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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-28 · 30 (28.7.1899) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
30 (28.7.1899)
Date
1899-07-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 558 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 30 barkeit gegen den allmächtigen Lenker aller Geschicke auf eine Regierung, welche durch die Majestät des Volkes eingesetzt ist, eine Regierung, welche die Bigotterie nicht unterstützt und der Verfolgung ihren Beistand versagt, sondern großmüthig Allen Gewissensfreiheit und gleiche bürgerliche Rechte gewährt, Jeden, welcher Nation er auch angehöre, welche Sprache er auch sprechen möge, für einen gleichen Theil der großen Regierungsmaschine haltend. Diese so große und ausgedehnte, verbündete Union, deren Grundlagen Menschenfreundlichkeit, gegenseitiges Vertrauen und bürgerliche Tugenden sind, wir können sie nur für ein Werk des großen Gottes halten, welcher die Heerschaaren des Himmels regiert und unter den Bewohnern der Erde das thut, was ihm gut scheint. Für alle die Segnungen der bürgerlichen und religiösen Freiheiten, deren wir uns unter einer gleichgütigen Verwaltung zu erfreuen haben, möchten wir dem ewigen, großen Erhalter der Menschheit danken und ihn bitten, daß der Engel, welcher unsere Vorfahren durch die Wüste in das verheißene Land führte, auch Sie durch alle Beschwerden und Gefahren dieses irdischen Lebens führen möge; und wenn, wie Josua, reich an Tagen und reich an Ehren, Sie zu Ihren Vätern eingehen werden, mögen Sie Einlaß finden in das himmlische Paradies, um die Wonnen des ewigen Lebens zu schöpfen und unter dem Baume der Unsterblichkeit zu ruhen." Auf diese Gratulation der Juden von Newport, erwiderte Washington: „Während ich mit großer Befriedigung Ihre mit Ausdrücken der Hochachtung angefüllte Adresse gelesen habe, nehme ich mit Freuden die Gelegenheit wahr, Sie zu versichern, daß ich das herzliche Willkommen, mit welchem mir bei meinem Besuche in Newport alle Elasten der Bevölkerung entgegenkamen, stets in dankbarer Erinnerung behalten werde. Der Gedanke an die Tage der Noch und der Gefahr, welche hinter mir liegen, wird mir um so mehr versüßt durch das Bewustsein, daß ihnen Tage eines außergewöhnlichen Glückes und einer seltenen Sicherheit gefolgt sind. Wenn nur die Weisheit besitzen, den besten Gebrauch von den Vortheilen zu machen, von denen wir jetzt begünstigt werden, können wir nicht verfehlen, unter der gerechten Verwaltung einer gütigen Regierung ein großes und glückliches Volk zu toerden. Die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika dürfen sich gratuliren, der Menschheit das Beispiel einer erweiterten, liberalen und nachahmenswerthen Politik gegeben zu haben. Alle besitzen die gleiche Gewissensfreiheit und die gleichen bürgerlichen Vorrechte. Nicht länger spricht man von der religiösen Duldung, als wäre es blos durch die Nachsicht einer Menschenclaffe, daß die andere sich des Bestehens ihrer angeborenen, natürlichen Rechte zu erfreuen hätte, denn glücklicherweise unterstützt die Regierung der Vereinigten Staaten die Bigotterie in keiner Hinsicht und versagt der Verfolgung ihren Beistand, sie fordert nur von denjenigen, welche unter ihrem Schutze leben, daß sie sich als gute Bürger zeigen, indem sie sie bei jeder Gelegenheit wirksam unterstützen. Es würde mit der Offenheit meines Charakters nicht übereinstimmen, wenn ich nicht zugestehen wollte, daß ich mich über Ihre günstige Meinung von meiner Verwaltung und die inbrünstigen Wünsche für mein Glück freue. Mögen die Kinder von Stamme Abrahams, welche in diesem Lande wohnen, auch ferner sich die Zuneigung der übrigen Einwohner zu erfreuen haben und dieselbe verdienen, während Jeder in Sicherheit unter seinem eigenen Weinstocke und Feigenbäume sitzen und keiner sie in ihrer Ruhe beeinträchtigen soll. Möge der Vater aller Gnade, Licht und nicht Dunkelheit über unfern Pfad breiten, und möchten wir alle in unfern verschiedenen Berufszweigen uns hienieden nützlich machen und möge er uns zur rechten Zeit und auf seine Weise ewig beglücken!" Correspondenzen. Wien. (Die israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien.) Der VI. Jahresbericht der Israelitischtheologischen Lehranstalt für das Schuljahr 1898/99 bringt eine Studie des Professor Dr. Adolf B ü ch l e r über „die Tobiaden und die Oniaden". Dem Berichte des Euratoriums ist zu entnehmen, daß an Stelle des Herrn Sigm. T r e b i t s ch, Herr Landesschulrath Dr. Gust. Kohn in das Euratorium berufen