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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-28 · 30 (28.7.1899) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
30 (28.7.1899)
Date
1899-07-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 30 Seite 559 Br. Bloch's Wochenschrift. filiale, welche krampfhafte Anstrengungen macht, um die verlorenen Juden wieder zn gewinnen, erreicht haben, fühlt sich die mit der Bankfiliale solidarische „liberale" czechische Partei Jglaus und Umgebung getroffen und befleißt sich nicht nur im czechisch-n Blätterwalde einer sanfter gestimmten Tonart gegen die Juden, ja, sie suchte sich an die Juden anzudrängen; infolge dieser Verhältnisse schweigen auch vorläufig alle Flöten über die Polnaer Affaire, welche früher nicht genug breit getreten werden konnte. Uebrigens, liebe Glaubensgenossen, legen wir die Hand auf's Herz und fragen wir uns: Sind wir nicht oft selbst Schuld daran, wenn wir von Leuten gehöhnt werden, welche von uns materielle Bortheile beziehen, denen wir sogar ihre Existenz verschaffen? Ist es denn wirklich nothwendig, daß wir mit einem Geldinstitute verkehren, welches keinen jüdischen Beamten, keinen jüdischen Praktikanten aufnimmt? Ja freilich, in Wien hat die Zivnostenska Banka die judenfreundliche Maske vor's Gesicht gezogen, indem sie Herrn Beutel vom „Mercur" als Leiter ihrer dortigen Filiale anstellte — sonst wäre die Filiale ein todtgeborenes Kind geblieben — aber in der Prager Centrale, sowie in den zahlreichen Filialen werden die Israeliten keinesivegs als Angestellte, als Kunden jedoch sehr gern gesehen. Und ein solches Institut hat, wie man hört, 50 Procent jüdischer Clientel sowohl im Bankals auch im Waarengeschäfte! Hoffentlich nur bis hieher! Brünn. Der Verein der zionistischen Handlungsgehilfen „Einunah" in Brünn veranstaltet am 6. und 7. August a. c. in Brünn einen jüdischen Handlungsgehilfentag und läßt biemit an sämmtliche Organisationen jüdischer Handlungsgehilfen die Forderung ergehen, denselben nach Kräften zn beschicken. Der Parteitag, dessen Zustandekommen in unser aller Interesse gelegen ist, soll uns zum ersten Male Gelegenheit bieten einen Ueberblick über unsere Lage zu gewinnen und nach gemeinsamer Berathung und Discussion darüber schlüssig zu werden, welche Schritte wir zur Förderung unsere nationalen und wirthschastlicheu Interessen zu unternehmen haben. Die jüdischen Handlungsangestellten bilden in ihrer Gesammtheit einen integrirenden VZtandtheil des jüdischen Volkes, und cs erwächst ihnen daraus die Pflicht jederzeit und mit allen Kräften für das Wohlergehen des jüdischen Volkes einzutreten. Bisher sind sie in keiner Weise dieser Verpflichtung nachgekommen. Entweder sie gefallen sich in völliger nationalen Unthätigkeit und blicken mit empörender Gleichgiltigkeit über die Leiden unserer Stammesangehörigen hinweg, oder aber sie folgen dem Beispiele des corruptesten Theiles unserer Bourgeoisie, indem sie in den Lagern fremder Nationen ihrHeil suchen, ihre Abkunft verleugnen, Tcmüthignngen jeder Art über sich ergehen lassen, und sich so einen Platz in der Ge- . sellschaft erkriechen wollen. Nicht allein, daß sie einen Verrath an ihrem Volke begehen, schädigen sie dadurch auch unser Ansehen. Trotz der großen Bedeutung, welchen unser Stand für das gesummte Wirthschaftsleben besitzt, begegnet man überall dem jüdischen Handlungsgehilfen mit Geringschätzung, und dieser Umstand verdankt nicht in letzter Linie seine Entstehung der schändlichen politischen Nolle, welche viele unseren College» spielen. An uns den organisirten jüdischen Handelsangestellten ist cs daher gelegen, diesem Unfug ein Ende zn bereiten, der Oeffentlichkeit zn zeigen, daß wir stolz sind dem Volk der Inden anzugehören, daß uns das Schicksal unseres Volkes am Herzen liegt, daß wir mitthun wollen, wenn es gilt ihm seine verlorene Freiheit zurückzuerobern. Wenn wir uns dadurch auch nicht die Liebe der Mitwelt erwerben werden, so werden wir doch ihre Achtung erztvingen. Aber außer dieser Aufgabe, hat der Parteitag noch eine nicht minder wichtige zu erfüllen. Ein großer Theil seines Programmes soll unserer wirthschaftlichen Lage gewidmet sein. Daß die materiellen Verhältnisse in denen wir leben, die denkbar schlechtesten sind, daß die Kräfte unserer Standesangehörigen oft in unverschämtester Weise ausgebeutet werden, dessen sind ivir uns schon längst bewußt. Aber Abhilfe konnten wir bisher nicht schaffen. Bei uns wird viel geklagt und gejammert, aber zu einer entscheidenden