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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Blvch's Wochenschrift Seite 577 und Verehrer zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der einer alten Prager Patricier-Familie enstammte, — sein Vater war der berühmte, von Kaiser Franz ausgezeichnete Cantor der Alt-Neu- Synagoge Herz Bondy — war durch seine Rechtschaffenheit und Biederkeit allgemein beliebt und bis in sein hohes Alter von einer bewundernswerthen geistigeu Frische und Arbeitsfreudigkeit. Sein ganzes Leben war der Fürsorge für seine Familie und der Nächstenliebe gewidmet und Alle, die den braven Mann kannten, werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Einer der Söhne des Verstorbenen lebt in Wien als Secretär der israelitischen Tempelgemeinde Mariahilf. — (Stellenbesetzung.) Obercantor S ch w a r z aus Preßburg wurde als Obercantor der Klaussynagoge gewählt und wird demnächst seinen neuen Posten antreten. Brüx. Am 29. Juli feierte Herr Ludwig Black, fachii älinischer Laienrichter und Handelsgerichtsbeisitzender, das Fest der silbernen Hochzeit und die Confirmation seines jüngsten Sohnes. Da Herr Ludwig Black seit 20 Jahren als Vorstandsmitglied und als Obmann der Chewra-Kadischa sich unsterbliche Verdienste um die Gemeinde, wie um die Humanitären Vereine erworben, nahm die Cultusgemeinde, wie die Chewra-Kadischa die freudige Familienfeier zum willkommenen Anlasse, um Herrn Black in würdiger Weise zu ehren. Die Gemeinde und die Chewra-Kadischa faßten den Beschluß, eine Ludwig Black-Stiftung in der Höhe von tausend Gulden ins Leben zu rufen. Nach dem feierlichen Gottesdienste im Tempel, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Biach eine Ansprache an den Bar-Mizwah hielt, begab sich eine Deputation der Cultusgemeinde, der gefammre Ausschuß der Chewra- Kadischa, sowie Herr Rabbiner Dr. Biach in die Wohnung des Jubelpaares. Der Cultusvorsteher-Stellvertreter, Herr I. U. Dr. Josef Häutler, der Obmann-Stellvertreter der Chewra-Kadischa, Herr Heinrich Heller, sowie Herr Rabbiner Dr. Biach hielten Ansprachen an Herrn Ludwig Black und betonten die hervorragenden Verdienste, die er sich um die Gemeinde und die humanitären Vereine erworben. Pieslirrg, 30. Juli. Jüngst hat sich das Grab über die sterblichen Reste eines Mannes gewölbt, dessen ersprießliche Thätigkeit den vollen Anspruch erheben kann, der Vergessenheit entrissen zu werden. Herr Josef Stern hat beinahe drei Decennien als Secretär und Talmud Thora-Lehrer in der Cultusgemeinde zu Böhm.-Leipa zu der größten Zufriedenheit der Gemeindeglieder gewirkt. Die Achtung und Werlhschätzung, die sich der Verblichene während seiner Amtswirksamkeit erworben hat, war ein sprechender Beweis bei der Leichenfeier, die die Gemeinde auf ihre eigenen Kosten veranstaltet hat. Im Gemeindehause, wo der Heimgegangene seit einer Reihe von Jahren sein segensreiches Wirken entfaltet hat, war die Bahre aufgestellt, bei welcher Herr Isidor Gans, Präses der Chewra-Kadischa und Vorsteher des Gesangsvereines, einen ergreifenden Nachruf hielt. Mit thränenerstickter Stimme schilderte Herr Gans die hingebungsvolle, aufopfernde Thätigkeit, die der Verewigte sowohl als Secretär, wie nicht minder als Lehrer, so auch als langjähriges Mitglied des Gesangsvereines entfaltet hat und daß sein Andenken in der Gemeinde ein gesegnetes sein wird. Dann wurde der Sarg von den Mitgliedern des Gesangsvereines getragen und dem Leichenwagen übergeben, dem die Gemeinde, alle hier bestehenden Vereine, die Schuljugend, mit ihrer Fahne voran, das Geleite gaben. Auf dem Friedhof angelangt, hielt Herr Rabbiner Dr. Wiese einen warm empfundenen, vom Herzen kommenden und zum Herzen sprechenden Nachruf, in welchem er die Thaten und Leistungen des Verstorbenen mit breiten Worten schilderte, welche eine mächtige Wirkung hervorbrachten. Und so hat Herr I. Stern ein Leben zum Abschlüsse gebracht, welches nicht so bald in seiner Gemeinde vergessen sein wird. Mähr.-Ostrau. Hier fand die constituirende Versammlung behufs Gründung eines jüdischen Turnvereines für Mähr.