Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 30 (28.7.1899)
- Date
- 1899-07-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 561 Görlitzer Volksbildungsvereines und hat in diesem wie in anderen Vereinen durch Vorträge belehrend und bildend gewirkt. Innerhalb der Gemeinde begründete er den „Wohlthätigkeitsvereiit der Synagogengemeinde" und ist seit 1870 Vorsteher des „Frauenhilfsvereines". Zahlreiche Ovationen sind dem Jubilar von der Gemeinde, der „Victoria-Loge", seinen Schülern, Freunden rc. als Zeichen der Hochachtung, Liebe und Verehrung dargebracht worden. Hanau. Ein Zeichen, wie „verjudet" schon die Landwirthschaft ist, ergibt der Bericht des „Hanauer Anzeiger" über die Prämiirung bei der Ausstellung dort. Es erhielten: 1. Preis, Milchkuh 1. 2. 2. ß! 3. 4. 4. 5. 5. trächtige Kalbin Milchkuh Kalbin Milchkuh Kalbin Rind des Hirsch Strauß, Büdesheim 30 Mk. Jul. Neuhof, Schlüchtern, 30 „ Sam. Rosenthal, Meerholz, 20 „ Peter Schäfer, Niederrodenbach, 20 „ Samson Solingen, Aschaffenburg, 15 „ SußmannStrauß, Lüdesheim, 15 „ Seeligmann Katz, Marköbel, 12 „ Simon Moritz, Hallstein, 12 „ Julius Katz, Hungen, 10 Sali Strauß, Niederrodenbach, 10 „ Alle Preisgewinner bis auf den Peter Schäfer sind Juden! Was werden die Antisemiten dazu sagen, welche die Juden als ungeeignet für die Landwirthschast erklären? Paris. (Baronin Nathaniel Rothschild.) Die Blätter bringen oieMeldung, daß in Paris Baronin Nathaniel Rothschild, eine Schwester des Barons Alphons Rothschild, gestorben ist. Sie wurde am 13. Juni 1819 geboren und heiratete im Jahre 1842 ihren Cousin Baron Nathaniel in London, der am 19. Februar 1870 in Paris starb. Dieser Ehe sind zwei Söhne entsprossen, James, der Advocat werden sollte und 1881 starb, und Arthur, der bekannte Aachtsmann, der bisher Junggeselle geblieben ist. James hatte ferne Frankfurter Cousine Lucie-Tyerese geheiratet und zwei Kinder hinterlassen: einen Sohn Heinrich, Doctor der Medicin, vermählt mit Fräulein v. Weisweiller, und eine Tochter Johanna, vermählt mit Baron David Leonino. Von den vier Brüdern der Baronin Nathaniel ist einer, Baron Salomon, gestorben. Der verstorbenen Baronin werden hervorragende Geistes- und Herzenseigenschaften und ein nicht gewöhnliches Malertalent nachgerühmt. Sie hat sehr schöne Aquarelle nach venetianischen und anderen Motiven gemalt. Als Mitglied der Gesellschaft der Aquarellisten legte sie eine unversiegbare Hilfsbereitschaft Allen gegenüber an den Tag, für welche entweder wahres Talent oder wirkliche Noth sprach, und sie kaufte ganze Wagenladungen von werthlosen Bildern zusammen, nur um den darbenden Künstlern zu helfen. Bis zum Tode ihres Sohnes James waren die Salons der Baronin Nathaniel ein gesuchter Rendezvousplatz der Pariser Gesellschaft; später lebte die Baronin ausschließlich ihrer Familie und ihrer Kunst. Paris. Das diesmalige Nationalfest hat eine ganze Menge von Beförderungen und Auszeichnungen unserer Glaubensgenossen gebracht. Staatsrath Camille See ist Officier der Ehrenlegion, Director Bloch Ritter der Ehrenlegion geworden. Capitän Bernard vom 134ten Regiment ist zum Batalionschef, die Lieutenants Blum von Ilten Infanterie-Regiment, Kaufmann von I32ten Infanterie-Regiment, M. Vidal vom 6ten Husaren- Regiment, Bernard vom 9ten Jäger-Regiment sind zu Capitänen befördert worden. Ferner sind bei der Artillerie Escadronchef Mayer Samuel zum Oberstlieutenant, Lieutenant Weill zum Capitän und Lieutenant Bacharach zum Premierlieutenant befördert worden. Unter den übrigen Auszeichnungen sei noch erwähnt daß Ernest Levy und Capitän Henry Marix Medaillen für Lebensrettung erhalten haben. Algier. Hier ist seit langem eingesührt, daß bei Gelegenheit des Nationalfestes am 14. Juli die oberste Schulbehörde die besten Schüler jeder Anstalt durch Geschenk eines Sparkassenbuches auszeichnet. Die Antisemiten, die jetzt auch in der Schulbehörde das größte Wort führen, wollen aber den jüdischen Schülern diese Auszeichnung nicht zu Theil werden lassen und kommen dabei manchmal seltsam in die Lage, wie folgender Fall lehrt. In einer Mädchenschule hatte die Vorsteherin fünf Kinder für diese Auszeichnung genannt, aber bei der Feststellung des Nationale ergab es sich, daß von diesen fünf nicht weniger als drei Jüdinen waren. Daraufhin wandte sich die antisemitische Behörde an die Schulvorsteherin mit dem Gesuch, ihr andere fünf Kinder zu nennen. Die Vorsteherin antwortet darauf, zwar seien die genannten fünf Schülerinnen die des Geschenkes würdigsten Kinder, da