That hat sich noch Niemand aufgerafft. In dem Anschluß an unsere arischen College«, glauben wir das geeignete Mittel gefunden zu haben. Was hat uns das aber eingetragen? Nur die bittere Erfahrung, daß den Juden gegenüber die schönste Solidarität in Brüche geht. Wenn uns geholfen werden soll, dann müssen wir selbst dazu schauen, und wenn wir uns nicht zur Selbsthilfe ermannen können, dann verdienen wir kein besseres Los. Deshalb jüdische Handelsangestellte rufen wir Euch zu: Organisirt Euch auf nationaler Basis!" und richten an Euch noch einmal die Forderung: Seid eingedenk dessen, was Ihr in Eurem und im Interesse Eurer Genossen zu thnn verpflichtet seid. Agitiret aller Orten für die Betheilignng in unserem Parteitag' erscheinet so zahlreich wie nur möglich. Nachfolgend geben wir das Programm bekannt; 1. a) Begrüßung, >»> Wahl des Bureaus, c) Verlesung der Einläufe. 2. a) Die Lage der jüdischen Handlungsgehilfen, b> Stellungnahme zn wirthschaftlichen Fragen, o) Stellung im Zionismus. 3. Organisation. 4. Parteipresse. 5. Stellenvermittlung. 6. Eventuelles. D e r A n s s ch » ß. Anmeldungen sind an den Verein „Emunah" Brünn zu richten. Gesinnnngsfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Tarnow. Vom Vereine für Colonisation Palästinas „Ahawath-Zion" in Tarnow erhalten wir nachstehende Zuschrift: „Wir ersuchen hiemit höflichst alle diejenigen Spender, die infolge unseres in der Nr. 21 der Zeitschrift „Die Welt" in Wien veröffentlichten Aufrufes Geldbeträge zum Zwecke der Uebersiedlnng Boryslawer jüdischer Bergarbeiter nach Palästina der soeben genannten Zeitschrift übermittelt haben, — uns davon gütigst verständigen zu wollen. Zu dieser Aufforderung veranlaßt uns die Zuschrift vom 12. Juli l. I., die wir von unserem Gesinnungsgenossen Herrn A. G. in D. erhalten haben und deren Inhalt lautet: „Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! In der vergangenen Woche habe ich der Redaction der „Welt" Mk. 25.70 als Resultat einer von mir vorgenommenen Collekte zu Gunsten der Borysla ver Bergarbeiter übersandt. Da in Ihrem Aufrufe in Nr. 21 der „Welt" vermerkt war, daß man bei Einsendung von Spenden au jüdische Blätter ausdrücklich hinzufügen soll: Für den Verein „Ahawat H-Z i o n" in T a r n o w, so habe ich auch demgemäß gethan. Ich bekam aber von der Administration der „Welt" diese Tage eine Karte, in der sie anfragt, ob ich damit einverstanden sei, daß die übersandte Spende, gleich allen an die Adniinistration zugegangenen, 'an den Boryslawer Obmann der Israel. Allianz abgeliefert werde. Obzwar ich der besagten Administration voll und ganz hinsichtlich der Abführung der Gelder an den richtigen Mann vertraue, so muß ich doch mit Rücksicht auf die Spender, die infolge des Aufrufes Ihres Vereines, dem man das Geld überweisen sollte, gespendet haben, bei Ihnen anfragen, ob diese Aenderung in der Abführung der Gelder m i t I h r e m E i n v e r st ä n d n i ß geschehen ist. Ich bitte höflichst um gefällige Rückäußerung und - zeichne Mit achtungsvollem Zionsgruß!" Da es den geehrten Spendern sicher nicht gleichgiltig ist, ob ihre Gaben durch den Boryslawer Obmann der Alliance israel. Herrn Korn Haber unter die Arbeiter als Almosen vertheilt, oder aber durch unseren Verein productiv und mit gleichzeitiger Förderung der Interessen der Colonisation Palästinas verwendet werden — mögen Sie uns recht bald über das Gewünschte in Kenntniß setzen. Tarnow, am 20. Juli 1899. Für das Executiv-Comitä des Vereines für Colonisation Palästinas „Ahawath Zion" Leib Spitz, Vicepräfes. S. M. Spira, Secretär. Prag. Die Cultusgemeinde D o b r i s ch hat dem Oberlehrer Herrn Dr. L ö w y, welcher durch 25 Jahre die deutsche israel. Privatvolksschule in hingebungsvoller Weise geleitet hat, jetzt aber einen Ruf als Rabbiner nach Königs wart angenommen hat, ein solennes und herzliches Abschiedfest veranstaltet. In den prächtig geschmückten Schulräumen brachte die Schülerin Elsa Rubin den Dank für das Wirken des Scheidenden zum Wohle der Schule und Gemeinde zum Ausdruck. Im weiteren Verlaufe des Festes schilderten die Herren Rabbiner Dv. Link und Cultusvorsteher Julius Lewinsky die Verdienste des Scheidenden und versicherten denselben des steten dankbaren Angedenkens der Gemeinde. Nachdem noch die Schülerin Erna Bondy im Namen der Zöglinge mit ergreifenden Worten für seine treffliche Erziehung gedankt und zum Andenken eine prachtvolle Silbercassette überreicht hatte, sprach Herr

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