Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 30 (28.7.1899)
- Date
- 1899-07-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 560 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 30 Dr. Löwy mit bewegter Stimme seinen tiefgefühlten Dank für das ihm stets entgegengebrachte Wohlwollen aus. Prag, 25. Juli. (Der Mord in Polna.) Wie verlautet, wird die Verhandlung gegen Leopold H ü l s n e r wegen des Mordes in Polna beim Kreisgerichte Kuttenberg am 11. September um 9 Uhr Vormittags beginnen. Den Vorsitz wird Kreisgerichts ^Präsident Hofrath I e z e k führen, die Anklage wird Ober-Landesgerichtsrath Staatsanwalt Dr. Schneider- S w o b o d a vertreten, als Vertheidiger des Angeklagten wird der Advocat in Kuttenberg, Dr. Zdenko Auschednizek, fungiren. Die Vertretung der Mutter der ermordeten H r u z a hat der radical-jungczechische Abgeordnete Dr. B a x a übernommen. Zur Verhandlung werden 35 Zeugen vorgeladen, außerdem werden 50 Protocolle zur Verlesung gebracht werden. Außer den Gerichtsärzten von Polna werden auch zwei Prager Gerichtsärzte, der Profeffor der gerichtlichen Medicin an der czechischen Universität Dr. Reinsberg und der Docent dieses Faches an derselben Universität Dr. S l a w i k vernommen werden. Es ist jedoch noch nicht entschieden, ob nicht das Prager Landesgericht für die Durchführung dieses Protestes wird delegirt werden, da seitens des Vertheidigers diesbezügliche Schritte unternommen worden sind. Przemysl, 24. Juli. Eine Deputation der hiesigen Cultusgemeinde-Repräsentanz bestehend aus den Cilltuspräses Herrn Ch. Wolf und der Repräsentanzmitglieder Herren M. Ganz, M. Scheinbach, S. Münz und L. Laugbank begab sich heute zu dem bisher gewesenen Statthaltereirathe und Leiter der hiesigen Bezirkshauptmannschaft Herrn Josef Laniekiewicz, um denselben zu der vor einigen Tagen erfolgten Allerhöchsten Ernennung zum Hofrathe zu beglückwünschen. Der Herr Hofrath empfieng die Deputation sehr freundlich, nahm ihre Wünsche dankend entgegen, und trotzdem die jüdischen Bürger von dessen Liberalität und guten Gesinnungen überzeugt sind, muß doch die Aeußerung hervorgehoben werden, die derselbe der Deputation unter Anderem offen erklärte, nämlich, „daß er nie zu den Antisemiten gehörte und gehören wird, und so wie bisher auchfernerhin bestrebt sein wird das Interesse der israelitischen Cultusgemeinde zu wahren und für deren Wohl stets einzutreten." Möge solche Gesinnung in den hohen Beamtenkreisen Nachahmung finden. Leitmeritz. Die Neuwahlen der Vertretungs- und Verwaltungsorgane der Cultusgemeinde ergaben folgendes Resultat: Es wurden gewählt: In den Cultusgemeindevorstand: Siegmund Engl, Ignatz Epstein, Sigmund Gutfreund, Joseph Schick, Emanuel Frankl, Philipp Kirschner in Leitmeritz. und David Taußig, Theresienstadt. Als Ersatzmänner: Dr. Sigmund Weil, Rudolph Taußig, Ignatz Löwy in Leitmeritz. Als Vertrauensmänner in den verstärkten Vorstand: Gustav Selikowsky, Dr. Heinrich Töpfer, Bernard Heller, Emanuel Deimel, Emll Kaufmann, Heinrich Pollak in Leitmeritz und Julius Propper in Bauschowitz. Als Caffarevisoren: Julius Teweles und Sigmund Kohn in Leitmeritz. Umlagecommiffion: Friedrich Kussy, Vincenz Pollak, Bernard Epstein, Moritz Ox, Salomon Hauptmann in Leitmeritz und Richard Steindler in Theresienstadt. Proßnitz. (Vom Mährisch-Schlesischen Israelitischen Lehrervereine.) Der seit fast 40 Jahren bestandene Israelitische Lehrer- Verein hat sich aufgelöst, und an seine Stelle ist der Mährisch- SchlesischeJsraelitischeKaiserFranzJosephs- Jubiläums - Stiftungs - Verein getreten. Abgesehen davon, daß früher nur solche Witwen und Waisen Anspruch hatten, deren Gatten und Väter Vereinsmitglieder waren, macht die Schülerstiftung keinen Unterschied, und haben alle Lehrerkinder Anspruch auf Unterstützung. Herr Dr. Eisler der langjährige Bereinspräsident hat abgedankt. An der Spitze des Vereines erscheinen heute: Herr Dr. Eisler, Herr Director Bondi und Herr Oberlehrer Storch, dann ein Ausschuß aus dem Proßnitzer Gemeindevorstand, welche alljährlich zusammen treten und die Vereinsgeschäfte besorgen. Möge der Verein wie bisher nur Gutes stiften und trauernde Herzen erfreuen. Kojetein (Mähren). Am 23. d. M. um 3 Uhr Nachmittag fand unter zahlreicher herzlicher Betheiligung aus dem Orte und der Umgebung in unserem durch Trauerflor und festliche Beleuchtung geschlickten Gotteshause, die Trauerfeier für den am 6. Juli verstorbenen Professor Dr. David Kaufmann statt. Nach dem Minchagebet und den Trauergesängen bestieg Herr Rabbiner Dr. Nathan Steinhart die