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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 576 Nr. 31 Br» Bloch's WochrnfchrM Boston. Die Hochschule in Boston hielt am 26. Juni ihre Examina ab, deren Resultate demerkenswerth sind wegen der großen Anzahl von jüdischen Studenten, die sich dabei auszeichneten. Von 140 Diplomirten waren nicht weniger als 40 Juden, während unter den 20 Durchgefallenen nicht ein einziger Jude war. Von den vertheilten Preisen erhielten jüdische Schüler den ersten und zweiten Preis für Vorträge, den ersten für Essays, ferner den ersten Preis für Algebra, für Geometrie, für Chemie, für Physik und den zweiten Preis für Französisch und Deutsch. Von den prämiirten sechs Essays haben zwei jüdische Verfasser, endlich wurden von den neun an die Besten vertheilten Franklinmedaillen nicht weniger als drei Juden zugetheilt. Vermischtes. Wie«. (Anonyme Spende). Ein ungenannt fein wollender Wohlthäter hat bei der israelitischen Cultusgemeiude Wien die Spende von 150 fl. zur Vertheilung an verschämte Arme erlegt. Wien. (Leopold st ädter Kranken-Unterstützungs-Verein „Nächstenlieb e".) Anläßlich der hohen israelitischen Feiertage veranstaltet der Vorstand obigen Vereines wie alljährlich einen solennen Gottesdienst in seinen beiden Bethäusern, II., Taborstraße 36 (goldener Widder) und II, Obere Augartenstr. 5, (bairischer Hof). Die wahrhaft herzerhebende Andacht dieses Vereines ist im II. Bezirke hinlänglich bekannt, sie erhält eine umso größere Weihe durch den Umstand, daß der Obmann des Vereines, Herr Moritz R o s e n b l a t t, die Seelenandacht mit einem von ihm verfaßten und dem Vereine gewidmeten Gebete einleitet. Er gedenkt hiebei in pietätvollster Weise der verstorbenen Vereinsmitglieder und ihrer Angehörigen durch Verlesung der einzelnen Namen. Der Andrang zu dieser Seelengedächtnißfeier war im Vorjahre ein derart großer, daß die in den Garten des Betsaales führenden Saalthüren geöffnet werden mußten, um dem draußen harrenden Publikum Gelegenheit zu bieten, an der solennen Gedächtnißfeier theilnehmen zu können. Wie». (Unentgeltlicher Gesangscurs.) Der bekannte ehemalige Obercantor Joach. A b r a s, ehemaliger Eleve du conservatiore de musique chei Professor Mr. G. Roger l’Opera de Paris, eröffnet einen unentgeltlichen Gesangscurs für Tönbildung, um vom Blatte singen zu können. Amateure und Sangeslustige, welche an denselben -theilzunehmen wünschen, insbesondere zu einem angehenden israelttischen Gesangsverein beizutreten geneigt sind, wollen sich brieflich oder mündlich an Herrn I. Abras, I., Eschenbachgasse 9, von "8 bis 5 Uhr, wenden. Wien. Am 1. August fand im Hause des Wiener Apothekers Herrn Emil S i l b e r st e i n die Circumcisionsfeier seines neugeborenen Sohnes statt. Herr Silberstein ist ein Enkel des seligen Kreisrabbiners Wittmayer in Sambor und seine Gattin ist die Tochter des Herrn Dr. Schnepp, Vicepräsidenten der Tempelgemeinde im IX. Bezirk. Zur Feier waren viele Gäste erschienen, unter welchen sich Se. Ehrwürden Herr Gemeiade-Rrbbiner Dr. Gelbhaus, Herr Finanz-Obercommissär Ignatz Schnepp, Herr technischer Bureauchef Anton Schnepp, Herr Dr. Schnepp, Chefarzt der Wiener Bezirkskcankencafse, befanden. Herr Dr. Herzfeld vollzog die Operation mit großer Präciston. Se. Ehrwürden Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. Gelbhaus wurde nach altem Brauche die Function des des Sandicaot zu Theil. Dem heiligen Acte schloß sich ein fröhliches Mahl an, welches durch schöne Toaste verherrlicht wurde. Wie«. Sonntag den 30. Juli, halb 4 Uhr Nachmittags, fand im Stadttempel, I., Settenstettengasse 4. die Trauung des Herrn Dr. Theodor Heller mit Fräulein Ella Flaum statt. Der Bräutigam ist ein Sohu des Director Heller vom israelitischen Blinden-Jnstitut auf der Hohen Warte. Die Trauung, welcher zahlreiche Gäste beiwohnten, vollzogen Obcrrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer. Wien. (Die Reisenden in „Ritualmord".) Die Fabrikation von Ritualmorden hat einen neuen Erwerbszweig geschaffen: das Reisen in Ritualmorden. So wie es Weinreisende oder Reisende in Galanteriewaren gibt, so lasten die Geschästsantisemiten ihre Angestellten in Ritualmorden reisen, V e r g a n i hat einen Mitarbeiter seines Blattes nach P o l n a entsendet, damit er dort unabhängig von der strafgerichtlichen Untersuchung, auf eigene Faust Recherchen pflege. Ueber die ersten Erfolge dieser Thätigkeit wird aus Polna, 1. August gemeldet: „Sonntag traf in Groß-Meseritsch, wo