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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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©eite 572 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 31 die Nothwendigkeit zu begreifen, daß man aller Wett die Ehrfurcht, wenn nicht die Achtung vor der Unfehlbarkeit auferlegen muß. Man sucht das Verbrechen. Darin liegt es. Das genügt, das reicht hin. Man darf sich nicht von den Schlingen eines falschen und feigen Mitleides gefangen nehmen lassen. Feig, denn das Gefängniß ist weniger grausam als der Tod, und der Tod ist ja das tägliche Schicksal der Soldaten. Falsch — denn es ist gerecht, weil es vortheilhaster ist, daß Einer zu Grunde gehe, damit die Anderen gerettet werden. Wenn ein General einen Soldaten demirt, glaubt man dann, daß der Zufall nur die Lumpen trifft? Die Armee muß auch in Friedenszeit so leben, wie im Angesicht des Feindes, sie ist wie ein Kriegslager, aufgerichtet in einer friedlichen Landschaft. Ringsum ist das bürgerliche Leben mit seinen Bequemlichkeiten, seiner Verweichlichung, seiner Langsamkett; drinnen herrscht Waffengetöse, die Strenge derDisciplin und der unbeugsame Grundsatz der Souveränität des Zweckes. Und dann, um was handelt es sich denn eigentlich? Um ein zu begründendes Urtheil? Nein. Man hat einfach zu sagen: Ja oder Nein! Man kann Ja oder Nein aus verschiedenen Gründen sagen. Die Einen sind schwerwiegend, die Anderen leicht, die Einen werden aus den Regeln der bürgerlichen Justiz abgeleitet, die Anderen stammen aus einer „höheren" Quelle, z. B. dem Corpsgeist oder dem öffentlichen Interesse. Man muß vor Allem das Ende erwägen und die Meinung richtig letten Im Zweifel also. Das ist's, was man jetzt alle Tage hören, alle Tage lesen kann. Das ist's, was man mit halben Worten sagt, die doch Jeder leicht verstehen kann, das ist's, was Leute sagen, die überhäuft sind mtt militärischen Auszeichnungen und sich für Frankreich in Stücke hauen lassen möchten, die aber doch ihre Leidenschaften, die sie für die edelsten halten, nicht bemeistern könnem So ist es eben mit der Seele des Menschen! Man braucht ihr nur mtt einem starken Interesse eine Falle zu legen, so wird die ganze Tugend in Aufregung versetzt und eilt dem Gewissen zu Hilfe. Wendet man aber die Augen vom Falle selbst ab, zeigt mau, was vorangegangen ist und was folgte, l «sie man dann noch die schönsten WoÄe zitternd erklingen, welche die Seele in Bewegung zu setzen vermögen — so wird sie sich gegen sich selbst auflehnen, sie wird dem Schrei des Gewissens Schweigen gebieten, sie wird im Stande sein, ein Verbrechen zu begehen und ihm den Namen einer Tugend beizulegen. Wehe Denjenigen, welche die seltensten Gaben des Geistes in dieser Art dazu benützen, um die Gemüther in Verwirrung zu bringen und die ewigen Regeln der Gerechtigkeit zu fälschen. Die Gerechtigkeit ist wie das Bett, das aus den Fasces hervorragt, mit denen so oft ihr Bttdniß geschmückt wird. Mau muß sich hüten, daran zu rühren. Die Geschichte lehrt uns, daß alle Jnstttutionen zu Grunde gehen, wenn man die Principien corrumpirt, auf denen sie beruhen. Die Parlamente sind gefallen, ohne daß eine Stimme sich zu ihrer Vertheidigung erhoben hätte, unter dem Drucke der offenbaren oder stAeu Ungerechtigkeiten, die sie begangen haben. „Gott bewahre uns — sagten unsere Vorfahren — die Gerechtigkeit des Parlamentes". Bossuet war es, der für das Urthett der Menschen die Regel also formulirte: „Richtig urtheilen, das heißt als gewiß erklären, was gewiß ist." Das heißt, nicht aus der Sache heraustreten, die ferneren oder näheren Folgen des Schuldspruches oder der Freisprechung in Betracht ziehen, das für und wider vom Parteistandpuntte abwägen, von verabscheuuugswürdigen Lehrsätzen die Mittel verlangen, um Gerechtigkeit oder Rache zu bieten: nein, das heißt als gewiß erklären, was gewiß ist; das heißt, nicht mehr Soldat sein, sondern Richter sein; das heißt, nicht mehr edel oder schön sein,ffondern einfach etwas anderes; das heißt, das großartigste Schauspiel darbieten, über das die Civttisation verfügt, des Gewissens, das sich selbst beherrscht, der Kraft, welche sich in den Dienst des Rechtes stellt." Correspondenzen. Wien. Ueber das türkische Einwanderungsverbot