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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-07-28 · 30 (28.7.1899) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
30 (28.7.1899)
Date
1899-07-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Bloch's Wochenschrifk. Seite 553 Noch einmal die verdächtigen Geschenke. Wir geben unseren Lesern im Folgenden von einem auf Artikel dieses Blattes bezüglichen Briefwechsel zwischen unserem Berliner Correspondenten und Herrn Louis Sachs, Vorsitzenden der Repräsentanten-Bersammlung und Vorstand des Berliner jüdischen Krankenhauses, Kenntniß: Am Bord des Schnelldampfers „Auguste Victoria" z. Z. Tromsoe, den 15. Juli 1899. Sehr geehrter Herr! Wenn ich unter den 70. Grad nördlicher Breite vom hohen Norden und weit entfernt von der Stätte meines Wirkungskreises, welcher mich mit Ihnen des öfteren in angenehme Beziehung bringt, an Sie diese Zeilen richte, so wollen Sie daraus ersehen, daß die Angelegenheit, die ich gern richtig stellen möchte, mir sehr am Herzen liegt, wie, — das brauche ich auch Ihnen nicht besonders zu versichern — das Interesse für unsere Gemeindeangelegenheiten und das Judenthum überhaupt. In der Nummer 27 Ihres geschätzten Blattes ergehen Sie sich im Anschluß an einen Aufsatz über die von den Erben Ludwig Bamberger's gemachte Stiftung über eine dem Krankenhause der jüdischen Gemeinde Berlin gemachte Zuwendung eines Mitgliedes des Vorstandes dieser Anstalt in recht abfälligen Betrachtungen, welche nur zu verstehen sind, wenn ich annehme, daß Sie unrichtig informirt sind. Sie haben vollständig recht, wenn Sie sagen, daß das jüdische Krankenhaus in erster Reihe für solche Kranke, die die religiösen Satzungen in Speise und Trank befolgen wollen, seine Existenzberechtigung hat, deshalb andere Personen in zweiter Reihe stehen; aber noch niemals ist 'einem solchen Patienten die Aufnahme verweigert worden, wenn sie als nothwendig bezeichnet war. Daß die Verwaltung aber auch Nichljuden in dringenden Fällen nicht zurückweisen kann und darf, ist selbstverständlich, und wenn Sie auch die Zahl von 38 Nichtjuden unrichtig wiedergegeben haben, die Zahl hält sich unter 20, so gestehen Sie selbst zu, daß das Krankenhaus nicht confessionell engherzig sein darf und damit nichts Uebriges thun. Die nichtjüdischen Kranken im jüdischen Krankenhause bestehen ans: 1. Angestellten der Anstalt selbst, bei deren großer Zahl stets ein oder mehrere Krankheitsfälle vorliegen; 2. aus christlichen Dienstboten und Angehörigen unserer Gemeindemitglieder, welche Werth darauf legen, ihre Schutzbefohleney im jüdischen Kcankenhause verpflegt zu wissen, endlich 3. aus solchen Patienten, welche in einem Zustande der Anstalt zugeführt werden, daß eine Abweisung eine Gefahr für das Leben des Betreffenden mit sich führen kann, respective wo ein sofortiger Eingriff eventuell das Leben noch erhalten kann. Daß in den confessionellen anderen Krankenhäusern unserer Stadt viele Hunderte Juden ohne Weiteres ausgenommen werden, brauche ich wohl nicht besonders zu betonen. Nun ist der übliche Verpflegungssatz für einen Kranken auf 2 Mark pro Tag festgestellt, während die Selbstkosten der Anstalten zwischen 3 und 4 Mark schwanken, im jüdischen Krankenhaus etwa 3 Mark 50 Pfennig betragen, wodurch den Anstalten selbstverständlich ein Verlust erwächst, welcher bei dem Kcankenhause der jüdischen Gemeinde schließlich der Gemeindesäckel, also die Steuerzahler unserer Gemeinde entrichten, da die Gemeindecaffe dem Krankenhanse einen erheblichen Zuschuß bewilligt. Daß hierüber oft abfällig geurtheilt wird, ist Thatsache, und ich kann es Ihnen versichern. Nicht weil ich mit der Fassung der Zuschrift einverstanden war, welche der Geschenkgeber beliebt hat, aber um Sie in dessen Gedankenkreis zu versetzen, habe ich diese etwas lange Vorrede geschrieben, die ich in meiner Erholungszeit lieber überhaupt gespart hätte. Der Herr College, dessen Gabe der Vorstand des Krankenhauses nicht zurückweisen zu können glaubte, ging von der Meinung aus, daß es möglicherweise richtig ist, wenn gesagt wird, man dürfe Nichtjuden nicht aus Mitteln der Steuerzahler Verpflegung gewähren, und hat deshalb geschrieben, daß die Zinsen der gespendeten 6000 Mark zur Erleichterung der Aufnahme nichtjüdischer Patienten verwendet werden sollen. Sie gehen deshalb von einen irrthümlichen Standpunkte aus, wenn Sie meinen, daß durch die beregte Stiftung etwa ein Nichtjude mehr, oder etwa gar ein Jude weniger