Kanzel, um den Text (Spr. 6, 23) „Eine Leuchte ist das Gesetz, die Lehre ein Licht, der Weg des Lebens die sittliche Zucht", auf die bedeutenden Eigenschaften und Verdienste des großen Dahingeschiedenen anzuwenden. Den Schluß dieser Formel wie erhältlich gediegenen Rede bildete der wirkungsvolle Appell an die Gemeinde, es möge im Sinne dieses von jüdischer und religiöser Begeisterung durchglühten berühmten Sohnes der Heimat in der Jugend, wieder der geschichtliche Sinn für unsere Vergangenheit durch die Pflege des hebräischen Sprach- und Literaturstudiums belebt werden. — Als Zeichen der innigen Pietät für den Verstorbenen möge erwähnt werden, daß über Gemeindebeschluß die vierwöchentliche Trauerzeit hindurch für ihn im Tempel das Seelenlicht gezündet und das Jahr über das Rabborim Kaddisch gesagt werden wird. — Unter den Verwandten, die dem Leichenbegängnisse am 11. d. in Budapest beiwohnten, sind in Ihrem letztwöchentlichen Berichte aus Budapest nicht erwähnt: Herr Leopold Kaufmann, der Vater des Prof. Kaufmann s. A., ferner die sämmtlichen 3 Schwestern des Letzteren, Frau Dr. Ernestine Oppenheim aus Brünn, Frau Dr. Amalie Rosenthal aus Breslau und Fcau Director Radie König aus Budapest, d. Z. in Pisek. Raab. (Großes Wohlthätigkeitsfest). Unter dem bewährten Protectorat der Gräfin Rudolf Laßberg — der hochherzigen Gemalin des Raaber Com.-Obergespans — wurde von herrlichstem Wetter begünstigt, von den drei hiesigen Frauenvereinen resp. dem Sct. Elisabeth-, dem Wohlthätigkeits- und dem isr. Frauenverein sowohl zur Hebung des bürgerl. geselligen Verkehrs als auch zur Linderung der großen Noth der Armen ohne Unterschied der Confession auf der malerisch gelegenen Insel-Promenade ein gemeinschaftliches Fest arrangirt. Die Vereins-Präsidentinnen beriethen wochenlang über das Arrangement mit und bei der Frau Gräfin, um das Fest glänzend zu gestalten. An der Fete des isr. Fcauenvereines war die Präsidentin Frau Johanna Herzl-Keppich thätig. Es wurden ohne Unterschied der Confession Herren- und Damen-Comites gebildet, deren Aufgabe es war in den Verschleiß-Buden zu fnngiren und beim Arrangement behilflich zu sein. Die von der Donau, Raab und Raabnitz umgebene hübsch gepflegte Promenade, mit dem Theater in der Mitte, der Bierhalle gegen Süden und dem Kiosk in Norden, prangte in Festschmucke. In allen Ecken und Enden waren Bogenlampen und unzählige Lampions angebracht. Das Fest währte von 3 Uhr Nachmittags bis Mitternacht. Für die Unterhaltung des überaus zahlreich erschienenen Publicums sorgte ein reichliches Programm. Eine Militär- und Zigeuner- Kapelle executirte abwechselnd ihre brillantesten Piecen, mitunter producirte der Gesangsverein seine herrlichsten Arien. Auch das Theater hatte viel Publicum. Gelungen war das malerische Bycicle-Corso und die wundervolle Regatta-Serenande auf den 3 Flüssen. Confetti und Serpentinen begegneten dem Auge auf Weg und Steg. Unzählige fanden Unterhaltung an der Wahrsagerei, dem Ringelspiel, der Schnellphotographie, Phonographie, Feldpost, dem Telephon, den Ansichtskarten rc. Das in prachtvollsten Farben sprühende Feuerwerk währte bis Mitternacht und trug wesentlich zur Hebung des Animo bei. Durch dieses Verbrüderungsfest wurde allerseits der günstigste, moralische und materielle Erfolg erzielt. Der großen Verdienste der edelmüthigen Frau Gräfin eingedenk, wurde über Antrag der Fcau Präsidentin Johanna Herzl-Keppich» in einer Ausschußsitzung der Beschluß gefaßt, diese liebenswürdige Protectrice zum Ehrenmitgliede des israel. Frauenvereins zu wählen. In Begleitung einiger ehrenden Worte überreichte nun dieser Tage die Frau Präsidentin an der Spitze einer Damen-Deputation der Frau Gräfin das diesbezügliche prachtvoll ausgestattete Ehrendiplom, von welchem diese edelherzige Dame aufs Freudigste überrascht, nicht genug Worte des Dankes fand. Ihr anwesender Genial Herr Graf sprach sich ebenfalls sehr lobend über diese ehrende Ueberraschung aus. Görlitz. (Geburtstagsfeier.) Am 19. Juli feierte der allseitig beliebte und hochverehrte Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Dr. F r e u n d, seiner 70. Geburtstag. Geistig und körperlich völlig rüstig, kann der Jubilar auf eine 43jährige Amtstätigkeit in der hiesigen Gemeinde zurückblicken. Während dieser langen, segensreichen Zeit war er nicht nur seiner Gemeinde ein treuer Seelsorger, seinen Glaubensgenossen ein wahrer Freund in Leid und Freud, er hat sich auch im öffentlichen Leben Verdienste und Anerkennung erworben. Dr. Freund ist langjähriger Schriftführer und Vorsitzender des