Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 32 (11.8.1899)
- Date
- 1899-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 587 abgeneigt sein, den ihr die Juden sehr gerne offeriren würden und der dahin lautet: Alle jüdischen Betrüger und Schwindler lasse man einsperren, andere aber behellige man nicht durch tendentiöse Pauschalbeschuldigungen und schädige sie nicht durch eine gewissenlose Hetze in ihrem Ecwerbe. in welchem ihnen die gleiche Mühsal und Sorge, die gleichen Pflichten und Lasten wie ihren arischen Mitbürgern beschieden sind * * * „Der deutsche Michel mit seiner von Forscherarbeit durchfurchten Stirne, mit seiner schwieligen Hand zermartert sich den Kopf darüber, wie es doch kommt, daß er doch trotz aller Mühe und trotz des Schaffens kaum das nackte Leben hat." Wenn wir mittheilen, daß das Blatt, welches diese Frage zur Discussion stellt, die „Deutsche Zeitung" ist, so ist die Antwort darauf selbstverständlich : Der gesammte Arbeitsertrag aller Deutschen wandert in die Taschen der Juden, dieser gefährlichen Parasiten, die nichts arbeiten, sondern dem deutschen Volke, welches ihnen „Gastfreundschaft" gewährt, die Früchte seines Fleißes wegstibitzen, und es sei endlich die höchste Zeit, den Juden gegenüber vom „Hausrechi" Gebrauch zu machen. Es sei ein Verbrechen, welches das deutsche Volk gegen sich selbst begeht, wenn jüdische Männer als Richter fungiren, wenn es bei jüdischen Advocaten sich Rathes erholt, wenn jüdische Professoren die Katheder besetzen, jüdische Aerzte in deutsche Familien kommen, Juden im Parlament erscheinen und wenn Juden in die höchsten Ehrenstellen vorrücken und sich „bedenklich dem Throne nähern". Wenn die „Deutsche Zeitung" der Ansicht ist. daß jüdische Staatsbürger, mögen sie auch seit Jahrhunderten hier ansäßig sein, mag auch die Verfassung und das Gesetz ihnen die volle Gleichberechtigung gewährleisten, mögen sie auch alle Pflichten des Staatsbürgers erfüllen, Fremdlinge seien, welche die Möglichkeit, sich im Lande aufzuhalten, nur der besonderen Nachsicht des „Deutschen Volkes", recte der Antisemiten zu danken haben, so ist eine solche Ansicht z.n bornirt, als daß es sich der Mühe verlohnen sollte, sie ernstlich zu bekämpfen. Man sollte aber glauben, daß die Dummheit allein dem einst deutschvölkischen, jetzt aber clericaleu und reactionären Blatte als ausreichendes Werkzeug erscheinen sollte, um das Geschäft der Judeuhetze zu betreiben; es sollte nicht auch fälschen und verleumden. Die „Deutsche Zeitung" lügt wissentlich, wenn sie behauptet, daß die Juden nichts arbeiten wollen, und sie verleumdet wissentlich, wenn sie sagt, daß die Judenschaft „einen internationalen Geheimbund vorstellt, der im Verkehre mit' Nichtjuden eine ganz andere Moral verfolgt". Daß die Deutschen nichts, als das nackte Leben haben, und zwar durch die Schuld der Juden, würde insbesondere bei jenen Deutschen, die durch ihre Tüchtigkeit und ihren Fleiß die deutsche Industrie zur ersten in der Welt gemacht, die größte Heiterkeit erregen, wenn nicht leider die „Deutsche Zeitung" ihrer Kenntniß so sehr verborgen bliebe. Der Herausgeber der „Deutschen Zeitung" wird es nicht übel nehmen, wenn er ausruft, was denn ein semitisches Volk vom „Rechtsempfinden eines deutschen Mannes" wisse, daß auch die Frage aufgeworfen wird, ob er darunter vielleicht sein eigenes Rechtsempfinden verstehe. Die Juden brauchen es sich nicht gefallen zu lassen, von einem „Cato mit Strupfen" geschmäht zu werden, dessen Stirne vom Forschergeist in der Richtung durchfurcht erscheint, wo für die „Deutsche Zeitung" Pauschalien zu haben sind. Weil wir vorhin die Rede Dr. Lueger's erwähnt haben, so erinnern wir uns daran, daß Herr Dr. Lueger vom Zuckercartell gesprochen hat, welches in verbrecherischer Weise den Zucker vertheuert. Die christlich-socialen Corruptionstödter haben doch ihre eigenen publicistischen Organe, sie haben ihren Vergani mit dem Wahrheitsbeweis, sie haben ihren Dr. Wähner mit dem Rechtsempfinden eines deutschen Mannes. Warum enthüllen sie denn die Mißbräuche nicht, die das Zuckercartell notorisch begeht? Das Zuckercartell hat dem Blatte des Dr. Wähner seinerzeit für den Abdruck einer oder zweier Notizen 2000 fl. in die „schwielige Hand" gedrückt. Das ist in einer Gerichtsverhandlung des Dr. Wähner gegen K. H. Wolf bewiesen worden. Herr Dr. Lueger mag also den Dr. Wähner, diese Leuchte der christlich-socialen Partei, fragen, warum er über das Zuckercartell seit Jahren nichts geschrieben hat. Man sieht, daß dieser „deutsche Michel" sich nicht darüber zu beklagen hat, daß ihm alle Früchte