ausgenommen werden könnte; durchaus nicht; die Zinsen werden von unserem Rendanten auf Conto „Verpflegungshonorare" alljährlich vereinnahmt, irgend welche sonstige Verrechnung findet nicht statt; und was thut es, lvenn der Geschenkgeber in seinen Gedanken die Revenüen der Stiftung als Entschädigung für die Differenz betrachten will, welche die Aufnahme von Nichtjuden dem Krankenhause verursacht. Nur in diesem Sinne und um einem verdienten College» keine Unbequemlichkeiten zu bereiten, hat mit mir die Mehrheit des Vorstandes die Schenkung angenommen, und ich kann in der That nicht finden, daß hier irgend etwas geschehen ist, was dem jüdischen Geist widerspricht, was gegen jüdische Humanität verstößt, was dem Kcankenhause zur Unehre gereichen könnte. Wenn Sie nun aber schreiben, daß in Folge der Annahme dieser Schenkung die Liberalen, die noch Juden sind, ihren Austritt erklärt haben, so ist mir als Vorsitzenden nichts davon bekannt geworden, und dürften Sie hierin falsch informirt worden sein; aus einem so geringen und nur von gewisser Seite absichtlich entstellten Anlaß wird kaum ein Mitglieo des Vorstandes sein liebgewordenes Amt aufgeben; auch ich^ nicht, geehrter Herr, ebenso wenig dieses Amt als den Vorsitz in der Repräsentanten-Versammlung, den ich so lange mit Eifer weiter zu führen gedenke, bis diejenigen Factoren mich davon entbinden, welche ihn mir anvertraut haben. Wollen Sie diese berichtigenden Bemerkungen in Ihrem Blatte welches, wie Sie sehen, auch bei den Lappländern, deren Lager ich heute noch besuchen werde, von mir gelesen wird, theils aus Neigung, aber, wie ich Ihnen gestehe, auch aus einer gewißen nicht unberechtigten. Vorsicht, aufnehmen, so werden Sie dazu beitragen, den Entstellungen entgegenzutreten, welche leider sonst bestgemeinte Thaten als ein Uebel erscheinen lassen. Mit bestem Gruß Ihr sehr ergebener Louis Sachs. Berlin, den 24. Juli. Sehr geehrter Herr Louis Sachs! Ihre gefl. Mittheilung aus Tromsoe vom 15. d. M. habe ich mit freudigem Staunen über die Einwirkung des Klimawechsels auf Ausdrucksweise gelesen. Ich hatte den Eindruck, als wäre Ihr Brief von einem Anderem geschrieben, und doch konnte ich nicht eigentlich einen Tropfen fremden Blutes dariu erkennen. Ich bin gerührt, daß Sie sich die Mühe gegeben haben, mich so ausführlich zu belehren, und mein Dank wird dadurch nicht gemindert, daß der größere Theil der freundlichen Belehrung bereits vor Eintreffen Ihres Briefes in Nc. 29 dieses Blattes volle Würdigung gefunden hatte, der kleinere, aber wichtigere Theil nicht ganz zutreffend ist. Um so kürzer darf meine Antwort sein. Wir sind ganz einig darüber, daß das jüdische Krankenhaus so wenig wie ein anderes mit confessioneller Eugeherzigkeit verwaltet werden darf. Ich freue mich mit Ihnen über den starken Percentsatz nichtjüdischer Pfleglinge in unserem Krankenhaus, auf das ich als Mitglied der jüdischen Gemeinde Berlin stolz gewesen bin und gerne auch weiter stolz sein möchte. Daß ich den Percentsatz höher angegeben habe, als Sie, erklärt sich wohl daraus, daß mir die Winterstatistik Vorgelegen hat, während Sie den augenblicklichen Status im Auge hatten. Ich würde mich herzlich freuen, stiege der Antheil der Andersgläubigen an den Wohlthaten unseres Instituts noch erheblich weiter, denn ich bin der Meinung, daß die Berliner jüdische Gemeinde nicht blos das Muster Anderer erreichen, sondern übertreffen und damit beispielgebend sein sollte, unbekümmert um kleinliche Calculationen. Der Ovn «rnp, der damit verbunden ist, erscheint mir werthvoll genug, um selbst eine steuerliche Mehrbelastung auszugleichen. Ich habe Ihnen gelegentlich gesagt, daß die Armenverwaltung nichts taugt, die nicht ein Defizit hat, daß es den Armenpflegern, die in ihrem Amt einen Ueberschuß an Geld behalten, am Besten fehlt: am Herzen. Demgemäß bin ich auch der Ansicht, daß die an sich lobwürdige Fürsorge für den Steuerzahler im vorliegenden Falle zurücktreten muß. Die Ausgabe für die großherzigste Leitung des Berliner jüdischen Krankenhauses ist eine Ehrenausgabe für die jüdische Gemeinde und somit für alle Gemeindemitglieder und entspricht unserer uralten Uebung, wie den ausdrücklichen Gesetzen unserer heiligen Religion. Darum ist es auch in einer anderen Richtung völlig verfehlt, wenn der Herr College, dessen Sache Sie führen, der Engherzigkeit ein Zugeständniß machen und indirect anerkennen will, daß Gemeindemittel eigentlich nur für

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