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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 566 Dr. Bloch's Wochrnschrifl» Nr 31 bei der sie nur gewinnen kann; die Lüge fürchtet sie, denn sie kann dabei nur verlieren." (Seite 293.) Er beklagt ferner, daß die Unduldsamkeit die Menschen zur Auswanderung treibe und die edelsten Geister in unfruchtvare Streitigkeiten verwickle. Niemand kann eine schönere Beschreibung des Metternich'schen Zeitalters geben, als Diderot ein halbes IaHhundert vorher: „Und Plötzlich entsteht im Kopfe irgend eines Ministers die unsinnige Vorstellung, daß Licht und Aufklärung einer Nation schaden können, was — aus der Amtssprache in die Volkssprache übersetzt — bedeutet: daß, wenn eine Nation aufgeklärter ist, der Minister nicht mehr alle Albernheiten (sottises) wagen kann, die ec versuchen möchte. Sofort verbietet er, irgend etwas drucken zu lasten, sei es über die Sitten und die Religion oder über die Regierung, die Steuer, ihre Vertheilung und Eiuhebung, oder über den Handel oder einen anderen Gegenstand, der der Aufmerksamkeit ves Patrioten würdig ist." Was geschieht? Die edelsten Geister empören sich, man schreibt darüber, denn zum Guten wie zum Bösen geschieht nothwendig immer wieder, was geschehen ist, als in Rom die Werke des Commutius verboten wurden. Sofort gab es Tausende Abschriften davon. Die Gewalt kann für den Augenblick die Geister nicht gefangen nehmen; auf die Dauer freilich ist es anders. Sie verdummt die Nation." Und ist es nicht wie eine Vorwegnahme der Geschichte des modernen Liberalismus, wenn unser Seher schreibt: „Der Erfolg der Begeisterung ist vorübergehend. Er umfaßt kaum eine Generation. Die Enthusiasten sterben ohne Nachfolge. Man denkt nicht mehr, wenn man nicht mehr liest, und man liest nicht, wenn man kein Jntereffe hat, zu lesen; man verroht." „Die Duldung ist eben immer nur das System des Verfolgten, ein System, das er ausgibt, sobald er selbst stark genug ist, zu verfolgen. Die Christen, solange sie schwächer waren als die Heiden, verlangten Duldung; einmal stark geworden, forderten sie, daß man die Heiden ausrotte. Nichts bleibt rein in den Händen des Menschen. Wenn Gott selbst sich von der Höhe des Himmels aus den Menschen offenbaren wollte und bei dieser Offenbarung allmälig um oen Erdball herum käme, so würde er sie bei seiner Rückkehr an seinem Ausgangspunkte sich gegenseitig abschlachtend finden, im Streit um den Sinn der Rede, die er ihnen gehalten hätte. „Es liegt in der Natur des Menschen, Denjenigen zu Haffen und zu verachten, der in einer so wichtigen Sache nicht denkt, wie er selbst. Es gehört ein hoher Grad von Nachsicht und Nächstenliebe dazu, uns vor diesem Fehler zu bewahren, und unglücklicherweise sind Seelen von diesem Adel nicht gewöhnlich. Nicht einmal mit dem Atheismus ist Fanatismus und Unduldsamkeit ganz unvereinbar." Und da wundert man sich, wenn der Antisemitismus selbst bei Atheisten immer wieder auflebt! Diderot bildet sich auch nicht ein, mit seinen Lehren sofort etwas ausrichten zu können. „Der Philosoph wartet geduldig, selbst bis auf das Erscheinen des fünfzigsten guten Königs." „Indessen klärt er die Menschen über ihre unveräußerlichen Rechte auf. Er mildert den Religionsfanatismus. Er sagt den Völkern/daß sie die Starken sind und daß, wenn sie zur Schlachtbank geführt werden, dies geschieht, weil sie sich führen lassen. Er denkt voraus für die Revolution, welche, wenn die Noth am höchsten ist, nicht ausbleiben wird, er denkt wenigstens im Vorhinein die Folgen aus, die dann für das viele vergossene Blut entschädigen können. Geschrieben: Zwei Jahrzeh nie vor der französischen Revolution! Der organische Zionismus. Von Dr. Abraham Salz. V. Auch die zionistische Strömung hat, wie jede andere Volksbewegung, äußere Formen angenommen und sich geeignete Institutionen geschaffen, mit deren Hilfe sie ihre Endzwecke anstrebt. Zu den älteren und bestorganisirten gehören die Colonisationsverbände und Colonisationsvereine der meisten Länder, .wo Juden wohnen, welche so tiefe Wurzel unter der jüdischen Bevölkerung gefaßt haben, daß sie trotz der zahlreichen Anfeindungen, die sie jetzt seitens der „Politiker" erleiden, sowohl an Mitgliederzahl als auch an Einnahmen alljährlich zunehmen Die „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" in