eisenbahnen, und die Consequenz dieses Entschlusses war, daß Deutschland, und in seinem Gefolge auch England und Frankreich, die Unabhängigkeit des Landes anerkannten, ohne daß es in der Judensrage mehr hätte zuzugestehen brauchen, als Scheinconcessionen. Von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, sind die Israeliten Rumäniens heute so rechtlos wie je. Aus der Schule für das Haus. Es wird Niemand bezweifeln, daß der jüdische Religionslehrer eine äußerst schwierige Aufgabe hat. Vor Allem soll er die ihm anvertrauten Kinder zu sittlich-religiösen Menschen heranbilden. Er muß sie ferner mit der biblischen Geschichte, als der Geschichte ihres Stammes, vertraut machen, und außerdem muß er ihnen die Lehren und Wahrheiten unserer Religion, die in früherer Zeit das Kind zu Hause von seiner ganzen Umgebung üben gesehen, jetzt in wenig Worten beibringen. Mit 41/, Jahren schon, sobald der Knabe zimmerrein war, nahm ihn der Vater in die Synagoge mit, er ließ das Kind „nachsagen", es lernte Schmäh Jisroel, Omen j'he schmeh, die Keduschos und noch andere Responsorien; das Kind wußte, ohne noch ein Wort gelernt zu haben, die Wörter Schachris, Minchoh, Maäriw, Kcios hatauroh, Hagboh, Geliloh u. s. w. Es sah dies Alles hoch und heilig gehalten, und es blieb ihm auch heilig. — Mit 5 Jahren konnte das Kind schon, selbst bei der schlechtesten Methode, (wo, man die Buchstaben und selbst die Bocalzeichen mit Namen bezeichnete Komoz Gimel go). spätestens mit 6 Jahren hebräisch lesen. Sobald dies einmal erreicht war, dann kam die täglich mehrfache Uebung. Das Beten selbst war die stete Uebung im Lesen, kein Tag des Jahres ausgenommen, an' Feiertagen umso mehr auf fremden, unausgesahrenen Bahnen, und das Kind erreichte bald eine Geläufigkeit in diesem Fache, die heute die Schule bei einstündigem Religionsunterricht in der 1. und 2. Classe, und zweistündigem in den anderen Classen doch nie erreichen kann. D :zu kommt noch der Umstand: Hat das Kind in der 3. Classe es zum langsamen, fehlerfreien Lesen gebracht und es beginnt nach zweimonatlichen Ferien wieder die Schule, wo der Religionslehrer am Anfänge des Schuljahres meist von den in diese Zeit fallenden Feiertagen, durch Ausfall von Stunden durch diese Feiertage und verschiedenen anderen Umständen spricht, dann vergeht fast noch ein Monat, bis er zum hebräischen Lesen gelangt. Da macht er die traurige Erfahrung, daß die meisten Kinder die frühere Geläufigküt verloren haben, daß sie weit gegen das Ende des Vorjahres zurück sind. Man weiß, wie schnell Kinder mechanische Uebungen vergessen. Wenn ein Kind seine Muttersprache lesen gelernt und vielleicht zwei Jahre kein Buch in die Hand nimmt, wird es das Lesen nicht vergessen; denn unwillkürlich übt das Auge sich auch auf der Gasse im Lesen bald einer Firma, bald einer Gassentasel, einer Afsiche u. s. w. Bei dem Hebräischen ist das nicht der Fall. Daher kommt es, daß jedes Kind aus jedem Gegenstände alljährlich Fortschritte macht, nur im Hebräisch-Lesen, wenn das Haus die Schule nicht unterstützt, steht es am Ende der Schulzeit noch da, wo es am Ende des 3. Schuljahres geblieben. Viele Eltern, denen dies doch nicht angenehm ist, sehen aus dem Grunde daraus, daß das Kind auch in den Ferien bete. Aber dies ist keine gehörige Uebung; das Kind kennt bald das Stück auswendig, es übt sich nur Fehler ein. Es wäre deshalb dringend geboten, daß man dem Kinde täglich 10 Minuten (aber keineswegs länger als eine Viertelstunde, weil die Ueberbürdung den Gegenstand nicht beliebt macht) lesen zuhöre, jedesmal an einer anderen Stelle. Dies würde bald seinen Nutzen haben; dann dürfte es bald nicht mehr Vorkommen, daß junge Leute das Kaddisch in lateinischen Buchstaben lesen und daß junge Frauen aus Unkenntniß des hebräischen Lesens gar kein Betbuch in die Hand nehmen wollen. P. Correspondenzen. Wien. (Zionismus.) Der „Pester Lloyd" bringt im Abendblatt vom 2. August nachstehende Mittheilung: Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: „Schon seit längerer Zeit werden von der Wiener Leitung der z i o n i st i s ch e n Bewegung Schritte unternommen, um die Zustimmung des Sultans zur Ansiedlung der Anhänger des Zionismus in Palästina zu erwirken. Man wandte sich zu diesem Behufe an einen türkischen Staatsmann, der Einfluß im Palais besitzt und den Plänen der Zionisten entgegenzukommen bereit ist. Die Stadt Jerusalem selbst und ihre Umgebung sollen mit Rücksicht auf die heiligen Stätten der Christenheit von der Besiedelung durch Zionisten ausgeschlossen