wurde, gewiß eine ausgezeichnete Wahl, der es in Gemeinschaft mit der fachmännischeu Unterstützung der beiden Delegirten des Eultusvorstandes, Director D. Simon und Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer zu danken ist, daß die Frage der Errichtung eines speciellen Curses zur Heranbildung von Religionslehrern im Einvernehmen mit dem Vorstand der israel. Cultusgemeinde neue Formen gewann und nach Erledigung der nöthigen Vorarbeiten in dem am 25. April d. I. einstimmig gefaßten Beschlüsse, diesen neuen Eurs schon im October d. I. ins Leben treten zu lassen, zum Ausdrucke kam. Der Bericht des Rectors verzeichnet die erfreuliche Thatsache, daß die israelitisch-theologische Lehranstalt, was sie 5 Jahre hindurch vergeblich angestrebt, indem nun zur Neige gehenden 6. Jahre ihres Bestandes — wenn auch noch immer nicht in vollkommener Weise — endlich erreicht hat: Eine Stätte, an welcher Lehrer und Hörer zu gemeinschaftlichem Gottesdienste sich zusammenfinden und die reiferen Jünger vor einem größeren Kreise gottesdienstliche Vorträge halten können. Der Vorstand der israel. Eullusgemeinde hat für den Gottesdienst am Freitag Abend und Sabbath Vormittag den kleinen Tempel in der Leopoldstadt überlassen. Die diesjährigen Rabbinerprüfungen haben am 19., 20., 21., 23. und 24. April öffentlich stattgefunden. Vom Euratoriunl waren an den einzelnen Tagen anwesend: Der Präsident, Herr Moritz K a r p e l e s, Herr David Ritter von G u t m a n n, Herr Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Herr Hof- und Gerichts- Advokat Dr. Adolf Stein; vom Vorstände der israel. Cnltusgemeinde in Wien: Herr Docent Dr. Grünfeld und Herr Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer; vom Rabbinate: Herr- Rabbiner Josef Brei er; in seiner doppelten Eigenschaft als Rabbiner und Curator wohnte Herr Rabdiner Dr. Schmied! den Prüfungen bei. Sämmtliche Candidaten haben die Prüfung bestanden. Es sind dies die Herren: Dr. Armin Abel esz ans Oedenburg in Ungarn, Dr. I. M. Bach aus Wien, Dr. Juda Bergmann aus Brzezan in Galizien, Dr. Juda L. Landau aus Zalvsce in Galizien und Dr. Moriz Emil Proßnitz aus Wien. Herr Dr. Bergmann wurde von der Gemeinde Loschitz in Mähren, die Herren Dr. Bach und Dr. Proßnitz wurden noch vor ihrem Examen, dieser von der Gemeinde Mährisch-Aussee, jener von der Gemeinde Wien- Ottakring zum Rabbiner gewählt. Von den Candidaten des vorigen Jahres folgte Herr Dr. Osias Frost als Rabbiner einem Rufe der Gemeinde Andrychau in Galizien, Herr Dr. S. G u t m a n n einem Rufe der Gemeinde Lemberg als Seelsorger für die dortigen Strafanstalten. Am 10. Juli 1898 legten nach vierjährigem Cursus die Herren Jacob A s ch k e n a s y aus Ottynia, Jacob P o m e r a n z aus Boryslaw, Benjamin S i l b e r s ch ü tz aus Choznia ihre Prüfung als Religionslehrer für Volks- und Bürgerschulen ab. Alle drei Candidaten wurden approbirt und haben gleich zu Beginn des Schuljahres 1898/99 ihre Lehrthätigkeit begonnen, und zwar Herr Aschkenasy in Burstyn, Herr Po me ranz in Kossow, Herr Silber schütz in Zalosc. Am Ende dieses Schuljahres werden zwei Candidaten als Religionslehrer entlassen. Zu Anfang des Wintersemesters haben die Herren stud. phil. Siegfried Bret, stud. Phil. Berl Hausner, stud. Phil. Wilhelm Krakauer und stud. Phil. David Rudorf er ihr Tentamen abgelegt. Zn den zwei Terminen des laufenden Jahres haben sich je zwei Hörer zum Tentamen gemeldet. Jglau. Mit Bezug auf die in Ihrer letzten Nummer gebrachte Notiz, das Vorgehen des Dirigenten der hiesigen Filiale der yÄvuosteuska Banka pro Cecliy a Moravu“ betreffend, beehre ich mich mitzutheilen, daß die Direction der Bank in Prag die weitere Verbreitung der fraglichen Ansichtskarten untersagt hat, allerdings, nachdem dieselben wochenlang circulirt hatten und in vielen tausenden Exemplaren in Polna, Deutschbrod, Kuttenberg, Prag rc., woselbst der Herr Dirigent eine bekannte Persönlichkeit ist, abgesetzt worden waren In rühmenswerther Weise jedoch haben hiesige hervorragende jüdische Firmen dadurch gegen das Vorgehen des Dirigenten protestirt, daß sie die geschäftlichen Verbindungen mit der Ävnostenska Banka, selbst mit größeren Verlusten, lösten. Diese Einmüthigkeit in der Abwehr der das. jüdische Gefühl verletzender Handlungen kann allen Glaubensgenossen nur wärmstens zur Nachahmung empfohlen werden; nicht nur, daß unser Vorgehen allgemeine Billigung fiildet und wir ob unserer Solidarität einen größeren Respect seitens gewisser Kreise und insbesondere der Leitung der Bank-

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