seines die Stirne furchenden Forschergeistes von den Juden gestohlen werden, und das Beispiel Vergani's und hoffentlich auch das künftige Wohlergehen der „Deutschen Zeitung" lehrt, daß wenigstens den publicistischen Machern des antisemitischen Streberthums das Geschäft mehr trägt, als das nackte Leben. _ Robert Wolf. Fürst Bismarck und die Emancipation der rumänischen Juden. In dem Augustheft der „Preuß. Jahrb." veröffentlicht Dr. Daniels aus einem Auszug der Aufzeichnungen Carols von Rumänien ein bisher noch nicht bekanntes Schlußcapitel der königlichen Memoiren. Von besonderem Interesse und zugleich charakteristisch für die „Diplomatie" des Fürsten Bismarck ist die Schilderung, wie der Reichskanzler die Frage der Emancipation der rumänischen Juden als Handelsobject benutzte, um die deutschen Besitzer rumänischer Eisenbahnpapiere günstiger zu stellen. Fürst Bismarck nahm schon seit Jahren dem Cabinet von Bukarest gegenüber eine sehr unfreundliche Stellung ein, und zwar wegen der schnöden Benachtheiligung der deutschen Actionüre, welchen die rumänischen Eisenbahnen gehörten, von Seite der Regierung des durch unser Capital aufgeschlossenen Landes. Die Forderung, welche Bismarck erhob, war der Rückkauf der Linie Roman-Galatz-Verciorwa durch den rumänischen Staat, und die Daumschrauben, welche er ansetzte, um die sich wüthend sträubenden Walachen gefügig zu machen, bestanden in den Bestimmungen der Congreßacte, betreffend die Emancipation der rumänischen Juden. Man hat bisher geglaubt, daß Frankreich und England es gewesen sind, welche die Emancipation der rumänischen Juden erzivingen wollten, und daß sich Deutschland ihnen nur in zweiter Linie angeschlossen habe. Es verhielt sich indessen gerade umgekehrt: Deutschland war um ernster wirthschaftlicher Interessen willen die treibende Kraft; die Westmächte, deren Staatskunst in dieser Frage nur durch humanitäre Ideale bestimmt wurde, gingen mit viel geringerer Verve vor. „Bismarck ist der Mann", schrieb Carol seinem Vater, „der jene Mächte, welche noch nicht in diplomatischen Beziehungen zu uns stehen, zurückhält, unsere Unabhängigkeit anzuerkennen. Der Vorschlag, Serbien anzuerkennen, erging von Berlin an die anderen Mächte, und zwar mit dem Bemerken, daß ein Unterschied gemacht werden müßte zwischen dem einen Lande, das seine Verpflichtungen erfüllte, und dem anderen, daß sich ihnen zu entziehen suche." Der eiserne Kanzler ging so weit, für den Fall der Nichtemancipation der rumänischen Juden Carol seine Wiederuuterwerfung unter die Suzeränität des Sultans und gewaltsame Execution anzudrohen. Kaiser Wilhelm war mit der Haltung seines Kanzlers der rumänischen Judenfrage gegenüber nicht ganz einverstanden: „. . . . England," so schrieb er an die Kaiserin Augusta, „redet sich ein, jeder rumänische Jude wäre ein so feiner Mann wie Rothschild ... ich aber weiß aus Erfahrung, was die Juden in jenen Gegenden sind; schon von Posen an, dann weiter in Polen, Littauen und Volhynien, und die rumänischen Juden sollen noch schlimmer sein .... Ich habe, wie Du weißt, von Anfang an den Beschluß des Congresses über die Judenfrage aufs Entschiedenste mißbilligt, obgleich erst, nachdem der Schlag gefallen war, da ich nicht an der Spitze der Regierung stand. (Wegen der Folgen des Nobiling'schen Attentates.) Nach der Hand habe ich natürlich nichts anderes thun können, als für die stricte Ausführung der Congreßbeschlüsse einzutreteu, aber ich habe jederzeit gefordert, daß in dieser Sache keine Pression ausgeübt werden dürfe." Die Kammern in Bukarest weigerten sich beharrlich, die Forderungen anzuerkennen. Beinahe ebenso gefährlich wie diese Aussicht, dünkte ihnen die ungeregelte völkerrechtliche Stellung des Landes, welchem Deutschland, England und Frankreich die Anerkennung seiner bei Plewna mit solchen Opfern erkauften Unabhängigkeit verweigerten. Diese angstvolle Situation der zwischen Scylla und Charybdis dahinsteuernden rumänischen Staatsmänner benutzte Bismarck u. A., um endlich seine Revanche für die Beleidigungen zu nehmen, welchen der deutsche Name in Bukarest zur Zeit des Frankfurter Friedens ausgesetzt gewesen war. Das Deutsche Reich, sagte er zu M. Sturdza, lege Werth auf die Erhaltung freundschaftlicher Beziehungen zu Rumänien, obgleich Rumänien bis vor Kurzem Deutschland etwas cavalierement behandelt habe. Wenn das Berhältniß zwischen den beiden Staaten sich bessern solle, müsse die Eisenbahnfrage aus der Welt verschwinden. Damit war das entscheidende Wort ausgesprochen; Bismarck deutete au. daß er in der Judenfrage mit sich reden lassen würde, wenn Rumänien