erhalten wir folgende Zuschrift: „Berlin, 26. Juli 1899. Wohllöbliche Redaction! Ohne Anhänger der Herzlichen Diplomatie zu sein, glaube ich doch, daß man ihr zu Unrecht die Hindernisse zur Last legt, welche die türkische Regierung dem Landerwerb von Juden entgegenstellt. Der Sultan ist Realpolitiker und als solcher fürchtet er weit mehr einen gegenwärtigen französischen oder russischen Gesandten, als einen in hundert Jahren möglicherweise kommenden Minister des jüdischen Staates. Die Verbote der Einwanderung und des Landerwerbs sind älteren Datums, sie rühren aus dem Jahre 1891 — der Zeit der Massenäuswanderung aus Rußland — und sind sonach um einige Jahre älter als die Herzl'sche Bewegung. — Nach allgemeiner Ueberzeugung sind diese Verbote auf die „Anregung" des damaligen französischen Generalconsuls in Jerusalem zurückzuführen. Es hat allerdings im Anschluß an die Herzl'sche Bewegung wieder eine strengere Durchführung der betreffenden Verbote Platz gegriffen, indessen scheint auch die Befürchtung vor der Bewegung oder Mißtrauen vor der jüdischen Bevölkerung durchaus nicht geherrscht zu haben. Während des türkisch-griechischen Krieges, also zur Zeit der Culmination der zionistischen Erregung, wollte der Sultan seine jüdischen Unterthanen in das Heer einreihen. Er mußte den Plan aufgeben, weil die europäischen Mächte in gleicher Zeit die Einstellung der christlichen Bevölkerung verlangten, worauf er nicht eingehen wollte. In gleicher Weise scheint die genauere Durchführung der Verbote des Landerwerbes und der Einwanderung auf europäische Reclamationen oder die Furcht vor solchen, zurückzuführen zu sein. Die europäischen Christen sind nämlich ebenfalls nicht von allen Beschränkungen frei. Es besteht allerdings kein Einwanderungsverbot — ein solches ist aber auch nicht nöthig, weil eine Einwanderung von Christen kaum vor sich geht. Ein Verbot des Landerwerbes besteht nicht, wohl aber muß die Verpflichtung" übernommen werden, welche auf dem Grundstück haftet, kein Spital, keine Kirche, keine Schule rc. auf dem Grundstück zu errichten. Damit sind 99 Percent der Fälle betroffen, in deneu Christen als Ecwerber in Frage kommen. Um gegenüber den in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes geäußerten Ansichten des Generals Wilson und ähnlichen, die Ansichten zusammenzufassen, die in Cvnstantinopel und Jerusalem vorwiegen, so sind diese Maßregeln zu Ungunsten der Juden mehr auf Mißtrauen gegen Rußland und Fräntteich als auf Mißtrauen gegen die Juden, insbesondere der Zionisten zurückzuführen. Hochachtungsvoll C. Wien. Ueber „Die jüdische Colonialbank" wird uns aus London geschrieben: Am 19. Juli hat hier die erste statutarische Versammlung der zionistischen Colonialbank stattgefunden, und zwar unter dem Vorsitze des Herrn I. H. Kann, Gesellschafters der Bankfirma Liffa und Kann im Haag. Der Verlauf dieser spärlich besuchten Versammlung bestand lediglich darin, daß Herr Kann Mittheilungen über den bisherigen Verlauf der Zeichnungen machte und daß er die Bureaubeamten für die Thätigkeit lobte, welche sie bei den Vorarbeiten geleistet haben. Das Actiencapital der zionistischen Bank soll bekanntlich 40 Millionen Mark betragen; hievon sind aber, wie aus den Mittheilungen des Herrn Kann hervorgeht, ungeachtet der intensiv betriebenen Agitation nur fünf Percent gezeichnet worden. Hievon ist noch nicht einmal eine Million Mark eingezahlt. Die weitere Thätigkeit der auf solche Art „constituirten" Bank soll im nächsten Jahre vor Allem darin bestehen, ihre Aetien zu placiren. Inwieweit Aussicht vorhanden ist, daß ihr das gelingen wird, läßt sich aus dem bisherigen Resultat ersehen, welches einem vollständigen Fiasco gleich kommt. Herr Kann hob auch hervor, daß die Gründungskosten erst aus den Einnahmen der Bank zurückerstattet werden, was ohnehin selbstverständlich ist. Nach Erstattung dieses Rechenschaftsberichtes erklärte Herr Kann die Versammlung für geschlossen. Einer der Directoren der Bank hat sich bereits veranlaßt gesehen, seine Demission zu geben. Wien. (Zum Mädchenmorde in Polna.) Die „Katholicky Lisch" in Prag brachte letztens wieder einige Hetzereien gegen den in dieser Affaire oft genannten Schächter Kurz-

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