die Behörde indeß noch andere Namen zu erhalten wünsche, so nenne sie diejenigen fünf Schülerinenu, die in ihren Leistungen den ersten fünf am nächsten kommen. Die Schulbehörde, sehr erfreut, prüfte die neuen fünf Namen, aber 0 weh! alle diese fünf sind Jüdinnen. Petersburg. Der Minister hat eine den jüdischen Lehrern sehr ungünstige Entscheidung gefällt. Danach genießen dieselben, wenn sie an jüdischen Schulen unterrichten, nicht dieselben Privilegien wie die Lehrer an allen sonstigen öffentlichen Schulen, selbst dann nicht, wenn sie alle ihre vorgeschriebenen Examen gemacht und ihre Studien auf der Universität beendigt haben. Günstiger ist die Entscheidung des Senates, in der Angelegenheit der jüdischen Wohlthätigkeitsvereine. Der Gouverneur von Cherson hcH nämlich vor Kurzem die Gründung eines jüdischen Unterstützungsvereines in Balta verboten, der Senat hat aber dieses Verbot aufgehoben und den Grundsatz ausgesprochen, daß der Gründung von Vereinen zur Unterstützung armer Juden kein Hinderniß in den Weg gelegt werden dürfe. Diese Entscheidung ist deshalb so wichtig, weil ohne diese Vereine, die in jeder nennenswerthen Gemeinde sind. Tausende armer Juden buchstäblich Hungers sterben müßten. Noch eine günstige Nachricht ist zu melden. Nach langer Berathung ist in Saratew die unter dem Vorsitz des Gouverneurs Fürst Motscheßky tagende Commission zu dem Resultat gekommen, daß die Juden nicht aus dem Wolgaterritorium auszuweisen seien, vielmehr die Klage der angeblich benachtheiligten christlichen Kaufleute, ihrer Concurrenten, abgewiesen werden sollte. London. Sanlstag, 7. Juli verstarb nach schwerer Krankheit Lady Simon. An der Seite ihres Gemahls spielte sie in der jüdischen Gemeinde Londons eine große Rolle, und war auch literarisch mit Erfolg thätig. Mit Vorliebe schrieb sie über jüdisch-religiöse Themata und ihr Buch über die Psalmen „Jenseits der ruhigen Gewäffer" bat viel Anerkennung gefunden. Ihre Beerdigung, die am Montag stattfand, versammelte alles was von den Spitzen ider Gemeinde zur Zeit in London anwesend ist. — Am Dienstag verstarb eine andere jüdische Persönlichkeit Mr. Salomon Abraham Green, welcher besonders in Oftende sehr beliebt gewesen ist. Ec war ein intimer Freund von F. D. Mosatto und mit ihm im Vorstand vieler jüdischer Wohlthätigkeitsanstalten zusammen. London. Die jüdischen Zeitungen bringen einen Aufruf für die jüdische Gemeinde in Sevilla. Es haben fich dort eine Anzahl von Juden aus Tanger und anderen marokkanischen Städten niedergelaffen. Es sind circa 30 Familien mit 220 Seelen, welche sich vom Handwerk und Kleinhandel mühsam ernähren. Sie haben weder eine Synagoge noch eine Schule, noch selbst einen Begräbnißplatz. Die Kinder wachsen auf, ohne das Geringste zu lernen. Schon ganz jung werden sie dazu benützt auf den Schiffen mit Süßigkeiten und marrokkanischen Pantoffeln hausiren zu gehen, und sie erlernen dabei freilich einige Sprachen, sie reden etwas arabisch, ein schlechtes Spamiisch, ein noch schlechteres Französisch und ein paar Brocken Engusch und Deutsch. Aber alle übrigen Kenntnissen gehen ihnen vollkommen ab. Allen diesen Uebelständen abzuhelfen, haben die Juden in Sevilla jetzt einen Verein gebildet, der einen Begräbnißplatz kaufen soll, sowie eine kleine Schule und Synagoge einrichten wird. Da ihnen aber die Mittel dazu fehlen, so wenden sie sich um Unterstützung an ihre reicheren Glaubensgenossen in Europa. Johannisburg. Am 28. Juni fand ein neues Massenmeeting der hiesigen Juden statt, das Stadtrath Harry Salomon leitete. Man verlangte allgemein dieselben Rechte, die den anderen Weißen gegeben werden sollten, und protestirte dagegen, daß Transvaal den Weg Rußlands einschlage und religiöse Unduldsamkeit die Ectheilung der Bürgerrechte beeinflußen lasse. Ein Telegramm vom Obercommiffinar Milan wird verlesen, worin er sich verwahrt, daß er je die Absicht gehabt habe, an den Juden im Allgemeinen oder den ruffischen Juden im besonderen Schlechtes zu erweisen oder sie vom Bürgerrechte auszuschließen. Die Deputation der Juden aus dem Randgebiet ist am 30. Juni von Präsident Krüger empfangen worden und hat von ihm die Zusicherung erlangt, daß er für die Ertheilung der Bürgerrechte an die russischen Juden unter denselben Bedingungen, wie an die Christen, im Volksraad stimmen werde und dies hoffentlich erreichen könne. Dies ist zur Zeit Alles, was die Juden beanspruchen können. Pretoria. Präsident Krüger empfing abermals eine jüdische Deputation, die ihn bat, den jüdischen Einwohnern von