sich die Mutter und ein sechzehnjähriger Bruder H ü l s n e r's aufhalten, eine aus vier Personen bestehende Reisegesellschaft aus Polna ein. Der eine der Theilnehmer war ein Mitarbeiter des Vergani'schen Blattes oder, wie seine Mitreisenden ihn nannten, ein „Pan Red aktor", und ein Zweiter der Schuhmacher Schütz, der frühere Meister des erwähnten Bruders Hülsner's. Schütz begab sich gleich nach seiner Ankunft in die ärmliche Behausung der unglücklichen Witwe und erkundigte sich nach seinem ehemaligen Lehrling. Der etwas geistig zurückgebliebene 16jährige Junge war über den Besuch seines früheren Lehrherrn sehr erfreut, umsomehr, als Herr Schütz ihm versprach, er wolle ihn wieder zu sich in die Lehre nehmen. Nach einigen Versprechungen bewog er den jungen Mann, mit ihm in ein Gasthaus zu gehen. Der Lehrling folgte ihm bereitwillig dahin, und in einem stillen, verschwiegenen Hinterstübchen harrten die übrigen Reisenden aus Polna. Was hier mit dem Burschen geschah, ist nicht völlig bekannt geworden. Nach etwa drei Stunden kam Hülsner in ganz unzurechnungsfähigem Z ust a n d e heim und erzählte, die vier Männer, darunter zwei Bürger aus Polna und zwei „Advocaten", hätten ihn a u sspioniren wollen und hätten ihm fortwährend zu trinken gegeben. Als der Bursche nüchtern geworden, gab er an, er habe den Herren nichts von dem erzählen können, was sie von ihm erfahren wollten. Ein „Herr A dv o c a t" habe ihn aber sehr scharf verhört. Nachmittag fuhren die Gäste aus Polna, die in Meseritsch gerne ungesehen geblieben währen — sie saßen während der ganzen. Zeit ihres Aufenthaltes im Gasthause — wieder in ihr Städtchen zurück. In derselben. Nacht wurde von halbwüchsigen Jungen eine Fensterscheibe in der Wohnung der Hülsner eingeschlagen. Ohne Erfolg ist also diese Recherche Bergani's nicht geblieben." Der Zweck der von dem Gemeindeobligationär von Mühldorf veranstalteten Expedition ist eigentlich nicht einzusehen. Lügen kann der „Pan Redactor" in Wien gerade so gut wie in Polna oder Groß-Meseritsch, und er erspart dabei die Reisespesen. Groß-Enzersdorf. Donnerstag den 13. d. M. fand im hiesigen Tempel die Schulschlußfeier statt Religionslehrer Eigner ermahnte in der Exhorte die die Schule verlassenden Kinder an dem angestammten Glauben treu und fest zu halten. Hierauf wurden einige Psalmen und die Volkshymne von den Kindern, gesungen und das Minchagebet verrichtet. Unser allverehrter Obmann, Herr Josef Winkler, vertheilte unter den Kindern ansehnliche Geschenke, was diesen selbstverständlich große Freude bereitete. — Herr Markus Rosenbaum, als Ersatzmann vom II. Wahlkörper gewählt, wurde nunmehr als Mitglied des Gcmeindeausschusses einberufen. Es gehören jetzt zwei Israeliten der Stadtgemeindevertretung an, und zwar Herr Moritz Mandl und Herr Marcus Rosenbaum. — Herr Dr. Gustav Werner Obmann-Stellvertreter des Minjan-Vereines wurde zum Stadtarzte ernannt. Aus Lemberg wird uns gemeldet: Am 27. d. M. ist hier einer der hervorragendsten Großindustriellen Galiziens, Herr Leo Thom, Grmeinderath und Mitglied der Handelskammer, 58 Jahre alt, gestorben. Der Heimgegangene war ein treuer Sohn des Judenthums, hat aber auch als Staatsbürger hervorragende Verdienste sich erworben, welche Se. Majestät durch einen Orden belohnte. Die „Oesterr. Wochenschrift" verliert in ihm einen treuen Anhänger. Das Leichenbegängniß fand am 31. d. unter großer Theilnahme aller Kreise der hiesigen Bevölkerung statt. Unter dem Anwesenden bemerkte man den israelitischen Cultusvorstand, die Vertreter der Handeskammer, die Vertreter zahlreicher Vereine, deren Ehrenmitglied des Heimgegangene war, eine große Zahl Gemeinderäthe, ferner die Rabbiner Schmelkes, Dr. Caro, Kalperun, den Pfarrer von Svobodo u. s. w. An der Bahre wurden viele Reden gehalten, welche sämmtlich der Trauer über den Verlust, den die Lemberger Judenschaft erlitten hat, Ausdruck gaben und die segensreiche Wirksamkeit des Heimgegangenen in ergreifenden Worten priesen. Kremsier. Vergangenen Samstag hielt Rabbiner Dr. Frankl bei der Schulschlußfeier seinem Freunde dem Professor Doctor Kaufmann, der in Kremsier, „dem ersten Mekka seiner wissenschaftlichen Pilgerfahrt", das Gymnasium als Privatist absolvirte, einen warmen Nachruf. Er hegte reiches Interesse für unsere Gemeinde, aus welcher die Ahnen seiner Mutter stammen. Prag. Am 30. Juli wurde hier Herr Michael Bondy unter besonders zahlreicher Betheiligung seiner vielen Freunde

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