-Ostrau und Umgebung statt. In angeregter Debatte wurden von den in großer Zahl anwesenden jungen Leuten die einzelnen Punkte der Statuten festgestellt und wurde beschlossen, nach behördlicher Genehmigung die Wahl der einzelnen Functionäre vorzunehmen. Ratibor. Von dem ehemaligen Opernsänger Herrn Simon Tonnenberg, gegenwärtig Ober-Cantor und Gesangslehrer zu Ratibor, wurden zwei sehr gelungene Musikstücke componict und veröffentlicht: 1. „Die venetianische Fischerserenade" für Bariton, 2. „Intermezzo" für Clavier. Herr Tonnenberg, zu Warschau im Jahre 1871 geboren, genoß während sechs Jahren eine ungewöhnliche italienische Gesangsmethod-, wurde von dem Warschauer Grafen Zyszezewski zu einer Opernlaufbahn unterstützt. Der treffliche Baritoufft, mußte auf Wnnfch seines seligen Vaters (der selbst Cantor war) die Bühne aufgeben und sich dem Cautorate widmen. Budapest, 31. Juli. Im Szasz-Sebeser Wahlbezirke wurde Redacteur Josef Veszi einhellig zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Effegg. Zum ersten Male gelangen Heuer aus dem von weiland Jacob S o r g e r gestifteten Legate per 20.000 Kronen für arme Bräute seiner näheren Verwandtschaft, beziehungsweise für Bräute aus Essegg, 1200 Kronen zur Bertheilung und wird von Seite des städtischen Magistrates hierauf ein Concurs bis zum 15. September l. I. ausgeschrieben. Anspruchsberechtigt sind erstens Bräute aus der Verwandtschaft des Stifters oder dessen Gattin, Frau Babette S o r g e r gebornen Breslauer, und in Ermanglung solcher in Essegg zuständige oder hier mindestens 5 Jahre lang ansäßige Bräute, und zwar werden die Zinsen per 600 Kronen einer Braut israelitischer Confeffion und die zweite Hälfte per 600 Kronen einer Braut ohne Unterschied der Confesslon hintangegeben werden. Berlin. Commercienrath Philipp Freudenberg, Seuiorchef des Hauses Hermann G e r s o n, ist zum Hoflieferanten Sr. k. Hoheit des Herzogs von Coburg-Gotha ernannt worden. Maroeco. Aus Marocco kommen wieder schlechte Nachrichten. In Ulad Fash ist ein jüdischer Pantoffelhändler mit seinem Sohn und Schwiegersohn beraubt und ermordet worden. Einige Paar Pantoffeln waren die ganze Beute, um derentwillen drei Personen ihr Leben lassen mußten. Die Behörden haben den Mörder ermittelt, das geraubte Eigenthum bei ihm gefunden und coHftätiriaber von einer Bestrafung verlautet nichts. Melbourne. Der ausscheidende Präsident der hiesigen Handelskammer Mr. John Hymann, der in der Zeit seiner Amtsführung sehr populär geworden ist, wird demnächst in die Untersuchungscommission eintreten, die für sociale Fragen geschaffen ist. Nur die ersten hiesigen Autoritäten in Arbeiterfragen sind in diese Commiffion berufen worden. London. Zu Gunsten des Metropolitan-Hospital hat sich ein Frauenverein gebildet, an dessen Spitze Prinzessin Luise steht. Bon jüdischen Notablen gehören demselben an als Vice- Präsidentinnen Louisa Lady de Rothschild und Mrs. Leopold de Rothschild, als Ehren-Ichatzmeisterin Lady Battersea. London. Am 25. Juli fand eine Vorstellung der „Kinder des Ghetto", der dramatisirten Erzählung von Zangwill, statt. Der Autor hat die Dramatisirung selbst besorgt und auch die Einstudirung geleitet. Das Stück fand allgemein viel Beifall, doch bleibt es vorläufig bei dieser einen Aufführnng, da Zangwill zuerst nach Amerika geht und dort sein Stück von einer speciell hiefür gebildeten Truppe spielen läßt. Die erste Aufführung wird drüben am 15. September in Washington stattfinden und dann eine Turnäe durch die größten Städte Amerikas folgen. Mitte October wird im Herald Square-Theater in New-Aork eine größere Anzahl von Vorstellungen in Scene gehen und erst dann wird auch in Europa eine Aufführung dieses Stückes wieder stattfinden. _ Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Der Bürgermeister fuhr fort: „Der Kerl hat sich in dem kleinen Städtchen zum Krösus gestohlen und den Boden ausgesogen, daß er Jahre lang keine Früchte tragen kann!.... Und dabei hat er mir bei der Actenübergabe eine lange, salbungsreiche Rede über geübte Pflichttreue und Redlichkeit gehalten, daß ich ihm gerne ein Paar Ohrfeigen der saftreichen Sorte auf seine ledergelben Hängebacken applicirt hätte! Der scheinheilige Hauptgauner!.... Er hat mir rein nichts übrig gelaffen, woran ein gottgesegneter Pfennig in anständiger Weise zu gewinnen wäre. Mein einziger Rettungsanker bleiben die Juden. Eine weise Regierung hat für diese Menschenclafse Gesetze geschaffen, die sie nur dann befolgen könnten, wenn chnen ihr Judengott wieder Wunder thut, wie bei dem Auszuge aus Egypten. Siezahlen Steuern, daß sie schwarz werden und haben gar keine Rechte .... Nun, man muß für diese armen, gedrückten Parias ein

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