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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-28 · 30 (28.7.1899) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
30 (28.7.1899)
Date
1899-07-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Blorft's Wochenschrift» Seite 557 des einstigen Tübinger Theologen Kantzsch hat die philosophische Faculität der Universität Halle soeben der Fron Agnes Smith Lewis Cambridge alle Rechte eines Dorlars der Philosophie und Meisters der freien Künste honoris causa verliehen. Zur Begründung ist gesagt, daß sie unter allen Frauen nicht blos ihrer Heimat, sondern der ganzen Welt durch Gelehrsamkeit und streng wissenschaftliches Interesse hervorrage. Ein für alle Zeiten bleibendes Denkmal ihrer Verdienste sei die Auffindung und Herausgabe des syrischen Evangelienpalimpsets vom Sinai und die in Gemeinschaft mit ihrer Schwester Margaret Donlop Gibson besorgte Veröffentlichung eines anderen dort entdeckten syrischen Lectionariums. In der That wird es keine Frau geben, die ihre Mittel und ihre Kenntnisse so in den Dienst der theologischen und orientalischen Wissenschaft gestellt hat, wie Mrs. Lewis. Nicht weniger als viermal hat sie für die genannten Veröffentlichungen die Reise zum Sanai gemacht, und in ihrer Heimat hat sie durch eine großartige Schenkung bewirkt, daß das Predigerseminar ihrer Kirche, der presbyterianischen, von London nach Cambrigde verlegt wurde, damit die jungen Geistlichen dieser Kirche in näherer Fühlung mit der Universitätswissenschaft aufwach sen können. Im October wird in Cambridge das hierzu erbaute Seminar eingeweiht werden. Sie hat auch das erste Blatt derjenigen hebräischen Handschrift nach Europa gebracht, in der das seit Jahrhunderten verschollene hebräische Original des Jesus Sirach erkannt wurde, den man bisher in der Kirche nur in lateinischer, griechischer und syrischer Uebersetzung besaß. Darüber ist allerneuestens in England ein lebhafter Streit entbrannt, indem ein Professor in Oxford die Behauptung aufstellte, alle Gelehrten seien hereingefallen, die biblische Wissenschaft habe keinen größeren Schlag erlitten, als durch diesen Fund von Mrs. Lewis. Was man als das hebräische Original des alten Sirach begrüßt habe, sei nichts, als das Machmerk eines arabischen oder persischen Juden aus dem zehnten Jahrhundert. Man sieht, auch all anderen Universitäten stellt man kühne Behauptungen aus; doch sie sind nicht so kühn, wie die neuerdings von Tübingen ausgegangene, der ganze Hebräerbrief sei eine Fälschung des IV. oder V. Jahrhunderts. Die Decorirung eines deutschen Marine-Arztes mit der Ehrenlegion. Paris, 18. Juli. Der „Figaro bestätigt heute an erster Stelle und unter Beifügung rührender Details, die er an Olt und Stelle in Rone n hat sammeln lassen, die bevorstehende Decorirung eines deutschen Arztes mit der Ehrenlegion. Es handelt sich um den jetzt in Buffalo (Nordamerika) ansässigen, mit einer Amerikanerin verheirateten, aber deutscher Uuterlhan gebliebenen deutschen Reserve - Marine - Ober - Arzt Dr. Max Breuer, der vor acht Jahren als Schiffsarzt der Hamburgamerikanischen Linie aus hoher See bei Sturm mit Gefährdung seines eigenen Lebens auf das Hilfssignal eines Petroleumschiffes (dem sich ein Schiff reglementsmäßig nur bis etwa 900 Meter nähern darf) an dieses in einem Boot heranfuhr und durch die Amputation des schon brandig gewordenen Armes eines jungen französischen Matrosen, der seiner Pflicht am Steuerrade zuin Opfer gefallen war, das Leben rettete, ohne hiefür einen Lohn annehmen zu wollen. Der junge Franzose, Adrien Clement, kam nach einer traurigen Odyssee in seine Vaterstadt Rouen zurück, wo er an dem Ädvocaten Masson einen warmen Rechtsfreund gegen den englischen Eigenthümer jenes Petroleumschlffes, Wildflower, und zugleich einen glänzenden Erzähler seines Geschickes fand. (Er schilderte den Vorfall in einer Novelle, betitelt; „La Jambe coupee“.) Masson gelang es jetzt nach unermüdlichen Anstrengungen auch, die Ehrenlegion für Dr. Breuer beim Minister Delcassö zu erwirken, nachdem alle Vorgänger desselben aus Furcht, der Sympathie mit Deutschland beschuldigt zu werden, es abgelehnt hatten. Man fragte vor Kurzem, wie üblich, bei Dr. Breuer an, ob er die Auszeichnung annehmeu wolle. „Keine wird mich höher ehren," antwortete er, „und ich komme mir sie in Paris holen, wenn man will." Pestalozzi über die Inden. Der „Selbstschau" Heinrich Zschokke's entnimmt das in Breslau erscheinende Blatt „Lehrerheim" folgenden aus Stanz am 7. April 1799 datirten Brief des großen Jngenderziehers Pestalozzi: „Mit allen Kräftenmeines Geistes und meines Herzens arbeite ich seit zwei Jahren dahin, in allen elternlosen Kindern eine sittliche Gemüthstimmung zu erwecken und zu beleben. Ich suche die Kinder bei der ersten Entwicklung ihrer Kräfte zu Geschwistern zu machen und mein Haus in den einfachen Geist einer großen Haushaltung zusammenzuschmelzen! Hierbei bring ich es fertig über die Verschiedenheit der Reliqion still zu sein. I ch w i l l den wenigen jüdischen Knaben, den herzlich armenWaisen, fürdenGlaubenihrer Eltern Liebe einflößen und durch Befriedigung ihrer täglichen Bedürfnisse, durch Angewöhnung wohlthuender Fertigkeiten ihre Herzen geneigt und empfänglich für die That der Liebe und die Kraft der Sittlichkeit machen. Das ist zunächst die Hauptreligion! Ach, neulich fiel mir ein kleiner Judenknabe, der in Krakau geboren und die Eltern verloren, um den Hals und rief: Lieber Vater! — Nein, mein Heinrich, wenn Du so unedel sein kannst und das Verlangen stellst, ich solle die armen Waisen zum Christenthume zwingen, dann fehlt Dir die nöthige Einsicht! In Glanbenssachen muß weder Zwang noch Gewalt herrschen? Seit Jahrhunderten lehrt man das Christenthum. Welche Gegensätze bringt es, sobald es sich um Juden handelt, zur Geltung. Es sinkt herab zur Niedrigkeit, zur Schmach, verlier tdieHoheit, dieReinheit, dieStärke der Näch st en liebe, wenn es sich nicht von der Jud enf eind f ch aft abw e nd en kann. G l au b e nsf e i u d s ch a f t entsittlicht und verwildert. Mein einziges Ziel ist: die wahre volle Menschenliebe bethätigen. Willst Du mir hierbei helfen, so stelle keine Bedingungen — und beseitige das schlechteste der Gefühle — die Judenfeindschaft. Heinrich, sanfter, edler Freund, gehorsame! Ich bin Dein treuer und ergebener P e st a l o z z i." Washington und die Juden. Als die jüdische Gemeinde von S a v a n n a h (U. St.) vor 100 Jahren an George Washington ein Glückwunschschreiben zu feiner Einsetzung als Präsident gesandt hatte, erhielt sie die folgende Erwiederung: „Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre Glückwünsche zu meiner Ernennung zu dem Amte, welches ich die Ehre habe, durch die einstimmige Wahl meiner Mitbürger zu bekleiden, und besonders danke ich Ihnen für den Ausdruck des Vertrauens, welchen Ihre Gemeinde mir kund zu thun, sich bewogen fühlte. ... Ich freue mich, daß der Geist der Freiheit und Menschenfreundlichkeit jetzt weit mehr unter den aufgeklärten Völkern der Erde vorherrschend ist, als früher, und daß Ihre Mitbrüder, da derselbe sich hoffentlich immer mehr verbreiten wird, ihren Theil an seinen Wohlthaten genießen werden. Glücklicherweise haben die Völker der Vereinigten Stauten von Amerika bei vielen Gelegenheiten nachahmenswerthe Beispiele gegeben, deren heilsamer Einfluß, ohne Zweifel, sich weithin erstrecken wird, wenn sie, dankbar jene Segnungen des Friedens genießend, welche, so Gott es will, durch ihre Tapferkeit im Kriege erlangt werden sollen, — sich mit Ehrerbietigkeit gegen die Gottheit benehmen und mit Milde gegen ihre Mitmenschen. Mögen dieselben Wunder wirkende Gottheit, welche ehemals die Hebräer von ihren egyptifchen Drängern befreit, und hin in das verheißene Land verpflanzte, deren gütige Vorsehung erst jüngst wieder deutlich sichtbar ward, indem sie diese Bereinigten Staaten zu einem unabhängigen Volke stempelte, — auch ferner sie mit dem Thau des Himmels befeuchten und die Einwohner jedes Himmelstriches an den irdischen und ewigen Segnungen des Volkes theilnehmen lassen, dessen Gott Jehova ist." Die Juden von Newport richteten folgenden Brief au Washington, unterzeichnet von Moses Seixas, welcher damals Cassierer der Bank war: „Mein Herr! Gestatten Sie den Kindern von Stamme Abraham's, sich Ihnen mit der herzlichsten Zuneigung und Hochachtung für Ihre Person und Ihre Verdienste zu nähern, und vereint mit unfern Mitbürgern, Sie in Newport zu begrüßen. Mit Dankbarkeit gedenken wir jener Tage des Leids und der Gefahr, da der Gott Israels, welcher David von dem Tode des Schwertes befreite, Ihr Haupt in der Schlacht beschützte. Wir freuen uns des Gedankens, daß derselbe Geist, welcher in dem Busen des vielgeliebten Daniel wohnte, ihm die Kraft verleihend über die Provinzen des Babylonischen Reiches zu herrschen, auch auf Ihnen ruht und stets ruhen möge, Sie befähigend, sich der schweren Pflichten eines obersten Magistrats dieser Staaten zu entledigen. Beraubt, wie wir es bis jetzt gewesen sind, der unschätzbaren Rechte freier Bürger, blicken wir heute mit tiefer Dank-

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