sein. Man denkt vielmehr au die übrigen Theile Palästinas und Syriens. Dem Sultan sind bereits drei Berichte in dieser Angelegenheit unterbreitet worden, in welchen die volkswirthschaftlichen und auch politischen Vortheile auseinandergesetzt wurden, welche der Türkei aus der Verwirklichung der Absichten der Zionisten erwachsen würden. In der Umgebung des Sultans hat sich jedoch eine starke Gegenströmung geltend gemacht. Man wies darauf hin, daß die Israeliten in Erinnerung an ihr altes Königreich Judäa im Laufe der Zeit an die Wiedererrichtung desselben denken könnten und daß es demnach klüger sei, ihre Masseneinwanderung von vornherein nicht zu gestatten. Die Gegenargumente, welche angeführt wurden, blieben ohne Wirkung. Die dem Sultan zu Gunsten der Zionisten unterbreiteten Berichte sind vielmehr gänzlich unbeantwortet geblieben, so daß vorläufig wenigstens die Action ergebnißlos verlaufen ist. Ob es möglich sein werde, vielleicht späterhin ein günstigeres Resultat zu erzielen, das läßt sich nicht voraus sehen. Jedenfalls sind die Hindernisse, die überwunden werden müssen, sehr groß und zahlreich. Das wird man sich wohl auch in Wien sagen. Mit diesen Zeilen sollte blos sine ira et studio der gegenwärtige Stand dieser Angelegenheit klargestellt werden." So weit der „Pester Lloyd". Wir erinnern unsere Leser daran, daß eine in der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 21. Juli erschienene Londoner Correspondenz durch die vorstehenden Mittheilungen des „Pester Lloyd" vollständig bestätigt wird. Nach den Erklärungen des Generals Wilson habe die Agitation für die Erwerbung Palästinas, welche einige Zionisten betreiben, den Sultan argwöhnisch gemacht. Keineswegs ist der Sultan den Inder: als Juden feindlich, sondern nur den Bestrebungen des politischen Zionismus. So große Furcht habe er vor der Bewegung, daß seine Spione bei jeder großen zionistischen Versammlung anwesend seien, und daß Alles, was in dieser Frage geschrieben wird, in das Türkische übersetzt und nach Konstantinopel geschickt wird. Wien. (Todesfall.) Dienstag den 8. August ist eines der angesehensten und verehrungswürdigsten Mitglieder der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Herr Heinrich Berger im Alter von 77 Jahren eines sanften Todes verschieden. Der Heimgegangene war ein treuer Sohn des Judenthums, stets bereit, seiner Religion Gut und Leben zu opfern. Von strenger Lebensführung, zugleich aber mit gediegener Bildung ansgestattet, verband er ein großes Maß jüdischen Wissens und er hat bis in seine letzten Lebenstage nicht aufgehört, seine Liebe zur Thora zu bethätigen, für welche er das ganze Leben hindurch stets opferbereit war. Allen Institutionen zur Förderung der Thora war er der vornehmste Förderer. Ec stand Jahrzehnte hindurch an der Leitung der Talmud-Thora. Ec widmete sich aber auch mit dem ganzen Eifer den Armen Palästinas und bot jederzeit seine kräftige Hilfe den armen und verfolgten Brüdern aller Länder. Er hinterläßt eine Witwe, drei Söhne und eine Tochter, welch' letztere an den bekannten Mnsikschriftsteller Professor Dr. Guido Adler verheiratet ist. Einer seiner Söhne, Dr. Emil Berger, ist ein berühmter Augenarzt in Paris. Ein zweiter Sohn, Dr. Alfred Berger, ist Vorsteher de'' israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Das Leichenbegängniß fand Donnerstag, 10 Uhr Vormittags, vom israelitischen Friedhose in Baden statt. Ueber Wunsch des Verblichene:: wurden keine Reden gehalten. Preßburg. Nach vielfachen Hindernissen und nach mancherlei ungerechtfertigten Anfeindungen hat die hiesige israel. Cultusgemeinde nach den Bauplänen des Wiener Baurathes S t i a ß n y in der Turnergasse eine Lehranstalt, die israel. Mädchenbürgerschule, aufführen lassen, die nicht blos allen modernen pädagogischen Ansprüchen vollauf entspricht, sondern sich auch an die gebäudlichen Zierden unserer Stadt würdig anschließen kann. Nachdem dieses Gebäude fix und fertig dasteht und nunmehr gegenwärtig an der inneren Einrichtung, z. B. Aufstellung der Schulbänke u. s. w., gearbeitet wird, ist es zeitgemäß, Einiges über die Eintheilung der verschiedenen Unterrichtsräume zu berichten. Vor allem Anderen muß gesagt werden, daß diese einen sehr vortheilhaften Eindruck auf den Besucher machen. Sie sind licht, luftig und hoch, haben eine gute Ventilation, in sämmtlichen Corridoren, die, sowie die Stiegen, breit und bequem sind, befindet sich die Wasserleitung. Die Corridore selbst sind asphaltirt

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