Odessa für Rußland, der Verband „Esra" in Berlin für Deutschland, die „Chovevi Zion Affociation" in London für England, der Verein für Colonisation Palästinas „Ahawath^ Zion" in Tarnow für Galizien, der Verein „Jischub Erez Israel" in Paris für Frankreich und viele andere für die übrigen Länder, die alle im „Centralcomite der Chovevi Zion" in Paris unter dem Vorsitze des Herrn Narcise L e v e n ein einigendes Band gefunden haben, sind die Träger des palästinensischen Colonisationsgedankens und die Schöpfer der jetzt im heiligen Lande existirenden jüdischen Wein- und Ackerbaucolonien. Sie propagiren den Colonisationsgedanken, gründen neue und fördern die alten Colonien in Palästina. Ihrem Einflüsse ist es gelungen, Herrn Baron Edmund de Rothschild in Paris für das Colonisationswerk in Palästina zu gewinnen und die „Jewish Colonisation Association" zu veranlassen, bedeutende Capitalien zu diesem Zwecke zu verwenden. Neben diesen Colonisationsinstitutionen wirken unzählige allüberall bestehende nationale Culturvereine, deren Aufgabe es ist, durch Erstarkung des jüdischen Selbstbewußtseins, durch Verbreitung der Kenntniß der jüdischen Geschichte und Literatur und durch Pflege der hebräischen Sprache, durch Vorträge, Zeitungen, Broschüren und periodische Veranstaltungen die jüdischen Massen zu beleben, mit frischen Entwicklungskeimen zu befruchten und so ihren nationalen Fortschritt zu fördern. : Auf diese Weise ergänzen sich gegenseitig die zwei parallel im Zionismus wirkenden Richtungen, die colonisatorifche als eine wirthschaftlich-sociale und die nationale als eine culturelle Strömung. Nun haben sich aber die Zionisten letzthin einige wichtige neue Institutionen geschaffen, deren Aufgabe es wäre, das Tempo des zionistischen Werdeganges zu beschleunigen. Es sind dies: die Zionistencongresse, die jüdische Colonialbank, die Schekelinstitution und das Actionscomitö in Wien. Wer seine ganze zionistische Weisheit nur aus dem Organe der „politischen Zionisten" schöpft, wird in der Meinung eingedrillt, daß diese, in der Conception großartigen und beim Entstehen die schönsten Hoffnungen der Zionisten hervorrufenden Institutionen, den einzigen und ausschließlichen Zweck haben, die politischen Spielereien unserer Diplomaten zu unterstützen. Doch nichts lag den Initiatoren dieser Organisationen ferner als dieses. Schon seit Jahren hegten die Zionisten den sehnlichsten Wunsch, die zionistische Bewegung auf einen gemeinsamen Congreß zu concentrtren und ein einheitliches Vorgehen nicht nur in Bezug auf die Colonisation Palästinas sondern auch in ihren kulturellen Bestrebungen zu schaffen und ein Bankinstitut ins Leben zu rufen, dessen Zweck es fein sollte, den Ackerbau- und Industrie-Unternehmungen der Juden in Palästina durch Geldvorschüsse und Hypothekaranleihen unter die Arme zu greifen. ' Die auf Initiative einiger Berliner und galizischer Zionisten im Frühling 1897 in Wien stattgefundene vorbereitende Conferenz einer engeren Gruppe bewährter Zionisten arrangirte die Einberufung des ersten Zionistencongresses, und die Zionisten der ganzen Welt begrüßten mit Freude dieses Ereigniß. Der erste Congreß in Basel hat den Zionisten ein ein- .heitliches Programm gegeben, hat die Institution der Schekel 'behufs Schaffung eines Nationalfonds ins Leben gerufen und die Gründung einer Colonialbank für Palästina beschlossen. Und was ist aus diesen großen Beschlüffen geworden? Wieder einmal hat sich die Thatsache bewahrheitet, daß es nicht auf großartige Beschlüsse und Gesetze, sondern auf deren Ausführung einzig und allein ankommt. Das zur Ausführung der Congreßbeschlüsse eingesetzte Actinns-Comite hat sich nicht nur der großen Aufgaben völlig ungewachsen erwiesen, sondern hat zum Nachtheile des' Zionismus allen diesen Organisationen einen einseitigen ftactiösen Charakter verliehen.*) Gleich nach dem ersten Basler Congreffe begann das Vernichtungswerk. *) Ich weiß es im Vorhinein, daß meine offene Darlegung des Sachverhaltes mir persönliche Anfeindungen und Verleumdungen seitens der neuen politischen Chasidimpartet zuziehen werde, wie es bisher zu geschehen pflegt, — doch meine Parteipflicht verbietet mir, zu schweigen und gegen Alles die Augen zuzudrücken, was leider Viele jetzt zum Nachtheil der Sache thun.

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